Online Arbeiten [15/15]: Mit dem Wanderbusiness von unterwegs aus arbeiten

Ein Wanderbusiness ist ein lokales Geschäft, das sich überall hin mitnehmen lässt. Denke an Veranstaltungen, Seminare, künstlerische Aktivitäten oder das Unterrichten. Diese Leistungen erbringst du in persönlichem Kontakt mit den Kunden, bestimmst aber selbst, an welchem Ort das geschehen soll.

Neben allen digitalen Möglichkeiten des ortsunabhängigen Arbeitens gibt es auch die Option, sein Geschäftsmodell einfach überall hin mitzunehmen. Das können nicht nur Puppenspieler und Zirkusartisten, sondern deutlich mehr Menschen.

Wenn du reisebegeistert bist, organisierst du Ausflüge, Erlebnisreisen oder Sightseeing-Touren. Als Künstler zeigst du deine Werke auf Wanderausstellungen. Musiker und Entertainer unterhalten überall auf der Welt Menschen mit ihrem Programm. Und als Lehrer für Sportarten, Sprachen oder Kreatives findest du in jedem Land wissbegierige Schüler.

So kombinierst du deine Leidenschaft für eine Offline-Arbeit mit der Wanderlust.

Dabei gibt es zwei Herausforderungen. Erstens, du musst an jedem neuen Ort wieder damit starten, Kontakte zu suchen und dir eine Reputation aufzubauen. Das gelingt mit dem richtigen Marketing.

Schwieriger zu meistern ist die bürokratische Hürde. Es ist fast unmöglich, als reisender Selbständiger ein Arbeitsvisum für das jeweilige Land zu bekommen. Mit einem Online-Business am Laptop können die lokalen Behörden schwer nachweisen, dass du gerade arbeitest. Bei einer Yogaklasse, einem Konzert oder einer Konferenz schon eher. Sei dir deshalb bewusst darüber, dass du dich mit einem Wanderbusiness, vor allem außerhalb der EU, oft in legalen Grauzonen bewegen wirst.

Als Ergänzung zu den Auftritten vor Ort kannst du digitale Kommunikationswege nutzen, die dir das Leben leichter machen. Denke beispielsweise an die Buchung deiner Shows oder Kurse, die Vermarktung und die Kommunikation mit deiner Zielgruppe. All diese Dinge kannst du mit Hilfe des Internets vereinfachen und teilweise automatisieren.


Vorteile: Zur Vermarktung deiner Reisen, Veranstaltungen oder des Unterrichts bedienst du dich Online-Kanälen, bei der eigentlichen Arbeit hast du aber weiterhin persönlichen Kontakt mit Kunden. Du kannst deine Angebote dorthin verlegen, wo du sowieso gerade lebst oder schon immer mal hinwolltest. Wenn du gerne auf der Bühne stehst, ist ein Wanderbusiness eine super Möglichkeit, Menschen direkt zu erreichen.

  • Persönlicher Kontakt mit Menschen
  • Ortskenntnisse können gut vermarktet werden
  • Direktes Feedback von Zuschauern
  • Lernen kann nach den ersten Präsenzstunden online fortgesetzt werden
  • Offline- und Online-Lernen können miteinander kombiniert werden

Nachteile: Als Veranstalter, Lehrer oder Entertainer solltest du den Veranstaltungsort gut kennen oder zumindest zuverlässige lokale Kontakte haben. Hast du beides nicht, wird die Organisation schwer. Bei jedem Ortswechsel beginnt die Planung von vorn, was sehr zeitaufwändig ist. Zudem ist eine Skalierung nur begrenzt möglich ist.

  • Ortskenntnisse erforderlich
  • Organisation an neuen Orten beginnt immer wieder von Neuem
  • Teilweise bist du als Veranstalter in der Haftung für deine Teilnehmer
  • Auseinandersetzung mit lokalen Gesetzen und Steuern
  • Skalierung ist beschränkt
  • Nicht komplett ortsunabhängig, da viele Präsenztermine
  • Vermarktung der Auftritte wird mit jeder Show einfacher, muss aber permanent betrieben werden

 

Unternehmen, Unterhalten & Unterrichten

Die folgenden drei Kategorien sollen dich viel mehr inspirieren als dir konkrete Schritte zur Umsetzung vorgeben:

  • Unternehmen: Reisen, Retreats, Konferenzen, Wanderausstellungen oder Pop-up-Stores auf der ganzen Welt veranstalten.
  • Unterhalten: Menschen durch Musik, Comedy oder Kunststückchen entertainen kannst du von überall.
  • Unterrichten: Yoga, Sprachen und mehr an Schulen oder mit deinem eigenen Seminarprogramm lehren.

 

Wanderbusiness: Unternehmen

Meike Haagmans hat ihre Leidenschaft für Südamerika mit einer Marktlücke verbunden. Unter der Marke Joventours organisiert sie Rundreisen mit dem öffentlichen Linienbus für Backpacker, die Wert auf Komfort legen.

Ich selbst habe in 2015 als einer der Ersten damit begonnen, Coliving plus Coworking für Selbständige anzubieten. Auf insgesamt zehn Workations zogen wir mit 10–12 Teilnehmern für mehrere Wochen in eine Gemeinschaftsunterkunft an den schönsten Orten der Welt, um dort zusammen zu leben, zu arbeiten und das Land zu entdecken.

Neben diesen beiden Beispielen sind viele Arten von Veranstaltungen möglich. Denke an Seminare oder Workshops, die normalerweise in langweiligen Konferenzräumen abgehalten werden. Warum nicht den Wissensaustausch in einer neuen, ungewohnten Umgebung stattfinden lassen? Das fördert die Lernbereitschaft, Offenheit und Motivation aller Teilnehmer.

Oder denke an Pauschalreisen und Städtetouren, die oft ähnlich ablaufen. Anstatt die Massen in Bussen von A nach B zu fahren, könntest du an deinen Lieblingsorten Themenausflüge anbieten oder den interessierten Besuchern versteckte Ecken zeigen. Verbinde das Sightseeing mit Kochkursen oder mache daraus ein erlebnisreiches Wettrennen. Am besten richtest du dich dabei an eine ganz spezielle Zielgruppe wie Architekturstudenten, alleinerziehende Eltern oder homosexuelle Paare, an die du deine Erlebnistouren anpasst.

Eine weitere Option sind Veranstaltungen wie Konferenzen, Meet-ups oder Masterminds (kleine Gruppen mit intensivem Austausch). Wenn du dir als Veranstalter einmal einen Namen gemacht hast, müssen die Events nicht ständig am gleichen Ort stattfinden. Du kannst sie dort organisieren, wo du sowieso gerade bist oder schon immer mal hinwolltest. Die Teilnehmer werden dir nicht böse darüber sein, ein neues Land entdecken zu dürfen.
 

 

12 Ideen für Veranstalter

  • Städtetrips für Architekturstudenten
  • Luxus-Workation für Vertriebsteams von DAX-Konzernen
  • Komplettreisen für homosexuelle Paare im Mittleren Osten
  • Mehrtägige Orientierungsmärsche für Führungskräfte
  • Schriftsteller-Retreats in einer schwedischen Blockhütte
  • Weintouren durch Südfrankreich für Deutsche
  • Skiurlaub in Verbindung mit Netzwerkevent für Manager
  • Pub Crawls für Backpacker
  • Segeltouren + Sightseeing im Golf von Thailand
  • Sightjogging-Touren für sportbegeisterte Städtereisende
  • Teambuilding-Events in den Alpen
  • Führungskräfteseminare in Iglus am Nordkap

 

Wanderbusiness: Unterhalten

Nick Martin füllt mit unterhaltsamen Reiseberichten Hallen mit über 1.000 Zuschauern in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Joe Löhrmann tourt mit seinem umgebauten Bus samt Piano durch Europa, wo er Konzerte auf der Straße und Festivals gibt.

Beide suchen sich ihre Termine selbst aus und verbringen einen Großteil des Jahres in warmen Gefilden. Geplant und vermarktet werden die Touren ortsunabhängig, nur zu den Auftritten ist ihre Präsenz erforderlich.

Hinter der Organisation einer Roadshow steckt viel Arbeit. Die Buchung der Veranstaltungsorte, die Technik, das Marketing, Caterer vor Ort und der Ticketverkauf gehören dazu. Die zweite Tour wird dann schon deutlich einfacher. Im Fall von Nick Martin ist das nicht nur finanziell lohnenswert, sondern er nutzt die Zeit auch, um Freunde zu besuchen.

Wenn als Komödiant oder Musiker die Straße deine Bühne ist, verdienst du Geld mit Spenden. Wie Joe zeigt, reichen die Einnahmen aus wenigen Monaten aus, um davon den Rest des Jahres zu leben.

Wenn du unter freiem Himmel auftrittst, bist du jedoch abhängig vom Wetter und hast je nach Region mit Genehmigungen zu kämpfen. Die zu zahlenden Bußgelder für nicht genehmigte Auftritte liegen aber zumindest in Deutschland unter den Tageseinnahmen eines guten Musikers.

Du bist der Star der Show, weshalb dein Personal-Branding wichtig ist. Um nicht bei jeder Vorführung wieder bei Null zu beginnen, solltest du dir eine Webpräsenz bauen und auf mindestens einem Social-Media-Kanal aktiv sein. So gibst du Zuhörern die Chance, dir zu folgen und ihren Freunden davon zu erzählen. Sobald du wieder in der Nähe auftrittst, werden deine Fans das Marketing für dich übernehmen.

Zur Vermarktung der Shows und dem Ticketverkauf kannst du Online-Kanäle wie Facebook, meetup.com und Eventbrite nutzen. Lediglich die Show an sich erbringst du vor Ort. Wenn du diese aufzeichnest, verkaufst du deine CDs, DVDs oder MP3-Dateien als Zusatzangebot über die Webpräsenz oder bei den kommenden Auftritten.
 

 

12 Ideen für Unterhalter

  • Akkordeon spielen auf Hochzeiten
  • Reiseberichte vortragen
  • Puppentheater für Kinder
  • Politische Satire auf der Bühne
  • Kneipenquizz für Backpacker
  • Nachspielen bekannter Filmszenen
  • Musik mit Küchengeräten
  • Stand-up-Comedy auf Marktplätzen
  • Astrologie-Vorträge unter dem Sternenhimmel
  • Live-Kochen in der fahrenden Suppenküche
  • Chemie-Experimente auf Straßenfesten
  • Pop-Up Yoga-Klassen in Einkaufszentren

 

Wanderbusiness: Unterrichten

Selbst ohne Qualifikationen ist die Arbeit als Deutschlehrer in vielen Ländern der Welt der einfachste Job, um Fuß zu fassen. Dafür musst du dich nicht an einer Schule anstellen lassen, sondern kannst privat unterrichten. Natürlich ist das Tätigkeitsfeld nicht allein auf Sprachen beschränkt. Das potenzielle Angebotsportfolio ist so breit, wie es deine Fähigkeiten hergeben.

Wenn du Spaß daran hast, Wissen oder Fertigkeiten zu vermitteln, kommt für dich die Arbeit als Lehrer, Kursleiter oder Trainer in Frage. Auch hier erbringst du die Leistung wieder vor Ort und kannst Online-Kanäle zur Unterstützung nutzen.

Das Marketing, die Buchung von Stunden bzw. Kursen und die Bezahlung können digital ablaufen. Viele Beispiele zeigen, dass Schüler nach ein paar Präsenzstunden die Folgetermine auch gerne via Videotelefonie wahrnehmen.

Denke darüber nach, mit welcher Zielgruppe du am liebsten arbeiten möchtest und was du ihnen beibringen kannst. Dabei solltest du nicht nur bei klassischen Schulfächern oder Sportkursen bleiben, sondern überlegen, wie du für deine Schüler einmalige Lernerlebnisse schaffst.

Wie wäre es, das Erlernen von Sprachen mit Städtetouren zu verbinden oder Yogakurse in einem Shaolin-Kloster anzubieten? Du könntest Kochen mit Outdoor-Abenteuern mischen oder eine Fortbildung für ambitionierte Schriftsteller in einer einsamen Alpenhütte abhalten.
 

 

12 Ideen für Lehrer

  • Yogalehrer für Kindergartenkinder
  • Deutsch unterrichten an Schulen
  • Personal Trainer für Expats
  • Vortragsreihe „Neue Technologien” in Altersheimen
  • Geführte Meditationen in Krankenhauswartezimmern
  • Zeichenkurse im Freien
  • Stimmtraining für Musikstudenten
  • Ganztägige Erlebnis-Kochkurse
  • Orientierung in der Wildnis
  • Segelkurse auf dem Mittelmeer
  • Salsakurse für Kinder
  • Bodypainting-Kurse für Urlauber

 

 

Weiterführende Ressourcen

 

Hat dir der Beitrag geholfen? Es ist der letzte Teil einer Artikelserie zu ortsunabhängigen Geschäftsmodellen. Neben dem Wanderbusiness gibt es natürlich viele weitere Möglichkeiten, um ortsunabhängig zu arbeiten.

Wenn du jetzt schon herausfinden möchtest, welches Geschäftsmodell zu dir passt, mache den folgenden Test. Lasse uns gerne in den Kommentaren wissen, was dein Ergebnis ist und ob es zu dir passt.

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