Wann du ein Gewerbe anmelden musst und wie einfach es geht

Du verdienst nebenbei etwas Geld im Internet und bist dir nicht sicher, ob du ein Gewerbe anmelden musst und wie sich das mit den Steuern verhält? Ich habe mich lange mit dem leidigen Thema beschäftigt, weshalb ich dir sicher einige gute Tipps dazu geben kann.

Hinweis: Zu diesem Thema gibt es einen ausführlichen, aktuellen Beitrag: Existenzgründung im Internet

Ich möchte darauf hinweisen, dass ich weder ein Steuerberater, noch ein Gründungsexperte bin. Ich bitte dich also darum, diese Informationen kritisch zu betrachten und dich bei Bedarf noch anderweitig zu informieren.

Grundsätzlich haben wir in Deutschland zwar die Gewerbefreiheit, dennoch muss jede Aufnahme einer gewerblichen Tätigkeit angemeldet werden. Die Höhe der Einkünfte und die Art der Tätigkeit spielen dabei erst einmal keine Rolle.

 

Ab wann führst du ein Gewerbe?

Diese Frage ist im Einkommensteuergesetz relativ klar geregelt. Nach §15 Abs. 2 EStG liegen Einkünfte aus einem Gewerbebetrieb dann vor, wenn:

  • selbständig (auf eigene Rechnung und Gefahr),
  • nachhaltig (wiederholende Tätigkeit) und
  • mit Gewinnerzielungsabsicht (gezieltes Einkommen, das Aufwendungen übersteigt)
  • am allgemeinen wirtschaftlichen Verkehr (Angebot an die Allgemeinheit gegen Entgelt) teilgenommen wird

Sobald alle vier dieser Merkmale auf dich zutreffen, dann bist du an der Pflicht ein Gewerbe anzumelden und Einkünfte aus einem Gewerbetrieb zu versteuern. Unklar? Weiter unten folgen noch einige Beispiele, die Klarheit schaffen sollten.

 

Gewerbetreibender oder Freiberufler?

Für die Gewerbesteuer und Umsatzsteuer spielt es eine große Rolle, in welche der folgenden Kategorie deine Tätigkeit fällt. Aus all den möglichen Rechtsformen für Gewerbetreibende schauen wir hier nur auf das Einzelunternehmen, welches bei der Gründung am wenigsten Aufwand und Kosten verursacht.

Einzelunternehmer: Bist du gewerblich tätig, dann kommst du um die Gewerbeanmeldung nicht herum. Bedeutet, dass deine Einkünfte aus der selbständigen Arbeit ab sofort umsatzsteuerpflichtig sind und du Gewerbesteuer sowie Einkommenssteuer für das Gewerbe bezahlen musst.

  • Kleinunternehmerregelung: Bei der Anmeldung eines Gewerbes kannst du von der Kleinunternehmerregelung Gebrauch machen, wenn du weniger als 17.500 Euro Jahresumsatz hast. Als Kleinunternehmer bist du automatisch von der Umsatzsteuer befreit, kannst damit jedoch auch keine Vorsteuer geltend machen.

Freiberufler: Zu den freien Berufen gehören bestimmte kreative, journalistische, naturwissenschaftliche und technische Berufe (hier ist eine komplette Liste). Freiberufler haben den großen Vorteil, dass keine Gewerbeanmeldung notwendig ist und auch keine Bilanzen beim Finanzamt eingereicht werden müssen. Zudem entfällt für einige freie Berufe die Umsatzsteuer, für andere gilt der ermäßigte Satz von 7%. Freie Berufe sind generell nicht gewerbesteuerpflichtig.

 

Wie funktioniert die Gewerbeanmeldung?

Die Gewerbeanmeldung könnte kaum einfacher sein. Dazu gehst du einfach zu deinem zuständigen Ordnungsamt/Gewerbeamt, nimmst deinen Personalausweis mit und gibst dort den ausgefüllten Antrag zur Gewerbeanmeldung ab.

Die Gebühren unterscheiden sich zwischen den Bundesländern und liegen zwischen 15 und 60 Euro. In Berlin ist die Anmeldung übrigens auch über das Gewerbeportal möglich und kostet um die 20 Euro.

Ungefähr eine Woche nach der Anmeldung erhältst du vom Finanzamt den den Fragebogen zur steuerlichen Erfassung. Beim Ausfüllen des Bogens sind ganz besonders 2 Dinge wichtig: Art des ausgeübten Gewerbes/der Tätigkeit und die voraussichtlichen Einkünfte.

Anhand deiner angegeben Tätigkeit überprüft das Finanzamt, ob du in die Kategorie der Freiberufler oder Gewerbetreibenden fällst. Auf Basis der geschätzten Einkünfte kannst du von der Kleinunternehmerregelung Gebrauch machen.

 

Muss ich für Online-Einkünfte ein Gewerbe anmelden?

Das kommt am Ende ganz auf dein Geschäftsmodell an. Im Zweifelsfall musst du prüfen, ob die Merkmale eines Gewerbetriebes vorliegen und du kaufmännisch tätig wirst. Hier ein paar Beispiele:

  • Affiliate-Marketing: es muss geprüft werden, ob die Einnahmen wiederkehrend sind und die Einkünfte die Ausgaben übersteigen. Wenn dies nicht der Fall ist, können kleinere Einkünfte als sonstiges Einkommen versteuert werden.
  • Online-Werbung: ähnlich wie beim Affiliate-Marketing. Sind die Einkünfte höher als die Kosten für Hosting und gekaufte Software, dann handelt es sich um eine Gewerbetätigkeit.
  • Verkauf von eBooks: hier ist ganz klar eine kaufmännische Tätigkeit erkennbar und eine Gewerbeanmeldung erforderlich.
  • Freier Texter: diese Tätigkeit fällt unter die freien Berufe, solange dies die Haupttätigkeit ist.
  • Sonstige Freelancer: nicht zu verwechseln mit dem Freiberufler. Die Anmeldung als Gewerbetreibender ist notwendig, wenn die ausgeübte Tätigkeit nicht unter die freien Berufe fällt.

Besonders Blogger halten sich zu Beginn in einer Grauzone auf, in der es nicht immer ganz klar ist, ob ein paar Euro für Google AdSense oder 1-2 Affiliate-Verkäufe bereits als Gewerbe zählen. Sobald sich diese Einkünfte jedoch wiederholen, bist du mit der Gewerbenanmeldung auf der sicheren Seite.

Solltest du dir deiner Sache sicher sein, dann kommen natürlich auch Gesellschaftsformen mit mehreren Personen oder Kapitalgesellschaften in Frage. Jede dieser Unternehmensformen hat Vor- und Nachteile, die du gut recherchieren solltest.

Ich hoffe, dass der Artikel einige deiner Fragen zur Gewerbeanmeldung beantworten konnte. Ansonsten lasse mir gerne einen Kommentar da und ich versuche zu helfen, so gut es geht.

Danke für 19 Kommentare

Wir freuen uns über deine Fragen, Hinweise und allgemeines Feedback. Wenn du eine spezielle Frage zum Beitrag hast, schaue bitte zuerst in den bisherigen Kommentaren und im FAQ nach, ob du die Antwort dort findest.

  Neue Kommentare abonnieren  
Neueste Älteste Beliebteste
Benachrichtige mich bei
Oloa

Danke war sehr hilfreich !

Inga

Hallo Sebastian,

danke für deine Mühe und zahlreichen Artikel zum Thema Existenzgründung. Ich finde bisher nur leider keine Information dazu, wie sich das verhält, wenn ich bereits im Ausland wohne und nicht mehr in Deutschland gemeldet bin. Ich möchte diverse Dinge ausprobieren wie Affiliate-Marketing, digitale Informationsprodukte, T-shirt-Design etc., d.h. ich benötige EIN Gewerbe in Deutschland für alle meine Experimente und kann das auch vom Ausland aus anmelden? Ich dachte bisher, mit Wohnsitz im Ausland kann man kein Gewerbe in D anmelden. Wo kann ich das im Zweifel erfragen? Bei Anmeldung meiner Freiberuflichkeit hatte ich den Eindruck, dass das Finanzamt da nicht besonders im Bilde ist oder gerne Auskunft gibt.

Viele Grüße aus Ecuador und weiter so!

Es ist für mich immer noch etwas kompliziert… Und wenn ich bin ausländerin, kann Ich auf meine Heimat gewerbe anmelden, muss ich dann in deutschland steuer zahlen? Wo ist am besten fragen? Beim steuerberater? Sie müssen alles wissen was ich brauche…

[…] Gewerbeanmeldung ist total unkompliziert. Du gehst zu deinem zuständigen Gewerbeamt, füllst einen Fragebogen aus […]

[…] Deutschland kennen. Eine Abmeldung hat ebenfalls zur Konsequenz, dass du ein eventuell bestehendes Gewerbe abmelden […]

Arne

Hallo, nimms mir nicht krumm, aber es sind solche Beiträge, die im Alltag für Verwirrung sorgen. Das Einkommenssteuergesetz – EStG kommt lediglich hinsichtlich der Versteuerung der aus einer gewerblichen Tätigkeit erzielten Umsätze zum tragen. Wann eine Tätigkeit ein Gewerbe ist oder nicht , richtet sich grundsätzlich nach der Gewerbeordnung – GewO (http://www.gesetze-im-internet.de/gewo/). Zugegeben, die Definition nach der GewO stimmt weitestgehend mit der des EStG überein, aber die Gewerbeämter richten sich nach der GewO, nicht nach dem EStG. So mag ein Hundetherapeut zwar vom Finanzamt als freiberuflich eingestuft werden. Es handelt sich aber in Deutschland um keinen anerkannten Heilberuf, der nach § 6 GewO vom Anwendungsbereich der GewO ausgeschlossen wäre, sodas dennoch eine Anmeldepflicht nach der GewO besteht! Kleine aber feine Unterschiede. Fragt im Zweifel das Gewerbeamt. Die Gewerbeanmeldung erfolgt auch keineswegs über den Fragebogen zur steuerlichen Erfassung. damit kommt man nur seinen steuerlichen Verpflichtungen gegenüber dem Finanzamt nach. Die Gewerbeanmeldung bei der für den Betriebssitz zuständigen Kommune (als Gewerbeamt) erfolgt nach § 14 GewO. Wer seine gewerblichen Einnahmen brav beim Finanzamt anmeldet, aber keine Gewerbeanmeldung nach der GewO vornimmt, kann mit einem Bußgeld bis zu 1.000 Euro rechnen. Richtiger Weg ist daher: Gewerbeanmeldung nach § 14 GewO beim Gewerbeamt, danach… Mehr lesen »

Marion

Vielen Dank, Arne ! Ich fange gerade an mich in die umfassende Thematik “selbständig im Netz” i.V.m. schriftstellerischer Tätigkeit auseinander zu setzen. Deshalb wäre auch meine Frage gewesen, warum denn der Verkauf von ebooks (selfpublishing eigener Werke) unter gewerbliche Tätigkeit fällt, während Schriftsteller und Autoren zu den freien Berufen zählen.

Sobald aber affiliate dazu käme oder der Verkauf von Produkten Dritter wäre das ein Gewerbe, richtig ?

VG Marion

Sorry, dass ich so deutlich bin. Aber dieser Artikel strotzt leider nur so voller Falschinformationen.
Unter der Überschrift “Welche Arten von Gewerbe gibt es?” vermischst Du z. B. munter Informationen zur Gewerbeanmeldung, zur Einkommensteuer, zur freiberuflichen Tätigkeit und zur Umsatzsteuer miteinander. All diese Dinge muss man aber getrennt von einander betrachten.
Ich halte das für fahrlässig und sehr gefährlich…

[…] führst bzw. anmelden willst, dann brauchst du eine inländische Geschäftsadresse für die Gewerbeanmeldung, die Steuererklärung, das Impressum deiner Website, zur Angabe auf Rechnungen, für das […]

Kilian

Hallo Sebastian,

ab wann empfiehlst du als Affiliate Marketer eine Anmeldung? Direkt nach den ersten Einnahmen?

Und was passiert wenn ich ein Kleingewerbe anmelde und dann doch über die Freigrenze verdiene. Muss ich dann die Steuern nachzahlen?

LG,
Kilian

Julian

Hi Sebastian,

Vielen Dank für diese nütliches Informationen und für deinen Blog. Ich habe eine Frage zu Affiliate Marketing Seiten. Wie funktioniert die Gewerbeanmeldung, wenn ich keinen Wohnsitz in Deutschland habe, die Seite aber auf Deutschland ausgerichtet ist und der Hoster auch in DE sitzt? Abgesehen des dt. Impressums, brauche ich noch irgendetwas anderes oder muss ich das Gewerbe dann ggf. in meinem Heimatland anmelden? Und kann ich für Auszahlungen meine deutschen Konten benutzen oder würde dann eine Umsatzsteuer anfallen?

Vielen Dank und schönes Wochenende,
Julian

Simon

Hallo, ich habe den Artikel mit Interesse gelesen. Eine Frage habe ich dazu. Mit ist der Punkt mit dem Verkauf von eBooks nicht ganz klar.
Eine Dame beim Gewerbeamt hat mir mal erzählt, dass der Verkauf von eBooks in den Autorenbereich fallen würde, also somit ein freier Beruf wäre und nicht als Gewerbe angemeldet werden muss. Was macht denn den Unterschied aus zwischen Papier-Buch und eBook?
VG
Simon

Hallo Sebastian,

bin schon lange auf der Suche nach einer solchen Erklärung.
Ich bin zwar aus Österreich, aber prinzipiell sollte ja hier nicht viel Unterschied sein.

Danke für diesen tollen Artikel!

LG Clemens