Vipassana Meditation in Chiang Mai: Klarheit gewinnen im Schweigekloster

8 Tage Vipassana Meditation im Schweigekloster sind vorüber. Seit langem habe ich darüber nachgedacht und nach einem turbulenten Sommer hat es sich richtig angefühlt, den Kopf mal komplett leer zu machen. Meine ganz persönlichen Erfahrungen möchte ich in diesem Beitrag mit dir teilen.

Da die Vipassana Meditation für jeden eine sehr individuelle Erfahrung ist, wollte ich darüber eigentlich nicht schreiben. Nachdem ein Facebook Post dazu aber auf großes Interesse gestoßen ist und mich viele Fragen erreicht haben, hier nun doch ein ausführlicher Bericht.

Was ich dich bitte, zu berücksichtigen: ich gebe hier meine absolut subjektive Erfahrung wieder. Andere Vipassana Teilnehmer verlassen das Kloster mit sehr unterschiedlichen Eindrücken. Abhängig ist das wohl von der Art des Centers, Unterschieden in der Meditationstechnik und letztendlich auch der eigenen Persönlichkeit.

Jetzt aber zu mir. Meine 8 Tage Vipassana in Chiang Mai waren eine spannende und gleichzeitig extreme Erfahrung, die mich so einiges gelehrt hat. Aber eins nach dem anderen.

Vipassana bedeutet “klar sehen”. Das Ziel ist es, den Geist zu reinigen, mentale und körperliche Schmerzen hinter sich zu lassen und letztendlich die Wahrheit des Lebens zu erkennen. Okay, Nirvana wird in dieser kurzen Zeit niemand erreichen, aber es geht um den Weg dorthin.

Meine Motivation bestand vor allem darin, mich zumindest für eine begrenzte Zeit von Internet, Smartphone und jeglichen Verpflichtungen freizumachen. Außerdem wollte ich der klassischen Meditation nach mehreren Versuchen von Taiji über Yoga bis hin zu Headspace nochmal eine echte Chance geben.

 

Vipassana Meditation auf dem Doi Suthep

Also bin ich für 8 Tage in das International Buddhism Center neben dem Wat Pradhat (Tempel) auf dem Doi Suthep in Chiang Mai gefahren. Die Vorab-Anmeldung war unkompliziert. Alles läuft auf Spendenbasis.

Nach kurzer Einweisung bekam ich ein kleines Zimmer, in dem außer Bett, Lampe und Steckdose nichts war. Außerdem gab es im Center einen Raum zur Gruppenmeditation, einen Gemeinschafts- und einen Essensraum.

Auch die Regeln wurden gleich zu Beginn nochmal klargestellt. Die wichtigsten lauten: nicht sprechen, keine Genussmittel, keine feste Nahrung nach 12 Uhr, kein Lesen, Schreiben und keine elektronischen Geräte. Soweit so gut.

Der Tagesablauf sah in etwas so aus:

  • 5.00 Uhr – Aufstehen
  • 5.30 Uhr – Dhamma-Talk (buddhistische Weisheiten vorgetragen durch einen Mönch)
  • 7.00 Uhr – Frühstück
  • 7.30 Uhr – Meditation
  • 11.00 Uhr – Mittag
  • 11.30 Uhr – Meditation
  • 13.00 Uhr – Reporting beim Lehrer (kurze Anweisungen zu Meditationstechniken für den Folgetag)
  • 13.30 Uhr – Meditation
  • 18.00 Uhr – Chanting (Singen/Murmeln buddhistischer Verse)
  • 19.00 Uhr – Meditation
  • 21.00 Uhr – Schlafenszeit

 

Jugendherbergs-Feeling im Regenwald

Einzelzimmer mit Bett und … nichts weiter

Mittagszeit – langweilig aber sättigend

Klare Regeln im Center

Typischer Tagesablauf im Center

 

Wenn ich ganz ehrlich bin, habe ich am zweiten Tag ernsthaft überlegt, vorzeitig abzubrechen. 10 Stunden Meditation am Tag? Es gab nichts anderes zu tun, außer mal 100 Meter und links und rechts zu laufen. Aber auch das wird schnell langweilig.

Das letzte Mal solche Langeweile hatte ich wohl mit 5 Jahren, als mich die furchtbare Erzieherin Frau Haase im Kindergarten für mehrere Stunden in den dunklen Bettenraum einsperrte, weil ich während des Mittagsschlafs gequatscht habe.

Das Meditationscenter kam mir nicht vor, wie ein Ort der Glückseligkeit, sondern eher wie eine psychiatrische Anstalt. Alle sind in weiß gekleidet, niemand spricht miteinander, gelaufen wird sehr langsam mit gesenktem Kopf und alle schauen irgendwie so furchtbar deprimiert drein. Mich eingenommen.

Aber dann war Schluß mit Selbstmitleid und ich habe mich darauf besonnen, warum ich eigentlich hier war. Es war ja genau das: abgeschottet zu sein und keinen Zugang zum Internet und anderer Ablenkung zu haben.

Ich habe mir also die Seele aus dem Leib meditiert. 6-10 Stunden pro Tag, im Laufen, Sitzen und Liegen. Die ersten 5 Tage lang habe ich nach den Anweisungen des Lehrers versucht, mich nicht auf meine Gedanken, sondern auf meinen Körper zu konzentrieren. Das funktionierte immer besser, auch wenn die große Erleuchtung ausblieb.

Keine Ahnung, was genau ich erwartet habe. Vielleicht, dass mir in diesem meditativen Zustand irgendwelche Weisheiten zufliegen oder sich verborgene Traumata aus der Kindheit zeigen. Das ist nicht passiert. Vielleicht habe ich sie auch einfach nicht, die schwerwiegenden Probleme, die darauf warten, gelöst zu werden. Das ist doch auch mal eine schöne Erkenntnis …

Also habe ich im zweiten Teil der Vipassana während der Meditation ganz bewusst über verschiedene Dinge nachgedacht, die mich persönlich und in meinem Business bewegen. Es war beeindruckend, wie viel Klarheit in meinen Gedanken war und wie einfach es mir viel, mich auf einen Sachverhalt zu konzentrieren.

 

Mein spiritueller Lehrer während der Vipassana

Abendliche Gemeinschaftsmeditation

Tägliches Chanting (Singen buddhistischer Verse)

Gemeinschaftsraum zur Meditation

Meditation im Sitzen oder Laufen

 

Mein ganz persönliches Fazit nach der Vipassana

Auch wenn ich während der 8 Tage keine Erleuchtung gefunden habe, fühlt sich mein Kopf äußerst aufgeräumt an. In den Tagen danach kann mich ganz und gar nichts aus der Ruhe bringen. Diese Entspannung beschränkt sich leider auf den Kopf, denn mein Körper fühlt sich unfit an. Schuld daran waren wohl die fehlende Bewegung und einseitiges, kohlenhydratreiches Essen (täglich Reis mit zerkochtem Kohl).

Den Zugang zur klassischen Meditation habe ich auch diesmal nicht gefunden. Wichtig finde ich dennoch, mir auch weiterhin diese kleinen Oasen im Alltag zu schaffen. Das muss nicht im Schneidersitz mit geschlossenen Augen sein, sondern wird bei mir eher auf das Joggen, Spaziergänge durch den Park oder das Starren in den Himmel hinauslaufen.

Was mir außerdem noch bewusst geworden ist und ziemlich erschreckend war, ist, wie sehr mein Gehirn schon daran gewöhnt ist, ständig mit Informationen versorgt zu werden. In der Welt da draußen kämpfen Unternehmen um unsere Aufmerksamkeit, wir teilen alles mit jedem, sind ständig online und bekommen ununterbrochen Benachrichtigungen; drinnen im Tempel passiert einfach nichts. Kalter Entzug für den Kopf, der vor allem dank des Internets an einen ständigen Informationsfluss und Ablenkung gewöhnt ist!

Das habe ich zu spüren bekommen, als ich mich einen Tag nach der Vipassana voller Freude auf die Arbeit gestürzt und Gespräche mit Freunden gesucht habe. Das war zu viel. Nach ein paar Stunden hatte ich Kopfschmerzen, die einem üblen Kater glichen.

Im Tempel gab es diesen Input nicht. Es mussten auch keine Entscheidungen wie “was esse ich heut zum Mittag?” (es gab die Wahl zwischen Reis oder Nix) oder “was ziehe ich heut an?” getroffen werden. Dadurch wurden ungeahnte Kapazitäten im Kopf frei. Erinnerungen an Menschen und Erlebnisse, an die ich schon ewig nicht mehr gedacht habe, kamen hoch. Und ich habe verdammt gut geschlafen und jede Nacht intensiv geträumt, was sonst so ca. einmal im Monat passiert.

Genauso bewusst geworden ist mir, wie sehr ich meine Arbeit vermisse. Ich konnte es kaum erwarten, mich wieder an meinen Laptop zu setzen und drauf los zu tippen. Zum Teil liegt das sicher daran, dass mir meine Arbeit wirklich viel Freude bereitet, zum anderen Teil grenzt es schon an Suchtverhalten, Aufgaben von To-Do-Listen abzuhaken und das Gefühl zu bekommen, etwas zu schaffen.

Das war es, was mir im Tempel wohl auch am meisten zu schaffen gemacht hat. Einfach nichts zu tun. Langeweile kenne ich in meinem Leben nicht. Es gab immer etwas zu arbeiten, zu lernen, zu entdecken oder jemanden zu treffen. Dieses Tun und Entdecken gab es während der Vipassana in dieser Form nicht.

Was mir außerdem gefehlt hat, sind die kleinen Dinge wie Musik hören, Gespräche mit Freunden, ab und an ein Stück Schokolade oder ein Sonnenuntergang. Eben diese kleinen Freuden, die das Leben lebenswert machen.

 

Meine Gedanken zu buddhistischen Konzepten

Generell bin ich ein großer Freund buddhistischer Konzepte, auch wenn ich einige noch nicht komplett durchschaut habe. Im Grundsatz stehen die drei Daseinsmerkmale von N0-Self (keine Kontrolle), No-Attachment (Loslösen) und No-Permamence (Unbeständigkeit und Vergänglichkeit)

Was mir aber so richtig aufstößt, ist, dass die ultimative Befreiung (Nirvana) von allem Schmerz (Dukkha) darüber führt, sämtliche Emotionen loszulassen. Positive Gefühle wie Liebe, Vorfreude oder Lob sind vergänglich und bedeuten damit automatisch Schmerz, wenn z.B. Erwartungen nicht erfüllt werden oder Beziehungen enden.

So wie ich das sehe, nehme ich dieses Risiko der Enttäuschung gerne auf mich, wenn ich dafür so ein wundervolles Gefühl wie Liebe erfahren kann. Aber vielleicht sind meine Gedankengänge auch viel zu sehr über die linke Gehirnhälfte gesteuert. Gerne lasse ich mich hier eines besseren belehren.

Ein anderes Konzept, was besonders während der Vipassana im Mittelpunkt stand, ist das Leben im Hier und Jetzt. Der Kopf soll völlig frei von Gedanken sein, so dass wir einfach nur Sein können. Puhh, bei all dem Verständnis dazu, nicht ständig in gedankliche Zeitreisen verwickelt zu sein und seine Mitte zu finden, habe ich damit so meine Probleme.

Ich empfinde sowohl für vergangene Erinnerungen als auch durch Vorfreude auf zukünftig geplante Dinge so viel Positives, dass ich diese Dinge nie und nimmer missen möchte. Auch dann nicht, wenn Erinnerungen mich traurig stimmen und aus Vorfreude hin und wieder Enttäuschung wird.

An dieser Stelle bin ich sehr gespannt, auf deine Interpretationen buddhistischer Konzepte. Ich finde diese zum Teil sehr abstrakt und bin stark daran interessiert, sie besser zu verstehen bzw. zu verinnerlichen.

 

Was ich für die Zukunft mitnehme

Unter dem Strich war es eine Erfahrung mit sehr gemischten Gefühlen, die ich auf gar keinen Fall missen möchte. Es war wunderbar zu erfahren, wie befreiend es sein kann, den Kopf von all diesen überflüssigen Information aus dem Alltag zu befreien.

Auch zu verstehen, das sowohl positive als auch negative Gefühle vergänglich sind und ich mir keine Gedanken um Dinge zu machen brauche, auf die ich sowieso keinen Einfluss habe, war für mich wichtig.

Ein Satz von meinem spirituellen Lehrer, der mir besonders im Kopf geblieben ist, lautet “Don’t bring the office to the mountain, bring the mountain to the office”. Es macht keinen Sinn, die Batterien während Urlauben oder kurzen Ausflüchten aus dem stressigen Alltag aufzuladen, nur um sie danach wieder leer zu machen. Es sollte eine ständige Balance geben, in der wir jeden Tag die benötigte Ruhe und Gelassenheit finden, die wir für unsere langfristige mentale und körperliche Gesundheit brauchen.

Was ich aus der Vipassana außerdem mitnehme und mir auch noch lange behalten möchte, sind die folgenden Dinge:

  • das Handy öfter mal Zuhause lassen und vor allem nicht bei jeder Gelegenheit aus der Tasche ziehen
  • zeitiger schlafen gehen
  • mich nicht ständig mit neuen Informationen zu überladen
  • beim Essen auf das Essen konzentrieren und dabei nichts anderes machen
  • wieder mehr Wertschätzung und Dankbarkeit für Dinge wie eine warme Dusche, ein weiches Bett oder ein gutes Gespräch empfinden
  • Familie und Freunde öfter spüren lassen, dass sie mir wichtig sind

 

Und noch eine ganz wichtige Erkenntnis, die mir mal wieder bewusst geworden ist. Selbst so festgefahrene Gewohnheiten wie “ich kann abends nicht leerem Magen ins Bett gehen” oder “unmöglich, eine Woche lang offline zu sein” relativieren sich ganz schnell, wenn man es dann doch mal probiert. Es ist schwer diese Dinge im Alltag umzustellen, aber genau deshalb sollte man sich immer wieder auf neue Situationen einlassen und den Status Quo hinterfragen.

Ich hoffe das hat dir einen guten Einblick in meine Vipassana gegeben. Diese Erfahrungen sind natürlich super subjektiv und ich weiß, dass sie für andere Menschen sehr unterschiedlich ausgesehen hat. Der beste Beweis dafür ist ein toller Erfahrungsbericht von Jenny, den du dir unbedingt durchlesen solltest, um noch einen besseren, objektiveren Eindruck zu bekommen.

 

Wie schaffst du es, deinen Kopf von Zeit zu Zeit zu leeren?

Danke für 21 Kommentare

Wir freuen uns über deine Fragen, deine Hinweise und dein allgemeines Feedback. Wenn du eine spezielle Frage zum Beitrag hast, schaue bitte zuerst in den bisherigen Kommentaren nach, ob du die Antwort dort findest.

21 Kommentare zu "Vipassana Meditation in Chiang Mai: Klarheit gewinnen im Schweigekloster"

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julia
Leser
julia

Hi Sebastian,
interessanter Erfahrungsbericht. Ich würde allerdings das Konzept des “No Self” nicht mit “keine Kontrolle” übersetzen. Es geht eher darum, dass man sich nicht mit seinem Körper bzw. mit seinem Geist identifiziert. D.h. aus buddhistischer Sicht sind wir nicht unser Körper oder unser Geist. Das bedingt natürlich dann auch irgendwie dass wir dann keine Kontrolle darüber haben. Für uns westlich geprägte Menschen ist dieses Konzept natürlich schwer greifbar.
Viele Grüße!

tom
Leser

Hallo Sebastian, danke für dein Teilen vor allem deine “absolut subjektive Erfahrung”. Hier evtl. wenn Du es noch nicht. kennst?, wirklich zu Empfehlen als Abrundung deiner Erfahrung und vielleicht ein wenig Verständnis für deine Fragen bzgl.” Zitat: “Schmerz (Dukkha) darüber führt, sämtliche Emotionen loszulassen. Positive Gefühle wie Liebe, Vorfreude oder Lob sind vergänglich und bedeuten damit automatisch Schmerz, wenn z.B. Erwartungen nicht erfüllt werden oder Beziehungen enden.
So wie ich das sehe, nehme ich dieses Risiko der Enttäuschung gerne auf mich, wenn ich dafür so ein wundervolles Gefühl wie Liebe erfahren kann”..
https://books.google.ch/books?id=A48eoZE3LOcC&printsec=frontcover&hl=de#v=snippet&q=emotion&f=false
Aber dass ganze Buch ist echt zu Empfehlen um ein wenig besser die Strukturen des Buddhismus “mit einem Westlichen Denken” zu verstehen. Zumindest mir hat es bei vielem Klick gemacht. Aber auch meinen Eigenen Weg in vielerlei ersichtlicher werden lassen.

herzlichst.. t..

Sebastian Kraemer
Leser

Hey Sebastian,
sehr interessanter Beitrag. Ich habe Dich sowohl in Chiang Mai als auch in Tallinn als sehr entspannt wahrgenommen. Ich hätte nicht gedacht, dass Dir Meditation schwer fällt. Auch ich versuche es immer wieder – vielleicht ist es aber auch einfach nicht Jedermanns Sache. In jedem Falle würde ich so etwas auch einmal gerne machen, aber 8 Tage? No way! Respekt dafür! 🙂
Viele Grüße.
Sebastian

Marlies
Leser
Lieber Sebastian, “mentale Fastenzeit” – ein schöner Titel. Auch wenn ich mein Meditationsretreat vor zwei Wochen im Südenthailands eher als das Gegenteil betrachten würde. Denn auch wenn man während der Meditation ja versucht / versuchen soll, den Kopf abzuschalten, ist es gerade die dadurch entstehende Unbeflecktheit, auf der man wieder neu “losdenken” kann. Über den Punkt mit dem Loslassen von Emotionen, Freund*innen, Familie habe ich mir auch viele Gedanken gemacht. Generell versuche ich die buddhistischen Konzepte so zu interpretieren, dass sie mir in meinem Leben weiterhelfen. Also sehr großzügig 🙂 Für mich ist es wichtig, zu erkennen, dass ich nicht mit meinen Gefühlen gleichzusetzen bin, dass ich diese bis zu einem gewissen Maß steuern kann und mich ihnen nicht immer hingeben muss. Das bedeutet nicht, dass ich mir keine positiven Gefühle mehr zugestehe. Das Leben in der Gegenwart ist für mich eng damit verknüpft. Gerade negative Gefühle haben häufig mit Vergangenem oder Zukünftigem zu tun. Von denen versuche ich mich loszusagen. Und aber auch – passiert mir gerade auf Reisen gerne mal – nicht vor lauter Vorfreude zu vergessen, wo ich gerade bin und das Hier und Jetzt zu genießen! Genieße die Nachwirkungen des Retreats – bei mir arbeitet es… Mehr lesen »
Tom
Leser
Tom

Hallo Sebastian,

theoretisch hast du um zu meditieren alles richtig gemacht. Bist zu den Profis gegenagen und hast ein Retreat gemacht. Leider fehlen so die Grundlagen, um zum Beispiel die Zweifel zu überwinden (Ist das nicht Zeitverschwendung? Funktioniert das überhaupt? Wenn ja, wo führt das hin? etc.). So hast du am Ende über bestimmte Dinge nachgedacht, um die Zeit für dich wohl am besten zu nutzen, aber nicht mehr meditiert.

Leider werden auf diesen Kursen so gut wie nie die Hintergründe erläutert und das Know-How vermittelt, welches die Zweifel entfernt und die Tatkraft verstärkt.

Du hast zumindest Glück gehabt, dass du eines der wenigen guten Center in Thailand besucht hast.

Da du gerne liest, empfehle ich dir folgendes Buch (dort werden viele der fehlenden Dinge in einer modernen Sprache erwähnt, die direkt Bezug zu dem Retreat haben und dir zumindest im Nachhinein das notwedigste Wissen vermitteln):

Mastering the Core Teachings of the Buddha:
http://static.squarespace.com/static/5037f52d84ae1e87f694cfda/t/5055915f84aedaeee9181119/1347785055665/

Deutsch:
http://static.squarespace.com/static/5037f52d84ae1e87f694cfda/t/5055944ce4b0ddb0f5373d68/1347785804533/

Liebe Grüße aus der Provinz Sakon Nakhon

Philippe
Leser
Philippe

Hi SebastIan,

Super, der Post kommt genau richtig für mich, da ich schon seit einer Weile mit dem Gedanken spiele, an einenem Vipassana Retreat teilzunehmen.

Das eigentlich einzige worüber ich mir jetzt Sorge mache, ist das Essverbot nach dem Mittagessen. Hatest du nicht unglaublochen Hunger? Ich weiß, es gibt lLeute, die fasten. Aber für mich als eher untergewichtiges Wesen ist das sowieso nichts, und bereits fasten am Nachmittag klingt beängstigend. 😉

Hoffe, bei dir ist soweit alles gut.

Lg,
Philippe (Sganghai)

Didier Hartmann
Leser
Hallo Sebastian, du machst ja spannende Sachen 🙂 Mein Kung Fu Lehrer ist ja Thailänder und wurde als Kind Wandermönch und wurde von seinem Lehrer auch im Kung Fu, Tai Chi und Qi Gong unterrichtet. Von dem her hat er uns im Training immer wieder mit Vipassana Meditation konfrontiert. Habe 12 lange Jahre bei ihm gelernt. Durch die lange und intensive Zeit bei ihm, habe ich einiges über die thailändische Mentalität und den Buddhismus erfahren. Deshalb hier ein paar Dinge, die hier zu deinem Post passen: Es ist nicht der Schmerz von dem man sich befreit, sondern das Leid. Schmerz ist etwas ganz natürliches, das man als lebendiges Wesen immer wieder erfahren wird. Es soll uns vor schlimmeren Verletzungen schützen, bzw. zwingt uns zur Ruhe. Hat also eine wichtige physiologische Aufgabe. Das Leiden ist in diesem Zusammenhang das, was man selbst durch Gedanken, wie: “ich armer”, “warum immer ich”, “werde ich für immer gehandicapt sein” oder ähnliche Katastrophalisierungen im Kopf zusätzlich zu der rein körperlichen Problematik dazu dichtet. Sich vom Leiden zu befreien, heisst also, einfach den Schmerz zu akzeptieren, auch die Vergänglichkeit und letztlich den Tod, als einen natürlichen Prozeß zu sehen, und dem so gut es geht, nichts… Mehr lesen »
Dennis
Leser
Hallo Didier, zu Deine Zitat “Sobald wir uns in die Welt der “Begriffe” begeben, entfernen wir uns von lebendigen Prozessen. Wissen ist nur eine Abstraktion der Wahrheit. Wahrheit, das was einfach um uns und in der Welt passiert. Sobald man es in Begriffe packt, kann es gedeutet, interpretiert und missverstanden werden. Wahrheit, wie ich es aus dem Theravada Buddhismus kenne, ist das, was kurz vor auftauchen der ersten Wertung und der Begriffe geschieht. Dieser Moment entwischt uns oft, weil wir uns auf die Wertung konzentrieren und verlassen.” Mit dieser buddhistischen Philosophie habe ich 2 Probleme: 1. Wissen ist nicht immer nur eine Abstraktion der Wahrheit, den es gibt ja auch abstrakte Wahrheiten, die nicht einfach nur um uns herum in der Welt passieren und die man auch nicht anfassen kann. 2. Zum Beispiel Deine gemachten Behauptungen über Abstraktionen, Begriffe und Wahrheit, was ja wiederum sehr abstrakte und Wahrheit beanspruchende Begriffswelten sind. Würde man sich tatsächlich konsequent von dieser Begriffswelt inkl. Deutung, Interpretationen und Missverständnisse lösen wollen, sind wir in der Spähre der Erlebnisse, Leben und Erfahrungen. Das kann man sicher gut genießen und dadurch Vorteile erlangen. Aber dies kann man dann nicht kommunizieren und schon gar nicht als die Wahrheit… Mehr lesen »
Vera
Leser
Vera
Hallo Sebastian, das ist ein sehr interessanter Artikel. Ich hab mich schon lange gefragt, was bei diesen retreats eigentlich so passiert. Offensichtlich sehr wenig, praktisch gesehen. Aber wenn man geistig drauf eingestellt ist, dann kann das bestimmt eine sehr wertvolle Auszeit sein. Zwei Sachen fallen mir zu diesem Thema ein, auch zu Dennis’ Kommentar: Buddhismus ist keine Religion, sondern eine Lebensphilosophie, und Buddha ist kein Gott, sondern ein ‘weiser Mann’, dessen Anschauungen man sich verinnerlicht. Es geht nicht darum, das Nirvana anzustreben, sondern darum, sich von unnoetigen Dingen und Zielen usw zu trennen, um seinen Frieden zu finden. Das ist ein Prozess, den man lernen muss. In deiner email hast du den Nagel auf den Kopf getroffen: ‘Nirvana wird in dieser kurzen Zeit niemand erreichen, aber es geht um den Weg dorthin’. Am Ende des Weges stellt sich das Nirvana automatisch ein, es ist das Endresultat. Das zweite, das ich erwaehnen moechte, ist, dass diese retreats nur einen kleinen Einblick bieten in den Buddhismus und das Leben der Moenche; ich glaube nicht, dass man genug lernt ueber den Buddhismus, um zu beurteilen, ob dies eine Philosophie ist, die man sich aneignen moechte. Vielleicht waere es besser, ein retreat als Erholungspause… Mehr lesen »
Dennis
Leser
Hallo Vera, hallo Sebastian, ich gebe Dir Recht, wenn die meisten Strömungen des Buddhismus Buddha sicherlich nicht als Gott ansehen (hier ist natürlich die Definition von Gott sehr entscheidend, denn ich muss hier in Thailand nur aus dem Fenster gucken, um zu sehen, wie er in der Volksfrömmigkeit sehr wohl als Gott verehrt wird). Auch wäre hier interessant zu schauen, in wie weit im Buddhismus das Hinduistische Erbe übrig geblieben ist. Und was heißt schon Religion. Ich kenne viele Christen, die ihren Glauben auch nicht als Religion bezeichnet sehen wollen und sich vehement gegen diese Begriffsbestimmung wehren. Ich finde diese Diskussion aber immer sehr müßig. Denn im allgemeinen Gebrauch des Wortes “Religion” zählen sowohl Christentum als auch Buddhismus dazu. Darüber hinaus enthält natürlich jede Religion in ihrem Paket auch eine “Lebensphilosophie”, ja oft auch Ethiken, Epistemologien und ganze Kosmologien. Ich bin natürlich in den buddhistischen Schulen nicht so sehr bewandert, dass ich immer genau weiß, was im Paket mitkommt. Ich habe in meinem Kommentar auch den Begriff “Religion” vermieden. Vielleicht ist “Weltanschauung” hier der bessere Begriff. Ich dachte eigentlich schon immer, dass Nirvana das Ziel eines ernsthaften Buddhisten ist. Aber sei es drum, jeder mag von mir aus im Buddhismus… Mehr lesen »
Tobias
Leser

Die “Seele aus dem Leib meditiert” oder den Leib in die Seele (im Sinne von die Seele ist nicht in deinem Körper, sondern umgekehrt)?
Ich musste ein bisschen schmunzeln als ich die Schrift mit den Mantren sah. Dachte erst, da wäre über ganz viele Seiten nur ein Satz immer wiederholt worden 😉

LG
Tobias

Dennis
Leser
Ich finde den Buddhismus höchst widersprüchlich. Einerseits gilt es ja, dass Nirvana zu erreichen (was ebenso meiner Meinung nach wirklich nicht erstrebenswert ist, Du nanntest ja schon einige lebenswerte Dinge), andererseits muss dies über Loslassen geschehen. Loslassen von allem. Aber muss man dann nicht auch den Wunsch, das Nirvana zu erreichen, loslassen? Wenn an diesen aber loslässt, kann man dann überhaupt noch den buddhistischen Weg verfolgen? Den Wunsch nach dem Nirvana loszulassen würde ja einem Vergessen im Alltag gleichkommen. Man hätte kein Ziel mehr, keine geistliche Stoßrichtung. Da finde ich das christliche Heil erstrebenswerter, wo der Schmerz ebenso nicht mehr sein wird wie im buddhistischen Nirvana, dafür aber nicht auf Positives wie Freude und Liebe verzichtet werden muss. Im Gegenteil, diese Dinge sind sogar in ihrer reinsten und ultimativsten Form vorhanden. Das Gute hierbei ist, dass es ähnlich wie im Buddhismus durch ein “Loslassen” erreicht wird. Nicht aber das Loslassen von allen Dingen, einschließlich der Guten, sondern nur das Loslassen der eigenen stolzen aber scheiternden Versuche, moralische Gerechtigkeit aufzubauen. Das Heil gibt es da nur und ausschließlich als unverdientes Geschenk. Interessant ist aber, dass es im neueren Amitabha-Buddhismus eine “Schule des Reinen Landes” gibt, in dem ähnlich wie im Christentum… Mehr lesen »
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