Eine Trennung, ein Neuanfang und die endlose Debatte zwischen Herz und Kopf

Wenn du meinen Blog schon länger liest, dann weißt du, dass es hier eher sachlich zu geht. Mir war es ein Bedürfnis, dir in diesem Beitrag einen Einblick in meine Gedanken und Gefühle zu geben, die mich schon lange beschäftigen. So sehr ich mein Privatleben schätze, so sehr denke ich auch, dass es diese Erfahrungen wert sind, geteilt zu werden.

Als ich Ende April zum letzten Mal auf dem Balkon unserer gemeinsamen Wohnung stand, sah ich vor meinem geistigen Auge, wie mein Leben hätte aussehen können – eine gemeinsame Zukunft, ein relativ festes Zuhause, vielleicht sogar einen Ring am Finger und Kinder.

Dann traf mich die Realität. Zwei Wochen zuvor haben wir uns getrennt. Nach sechs Jahren lebten wir zunehmend in unterschiedlichen Welten und so sehr wir es auch wollten, mussten wir uns eingestehen, dass es für die Beziehung keine Zukunft gibt, ohne dafür einen Teil von uns aufzugeben.

Spätestens in diesem Moment, als ich zum letzten Mal alle Erinnerungen in der Wohnung sah, das letzte Mal mit unserem Hund spielte und meine Sachen gepackt habe, wurde mir bewusst, dass dieser Lebensabschnitt endgültig vorbei war.

“Manchmal muss man eben eine Tür hinter sich schließen, um durch eine neue Tür zu gehen.” Diesen Ratschlag habe ich viel zu oft gehört und dabei jedesmal innerlich den Mittelfinger ausgestreckt. Mit etwas Abstand weiß ich, wie wahr die Aussage ist, aber in einer solchen Situation ist das Herz ganz einfach lauter als der Kopf.

Das Gefühlschaos, das ich in den letzten Wochen erlebte, reichte von Schmerz bis hin zu viel Liebe, die ich durch andere Menschen erfahren durfte. Ich habe versucht Antworten auf quälende Fragen zu finden. Nun hoffe ich, dass dir meine Gedanken dabei helfen, wichtige Entscheidungen in deinem Leben zu treffen.

 

Was ist passiert mit mir? Mit uns?

Das Leben ist nicht geradlinig. Es verläuft in Bahnen, die unserer Persönlichkeit und unseren Sehnsüchten folgen. Ich habe mich in den letzten Jahren besser kennengelernt. Mich viel mit mir selbst beschäftigt und endlich damit begonnen, das zu machen, was mir gut tut, anstatt den Erwartungen Anderer zu folgen.

Wir sind als Personen beide extrem stark gewachsen, leider in verschiedene Richtungen. Unterstützt haben wir uns dabei immer bedingungslos und mussten letztendlich mit ansehen, wie die Überschneidungen unserer Welten immer geringer wurden.

Vor sechs Jahren waren unsere Träume und Erwartungen an das Leben andere. Sie haben sehr gut zueinander gepasst. Aber Realitäten verändern sich. Manchmal wohl auch bis zu einem Punkt, an dem sie nicht mehr miteinander vereinbar sind.

Fragst du dich, wie du dich vor zehn Jahren in diesen Menschen verlieben konntest? Warum du jahrelang jeden Morgen in dieses Büro gefahren bist? Warum du eine andere Entscheidung getroffen hast, die heute nicht mehr nachvollziehbar ist?

Ganz einfach, weil deine Realität heute anders aussieht. Du bist gewachsen, anstatt zwanghaft an etwas festzuhalten. Das solltest du akzeptieren, anstatt dich dafür zu ohrfeigen.

 

Wann ist die richtige Zeit, um sich von etwas zu trennen?

Es ist immer der Mix aus Ratio und Herz, der unsere Entscheidungen beeinflusst. Der Kopf weiß, was vernünftig ist. Aber es sind die Gefühle, die uns mit Leben und Liebe füllen.

Welcher Part überwiegt, hängt von unseren Persönlichkeiten ab. Ein hohes Bedürfnis nach Sicherheit und Balance wird durch ein hohes Maß an Vernunft befriedigt. Die Sehnsüchte nach Stimulanz und Abenteuer können wir nur durch unser Herz lebendig werden lassen.

Für uns war im Kopf schon einige Zeit klar, dass unsere Lebensmodelle schwer zu vereinen sind. Wahrhaben wollte es das Herz jedoch nicht. Erst als wir mental so müde waren, dass unsere Beziehung mehr Energie gekostet als gegeben hat, haben wir uns dem Verstand ergeben.

Wie lange lohnt es sich, an einer Beziehung, einem Projekt oder einem Traum festzuhalten? Monatelang quälte mich diese Frage. Ja, es gibt Dinge, für die es sich lohnt zu kämpfen. Aber nicht bis zur Erschöpfung, die uns innerlich kaputt macht.

Wenn es in einer Beziehung immer wieder die gleichen Diskussionen gibt, dann ist das für mich kein gutes Zeichen. Wenn eine Unternehmung nach einem Jahr immer noch keine zahlenden Kunden hat, dann war die Idee wahrscheinlich nicht so gut. Und wenn sich das Verfolgen eines Traumes nur noch wie harte Arbeit anfühlt, dann haben wir wahrscheinlich aus den falschen Motiven gehandelt.

Etwas aufzugeben, ist nicht negativ. Es ist ein Eingeständnis an uns, dass wir uns geirrt haben oder sich unsere Realität verändert hat. Dieses Eingeständnis tut weh. Aber nur durch diesen vorübergehenden Schmerz erlauben wir uns, langfristig unserem Herzen zu folgen.

So schwer mir meine eigene Trennung gefallen ist, so sehr sind es die schönen Erinnerungen, die überwiegen. Es ist das Bewusstsein darüber, dass alles vergänglich ist und trotzdem immer ein Teil meines Lebens bleiben wird.

Und mit etwas Abstand ist es auch Erleichterung, die ich verspüre. Wir haben uns beide die Chance gegeben, unseren Lebensvorstellungen zu folgen und langfristig glücklich zu sein. Mir geht es gut damit. Genauso wie es mir auch bei vorherigen Wechseln von einem Lebensabschnitt zum Nächsten gut ging. Manchmal nicht sofort aber immer, wenn ich mit etwas Abstand zurückblicke.

 

Wie viele Kompromisse bin ich bereit einzugehen?

Das Leben besteht immer aus Kompromissen. Ganz egal, ob es sich um Beziehungen, den Brotverdienst oder komplette Lebensmodelle handelt. Die Frage ist, wie viele Kompromisse ich eingehen kann, ohne mich selbst zu verleugnen.

Ich schätze meine Freiheiten, die mit dem ortsunabhängigen Business und einem minimalistischen Lifestyle kommen, ungemein. Dafür sehe ich Familie und Freunde nicht so oft, wie es mir lieb wäre. Dafür trage ich mit vielen Flügen zur globalen Erderwärmung bei. Und dafür bin ich bereit, schmerzhafte Trennungen in Kauf zu nehmen.

Unsere Beziehung war an einem Punkt, an dem wir nicht mehr bereit waren, diese Kompromisse einzugehen. Wir mussten uns zu sehr verbiegen, um in die Welt des Anderen zu passen. Es hat sich ganz einfach falsch angefühlt.

Lange habe ich mir den Kopf darüber zerbrochen, ob es diese Kompromisse nicht doch wert sind. Hätte ich nicht einen Teil von mir sterben lassen können? Den Teil, der rastlos ist und noch nicht bereit für ein stationäres Leben?

Da war er wieder, der Konflikt zwischen Herz und Kopf.

Meine Erkenntnis zu diesem Zeitpunkt ist, dass ich mir selbst treu bleiben muss. Wie kann ich einen anderen Menschen glücklich machen, wenn ich einen Teil von mir unterdrücke? Wie kann mich jemand aus vollem Herzen lieben, wenn ich dessen Erwartungen nicht erfüllen kann?

 

Muss ich denn wirklich wissen, was ich will?

Wie oft hast du schon gehört, dass “du dich doch endlich mal entscheiden musst”? In der Schule war ich immer neidisch auf die Kinder, die genau wussten, was sie später werden wollen. Später habe ich auf Freunde geschaut, die auf konkrete Lebensziele hingearbeitet haben. Alles schien für sie so klar zu sein.

Heute weiß ich, dass diese Träume und Ziele meist nicht ihre eigenen waren. Es waren Projektionen von Eltern, Schule und Gesellschaft. Trotzdem höre ich die Stimmen immer wieder: “Es ist Zeit erwachsen zu werden. Du musst dich doch mal festlegen.”

Und dann rebelliert mein Kopf. Warum muss ich festlegen? Auf einen Partner? Auf einen Wohnort? Auf die Familienplanung? Auf einen Job?

Nein, ich muss mich nicht festlegen.

Ich kann mit 14 nicht wissen, was ich mein Leben lang arbeiten möchte. Genauso wenig weiß ich mit 34, welchen Menschen ich für den Rest meines Lebens glücklich machen kann. Meine Realität hat sich schon ein paar Mal komplett verändert und wird es auch immer wieder tun. Wie soll ich mich da festlegen können, ohne mich selbst zu belügen und im Zwang zu enden.

Zeugt es nicht von einer gewissen Arroganz, an einer absoluten Wahrheit festzuhalten? Prinzipien, Regeln und starre Glaubenssätze sorgen dafür, dass wir unser Leben einschränken. So viele Menschen rennen immer wieder gegen die gleiche Wand, nur weil sie sich nicht eingestehen können, dass sich ihre Realität verändert hat.

Das wirft wiederum ganz neue Fragen in mir auf. Bin ich, sind wir als nach Stimulanz suchende Menschen überhaupt beziehungsfähig? Kann man jemandem wirklich versprechen, bis an das Lebensende füreinander da zu sein? Wie viel Egoismus ist gesund? Bis zu welchem Punkt bereichern Kompromisse unser Leben?

 

Veränderungen bedeuten immer auch, etwas aufzugeben

Mit etwas Abstand möchte ich auch dir den Rat geben, ab und an eine Tür zu schließen, um neue Türen zu öffnen. Halte nicht an alten Dingen fest, die deinem Leben keinen Sinn mehr geben.

Egal ob du an ein höheres Wesen oder das Schicksal glaubst, wirst du mir zustimmen, dass viele Sachen im Leben nicht ohne Grund geschehen. Das Gesetz der Anziehung sorgt dafür, dass uns das Universum früher oder später die Dinge serviert, für die wir bereit sind.

Kämpfe für die Dinge, die dir wirklich wichtig sind. Aber kämpfe nicht bis zum Umfallen. Sei bereit Dinge aufzugeben, bevor du den Punkt erreichst, an dem du dir selber nicht mehr in die Augen schauen kannst.

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