Zeit für Veränderung: Wie du erkennst, was du willst

Was ist, wenn man (noch) gar nicht weiß, was man will? Woher weiß man eigentlich, was man will? Im Artikel erfährst du Antworten auf diese Fragen, was deine eigenen Werte damit zu tun haben und wie du dir deine eigenen Ziele zu der passenden Vision setzen kannst.

Alexandra Kuptz

Glücksbeauftragte Alexandra schreibt

“Ich weiß nicht was ich will, ich weiß aber, dass sich etwas verändern muss.” – Mein Ich vor 3 Jahren

Ich habe vor knapp drei Jahren meinen Vollzeitjob aufgegeben, obwohl ich noch nicht wusste, wie es weitergehen sollte. Ich habe mich irgendwie gefangen gefühlt im System.

Jeden morgen um die gleiche Zeit aufstehen, zu den gleichen Kollegen, auf dieselbe Arbeit. Ich habe mich mit Mitte 20 teilweise wie Mitte 70 gefühlt. Ich wusste, ich kann viel mehr erreichen, ich hatte noch nicht den Job gefunden, bei dem ich meine Kompetenzen voll nutzen konnte. Ich wollte mehr. Und ich wollte nicht jetzt schon in diesem Hamsterrad gefangen sein. War ich aber.

Ich musste also etwas tun. Und ganz ehrlich: Was sollte schon großartig passieren? Gedanken wie “Meine Kollegen werden wütend sein. Sie werden sich im Stich gelassen fühlen. Ich bin eine Verräterin. Ich finde nichts besseres.”, kamen natürlich auf. So einen Schritt zu machen ist nie leicht. Aber nichts dergleichen passierte.

Und heute weiß ich: Na und, selbst wenn. Es geht immer irgendwie weiter und am nächsten Morgen wache ich wieder auf. Egal, wie es mir geht oder was passiert ist. Eine Dozentin sagte einmal zu mir: Entweder der Tag ist dein Freund oder dein Lehrer. Später habe ich genau verstanden warum.

Ich bin nun seit drei Jahren selbständig und habe es zu keinem Zeitpunkt (okay, vielleicht in zwei oder drei Momenten) bereut. Später aber mehr dazu.

Beruhigend finde ich, dass es nicht nur mir so zu gehen schien. Viele Menschen, Freunde, Bekannte, Kollegen mit denen ich zurzeit spreche, stellen für sich fest, dass sie mit ihrem Leben nicht wirklich glücklich sind, aber auch nicht genau wissen, was sie verändern sollen.

Meistens ist es der Job, der sie auffrisst. Hinzu kommt das Gefühl, eine „sinnlose“ Arbeit zu machen. Irgendwann kommt vielleicht die Frage nach dem „Warum“. Aber aus Mangel an Alternativen bzw. Ideen machen sie einfach weiter wie bisher und verwerfen den Gedanken nach Veränderung wieder.

In der aktuellen Xing Gehaltsstudie (2019) gibt jeder zehnte der Befragten an, dass er für eine sinnstiftende Tätigkeit den Arbeitgeber wechseln würde. Ein tolles Auto, einen Kicker auf der Arbeit, ein überdurchschnittlich hohes Gehalt und Karriere wird in der heutigen Zeit und vor allen Dingen für die neuen Generationen immer unwichtiger.

Schon seit einigen Jahren werden diese Vermutungen zu handfesten Beweisen. Unter dem Begriff „New Work“ werden diese Themen heiß diskutiert. Menschen wollen sich selbst verwirklichen, einen Sinn in ihrer Arbeit finden und „sie selbst sein“, auch auf der Arbeit und nicht nur im Privatleben. „Work“ und „Life“ sind längst keine getrennten Lebensbereiche mehr.

Das ist auf der einen Seite vorteilhaft, auf der anderen Seite wirft uns diese Entwicklung natürlich auch stark auf uns selbst zurück. Viele Menschen fühlen sich gefangen im System: „Ich kann doch sowieso nichts verändern.“ „Was soll ich denn tun?“ „Nur noch 20 Jahre bis zur Rente, dann kann ich endlich leben, frei sein, machen was ich will.

Der Trott, immer wieder dasselbe zu tun, wird Tag für Tag schwieriger, aber immer noch irgendwie auszuhalten. Mangel an Alternativen eben. Man bräuchte ja schließlich den Job, um Geld zu verdienen.

“Ein jeder ist so viel wert, wie die Dinge wert sind, um die es ihm ernst ist.” – Aurel

 

Die gute Nachricht: Es gibt immer Alternativen. Und wenn deine Situation noch so verfahren ist, überleg dir doch mal, wo du vielleicht doch nur Ausreden benutzt, um nicht aus deiner Komfortzone auszubrechen.

Frag dich mal wirklich: „Wenn ich dieses Leben nicht will, was will ich eigentlich stattdessen?“ „Wofür stehe ich?“ „Was sind meine (geheimen) Träume?“ „Wofür würde ich mir gerne mehr Zeit nehmen?“ „Welches sind meine Stärken?“ „Was sind meine Werte?

Wir werden mit diesen Fragen natürlich auf uns selbst zurückgeworfen und das kann anstrengend, ungemütlich und vielleicht auch unangenehm werden, weil die Antwort auf die Fragen nicht einfach so auf der Straße liegen. Es kommt einem schon fast vor wie einen Mount Everest besteigen zu müssen. Und das will man nun wirklich nicht untrainiert tun.

In „Sinnfragen und Werte heute“ erklären Lehmkuhl, et al. (2007), warum es aber so wichtig ist, sich diese Fragen ernsthaft zu stellen: „Wer sich selbst nicht wahrnehmen kann, kann sich nicht annehmen, nicht akzeptieren, nicht lieben und nicht wertschätzen – und wer das nicht kann, wird kein wirklich echtes und tiefes Gefühl für Werte und für den Wert der anderen entwickeln können.

Die Wertefrage ist laut den Autoren also eine essentielle Frage, wenn es darum geht unser Leben bewusst gestalten zu wollen. Denn nur, wenn wir wissen, wofür wir stehen und wer wir sind, können wir aktiv agieren statt einfach nur zu re-agieren. Selbstbestimmung ist kein Zufall, sondern ein bewusstes auseinandersetzen mit sich selbst.

In den letzten Jahren haben mich viele meiner Klienten aufgrund von Erschöpfungszuständen oder depressiven Verstimmungen aufgesucht. Der Grund war oft, dass sie nicht ihren Werten entsprechend gelebt haben. Es herrscht dann eine ständige Diskrepanz zwischen dem Leben, welches man sich vorstellt und dem, welches man eigentlich lebt.

Eine Studie über gewünschte Freizeitaktivitäten der Bevölkerung bestätigt dieses Bild. Sie zeigt dass die Kluft zwischen den Wünschen für die Freizeit und den tatsächlichen Aktivitäten groß ist. Im Vergleich mit den häufigsten Freizeitaktivitäten zeigt sich deutlich, dass das gegenwärtige Freizeitverhalten kaum den Freizeitwünschen entspricht.

“Leben, das ist das Allerseltenste in der Welt – die meisten Menschen existieren nur.” – Wilde

 

Jetzt wird es nochmal unangenehm: Geht man der Erfüllung seiner Träume nicht nach, kann das ein dauerhaftes Reuegefühl auslösen, welches nicht so leicht wieder durch andere Taten oder Handlungen aufzulösen sind. Davidai und Gilowich zeigen dies in ihrer Studie von 2018. Träume und Ideale nicht verwirklicht zu haben, werden in der Reue-Skala höher eingestuft als Pflichten und Verantwortungen nicht nachgegangen zu sein.

Kennst du den Sterbebetttest? Wenn du heute wüsstest, dass du in einem Jahr stirbst, würdest du heute deine Entscheidungen anders treffen? Wenn die Antwort „ja“ lautet, ist es Zeit für eine Veränderung.

Ins kalte Wasser zu springen war für mich Gold wert. Ich hatte keinen Plan A, aber genau das war so wichtig. Erstmal wieder nur mit mir zu sein und daraus etwas Neues entstehen zu lassen, hat mir geholfen zu mir zu finden und das machen zu können, was mich wirklich erfüllt. Und mein Wert, mir mein Leben frei einteilen zu können, wog wichtiger als ein festes Gehalt jeden Monat.

Ich habe gelernt, mir innere Sicherheit und Kraft zu verschaffen und mein Leben weniger von äußerer Sicherheit sowie Gehalt, einer teuren Wohnung etc. abhängig zu machen. Das hat mich innerlich unglaublich (willens-)stark gemacht. Ich für meinen Part will mehr leben und mich entdecken, statt jeden Tag meine Zeit mit sinnloser Arbeit und nervigen Kollegen zu verbringen.

Natürlich ist es aber für jeden anders und daher ist es so wichtig, deine eigenen Werte zu kennen, sodass du dein Leben bewusst nach ihnen ausrichten kannst.

 

Ziele sinnvoll setzen

Ich zeige dir anhand von folgenden Schritten, wie du der Wertefrage näher kommst:

1) Schreibe dir auf, was dir wichtig ist im Leben und leite daraus deine Werte ab. Denke dabei an Dinge und Momente, in denen du im Flow bist, in denen du dich so richtig wohl fühlst, in denen dir alles leicht von der Hand geht. Das kann etwas sein wie: Mit Freunden ein Bier trinken (Wert z.B.: Geselligkeit, Freude), reisen (Freiheit, Naturverbundenheit, Abenteuer), Dates mit meiner Freundin (Gelassenheit, Aktivität). Wenn du magst, kannst du auch nochmal zu den oben beschriebenen Fragen schauen.

Einige Beispiele für Werte sind: Abenteuer, Achtsamkeit, Agilität, Aktivität, Aktualität, Begeisterung, Beharrlichkeit, Ehrlichkeit, Fürsorglichkeit, Geduld, Gelassenheit, Harmonie, Integrität, Mitgefühl, Nachhaltigkeit, Offenheit, Pünktlichkeit, Respekt, Sanftmut, Sauberkeit, Teamgeist, Unabhängigkeit, Verantwortung, Würde, Zielstrebigkeit, Zuversicht

2) Überlege dir nun inwiefern du deine Werte schon auslebst. Es kann sein, dass dir einige Werte sehr wichtig sind, du diesen aber fast noch keine Beachtung geschenkt hast. Das ist völlig normal, wenn man sich noch nie richtig mit der Wertefrage auseinandergesetzt hat. Schreibe dir am besten alle Werte untereinander und schreibe daneben eine Zahl zwischen 1 (gar nicht) und 10 (vollkommen), die angeben soll, inwieweit du diese Werte schon auslebst.

Schritt 3) Welche Werte lebst du schon voll und wo siehst du noch Entwicklungspotenzial?

Schritt 4) Überlege dir anhand der Zahlen und Werte, welches Ziel du daraus ableiten willst. Z.B. Wert: Abenteuer. In welchen Situationen kannst du noch mehr Abenteuer erleben? Welcher deiner Lebensbereiche lässt das zu? Vielleicht gibt es auch einen neuen Lebensbereich, den du erschließen magst? Und was sind dann die ersten Schritte?

Schritt 5) Ziele richtig setzen. Hast du erstmal deine Werte erkannt, lassen sich daraus viel leichter Ziele und Visionen für dein Leben entwickeln. Aber Achtung: innerer Schweinehund. Nimm dir nicht gleich zu viel vor, fang klein an und steigere dich nach und nach (mehr zur Implementations-Intention).

In dem Buch „Reiseziel Glück“ sagt Engelmann, dass man Ziele nicht unbedingt allein umsetzen muss. Suche dir einen Partner in Crime. Zusammen könnt ihr euch neben den klassischen „smart“ Zielen (spezifisch, messbar, attraktiv, realistisch, terminiert) zusammen Teilziele überlegen.

Überlegt euch z.B. eine realistische Aufgabe für die kommende Woche und plant konkret, was ihr dafür benötigt und welche Hindernisse es geben könnte. Hierfür braucht ihr einen Plan B. Vereinbart dann ein weiteres Treffen, um eure Ziele gegenseitig abzuklopfen und um euch gegenseitig zu motivieren.

“Der Anfang ist die Hälfte des Ganzen.” – Aristoteles

 

Und was jetzt noch hilft: Eine gute Portion Optimismus. Optimismus hilft uns konstruktiv zu arbeiten und ist keinesfalls mit Naivität zu verwechseln. Es geht darum, an seine Ziele zu glauben und nicht gleich aufzugeben, wenn sich die erste Hürde auftut. Und die wird kommen. Gerade darum ist es so wichtig erst einmal kleine Brötchen zu backen, aber das große Ziel als eine Art Fixstern immer vor Augen zu haben.

Und sei nicht zu streng mit dir. Aller Anfang ist schwer und auch Rückschläge sind normal. Es dauert in der Regel 66 Tage, um eine neue Gewohnheit in unser Leben zu etablieren. Also fang am besten gleich an.

Oder was sind die Alternativen? Einen Job machen, den du nicht magst und dein Leben vor sich hin plätschern lassen. Juhu, da kommt Freude auf und die Glückshormone Serotonin und Dopamin spielen verstecken.

Wenn du morgen von uns gehen würdest, würde deine Stelle in 0 Komma nichts neu besetzt sein, niemand würde dich auf der Arbeit vermissen und nichts würde an dich erinnern, außer vielleicht ein paar Worte in den ersten Wochen nach deinem Ableben. Du wirst durch die neue Person ersetzt, die schon auf deinem Stuhl sitzt. Es geht immer ohne dich weiter. Lebe darum nicht für andere, sondern für dich und nimm dein Leben selbst in die Hand.

Einen neuen, von der Norm abweichenden Weg zu gehen, ist immer schwieriger als einfach mit dem Strom zu schwimmen. Doch du wirst es dir selbst danken und für all die anderen in deiner Umgebung wirst du eine Inspiration sein. Auch wenn es erstmal nur im Stillen sein wird.

Und du bist zum Glück ja auch nicht ganz allein: Im Jahr 2018 fanden es rund 69,7 Prozent der deutschsprachigen Bevölkerung ab 14 Jahre besonders wichtig und erstrebenswert, unabhängig zu sein und ihr Leben selbst bestimmen zu können.

Worauf wartest du noch?

Danke, dass du dir Zeit für den Artikel genommen hast.

Alles Liebe <3

 

Alexandra Kuptz

Über die Autorin

Alexandra Kuptz ist selbständige Psychologin. Sie versteht sich als Motivatorin und Glücksbeauftragte und begleitet Einzelpersonen und Gruppen auf ihrer Visions- und Sinnsuche mit einer gesunden Portion Witz und Achtsamkeit.

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