Über Weltenbürger, Heimat und das große Glück, Deutscher zu sein

Eine spannende Diskussion, die ich in den letzten Wochen immer wieder geführt habe, drehte sich um den Stellenwert eines Zuhauses. Einem Ort, an dem man sich heimisch fühlt, mit dem man Erinnerungen und Emotionen verbindet. Leider endeten diese Gespräche viel zu oft mit Beschwerden über Deutschland.

Vielleicht geht es nur mir so, aber ich lese in letzter Zeit vermehrt darüber, wie unerträglich die politische Lage in Deutschland ist, was so alles gewaltig schief läuft und weshalb wir so schnell wie möglich das Land verlassen sollten. In Kommentaren, auf Facebook und selbst in E-Mails, die mich von Lesern erreichen, ist vom Stasi-Staat, von politischem Versagen und von bürokratischem Spießrutenlauf die Rede.

Mir geht das ehrlich gesagt ziemlich auf die Nerven. Wir alle wollen als digitale Nomaden selbst entscheiden, wo wir leben und uns ein Stück weit unabhängiger von Regierungen machen. So weit so gut, aber sollten wir nicht trotzdem dankbar sein, anstatt uns pausenlos zu beschweren?

Wem es in Deutschland nicht gefällt, der hat ca. 200 gute Optionen. Wer etwas an einer unbefriedigenden Situation ändern will, der sollte das tun, aber bitte nicht in Kommentaren oder im Facebook Newsfeed. Und wem das alles zu viel ist, der sollte ganz einfach keine Nachrichten mehr konsumieren.

Immer mehr Menschen in meinem erweiterten Umfeld haben sich aus verschiedenen Gründen zumindest teilweise von Deutschland getrennt. Sie sind ausgewandert oder ziehen als digitale Nomaden um die Welt. Was bedeutet das für das Gefühl von Zugehörigkeit und Heimat?

 

WER SIND DENN DIESE WORLD CITIZENS UND STAATENLOSEN?

Auch wenn sich einige Menschen noch so sehr als Weltenbürger, Staatenlose oder Perpetual Traveler sehen, sind wir es auf dem Papier dann doch nicht. Es mag ein Gefühl sein, was mit diesen Begriffen verbunden wird, jedoch sind wir alle mit Privilegien geboren worden, mit Traditionen aufgewachsen und besitzen einen Reisepass, der die Zugehörigkeit zu einem Land zeigt.

Auch wenn wir uns an einem Punkt in unserem Leben mit fremden Kulturen mehr identifizieren, als mit der Kultur, in der wir aufgewachsen sind, bleiben wir doch immer deutsche Staatsbürger. Und darüber beschweren sich wohl auch die wenigsten Weltenbürger.

Egal wie sehr mich einige Dinge in Deutschland stören und wie befremdend ich “deutsche Tugenden” wie Pünktlichkeit oder Ordnungsliebe manchmal finde, verspüre ich aber einfach nur Dankbarkeit.

Ich bin dankbar dafür, dass ich das große Glück hatte in einem Land geboren worden zu sein, in dem kostenlose Bildung gewährleistet wird, in dem es ein weitreichendes Sozialsystem gibt und in dem Meinungsfreiheit herrscht. Nicht zuletzt bin ich dankbar dafür, einen Reisepass zu haben, der es mir ermöglicht, in fast allen Ländern der Welt problemlos ein- und auszureisen.

Diese grundsätzlichen Dinge nehmen wir als gegeben hin, ohne sie in Relation mit anderen Ländern zu sehen. Was dann bleibt sind die Beschwerden über die “Probleme”, die man als Deutscher nun mal so hat und die man achso gerne öffentlich kundtut.

Je mehr ich reise und je länger ich im Ausland lebe, desto mehr nehme ich eine andere Mentalität an. Ich fühle mich wohl in Kulturen, die weniger rational sind und sich nicht den ganzen Tag Gedanken um Arbeit, Rente, Geld und Gesetze machen.

In genau diesen Kulturen (Lateinamerika, Südostasien, mediterrane Länder) gibt es dafür ganz andere Probleme. Es herrscht nicht weniger Bürokratie als in Deutschland, sie wird lediglich mit Korruption umgangen. Weniger Regeln werden befolgt, was auch ein weniger geordnetes Zusammenleben bedeutet. Das Plus an Lebensfreude in diesen Ländern bedeutet im gleichen Zug, ein geringeres Maß an Zuverläsigkeit und Integrität.

 

TOD DEN STEREOTYPEN – WILLKOMMEN (MULTI-)LOCALS

In den letzten Sätzen habe ich ganz absichtlich die typischen Stereotypen bedient. Diese Verallgemeinerung, die wir alle so hassen aber doch immer wieder nähren. Unser Gehirn braucht diese Vorab-Kategorisierung wohl einfach, um die ganzen Eindrücke in unserer Umwelt besser verarbeiten zu können.

Hast du dich auf Reisen schon mal einem Ausländer als Deutscher vorgestellt und dann ein leichtes Augenrollen bei deinem Gegenüber bemerkt? Oder hast du kürzlich mit einem Syrer gesprochen und ein vorgefertigtes Bild im Kopf gehabt? Genau das sind die Vorurteile, von denen ich spreche.

Wir sind Deutsche und werden dies auch immer bleiben. Aber natürlich sind wir viel mehr als das. Neben dem Stereotyp sind wir die Gesamtheit unserer Erfahrungen. Wir sind mehr als ein Reisepass. Unsere Vorlieben, Beziehungen und Umstände bestimmen wer wir sind.

Taiye Selasi hat es in ihrem Ted Talk wunderbar ausgedrückt: “Don’t ask where I’m from, ask where I’m a local”. Sie sagt, dass wir dort zu Hause sind, wo wir uns zu Hause fühlen. Dort, wo wir uns mit Traditionen identifizieren, Beziehungen pflegen und Rechte sowie Pflichten haben.

 

Keine Ahnung wie es dir geht aber für mich ist es sehr wichtig, eine Heimat zu haben. Das muss kein gemeldeter Wohnsitz in Deutschland sein und auch keine Eigentumswohnung. Es muss ein Ort sein, auf den ich mich nach einer längeren Reise freue, an dem ich auspacken und zur Ruhe kommen kann.

Wie geht es dir? Wie lange bist du schon Non-Stop unterwegs, ohne zurückzukehren?

Sehr spannend finde ich den Ansatz des Multi-Locals bzw. der Multi-Heimat, der beispielsweise von Tim Chimoy von Earthcity vorgelebt wird. Die Idee dahinter ist, dass es nicht der eine Ort sein muss, an dem man sich zuhause fühlt, sondern eine Homebase an mehreren Orten hat.

Das bedeutet in der Praxis, dass man sich an diesen Orten besonders wohl fühlt, dort noch Sachen eingelagert hat oder sogar ein gekauftes Apartment untervermietet, in das man jederzeit wieder einziehen könnte.

 

Ich hoffe dieser kleine Einblick in meine Gedankenwelt war interessant für dich und freue mich auf deine Meinung dazu.

Was bedeutet Heimat für dich? Warum sorgt dafür, dass du dich an einem Ort wohlfühlst?

Zum Abschluss habe ich noch eine große Bitte an dich: Ich würde mir wünschen, dass du dir etwas Zeit nimmst und darüber nachdenkst, wofür du dankbar bist. Was hat dir das Land ermöglicht, in dem du aufgewachsen bist? Denke an deinen Reisepass, deine Bildung und die staatliche Fürsorge, die ein Großteil der Menschheit so nie erfahren hat/wird.

Bitte mache dir bewusst, was für ein großes Glück es ist, als Deutsche/r geboren zu sein. Ich würde mir wünsche, dass du daran denkst, wenn du dich das nächste Mal dabei erwischst, dich über Nichtigkeiten aufzuregen.

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Michael

Sebastian hat hier wirklich voll ins Schwarze getroffen! 😉

Analoger Digitalist

“Wir sind Deutsche und werden dies auch immer bleiben.” – Ich wurde in Deutschland geboren, meine Eltern waren Deutsch, auf meinem Ausweis steht “Staatsangehörigkeit: Deutsch” und trotzdem war ich niemals “Deutsch”! Unsere Familie hat preußische Wurzeln und auch wenn viele solche Aussagen als Spinnerei abtun, bemerke ich das sehr deutlich! In Deutschland hab ich mich schon immer, also von Kleinauf, “fremd” gefühlt. Ich passte nie wirklich in Deutschland rein und meine Mentalität unterscheidet sich in vielen Punkten sehr von der Deutschen. Am ehesten fühle ich mich den Polen verbunden, was aufgrund der Wurzeln auch nicht verwunderlich ist. Mit einem Großteil der Deutschen komme ich einfach nicht klar und deshalb hatte ich auch schon mehrmals das Land verlassen. Mit jeder ungeplanten Rückkehr wurde mir bewusst, dass ich absolut gar nicht mehr in dieses Land passe und auch nicht mehr dort bleiben will. Über meine “Schulbildung” könnte ich ein Buch schreiben, aber es wäre ein sehr negatives! Wer einmal in seinem Leben in den “Genuß” kam, aufgrund eines verlorenen Jobs Hartz IV beziehen zu müssen, der redet auch selten positiv über das Treiben der Beamten und Ämter. Wer sagt unser Versicherungssystem sei gut, dem ging es anscheinend noch nicht schlecht genug, denn… Mehr lesen »

Anett

Da stimme ich dir voll und ganz zu! Ich bin auch dankbar Deutsche zu sein und dankbar so aufgewachsen zu sein. Das Glück zu haben, dass jedes Kind in die Schule gehen darf, lernen darf, wenn es krank ist behandelt wird… usw du hast es schon sehr gut zusammen gefasst.

Wer sagt das die politische Lage in anderen Ländern erträglicher ist? Das ist leicht zu sagen, wenn man von den Problemen in anderen Ländern nichts weiß. Denn auch im Paradies ist nicht immer alles paradiesischen schön.
Dafür bin ich ebenso dankbar, genau das zu lernen/erleben. Zu sehen mit welchen wirklichen(!) Problemen sich Einheimische auseinander setzten müssen. Ich lebe momentan nicht im Ausland, weil mich Deutschland nervt (außer vlt die Einstellungen mancher Menschen und die Neidgesellschaft), ich fühle mich woanders einfach ebenso Zuhause und genieße dieses einfache Leben. Lerne andere Dinge zu schätzen. Aber ich schließe dennoch nicht aus irgendwann zurück zukehren. Zuhause kann man sich an vielen Orten fühlen, aber Heimat gibt es nur eine.

In Deutschland gibt es Sozialhilfe, eine gesetzliche Krankenversicherung, Arbeitslosengeld, wenig Korruption und ein kostenloses Bildungssystem. In sehr vielen Ländern ist dies nicht so! Natürlich gibt es auch Dinge, die anderswo besser laufen, aber verhungern muss in Deutschland sicherlich niemand!

Lieber Sebastian, toller Artikel, unterschreib das mal zu 100% auch für Österreich. Vor sich hin meckern ist halt immer viel einfach… Ich lebe mittlerweile schon seit mehr als drei Jahren den Großteil des Jahres in Süditalien, bin aber als Unternehmerin in Österreich gemeldet – und das aus gutem Grund. Beispiel Arzt: Ich zahl meine – nicht niedrigen – Beiträge liebend gerne dort ein, denn ich erhalte dafür – europaweit – hervorragenden Service. In Italien sind Zahnärzte zB zu 100% privat zu bezahlen – nicht so lustig wenn man morgens mit Zahnweh aufwacht und dann 400 Euro weniger am Konto hat.
Und von der generellen politischen, sozialen und wirtschaftlichen Lage im Süden möcht ich erst gar nicht anfangen..
Daher: Ich bin “dankbar” dafür, als Österreicherin geboren zu sein und ich bin mir der Privilegien sehr wohl bewusst.

Deutschland ist ein Luxus Land. Kein Land ist so entspannt wie Deutschland.
Leider wissen das die wenigsten zu schätzen.
Man kann einfach mal zum Arzt gehen, muss nichts bezahlen etc. Hat immer ein Dach über den Kopf. Wir sind quasi wie Babys und der Staat ist der Vater und Angela die Mutter….
Wir müssen uns um nichts kümmern….wir leben einfach so hin ….verlieren die Kreativität und sterben …Naja ….Einglück hab ich es früh genug gecheckt 😉
LG

Rolf

Sorry, aber das kann ich so nicht stehen lassen.
Wie kommen Sie darauf, dass man beim Arzt nichts bezahlen muss.?
Die Gesundheitskosten in Deutschland sind weltweit nach den USA und der Schweiz am Höchsten.
Die Krankenkassenbeiträge sind extrem hoch und steigen weiter.
Auf einen Termin beim Facharzt, wartet man in vielen Regionen mehrere Monate und kommt sich selten als Kunde sondern eher als Bittsteller vor.

Juergen

So ist es, es wurde uns nichts geschenkt, wir haben für alles bezahlt, mit Geld und mit unserer Arbeitskraft also unserem Leben. Und wenn wir alt und grau sind und werden weil es die Natur so will krank und müssen in Pflege, dann nimmt uns unser Vaterland auf das wir stolz sein sollten den letzten Cent ab. Die Realität ist mehr knallhart und keine Story für wir leben im Paradies.

Gladstone

“Wem es in Deutschland nicht gefällt, der hat ca. 200 gute Optionen. Wer etwas an einer unbefriedigenden Situation ändern will, der sollte das tun, aber bitte nicht in Kommentaren oder im Facebook Newsfeed.”

Die Äußerung zeigt ein komplettes Unverständnis für das Funktionieren einer demokratischen Gesellschaft. Eine wesentliche der 200 Optionen besteht darin, seine Meinung zum Ausdruck zu bringen, andere von seiner Meinungs zu überzeugen und damit neue Mehrheiten zu schaffen, auf deren Basis ein Politikwechsel möglich ist, um die als unbefriedrigend empfundene Situation zu ändern. Ein Grund, warum es in Deutschland nicht aussieht wie in Uganda ist, dass die Menschen beständig ihre Unzufriedenheit zum Ausdruck bringen.

Heiko

Lieber Sebastian „Wem es in Deutschland nicht gefaellt, der hat ca. 200 gute Optionen. Wer etwas an einer unbefriedigenden Situation aendern will,der sollte das tun,aber bitte nicht in Kommentaren oder im Facebook Newsfeed.Und wem das alles zu viel ist, der sollte ganz einfach keine Nachrichten mehr kosumieren.“ Dem ist nichts hinzu zu fuegen.Ebenso nicht zu der Tatsache,dass wir als gebuertige Deutsche dankbar sein koennen, für das Privileg einen Reisepass besitzen du dürfen, der uns ein grosszuegiges und freiheitliches Reiserecht nahezu garantiert.Ein Wunsch vieler Menschen anderer Nationen – unabhaengig vom finanziellen Aspekt. Deutsche sind tendenziell unzufrieden,jammern und meckern.Wer Kraft zum Jammern hat,dem geht es (noch)zu gut.Dies scheint mir unabhaengig davon zu sein, wo viele von uns leben. So kenne ich Deutsche, die seit ueber 20 Jahren im Ausland leben,unter Umstaenden,die Einheimische der entsprechenden Laender kaum je erreichen werden und was sie tun, ist meckern.Ueber den Neid der lokalen Bevoelkerung, die Bestimmungen der Regierung, das Essen und natuerlich über das Wetter! „Wir sind Deutsche und werden es auch immer bleiben“ schreibst du. Ich habe mich nie wohl oder zu hause gefuehlt in Deutschland,schon als Kind und Jugendlicher nicht,mehr als wie ein an der falschen Adresse zugestelltes Paket. Als ich mit 19 Jahren… Mehr lesen »

Lieber Sebastian, als jemand, der über seine Kinder und die unselige deutsche Schulpflicht bzw vielmehr den Schulzwang dazu kam, sich mit Auswanderungs- und Dauerreisegedanken zu beschäftigen und manches auszuprobieren, standen für uns gleichsam schnell wie “ganz oder gar nicht” diese Fragen an. Da gibt es kein jahrelanges erstmal Austesten, ehe man sich abmeldet, mit deutschem Sozialsystem im Rücken, zumindest nicht auf komplett legalem Wege. Und da stellen sich die Fragen nach “Heimat” und “Zuhause” volle Breitseite, und das nicht nur für einen selbst… Für manche ist es befreiend, für andere luftleerer Raum. “Heimat” kann ein Ort sein, es kann auch ein Gefühl, etwas in einem drin sein. Inzwischen glaube ich persönlich, dass das vor allem Typsache ist, dass manche einfach in sich ortsgebundener sind als andere; wie Du schreibst, dass es wichtig ist, eine Heimat zu haben. Und ja, “where you’re local” ist extrem wichtig. “Where you’re from” würde ich trotzdem nicht vernachlässigen, denn die meisten von uns beeinflusst es doch; sei es in dem, was wir wollen, oder was wir gerade nicht wollen…”Auch wenn sich einige Menschen noch so sehr als Weltenbürger, Staatenlose oder Perpetual Traveler sehen, sind wir es auf dem Papier dann doch nicht. Es mag ein… Mehr lesen »

Angelika

Freiheit bedeutet nicht, alles machen zu können,was man möchte, sondern nichts machen zu müssen, was man nicht will. Ich glaube das verwechseln viele in Deutschland und sind deshalb unzufrieden. Sicher gibt es einiges was besser sein könnte, aber insgesamt sind wir ein sehr privilegiertes Volk und ich bin dankbar dafür. Vielen Dank für deinen Artikel, der mir das nochmal ins Gedächtnis gerufen hat.

Schöner Beitrag und danke für den Diskussionsanstoß. Als explizit erwähnter “Staatenloser” kann ich einige Thesen natürlich nicht unkommentiert lassen. Mehr dazu gibt es in meinen ausführlichen Diskussionsbeitrag hier:
https://www.staatenlos.ch/ueber-das-pech-als-deutscher-geboren-worden-zu-sein/

Hallo Christoph, ich habe deinen Artikel gelesen. und bin mit deinen Thesen allerdings nicht einverstanden. Ich finde es zuerst einmal ironisch, dass du so einen Artikel schreibst, da dir dein Pass und deine Staatsbürgerschaft eigentlich nur so ein freies, „staatenloses“ Leben ermöglichen. Welchen Reisepass hast du denn? Den deutschen oder? Warum kaufts du dir kein anderen, obwohl du darüber schriebst: https://www.staatenlos.ch/die-5-guenstigsten-staatsbuergerschaften-zum-schnellen-kauf/ Und was machst du, wenn du mal (ernsthaft) krank wirst? Lässt du dich dann in Somalia pflegen? Oder in einem deutschen Krankenhaus? Ein Familienmitglied ist mit Mitte 30 an Krebs erkrankt. Viele wissen es nicht, aber eine Chemo kostet 50.000 € / Monat und statistisch gesehen hat jeder 3. in seinem Leben einmal Krebs – Wie zahlst du dann die Behandlung? Welche Krankenkasse übernimmt die Kosten, wenn du nicht einzahlst? Auch denkt man in jungen Jahren nicht an die Rente – doch was machst du dann, wenn du mal alt bist und nicht arbeiten kannst? Reichen da deine 40K Besucher pro Monat? Gibt es das Internet dann überhaupt noch? Seit Jahrzenhnten schimpfen alle auf die Rente – doch sie exisitiert immer noch. Was ist, wenn deine Website crasht, und du von heute auf morgen ohne Einkommen da stehst? Wer… Mehr lesen »

zu deiner ersten Fragen: Home is where you park it 🙂

zu deiner zweiten Fragen: Ich komme immer mehr zu dem Schluss, dass es soetwas wie Nationen und Grenzen gar nicht geben sollte. Wir sind alle Menschen dieser Erde, wir brauchen uns gegenseitig. Wir sind alle eins. In jedem Land, jeder Kultur gibt es Vor- und Nachteile. Die einen haben Geld, die anderen Zeit, die einen sind abgesichert, die anderen dafür glücklicher. Wichtig ist, dass jeder Mensch seine Grundbedürfnisse erfüllen kann. Essen, ein Dach über dem Kopf und Bildung (Chancengleichheit). Solange dies nicht überall auf der Welt gegeben ist, haben wir noch viel zu tun und sollten denen helfen, die weniger Chancen haben als wir selbst. Egal wo. Denn der Vorteil in einem reichen Land geboren zu werden, ist reiner Zufall. Dafür kann man nur dankbar sein, denn es ist nicht der eigene Verdienst.

Alexander

Hallo Sebastian,
danke für den Kommentar: ich sehe das ähnlich. Ich finde das digitale Nomadentum ganz wunderbar und schätze mich glücklich, dass wir über solche Möglichkeiten verfügen – gerade wenn man viel in der Welt rumkommt, müsste aber eigentlich auch klar sein, wie wahnsinnig privilegiert wir sind, uns für einen solchen Lebensstil entscheiden zu können. Es ist leicht, sich von Luxus und Regeln zu verabschieden, wenn man die Wahl hat – und ich finde das auch völlig in Ordnung. Solange man klar hat, dass 99% der Menschheit froh wäre, diese first world problems mit uns zu teilen.
Zum Thema Heimat: Heimat hat für mich etwas damit zu tun, wofür ich Verantwortung übernehme – das kann die Familie sein, die Community in irgendeiner Form oder eine bestimmt Region.
Viele Grüße, Alexander

Rolf Jahnke

Ich finde Deutschland ziemlich Sch…. und genau deswegen bin ich vor 5 Jahren ausgewandert.
Wenn ich sehe was gerade in Deutschland abgeht, bin ich froh diesen Schritt getan zu haben.

“Neben dem Stereotyp sind wir die Gesamtheit unserer Erfahrungen.” Schon alleine für diesen Satz danke ich Dir! Ich komme aus dem schönen Bayern und ich weiß, dass jetzt auch viele (fürgewöhnlich aus Rest-Deutschland 😉 ) die Augen rollen. Provinzler ist noch das netteste, was man als Bayerin so zu hören bekommt. Aber ich finde mein Bundesland schön und fühle mich ihm auch verbunden. Das kann jemand aus Niedersachsen vielleicht nicht verstehen, muss er aber auch nicht 🙂 Ich bin dankbar für die Chancen und Möglichkeiten, die ich als Bürgerin dieses sehr privilegierten Landes habe. Bewusst geworden, welche Privilegien ich da eigentlich genieße, ist mir im Juli, als wir mit dem Auto nach England gefahren sind. Während wir bei wunderschönstem Sonnenschein in unserem klimatisierten Auto subtile Grenze um Grenze passierten und nur merkten, dass wir in einem neuen Land angekommen sind, als uns Schilder darauf hinwiesen und der Handyanbieter wechselte, starb ein Mann beim Versuch, auf den Eurotunnel aufzuspringen. Unsere Pässe (deutsch und österreichisch) wurden für Sekunden inspiziert, wenn überhaupt. Barrieren waren für uns keine zu spüren, aber außerhalb der stacheldrahtbewehrten Zäune liefen müde Menschen auf der Suche nach einem Schlupfloch an den Gleisen auf und ab. Wir wissen gar nicht,… Mehr lesen »

Oh man, war ja klar, dass direkt ein solcher Kommentar kommen muss. Davon bin ich mittlerweile echt genervt. Natürlich ist nichts umsonst. Und ja man muss in Deutschland Steuern zahlen, wovon dann solche Dinge wie Bildung bezahlt werden. Und? Ist das was schlechtes? Seh ich nicht so. Ich empfinde Deutschland als eine große Gemeinschaft, die für einander einsteht. Niemand in Deutschland ist arm, wenn man es mit dem globalen Standard vergleicht. Alle klagen auf echt hohem Niveau. Ich bin dankbar, dass ich in Deutschland geboren und aufgewachsen bin. Ich bin gebildet und kann mich als Entreprenuer austoben und durch die Welt reisen, weil ich in Deutschland ein sicheres soziales Netz habe, dass mich im größten Notfall auffangen würde. Als Deutscher hat man weltweit ein ziemlich gutes Ansehen und muss sich nicht mit Rassisten auseinander setzten. (Ausnahmen bestätigen die Regel.) Wir haben Luxusprobleme in Deutschland und das ewige Klagen hat mich aus Deutschland vertrieben. Aber es ist nicht besser, wo ich jetzt lebe, nur anders. Denn bitte sag mir doch mal: In welchem Land wärst du lieber geboren?

Marc

“Niemand in Deutschland ist arm, wenn man es mit dem globalen Standard vergleicht” Erzähl das mal den Rentern die 45 Jahre hart gearbeitet haben.^^
Gegen deine Existenzsorgen gibts private Versicherungen.
Man sollte ein gutes Ansehen wegen seinem Charakter wohl eher haben oder? Und nicht ob Deutsch/Ami/Aussie usw.
Ich wäre lieber in einer freien privaten marktwirtschaftlichen Welt geboren worden.

Jan

Jeder deutsche Rentner hat ein Dach über dem Kopf und genug zu Essen… das ist viel mehr als große Teile der Weltbevölkerung!

Finn

Sehr guter Artikel!!!

Das ist ein deutsches Problem, auch wenn ich oft meckere. Dennoch wir leben in dem bestmöglichen Land. Ich bin für vieles dankbar.

Grüße Finn

Marc

Es gibt nix kostenlos. Auch keine Bildung. Überleg mal wer, die Bildung bezahlt hat, die für dich “kostenlos” war. Ein Tip es war nicht der Staat, der hat nämlich kein Geld. 😉