167 Länder, die Deutsche ohne Visum bereisen können

Kaum ein anderes Land genießt eine so hohe Reisefreiheit wie wir Deutschen. In 167 Länder können wir problemlos ohne Visum einreisen. Dennoch solltest du bei der Reiseplanung darauf achten, wie lange du mit einem Touristenvisum in welchen Ländern bleiben kannst.

In Europa, Südamerika oder auch Südostasien ist die Einreise ohne vorherige Beantragung eines Visums möglich. Das macht diese Gebiete zu besonders beliebten Hotspots für digitale Nomaden.

Trotzdem solltest du bei der Reiseplanung immer die Länge der Visa recherchieren, die du für deine Zielländer bekommst. Besonders wenn du irgendwo länger als 30 Tage dein Lager aufschlagen willst, dann informiere dich vorher und plane deine Reiseroute dementsprechend.

In den meisten Ländern gibt es zwar Möglichkeiten das Visum mehrmals zu verlängern, jedoch ist es immer gut einen Plan B zu haben, wenn der Immigrationsbeamte einen schlechten Tag hat.

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Bevor es um die Beantragung und Verlängerung von Visa geht, hier noch ein paar nützliche und nutzlose Fakten. Wusstest du, dass …

  • der deutsche Reisepass die visumsfreie Einreise in 188 Länder ermöglicht, so viel wie sonst nur Japan, Südkorea und Singapur (Quelle).
  • Afghanen und Iraker im Gegensatz nur 30 Länder ohne Visum bereisen können (Quelle).
  • Deutschland nur 93 anderen Nationalitäten die visumsfreie Einreise gestattet, im Gegensatz zu Ländern wie Bolivien, Uganda oder Kambodscha, die mit 198 zu den visa-gastfreundlichsten Länder zählen (Quelle).
  • Einreisebestimmungen davon abhängen, ob du über Luft, Land oder See einreist.
  • die meisten Botschaften auch Konsularabteilungen haben, die sich um die Visa-Vergabe kümmern.
  • die USA eines der wenigen Länder ist, in dem du ein Transit-Visum benötigst.
  • die USA ständig an Boden in den Rankings um die stärksten Reisepässe verliert, seit Trump im Amt ist.
  • seit der Erstveröffentlichung dieses Beitrags in 2015 u.a Weißrussland, Tuvalu, Vietnam und Indonesien ihre Visa-Beschränkungen für Deutsche aufgehoben haben.
  • du mit einem Touristenvisum weder entgeltlich noch unentgeltlich im Land arbeiten darfst.
  • dir ein Immigrationsbeamter trotz Vorab-Visum die Einreise verweigern kann.
  • die Visabestimmungen trotz all der Schreckensmeldungen von Terror und Krieg in den letzten Jahren kontinuierlich gelockert wurden.

Mit kaum einer anderen Staatsbürgerschaft hat man so eine Reisefreiheit wie mit der Deutschen. Laut einem jährlich veröffentlichten Visa Restriction Index von Henley & Partnerskonnten wir 2019 in 188 von 226 Ländern (193 Mitgliedsstaaten der UN plus umstrittene Staaten) gänzlich ohne Visa, mit einem Visa on Arrival oder einem eVisa einreisen. Japan belegt mit 190 Ländern den ersten Platz, dicht gefolgt von Singapur und Südkorea mit jeweils 189 Ländern.

Selbst wenn wir nur von den offiziell anerkannten Ländern der UN ausgehen, können wir mit dem deutschen Reisepass noch in 161 der 193 Mitgliedsstaaten problemlos einreisen, ohne vorher unseren Reisepass zur Visumsbeantragung bei einem Konsulat zu lassen.

Es gibt ein zweites populäres Ranking für Reisepässe, dessen Resultate leicht abweichen. Der Arton Capital Passport Index bezieht 199 Staaten (193 UN-Mitgliedsstaaten plus Taiwan, Macao, Hong Kong, Kosovo, Palästina und Vatikan) ein. Nach diesem Ranking liegen die Vereinigten Arabischen Emirate mit 169 von 199 Ländern mit visumsfreier Einreise auf dem ersten Platz. Deutschland folgt auf Rang 2 mit 167 Ländern.

Auf der folgenden Karte siehst du, in welchen Ländern wir als Deutsche einreisen können, ohne vorher ein Visum beantragen zu müssen. Die Daten zu den Einreisebestimmungen sind vom März 2019 und stammen von Arton Capital und dem Auswärtigen Amt.

Legende: Dunkelgrün = Visumsfrei (3) / Hellgrün = Visa on Arrival (2) / Orange = eVisa (1) / Rot = Vorab-Visa benötigt (0)

 

Verlässliche Informationen zu Einreisebestimmungen

Die zuverlässigsten Angaben, die ständig aktualisiert werden, gibt es auf den Seiten des Auswärtiges Amtes. Dort findest du auch Hinweise zu benötigten Impfungen und zur Sicherheit in den einzelnen Ländern.

Eine andere sehr zuverlässige Quelle ist die TIMATIC-Datenbank, die von den meisten Fluggesellschaften beim Check-In verwendet wird. Die Datenbankabfragen sind kostenpflichtig, jedoch kannst du das Formular auf der Seite vom IATA Travel Centre kostenlos nutzen.

Für schnelle Recherchen gut geeignet ist auch die Seite von Visahq.de, wo du einen Erst-Check für dein Reiseland machen kannst.

 

Visum beantragen

Solltest du für dein Zielland ein Visum benötigen, dann beantragst du dies bei einer Auslandsvertretung des jeweiligen Landes (online oder vor Ort) oder beauftragst einen Visa-Service. Grundsätzlich gibt es für das Touristenvisum die folgenden Arten:

  • Visumsfreie Einreise: Es wird nur der Reisepass für die Einreise von bis zu 180 Tagen benötigt. Neben europäischen Ländern machen es dir vor allem lateinamerikanische Länder, Kanada, Japan, Marokko, Neuseeland und Sin- gapur leicht.
  • Visum on Arrival: Das kostenlose oder kostenpflichtige Visum bekommst du ohne vorherige Beantragung bei der Ankunft im Land. Beispielsweise ist das der Fall in einigen afrikanischen und den meisten südostasiatischen Ländern.
  • eVisa vor Einreise: Im Grunde wie ein Visa on Arrival, welches du aber vorher (meist kostenpflichtig) online beantragen und bei der Ankunft ausgedruckt vorlegen musst. Ein Spezialfall ist das Visum Waiver Programm der USA (hier kannst du deine ESTA-Berechtigung prüfen).
  • Vorab-Visum: Für einige Länder musst du das Visum vorab bei der jeweiligen Botschaft oder online beantragen und bezahlen. Das ist unter anderem, der Fall in Indien, Myanmar, Australien, China und vielen afrikanischen Staaten.

 

Bei einigen Visumsformularen kannst du neben der Aufenthaltslänge auch entscheiden, ob du ein Visum mit einfacher (single), doppelter (double) oder mehrfacher (multiple) Ausreise beantragen willst, falls du das Land zwischendurch verlassen willst.

Generell darauf achten musst du bei der Beantragung eines Visums, dass dein Reisepass noch mindestens sechs Monate über das geplante Reisedatum hinaus gültig ist und genügend freie Seiten für Stempel und Visa hat (mindestens zwei freie Seiten).

Neben deinem Reisepass und dem ausgefüllten Antrag kann es sein, dass du für die Ausstellung des Visums noch weitere Unterlagen wie offizielle Einladungsschreiben, Meldebestätigungen, Reiseversicherung oder Flug- und Hotelbuchungen vorweisen musst.

Wenn du keine Lust oder Zeit hast, dich selbst um solche Dinge zu kümmern, dann kannst du einen Visa-Service beauftragen und deinen Reisepass einsenden. Selbst habe ich keine Erfahrungswerte mit Visa-Services aber die Seiten Auslandsvisum.de, Visum.de und Visahq.de machen einen legitimen Eindruck.

 

Maximale Einreisedauer in Tagen (ohne Visum)

Auf der folgenden Karte siehst du, wie lange du als deutscher Staatsbürger ohne Visum bzw. mit einem Visa on Arrival in verschiedenen Ländern bleiben kannst. Für alle weiß hinterlegten Länder benötigst du ein Vorab-Visum. Die Daten zu den Einreisebestimmungen sind vom März 2019 und stammen von Arton Capital und dem Auswärtigen Amt.

 

Arbeiten mit dem Touristenvisum

Das Touristenvisum ist für Touristen. Jegliche Arbeitstätigkeiten im Land (auch unentgeltlich) sind untersagt. Du bist mit dem Touristenvisum weder steuerpflichtig noch sozialversicherungspflichtig im Land.

Was bedeutet das für digitale Nomaden? Das bedeutet, dass du es nicht an die große Glocke hängen solltest, wenn du gerade am Aufbau deines Online Business arbeitest. Solltest du tatsächlich von Beamten danach gefragt werden, dann gib an, dass du nur E-Mails an Freunde schreibst.

 

Einreise ohne Rück- oder Weiterflug

Viele Länder setzen bei der Einreise (oder auch bei der Visumsbeantragung) voraus, dass du einen Weiter- bzw. Rückflug vorweisen kannst. Wenn du sehr flexibel unterwegs bist und noch kein Ticket für die Ausreise hast, solltest du beim Visa on Arrival vorsichtig sein (wenn du bereits ein Vorab-Visum hast, dann gibt es keinen Grund zur Sorge).

Entweder du buchst den günstigsten Flug bzw. ein Busticket in ein Nachbarland, speicherst die Flugbestätigung und stornierst das Ticket nach der Einreise. Oder du nutzt einen Service wie Best Onward Ticket oder One Way Fly, bei denen du für wenige Dollar ein gültiges Flugticket buchst, das am nächsten Tag automatisch storniert wird.

Eine weitere Möglichkeit ist die Einreise über den Land- oder Seeweg, bei der kein Rückflugticket vorausgesetzt wird.

 

Adresse im Visum-Formular

Ich habe schon mehrmals Schweißausbrüche bei Leuten beobachtet, die das Visumsformular im Flugzeug ausgefüllt haben. Der Stift stoppte immer beim Feld der Adresse im Zielland.

Noch nie habe ich gehört oder selbst erlebt, dass diese Adresse tatsächlich überprüft wird. Trage dort also einfach die Adresse von einem Hotel ein oder frage deinen Sitznachbarn, ob du dir seine Anschrift „borgen” kannst. Nachfragen wird es am Immigrationsschalter nur dann geben, wenn das Feld frei bleibt.

 

Visum im Ausland bekommen

In fast allen Hauptstädten der Welt findest du Auslandsvertretungen deines gewünschten Reiselandes. Für die Vergabe von Visa zuständig sind die Konsulate, wobei auch die Botschaften in der Regel eine Konsularabteilung haben. Eine Übersicht zu allen Botschaften und Konsulaten weltweit findest du auf dieser Seite.

In der Regel gibt es, zumindest in den Hauptstädten, eine Botschaft oder ein Konsulat für benachbarte Länder (z.B. in Bangkok eine vietnamesische Botschaft). Alternativ kannst du auch Visaagenten online oder vor Ort nutzen, solltest dich aber vorher über die Seriosität der Services informieren.

 

Verlängerung des Visums im Zielland

In vielen Ländern kann das Touristenvisum vor Ort offiziell im Immigration Office oder durch Visaagenten und inoffiziell durch einen „Visa Run” verlängert werden.

Für die erste Variante musst du in der Regel in das Immigrationsbüro, was sich in den meisten Ländern in der Hauptstadt befindet, und dort die Verlängerung des Visums beantragen. Für einen Aufpreis übernehmen diesen Service in vielen Ländern auch Visaagenten.

Beim „Visa Run” reist du in ein angrenzendes Land aus und kommst wenige Stunden oder Tage wieder zurück, um ein neues Touristenvisum zu bekommen. In einigen Ländern ist das unbegrenzt möglich, in anderen wirst du an der Grenze vom Beamten zumindest skeptisch angeschaut. Informiere dich vorher immer in Facebook Gruppen, Foren und vor Ort über die aktuelle Situation.

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Visa für langfristige Aufenthalte

Wenn du einen Ort gefunden hast, an dem du dich für längere Zeit niederlassen willst, kann das Visum in einigen Ländern zu einem großen Problem werden.

Als Angestellter, der über ein Unternehmen ein Arbeitsvisum bekommt oder auch als Student mit dem Studentenvisum, sind längerfristige Aufenthalte gut zu realisieren. Als selbständiger, digitaler Nomade wird es deutlich schwieriger.

Folgende Möglichkeiten gibt es, um je nach Land ein langfristiges Visum zu bekommen:

  • Unternehmen gründen: In einigen Ländern kannst du über ein im Zielland gegründetes Unternehmen oder eine Niederlassung direkt das „Permament-Resident-Visum” beantragen oder dich selbst anstellen, um dann ein Arbeitsvisum zu bekommen.
  • Entrepreneur/Startup Visum: Vor allem in Industriestaaten wie Australien, Neuseeland, Chile, Kanada, Singapur oder England kannst du dich als Unternehmer für ein „Permanent-Resident-Visum” bewerben, das an verschiedene Bedingungen gebunden ist
  • Citizenship by Investment (Economic Citizenship): Einige Länder geben Visa gegen eine großzügige Investition aus. Neben kleinen karibischen Inselstaaten kannst dir du auch in Hong Kong, Singapur oder Australien eine Staatsbürgerschaft erkaufen. Die Investitionen reichen von einigen Zehntausend bis hin zu mehreren Millionen Dollar.
  • Education/Student Visa: Auch eine Option, die nicht günstig aber möglich ist, ist die Einschreibung in einer Universität oder für einen Sprachkurs (z.B. Thailand), um dadurch ein Visum für 6-12 Monate zu bekommen.

Auch Heirat (in einigen Ländern reichen eheähnliche Partnerschaften) oder eine „Anstellung mit sehr flexiblen Arbeitszeiten” bei einem befreundeten Unternehmer vor Ort sind Optionen, um ein Jahresvisum zu bekommen.

 

Zum Abschluss noch eine Statistik, die zuversichtlich stimmt: in den letzten zehn Jahren (von 2008-2018) ist der Anteil der Länderpaare, die gegenseitig voneinander ein traditionelles Visum verlangen, von 57% auf 22 % gesunken. Offener werden hier vor allem Entwicklungsländer. Ein Trend, den wohl selbst ein republikanischer Präsident in den USA nicht umkehren kann.

 

Hattest du schon einmal echte Probleme bei der Visumsbeantragung? Wenn ja, wie hast du sie gelöst?

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