Sind alle Schwäne weiß? Über kritisches Hinterfragen, Selbstreflexion und Zielerreichung

Marvin Nowozin schreibt in seinem Buch “Sind alle Schwäne weiß?” über kritisches Hinterfragen und Querdenken. Mit vielen persönlichen und fremden Beispielen inspiriert er dazu, gegebene Tatsachen in Frage zu stellen. In diesem Gastbeitrag schreibt er über einen strukturierten Prozess zur Zielerreichung mit Hilfe von Selbstreflexion.

Als Marvin mich vor ein paar Monaten fragte, ob ich Interesse daran habe, einen Gastbeitrag zu seinem Buchprojekt beizusteuern, habe ich dankbar angenommen. Schon allein der Titel “Sind alle Schwäne weiß?” hat dafür den Ausschlag gegeben. In seinem Buch möchte der Jungautor zum Querdenken und kritischen Hinterfragen anregen, was ihm dank vieler Beispiele sehr gut gelungen ist.

Es braucht ganz einfach nur diesen einen schwarzen Schwan, um eine Tatsache, die lange Zeit als absolute Wahrheit feststand, in Frage zu stellen. Wir halten selbst viel zu oft an Annahmen fest, die genauso falsch sind, wie die Welt keine Scheibe ist. Kritisches Hinterfragen sollte also ein fester Bestandteil deines “Betriebssystems” sein.

Ich freue mich, dass Marvin mit diesem Gastbeitrag seinen Prozess zur Zielerreichung mit uns teilt und damit einen kleinen Vorgeschmack auf das Buch gibt.

Also, Vorhang auf für Marvin …

 

Welche Ziele setzt du dir persönlich in deinem Leben? Ganz egal, ob du einen köstlichen Mojito auf Koh Samui schlürfen oder die nächste Unicorn Company in Berlin aus den Boden stampfen willst. Es geht darum, sich Ziele im Leben zu setzen und an diesen Zielen festzuhalten, denn genau darum geht es im Leben doch, oder etwa nicht?

Wenn ich über Zielerreichung spreche, gibt es für mich immer eine notwendige Voraussetzung, und zwar Selbstreflexion. Was möchte ich in meinem Leben erreichen? Befriedige ich momentan nur die Wünsche der Gesellschaft oder ziehe ich mein eigenes Ding durch? Wer oder was beeinflusst mich in meiner Entscheidungsfindung?

Genau mit diesen Themen beschäftige ich mich seit geraumer Zeit. Nach meinem Studium zog es mich in die Logistikbranche, sodass ich seit knapp 18 Monaten ein Traineeprogramm bei einem amerikanischen Logistikdienstleister mache – und das macht mich glücklich. Doch fangen wir erst einmal damit an, was das mit Zielerreichung und Selbstreflexion zu tun haben soll.

Kurz nachdem ich meinen Job im Unternehmen begonnen habe, gründete ich gemeinsam mit knapp dreißig weiteren Millennials eine Fokusgruppe, die sich auf die Fahnen schreibt, innovative Ideen ins Unternehmen zu bringen und an diesen zu arbeiten. In unserem Kick-Off-Meeting diskutierten wir über sämtliche Themen, die uns emotional berühren.

Der Begriff „Work-Life-Balance“ fiel dabei so oft, dass ich mir mehr und mehr Gedanken über die eigentliche Bedeutung machte. Schließlich schrieb ich einen Beitrag in einem Karriereportal darüber, warum „Work-Life-Balance“ in meinen Augen etwas Kurioses ist. Die Arbeit und (das) Leben ins Gleichgewicht bringen? Für mich macht das irgendwie keinen Sinn.

Jedenfalls machte ich mir ab diesem Zeitpunkt noch viel mehr Gedanken über Dinge, die mir von meinem Umfeld als Gegeben verkauft wurden. Ich fing an, unterschiedliche Themen mehr und mehr zu hinterfragen. Die Frage, ob alle Schwäne weiß sind, wirst du sicherlich schnell verneinen.

Doch in unserem Leben existieren ähnliche Fragen, die wir nicht selbstständig beantworten, sondern die Meinung der Gesellschaft kopieren. Ganz egal, ob es Konstrukte in unserem Leben sind (wie zum Beispiel Ländergrenzen, Geld und Staatsformen) oder aber Themen wie Selbstverwirklichung und Co. – kritisch hinterfragen lassen sich so viele Bereiche in unserem Leben.

Meine Gedanken zu diesem Thema habe ich letztendlich in einem Buch mit dem Titel „Sind alle Schwäne weiß?“ zusammengefasst, welches kürzlich veröffentlicht wurde. Als nächstes möchte ich dir beispielhaft an meinem Buchprojekt zeigen, welche Punkte du im Hinblick auf Zielerreichung unbedingt beachten solltest:

 

1. SETZE DIR ZIELE

Bevor du dir Gedanken über deine Zielerreichung machen kannst, bedarf es einer notwendigen Bedingung: der Zielformulierung. Wir ernten nun mal, was wir säen. Was also nicht gesät wird, kann anschließend auch nicht geerntet werden. Sei dir darüber im Klaren, was du erreichen möchtest. Setze dir Prioritäten und sei dir deiner Kapazitäten, welche dir für die Erreichung deines Ziels zur Verfügung stehen, bewusst.

Je langfristiger dein Ziel ist, desto mehr Sinn macht es, sich Meilensteine zu setzen, welche als Teilziele fungieren. Diese werden dir regelmäßig das Gefühl geben, einen Schritt weiter gekommen zu sein. In der Realität wirst du womöglich mehrere Ziele gleichzeitig verfolgen. Achte darauf, dass sich diese Ziele nicht widersprechen, sondern bestenfalls gegenseitig unterstützen.

Mit meinem Buch war das relativ simpel: Ich habe mir ohnehin Gedanken über verschiedene Bereiche in meinem Leben gemacht und Spaß daran gefunden, diese zu kommunizieren. Mein Ziel lautete schließlich: Teile deine Sichtweisen, kommuniziere diese und inspiriere dein Umfeld auch kritischer über Verschiedenes nachzudenken. Voila.

2. IDENTIFIZIERE DEINE RESSOURCEN

Sobald du dein Ziel vor Augen und dieses definiert hast, solltest du dir Gedanken darüber machen, welche Ressourcen dir zur Verfügung stehen. Du möchtest Mojito auf Koh Samui verkaufen? Dann solltest du mindestens ein One-Way-Ticket, Kenntnisse über das Mixen von Cocktails sowie ein Ladenlokal und ein paar unternehmerische Fähigkeiten besitzen. Schon bei der Zieldefinition solltest du die dir zu Verfügung stehenden Ressourcen kennen, sodass dein Ziel auch tatsächlich erreichbar ist.

Ressourcen für mein Buch? Das war relativ einfach: Ich brauchte nur ein Werkzeug, um meine Gedanken zu „Papier“ zu bringen. In diesem Fall war es mein Laptop.

3. DENKE GROß UND LASS DIR HELFEN

Dein privates oder berufliches Umfeld suggeriert dir, dass dir für deine Zielerreichung die benötigten Ressourcen fehlen? Neider, die dir deinen Erfolg nicht gönnen und dich davon überzeugen wollen, dass du dein Ziel niemals erreichen wirst, wird es immer geben.

Erinnere dich daran, dass es eine einzige Person benötigte, um den Rest der Menschheit davon zu überzeugen, dass die Erde keine Scheibe ist. Solange du das Vertrauen in dich selbst nicht verlierst, wirst du auch dein Ziel nicht aus den Augen verlieren. Löse dich von starren Denkmustern und akzeptiere niemals den Status quo. Als eine „Ein-Mann-Armee“ wirst du aller Voraussicht nach niemals dein Ziel erreichen. Umgib dich deshalb mit Personen, die dir Kraft schenken und an dich glauben. Nutze die Energie von Neidern zu deinem eigenen Vorteil.

Auch während meines Schreibprozesses stieß mein Plan auf viel Zuspruch – gleichzeitig gab es aber auch einige Freunde, die ihre Augen verrollten, als sie von meiner Idee gehört haben. Den größten Ansporn gaben mir tatsächlich diejenigen, die nicht wirklich an meinen Plan glaubten.

4. RICHTE DEIN LEBEN NACH DEINEM ZIEL AUS

Fokussiere dich auf dein Ziel. Meide Situationen, welche der Erreichung deines Ziels schaden könnten. Stell dir vor, du modellierst dein Leben mit Hilfe eines Kartenhauses. Dabei stellt die unterste Ebene dein Ziel dar. Jedes weitere Geschoss baut auf deinem Ziel auf. Alles was du tust, richtet sich folglich nach deinem Ziel. Es ist das Fundament, das alles zusammenhält und ohne das die anderen Geschosse nicht existieren könnten. Nimm dir am Tag wenigstens ein paar Minuten Zeit, um dich selbst zu hinterfragen, ob dich dein tägliches Handeln zur Zielerreichung führt.

In Bezug auf mein Buch war das relativ einfach. Klar, ich ging nicht stundenlang am Tag durch die Straßen und redete mir ein, heute wieder ein paar Seiten zu schreiben. Aber ich dachte in schier jeder Situation über verschiedene Dinge nach und wie ich diese anschaulich kommunizieren kann.

5. TEILE DEINE ZIELE

Einen kräftigen Motivationsschub verschafft dir das Teilen deines Zielvorhabens. In schwachen Momenten, in denen du dein Ziel aus den Augen verlierst, wird dich dein Umfeld daran erinnern und dir die nötige Motivation geben, fokussiert zu bleiben. Diese Motivation kann sich einerseits in Lob, andererseits auch als Druck äußern. Ganz egal: Je mehr Leuten du von deinem Vorhaben berichtest, desto fokussierter blickst du in Richtung Ziellinie. »Der Weg ist das Ziel« zählt in diesem Kontext nicht!

Ich habe oft über mein Buchprojekt gesprochen, es relativ früh in den sozialen Medien gestreut. Dadurch erhielt ich unglaublich viel Zuspruch und freute mich bereits, dass meine Zeilen künftig andere Menschen inspirieren können.

6. SEI EHRLICH ZU DIR SELBST

Bist du in einer festen Partnerschaft? Die Beantwortung dieser Frage nehme ich dir ab, denn sie lautet Ja. Auch wenn du im Moment keinen Partner in einem anderen Menschen hast, ist es dein inneres Ich. Dieser Partner begleitet dich bereits seit deiner Geburt und wird dich noch dein ganzes Leben begleiten. Dein inneres Ich ist dein strengster Richter, dem du nichts verheimlichen solltest.

Natürlich kannst du zu dir selbst unehrlich sein und damit Problemen aus dem Weg gehen. Oft erscheint unser Leben einfacher und angenehmer, wenn wir vor unseren Problemen eine Barrikade errichten und diese aus dem Gedächtnis verbannen. Loswerden wird man diese dadurch jedoch nicht. Wahrscheinlich kehrt das schlechte Gefühl, früher oder später, noch viel stärker zurück. Dein inneres Ich ist aber nicht nur dein strengster Richter, es kann zugleich auch dein motivierender Coach sein. Belohne dich also auch einmal, wenn du ein gewisses Teilziel erreicht und Durchhaltevermögen bewiesen hast.

Ich persönlich bin sehr ehrlich mit mir selbst und meinem Projekt umgegangen und habe mir stets Hilfe gesucht, wenn ich einmal nicht weitergekommen bin.

7. STARTE JETZT

Aufgeschoben ist nicht aufgehoben. Du hast dir bereits ein Ziel gesetzt, welches du unbedingt erreichen willst? Wenn du diese Frage mit Ja beantworten kannst, existiert kein Grund, warum du dein Vorhaben nicht sofort in die Tat umsetzen solltest. Besonders zu Beginn deines Vorhabens sollte deine Motivation riesengroß sein. Bevor diese mit der Zeit wieder verpufft, solltest du sofort Initiativen ergreifen, die dich zum Ziel führen werden.

Ein Raucher, der zu einem vordefinierten Zeitpunkt sein Laster loswerden möchte, wird mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht erfolgreich sein. Aus unterschiedlichen Gründen ist die Motivation später nicht mehr dieselbe. Wenn du Punkt 6 beachtest und ehrlich zu dir selbst bist, gibt es keinen triftigen Grund, warum du nicht jetzt durchstarten solltest. Hör auf, nach Ausreden zu suchen und spring jetzt auf die Lokomotive, die dich zu deinem Ziel bringen wird. Ob sich erneut eine solche Möglichkeit ergibt, ist ungewiss. Kleiner Tipp: Der eine, perfekte Start existiert nicht!

Nachdem ich meinen Beitrag über die kuriose „Work-Life-Balance“ in einem Karriereportal geteilt habe, war mir sofort klar, dass ich meine Gedanken künftig teilen muss. Es hat nicht lange gedauert, bis ich die ersten Seiten für mein Buch fertiggestellt habe.

8. SCHREIBE DEINEM 80-JÄHRIGEN ICH

Ich persönlich bin kein großer Fan davon, seine Ziele zu verschriftlichen, Checklisten anzulegen oder den Prozess seiner Zielerreichung an einem seltsamen Ampelsystem zu messen. Setze ich mir ein Ziel, welches ich unbedingt erreichen will, verankert sich dieses so fest in meinen Gedanken, dass ich es nie wieder vergessen werde. Das passiert zwangsläufig, wenn du Punkt 4 beachtest.

Es geht auch etwas kreativer: Berichte deinem zukünftigen Ich von deinen Plänen. Notiere dein konkretes Zielvorhaben, deine Motivation und alle Schritte, welche für deine Zielerreichung notwendig sind. Zum einen wirst du dich jederzeit daran erinnern, dass du ehrlich zu dir selbst sein solltest und Motivation in deinem inneren Ich findest (Punkt 6). Zum anderen hast du später einen schriftlichen Beleg für deinen Erfolg.

Das 80-jährige Ich eignet sich als Adressat besonders dann, wenn es um langfristige Ziele geht, die du in deinem Leben unbedingt erreichen möchtest. Später wirst du auf dein Leben zurückblicken und stolz auf dich sein. Das Alter des adressierten Ichs muss daher für jedes Ziel individuell angepasst werden. Es sollte also nur so weit in der Zukunft liegen, wie du für deine Zielerreichung benötigst.

9. BLEIB AM BALL

Diese Überschrift kannst du fast wörtlich nehmen. Stell dir vor, du formst einen kleinen Schneeball und rollst diesen einen verschneiten Abhang hinunter. Am Anfang musst du noch sehr viel Kraft investieren, da der kleine Schneeball ansonsten auf der Stelle liegen bleibt. Mit jedem gewonnenen Zentimeter, den der Schneeball zurücklegt, gewinnt er gleichzeitig an Volumen. Je größer er wird, desto weniger Kraft musst du selbst investieren, bis er irgendwann von ganz alleine den Abhang runterrollt und dabei immer schneller wird.

Dieses physikalische Phänomen namens Momentum ist ausschlaggebend für deinen Zielerfolg. Besonders zu Beginn deines Zielerreichungsprozesses musst du dir deines Momentums bewusst werden. Ziele sind häufig das auf dem Seitenstreifen stehen gebliebene Auto, welches partout nicht mehr anspringen will. Möchtest du das Auto zur 200 Meter entfernten Raststätte schieben, musst du anfangs extrem viel Kraft aufwenden. Hat sich das Auto jedoch erst einmal in Bewegung gesetzt, also mehr und mehr Momentum aufgebaut, kannst du die von dir aufgebrachte Kraft verringern. Das Auto rollt von selbst.

Momentum motiviert uns, besonders zu Beginn viel Kraft und Mühe aufzuwenden, um den „Ball“ erstmal ans Rollen zu bringen. Rede dir nicht ein, dass der Weg zu deinem Ziel anfangs zu steinig ist. Behalte dein Ziel im Auge und du wirst es schneller erreichen als du denkst.

Mein Buch habe ich auch nicht binnen zwei Wochen geschrieben. Ein „professioneller“ Schriftsteller hätte das vielleicht gekonnt. Doch ich habe mich nicht entmutigen lassen und Woche für Woche mehr Gedanken zu „Papier“ bringen können. Es war ein unglaubliches Gefühl immer ein Stück weiter gekommen zu sein.

 

Wenn du mehr zum Thema „kritisches Hinterfragen & Querdenken“ erfahren möchtest, lade ich dich ganz herzlich dazu ein, meine Website www.marvinnowozin.de zu besuchen. Auch Sebastian hat mit seinen Erfahrungen und einem kleinen Beitrag zu diesem Buch beigetragen, wobei ich mich an dieser Stelle noch einmal bei dir, Sebastian, für deinen Input bedanken möchte. Ich würde mich riesig darüber freuen, wenn ich den einen oder anderen von euch auch zu mehr Selbstreflexion inspirieren könnte.

 

Über den Autor:

Inspiriert durch sein Studium der Wirtschaftswissenschaften veröffentlichte Marvin Nowozin im Januar 2017 sein erstes Buch “Sind alle Schwäne weiß?: Inspirationen zum kritischen Hinterfragen & Querdenken”. Sowohl im Studium als auch in seiner Freizeit beschäftigt sich der junge Autor mit unterschiedlichen Themen rund um Entrepreneurship, Innovationsmanagement und Managerial Economics. Dabei interessiert ihn vor allem, warum und wovon sich Menschen in ihrem alltäglichen Leben beeinflussen lassen.

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