WLAN auf Reisen: So einfach bist du überall auf der Welt online

In Sachen mobilem Internet hat sich im letzten Jahrzehnt wahnsinnig viel getan. Die Preise sind deutlich gesunken und die Verbindungen werden jedes Jahr besser. Weltweiten Internetzugang zu vernünftigen Kosten bekommst du heute trotzdem noch nicht über Ballons, Dronen oder Google Fi, sondern über die gute alte SIM Karte.

Als mich vor ein paar Wochen ein französischer Reisender gefragt hat, ob ich ihm ein gutes Cybercafé in Chiang Mai empfehlen kann, musste ich dreimal nachfragen, was damit gemeint war.

Seit ich 2006 erstmals für längere Zeit im Ausland unterwegs war, habe ich nie wieder ein Internetcafé genutzt und bin davon ausgegangen, dass diese schon längst ausgestorben sind. Schließlich ist der Internetzugang mit dem eigenen Smartphone oder Laptop deutlich flexibler, bequemer und kostengünstiger.

Je nachdem, wo du dich in der Welt aufhältst, gehen zwar sowohl Geschwindigkeiten als auch Gebühren für die mobile Internetverbindung stark auseinander, sind aber in der Regel deutlich günstiger als diese ominösen Cybercafés aus den 90er Jahren.

Hier die Kurzversion, wenn du eine schnelle Antwort suchst: es gibt nur zwei wirklich sinnvolle Möglichkeiten, um weltweit online zu bleiben:

  1. die stationäre Breitband- oder WLAN-Verbindung über öffentliche Netzwerke und
  2. das mobile Internet über eine SIM Karte (am besten eine lokale, vor Ort gekaufte Prepaid SIM Karte)

Ja, es gibt all diese hochgelobten Optionen von Facebooks Internet Drohnen in Afrika bis hin zu Project Fi von Google. Das sind super Ansätze, die in eine gute Richtung gehen, in 2017 aber einfach noch unpraktikabel oder unverhältnismäßig teuer sind.

 

1. Kostenloses WLAN über stationäre Netzwerke

Die einfachste Lösung für WLAN im Ausland ist die stationäre Verbindung in Hostels und Hotels, die meist einen kostenfreien Internetzugang anbieten. Um auf Nummer sicher zu gehen, solltest du beim Buchen auf diversen Plattformen bereits im Vorhinein danach Ausschau halten. Verlasse dich dabei nicht unbedingt auf die Beschreibung des Hotels, sondern eher auf Bewertungen anderer Gäste.

Neben den Unterkünften gibt es heutzutage in jedem noch so kleinen Ort in der Welt Cafés und Restaurants mit WLAN, das kostenlos (bzw. für den Preis eines Getränks oder Essens) genutzt werden kann. Schaue am besten vor deiner Bestellung in deinem Smartphone, ob der jeweilige Ort ein Netzwerk anbietet. Starbucks, Lavazza oder Coffee Company sind auf jeden Fall sichere Wetten auf der ganzen Welt.

Weitere Orte, an denen es oft eine kostenlose Internetverbindung gibt, sind Bibliotheken, Shopping Center, Bars oder Coworking-Spaces. Zum Aufspüren von WLAN-Netzwerken gibt es kostenlose Smartphone Apps, die dir alle verfügbaren Hotspots in deiner Nähe anzeigen (oft bereits mit Passwörtern für den Zugang). Alle Apps können die Daten für ausgewählte Regionen auch herunterladen und damit offline verfügbar machen.

  • Avast WLAN-Finder: das Internet-Sicherheitsunternehmen zeigt sichere und schnelle WLAN-Netze in der unmittelbaren Umgebung an.
  • Wiffinity: ähnlich wie die Avast App, ein wenig schicker vom Design her und mit automatischer Herstellung einer Verbindung zu öffentlichen WLAN-Netzwerken.
  • Wi-Fi-Finder und Speedcheck: in der kostenlosen Version mit Werbung, dafür mit Angaben zum Upload- und Download-Speed
  • Ookla Speedtest App: die beste mobile App zum Test der aktuellen WLAN- oder mobilen Internetverbindung.

 

Breitband Internet Download Speed in 2017 (in Mbit/s)

Die Daten zum Internet Speed sind vom August 2017 und stammen aus dem Speedtest Global Index von Ookla, der aus täglich rund 5 Millionen Speedtests durch Nutzer Daten gewinnt und aufbereitet.

 

 

 

2. Mobiles Internet für das Smartphone über die SIM Karte

Wenn du auch außerhalb von öffentlichen Netzwerken surfen möchtest, dann gibt es nur einen vernünftigen Weg: die Prepaid SIM-Karte mit Datenvolumen. Das mag sich durch günstiger werdendes Internet per Satellit, Drohnen oder Ballons ändern, ist aber in 2017 noch nicht der Fall.

Besonders außerhalb der EU solltest du keinesfalls deinen heimischen Mobilfunkanbieter nutzen, um mit dem Handy online zu gehen. Durch das allseits bekannte Roaming kann dies echt teuer werden.

Roaming bedeutet, dass du aus einem fremden Mobilfunknetzwerk heraus Anrufe tätigst und annimmst oder Daten (Internet) sendest und empfängst. Das kommt vor allem dann vor, wenn du dich im Ausland befindest.

Die Gebühren, die von Mobilfunkanbietern erhoben worden, waren lange Zeit unverschämt hoch. Für den europäischen Raum (EU/EWR) wurden deshalb Höchstgrenzen beschlossen, die seit 2008 schrittweise umgesetzt wurden. Seit dem 15.06.2017 wurden die Roaming-Gebühren in der EU endgültig abgeschafft. Das bedeutet, dass Mobilfunkanbieter innerhalb des EWR (28 EU-Mitgliedsstaaten plus Liechtenstein, Norwegen und Island) die gleichen Preise für Telefonie und Internet anbieten müssen, wie im Heimatnetz.

Eine Ausnahme basiert auf der sogenannten “Fair-Use-Regelung” (Regelung der angemessenen Nutzung), womit die dauerhafte Nutzung eines günstigeren ausländischen Tarifs im Wohnsitzland verhindert werden soll. Die Regelungen werden von den Anbietern festgelegt, unterliegen jedoch durch die EU vorgegebenen Höchstgrenzen (je Gigabyte 7,70 € ab 15.06.2017, 6 € ab 2018 bis schrittweise runter auf 2,50 €  in 2022).

Achtung: Die Roaming-Vereinbarung gilt nur innerhalb des EWR, nicht aber in der Schweiz, Monaco, Andorra und generell nicht auf Schiffen oder in Flugzeugen. Außerhalb Europas sind Roaming-Gebühren immer noch verdammt hoch.

Solltest du dich vor allem im europäischen Ausland aufhalten, kannst du dein gebuchtes Datenpaket einfach weiter nutzen oder dich nach Zusatzoptionen für Reisetarife deines heimischen Anbieters umschauen. Da seit der neuen Roaming-Verordnung einige Mobilfunktarife die Nutzung von Datenvolumen in ausländischen Netzen komplett ausschließen oder beschränken, solltest du bei der Auswahl deines Tarifs aufmerksam das Kleingedruckte lesen.

Wenn du dich für mehrere Tage im außereuropäischen Ausland aufhältst, dann lautet die bessere Alternative für mobiles Internet, eine lokale Prepaid SIM Karte in dem jeweiligen Land zu kaufen. Diese gibt es meist an Flughäfen, in kleinen Convenience Stores oder direkt bei den Mobilfunkanbietern. In der Regel ist die SIM Karte an sich gratis und für einen Preis um die 10 Euro erhältst du ein Datenpaket für einen begrenzten Zeitraum. Da die Verbindungspreise lokal sind, fällt dies natürlich nicht unter Roaming. Der beste Anlaufpunkt für Recherchen zu lokalen SIM Karten ist das Prepaid Data SIM Card Wiki.

Du kannst dir die lokale SIM Karte auch bereits vor dem Abflug bestellen, bezahlst dafür aber mindestens den doppelten Preis und bekommst mit Sicherheit auch nicht die besten Tarife. Auch international gültige SIM Karten sind eine Option, wenn du ständig das Land wechselt, für mich aber aufgrund der vergleichsweise hohen Preise keine echte Alternative zu lokalen Prepaid SIM Karten.

 

Mobiles Internet Download Speed in 2017 (in Mbit/s)

Die Daten zum Internet Speed sind vom August 2017 und stammen aus dem Speedtest Global Index von Ookla, der aus täglich rund 5 Millionen Speedtests durch Nutzer Daten gewinnt und aufbereitet.

 

 

Mobiles Internet auf dem Laptop

Mit einer lokalen oder internationalen SIM Karte hast du nun zwar eine Internetverbindung auf deinem Smartphone, jedoch nicht auf dem Laptop und anderen mobilen Geräten. Zum Lesen von E-Mails oder des Facebook Newsfeeds mag das noch reichen, wenn du allerdings von unterwegs aus arbeiten möchtest, ist das nicht genug.

Auch hier gibt es zwei Möglichkeiten, wie du über eine SIM Karte auch auf dem Laptop eine Internetverbindung herstellen kannst, und damit tatsächlich am Strand arbeiten könntest (was nicht zu empfehlen ist). Zum einen funktioniert das mit Hilfe eines Surfsticks oder mobilem Modem und zum anderen über die Nutzung des Smartphones als Hotspot.

 

Mobiles Internet über Surfstick, WiFi Dongle oder mobiles Modem

Surfsticks oder WiFi Dongle sehen aus wie ein kleiner USB-Stick, in den jede beliebige SIM Karte eingelegt und dann in den Laptop eingesteckt werden. Es gibt Anbieter mit speziellen Verträgen oder Prepaid Tarifen für Surfsticks, welche deutlich günstiger sind als die normalen Telefontarife. Natürlich kannst du auch einfach deine normale SIM Karte mit Datenvolumen nutzen.

Beim Kauf des Surfsticks solltest du darauf achten, dass dieser die Daten auch in der gleichen Geschwindigkeit abrufen kann, wie es deine SIM Karte erlaubt (z.B. 3,6 Mbit/s oder 7,2 Mbit/s). Eine hochwertige Alternative dazu sind mobile Modems, die schnellere Geschwindigkeiten erlauben und ein eigenes WLAN-Netzwerk für mehrere Personen herstellen können (was im Grunde auch dein Smartphone kann).

 

Smartphone als Hotspot für den Laptop nutzen

Alle mir bekannten Smartphones, die nach 2014 hergestellt wurden, sind Tethering-fähig. Das bedeutet, dass dein Smartphone als WLAN-Router (Hotspot) für deine und mobile Geräte von Freunden dienen kann.

Um dein Handy als mobilen Router zu nutzen, schaltest du in den Einstellungen deines iPhone, Android oder Windows Handy den mobilen Hotspot ein und verbindest das Smartphone entweder via USB-Kabel, Bluetooth oder WLAN mit dem mobilen Gerät deiner Wahl (konkrete Anleitungen zur Herstellung der Verbindung).

Zumindest als vorübergehende Lösung ist dies eine super Alternative, da es schnell einzurichten ist und du keine extra SIM Karte für den mobilen Router oder Surfstick besorgen brauchst. Beachten solltest du beim Arbeiten über den Hotspot, dass dies den Akku des Handys stark beansprucht und der Laptop deutlich größere Datenmengen frisst, als das kleine Smartphone.

 

Schlussbemerkung: Sicher surfen mit einem VPN-Netzwerk

Vor allem wenn du ein öffentliches WLAN-Netzwerk nutzt, solltest du die Sicherheit deiner Geräte und Daten im Auge behalten. Freigaben für das Netzwerk sollten geschützt werden (öffentliche Ordner, Bilder und andere Dateien) und das eigene WLAN über den Hotspot oder mobilen Router natürlich immer mit einem Passwort versehen werden.

Wenn du sensible Daten, vor allem Passwörter und Kreditkartendaten, über öffentliche Netzwerke sendest, sollte das unbedingt über einen VPN-Zugang geschehen. Die Daten werden damit verschlüsselt über einen Server in einem Land deiner Wahl gesendet. Neben der Sicherheit kannst du so recht anonym surfen und auf Seiten oder Videos zugreifen, die in manchen Ländern anhand der IP-Adresse geblockt werden.

Ich habe in den letzten Jahren bestimmt ein Dutzend kostenfreie und kostenpflichtige VPN-Anbieter ausprobiert. Total zufrieden bin ich bisher nur mit Betternet gewesen, das zuverlässige VPN-Verbindungen herstellt, für alle Geräte und Plattformen verfügbar ist und sowohl kostenlos mit Werbeeinblendungen als auch als Premium-Version zu haben ist.

 

Mit diesen Tipps solltest du die Verbindung auch im Ausland nicht mehr verlieren und sicher surfen. Manchmal solltest du dich allerdings auch einfach daran erfreuen, kein Internet zu haben und dich völlig auf die wunderbare Offline-Welt um dich herum konzentrieren.

Wie bleibst du im Ausland online? Hast du noch gute Tipps für uns?

Danke für 11 Kommentare

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11 Kommentare zu "WLAN auf Reisen: So einfach bist du überall auf der Welt online"

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