Der Teufelskreis, den wir Fortschritt nennen

Die Evolution ist der größte Erfolg der Menschheit. Das kognitive Denken, die Landwirtschaft und die Erfindung von Maschinen waren Revolutionen, die uns zu den unumstrittenen Königen der Welt erheben. Aber sind wir heute glücklicher als unsere Vorfahren in der Höhle?

Vor Ackerbau und Viehzucht waren Menschen nomadisch in kleinen Verbänden unterwegs. Ein paar Stunden am Tag sammelten sie Beeren und jagten Tiere. Niemand verdiente Geld, mähte Rasen, las Post oder postete Selfies. Reichlich Zeit für gesellschaftliche Aktivitäten und Müßiggang.

Die Agrarrevolution versprach, das Leben zu erleichtern und Überfluss zu schaffen. Die Menge an produzierter Nahrung erhöhte sich, wurde aber bald darauf unfair verteilt. Es fand eine Aufteilung von Arbeit und Kapital statt. Die Reichen wurden reicher, die Armen ärmer.

Mit der Felderwirtschaft begannen die Menschen, an festen Orten zu siedeln. Bauern hatten plötzlich Eigentum, das sie unterhielten und beschützten. Der Arbeitstag wurde deutlich länger als jener der Jäger und Sammler. Die Ernährung verschlechterte sich. Mit zunehmendem Besitz und der Einführung von Steuern vergrößerten sich mit jeder Generation die Sorgen.

Dank der Errungenschaften konnten mehr Menschen am Leben erhalten werden, wenn auch unter schlechteren Bedingungen. Die Fantasie hat Mythen entstehen lassen, die das Zusammenleben in komplexen Gemeinschaften ermöglichte. Feste Siedlungen entstanden. Die Bevölkerungszahlen explodierten. Privilegierte sicherten sich durch Verwaltungsapparate die Herrschaft über die Völker. Die Reichen wurden reicher, die Armen ärmer.

Das große Versprechen der Eltern an ihren Nachwuchs lautete immer fortwährender Wachstum. Wir arbeiten hart, damit es euch in Zukunft besser geht. Sollte der gemeine Pöbel dann doch rebellieren und sich seiner Macht bewusst werden, hielten sie Brot und Spiele bei Laune.

Die große Befreiung kam mit der Industrialisierung. Die zuvor selbständigen Handwerker und Bauern wurden in Fabriken gelockt. Die 12-Stunden-Tage auf dem Feld tauschten sie gegen Bandarbeit. Mit dem hart verdienten Geld kauften sie Lebensmittel, die sie vorher selbst produzierten. Die Reichen wurden reicher, die Armen ärmer.

Diese Darstellung ist weder eine wissenschaftliche Abhandlung, noch soll sie Meinungsmache sein. Es ist die Vergangenheit, wie ich sie sehe. Sie hat uns Wohlstand ermöglicht, für den wir einen hohen Preis zahlen. Das Versprechen an die nächste Generation lautet dennoch unverändert: wir arbeiten hart, damit es euch in Zukunft besser geht. War früher alles besser? Oder doch nicht?

 

War früher alles besser?

Heute haben wir Hymnen, Flaggen, Sprachen und gemeinsame Historien. Sie sorgen dafür, dass wir uns einer Nation zugehörig fühlen. Warum beschützen wir erdachte Grenzen eines Staates von Millionen Menschen, die wir nicht kennen?

Heute sind wir befreit von barbarischen Kriegen, Hexenverbrennung und unwürdigen Arbeitsbedingungen. Wir haben eine ausgeklügelte soziale Marktwirtschaft gebaut. Sie versorgt uns mit Arbeit, Geld, Nahrung, Unterhaltung und Liebe. Der Staat sorgt für Sicherheit, zahlt Krankengeld, baut Straßen und Altersheime. Vermehrt das unser Glück oder schränkt es uns ein?

Heute liegen Kreuzzüge, Sklaverei und Kolonialisierung hinter uns. Nicht mehr Könige sind Schuld, wenn Millionen durch Mangel an sauberem Trinkwasser sterben, sondern Nestlé. Die Menschenwürde wird durch Entwicklungskredite und das globale Wirtschaftssystem geschützt. Oder sind das lediglich elegantere Formen der Unterdrückung?

Heute lenken nicht mehr ungerechte Anarchisten das Geschehen der Welt. Es gibt demokratisch gewählte Vertreter des Volkes, die unsere Interessen vertreten. Diese fiktiven Instanzen entscheiden darüber, wie sich unser Zusammenleben gestaltet. Oder sind es doch die Rüstungskonzerne, Pharmaindustrie und Aktienmärkte?

Heute glauben wir nicht mehr an Mythen und Götter. Unsere Realität besteht aus Staatsgrenzen, Geld, Gesetzen und der unsichtbaren Hand des Marktes. Vertrauen haben wir in Körperschaften und politische Systeme. Warum werden diese Überzeugungen mit Nationalismus und Diskriminierung verteidigt?

Heute suchen wir das Glück nicht bei Orakeln, Göttern oder in der Natur, sondern in Statussymbolen, Diäten und Modetrends. Sinnhaftigkeit wird bei Schönheitschirurgen, Immobilienmaklern und Dating-Plattformen gefunden. Ist Glückseligkeit etwas, das wir uns leisten können?

Heute leiden wir keinen Mangel mehr. Das Überangebot führt zu Völlerei, Neid und Hochmut. Die Erde wird ausgebeutet, um alles überall verfügbar zu machen. Unterdrückt die Gier nach Wohlstand den Gedanken an Morgen?

Heute stirbt fast niemand mehr an Kinderlähmung, Cholera und Pest. Wir haben uns neue Krankheiten geschaffen. Die Lebensmittelindustrie spielt für einen kleinen Profit mit unserer Gesundheit. Pharmakonzerne schieben mit einem Lächeln die passenden Arzneien hinterher. Wer profitiert noch von diesem Wahnsinn?

Heute wird die Masse nicht mehr bei blutigen Gladiatorenkämpfen in Arenen betäubt. Dafür gibt es Katzenvideos, Flachbildschirme und Drogen. Müßiggang wird als Faulheit bezeichnet. Die Bequemlichkeiten des Lebens hindern uns am Zwiegespräch mit unserem Selbst. Sollten wir nach Glückseligkeit nicht im Inneren suchen, anstatt es als Eso-Quatsch abzutun?

Heute haben wir Gewerkschaften und die 40-Stunden-Woche. Der Werbeindustrie bleibt ausreichend Zeit, neue Bedürfnisse nach Geschmäckern, Gefühlen und Erlebnissen zu schaffen. Die Beschäftigten, die dich nicht verkaufen, produzieren Lebensmittel, Kleidung und Gadgets, um die imaginären Sehnsüchte zu erfüllen. Haben wir nicht viel zu viele Jobs, die kein Mensch braucht?

Heute manipulieren uns nicht mehr schwungvolle Reden mit Pathos, sondern dumpfe Werbebotschaften wie Geiz ist Geil. Wir müssen nicht mehr selbst wissen, was wir wollen. Google und Facebook diktieren unsere Bedürfnisse. Wie kann es sein, dass wir verbundener und gleichzeitig einsamer sind, als je zuvor?

Heute haben wir Wochenenden und Urlaubsregelungen. Thank God it‘s Friday, höchste Zeit, sich etwas zu gönnen. Das materielle Ego erfährt eine kurzfristige Befriedigung. Bald schon reichen das neue Auto, die Spielkonsole und der Partner nicht mehr aus. Schneller, höher, weiter endet in zusätzlicher Arbeit. Mehr verdienen, um mehr zu konsumieren. Gefangen in einem perfekten Teufelskreis, der keinen Raum zum Nachdenken lässt.

Es sind provokative Fragen. Sie lassen mich nachdenken. Ich frage mich, wie wir uns am Wohlstand erfreuen können, wenn wir einen so hohen Preis dafür bezahlen. Wir schauen zurück und feiern uns für Erfolge. In meiner Wahrnehmung haben wir in vielerlei Hinsicht Rückschritte gemacht. Rückschritte, die sich als Fortschritte verkleiden.

 

Morgen wird alles gut

Wie wohl unsere Nachkommen in ein paar Hundert Jahren über uns urteilen? Werden sie sagen, dass „früher alles besser war“? Oder den Kopf schütteln, wenn sie in Geschichtsbüchern von unserer fremdgesteuerten Lebensweise lesen?

Rein rational betrachtet haben wir als Menschheit viel erreicht. Krankheiten wurden bekämpft, wir sind ins All geflogen und spalten Atome. Gleichzeitig haben wir es in kürzester Zeit geschafft, die Erde überzubesiedeln, komplette Tiergattungen auszurotten und Löcher in die Ozonschicht zu blasen.

Was bleibt von diesen Errungenschaften für den einzelnen Menschen? Haben wir uns als Spezies weiterentwickelt oder sind einen Schritt zurückgegangen? Was bleibt, wenn wir die Geschichten, die wir uns tagtäglich erzählen, außen vorlassen?

Wie in Platons Höhlengleichnis halten wir eine Schattenwelt für die Realität, aus der es kein Entkommen zu geben scheint. Andere Sichtweisen können wir nicht akzeptieren, da es unser Weltbild zum Einstürzen bringen würde.

Es erscheint so, als wenn wir gefangen sind in einem System, das wir selbst erbaut haben. Die Sklaven unserer eigenen Werkzeuge. Viele sehen nur die Fiktion, sind aber blind gegenüber dem echten Leben. Sie verteidigen Demokratien, Wirtschaftssysteme und Konzerne, als wenn es sie wirklich gibt.

All diese Dinge sind nicht real. Sie sind menschgemacht und existieren nur in unserer Vorstellung. Sie werden dann real, wenn wir ihnen Glauben schenken.

Wenn wir kritisch auf den Geldschein in unserer Hosentasche oder auf die gesammelten Rentenpunkte schauen, dann wird uns das bewusst. Dann erkennen wir, dass diese Sachen nur eine Bedeutung haben, weil genügend Menschen von dessen Bedeutsamkeit überzeugt sind.

Das Drama dabei ist, dass wir das Reale mit dem Fiktiven aufwiegen und am Ende meist die Fiktion gewinnt. Wir haben eine Welt gebaut, in der wir den Schutz der Erde mit Geld abwägen, Konzernprofite wichtiger sind als Menschenleben und Werte niederen Gelüsten unterliegen.

Unsere Vorfahren in der Höhle lebten ohne diese „Fortschritte“. Sie kannten auch nicht die Langeweile, Bedürfnisse und Probleme, die wir uns in den vergangenen Jahrtausenden geschaffen haben. Ob sie wohl weniger glücklich waren?

Das Leben, das wir heute führen, gewinnt ständig an Tempo. Die Zyklen, mit denen uns neue Technologien eine bessere Zukunft versprechen, dauern nicht mehr Jahrhunderte, sondern nur noch Jahre. Wir halten nicht mehr Schritt, befeuern aber dennoch munter weiter den Teufelskreis.

Dabei liegt die rote Pille, um der Matrix zu entfliehen, in unseren Händen. Den Ausgang finden wir, indem wir die uns erzählten Geschichten hinterfragen. Wie die Höhlenmenschen von Platon könnten wir uns einfach umdrehen und gehen.

Warum aber fällt uns der Abschied aus dem Teufelskreis, den wir für Fortschritt nennen, so schwer?

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Titus von Unhold

Der erste Teil des Textes ist wirklich keine wissenschaftliche Abhandlung. Bauern hatten zum Beispiel kein Eigentum, sondern bekamen von ihrem Lehnsherren Land zugewiesen. Und die Bauern wurden auch nicht in die Fabriken gelockt, sondern deren Helfer wurden durch die Mechanisierung überflüssig. Diese hatten nur Lumpen und das Leben welches sie von ihren Eltern bekamen (daher der Begriff Lumpenproletariat) und campierten dann vor den Toren der Städte. Lies mal den ersten Band von Karl Marx’ Das Kapital, ab Seit 89 geht es los.

Möchte noch einen Buchtipp ergänzen:
“Du bist nicht dein Gehirn – Eine radikale Philosophie des Bewusstseins” von Alva Noe, Piperverlag
Beschreibt die Verwobenheit mit unserer Umwelt auf hauptsächlich wissenschaftliche Art und Weise…

Georges Koch

Die Digital Nomaden sind ein Höchstmaß an Spezialisierung, das macht empfindlich, angreifbar. Spezialisierung ist kein Merkmal von Antifragilität, lese dazu Nassim Taleb,”Antifragilität” Ich stelle mir vor durch einen Timetunnel auf die Erde zu fallen, zurückversetzt um 1.000 Jahre, oder nach vorne um 1.000 Jahre, mit meinem Wissen von heute, meinen Fertigkeiten die ich jetzt besitze.Aha, ich kann nahezu nichts und mein Wissen ist nahezu nutzlos! Ich brauche heute “nur” in den Regenwald zu gehen mit meinen Fertigkeiten und Wissen. Aha, nahezu wertlos. Hilflos wie ein Baby. UrLeben ist Despezialisierung, jeder Mensch kann nahezu alles, was zum Leben notwendig ist. Genial kann die Verbindung von Beiden sein. Der rasenden Geschwindigkeit des Netzes um Geld zu verdienen und mit diesem Gewinn mithelfen einen Gartenspielplatz zu bauen, das Erlebnis der Langsamkeit schlechthin, die meine Kreativität steigert, erhält und mich mit Nahrung versorgt, die unvergleichlich gut ist für mich. Diese Gärten an verschiedenen Orten ergeben wiederum ein Netzwerk, indem ich mein glückliches Nomadentum ausleben kann. Bin ich noch jung, bin ich viel unterwegs, werde ich älter, komme ich immer mehr zur Ruhe, verweile länger an meinen Lieblingsstandorten, gebe was ich gelernt und gesehen habe überall weiter. Bin in jedem Garten willkommen. Gründe vielleicht an… Mehr lesen »

Ist es ein Teufelskreis? Oder vielmehr eine Teufelsspirale? Und was ist die Alternative? Stillstand? Ist es überhaupt wichtig, diese Fragen zu beantworten? Oder sollten wir all das vielleicht akzeptieren als Chance zum Reflektieren, Erkennen, Entscheiden und Handeln?

Danke für die Schilderung deiner Wahrnehmung ohne Bewertung.

Toller Artikel. Das tolle ist, dass immer mehr Menschen dies bewusst wahrnehmen und diesem Teufelskreis entfliehen oder sich teilweise entziehen. Gerade unsere westliche Welt bietet hierzu ja entsprechende Möglichkeiten. Die Möglichkeit nahezu Ortunabhängig seinen Unterhalt bestreiten zu können ist hier ein wichtiger Faktor. Das gemeine ist, das sich eine ganze Industrie bemüht, allen glauben zu machen, man müsse die neusten Produkte kaufen und im Konsum leben.

Und wenn das Problem der Nahrungserzeugung und Energieversorung gelöst ist, die allermeisten Tätigkeiten automatisiert sind, der Teufelskreis aufgesprent sein. Dann wird der Fokus auf dem schöpferischen schaffen liegen…

Georges Koch

Viel zu viele Fragen. Antworten deshalb schwierig bis unmöglich. Reduzieren, reduzieren, vereinfachen. Gerade Digital Nomaden sind sehr stark davon abhängig, das alles so weitergeht. Internet aus, Kunden weg. Vom Netz abhängig zu sein, ist die Abhängigkeit schlechthin. Digital Nomaden sollten sich deshalb an Orten treffen und arbeiten, wo sie part-time einen Permakulturgarten erleben können. Das schwache Standbein Internet wird dabei durch das starke Standbein des eigenen Nahrungsanbaus gefestigt. Wir arbeiten daran. In Villamartin, Andalusien 100% Glasfaser versorgt, sehr billige Wohnungen, liebe nette Menschen und einem Gartengelände vom allerfeinsten. Netz weg, kein Problem! Wir haben zu essen und zu trinken.

Holger

Warum fällt uns der Abschied aus diesem Teufelskreis……so schwer?
Weil dieser „Fortschritt“ in uns Süchte erzeugt hat.
Wie Süchte im Körper und Gehirn erzeugt werden und wie diese in uns immer weiter verstärkt werden, bewußt und unbewußt, und wie man aus dieser scheinbaren Endlosschleife ausbricht, das kann man in den z.Zt. existierenden 3 Büchern von Dr. Joe Dispenza nachlesen.

Marcia Monroe Merchant

Toller Beitrag! Danke Dir für Deine Worte! Du sprichst mir aus der Seele! Antworten gibt es viele, aber für jeden einzelnen findet sich die Antwort nur in sich selbst. Als ich zu mir selbst gefunden habe, konnte ich sehen was ich tue, konnte entscheiden, was mache ich mit, was nicht. Ich hab entschieden bewusster zu werden und oft mal auf die Bremse zu treten, nicht alles mitzumachen egal was das Umfeld sagt und tut. Ich entscheide immer, wann gehe ich in die Matrix, wann steige ich aus und schau mir von außen an was abgeht. Ich versuche zu leben, wirklich zu leben und mich nicht zu betäuben. Ich versuche als Beispiel zu leben und wenn ich gefragt werde, dann öffne ich meinem Gegenüber ein Tor zu sich selbst und raus aus der Matrix. Und, nicht jeder will raus aus, viele Schrecken zurück und springen wieder zurück, weil sie einfach noch nicht wollen. Der Fortschritt lenkt uns ab, aber er hilft uns auch bewusster werden. Er treibt uns zu uns selbst, wo alles Wissen bereits verfügbar ist und wenn das Selbst gefunden ist, dann bist du wach und erkennst. Das ist das Leben! Raus ins Außen und dann wieder zurück ins… Mehr lesen »

Hi Sebastian,
die Fragen erinnern mich an das Buch “Ismaels Geheimnis von Daniel Quinn”.
Wahrscheinlich kennst Du es schon und wenn nicht – es lohnt sich. : )
Liebste Grüße,
Jojo

Markus

Ja, dem kann ich nur zustimmen. Die Trilogie von Daniel Quinn (Ishmael, The Story of B, My Ishmael) handeln alle von diesen Fragen und geben einen sehr guten historischen Einblick in diese Thematik. Die Lektüre ist sehr lohnenswert. Die Lösung liegt außerhalb des Gefängnisses in dem wir uns alle befinden. Aus diesem Gefägnis auszubrechen ist die Herausforderung für einen jeden von uns, aber dies kann nur Schritt für Schritt gelingen. Die Tür zu einem Leben als Jäger und Sammler ist für die allermeisten von uns verschlossen. Es gilt also kreativ zu sein und ein Leben zu gestalten, dass über unsere heutige Zivilisation hinausgeht

Weil wir an diese ganze Bequemlichkeiten gewöhnt sind. Weil wir uns ein Leben ohne Diese nicht vorstellen können. Weil wir uns nicht die Zeit für Müßiggang, Abstand und Nachdenken nehmen. Weil diese Mechanismen jeweils einen kleinen Dopaminausstoß bedeuten, der uns kurzfristig etwas glücklicher macht.

Cooler Beitrag! Beschäftige mich auch grad sehr mit unserer Entwicklungsgeschichte als Menschen. Ist grade um unsere körperliche Gesundheit und Bewegungs- und Ruhebedürfnisse zu verstehen wichtig. Die Zeit zurückdrehen geht nicht. Aber die Vergangenheit zu verstehen um sich selbst besser zu verstehen und vielleicht etwas mehr Bewegung, etwas mehr Zeit mit “nichts” und etwas mehr Zeit draußen und mit echten Menschen (offline) zu verbringen, das fühlt jeder, dass ihm das gut tut. Ich hab ja Kinder (7 und 9 J.) und da merke ich auch wie wichtig der “Tribe” ist. Die Beziehungen die die Kinder beginnen zu knüpfen, die Interessen die sie beginnen zu entwickeln hängen ja sehr an dem sozialen Umfeld in dem sie aufwachsen. Meine Kinder dürfen natürlich auch Minecraft spielen, aber wir achten drauf viel draußen zu sein, aber auch mal Langeweile auszuhalten und zu sehen, was daraus entsteht…

Hi Sebastian,

Danke für den Beitrag. Sehr gute Fragen und auch sehr kritisch.

Ich selbst stelle meinen Freunden immer die Frage: Warum arbeitest du?

“Um Geld zu verdienen.”

Wozu verdienst du Geld?

“Um meine Kredite abzubezahlen.”

Wozu hast du viele Kredite.

“Um einen Ausgleich zu schafen.”

Wofür?

“Für meine harte Arbeit.”

Du hast recht. Es ist ein Teufelskreis und ich bin froh, dass ich zum Großteil schon ausgestiegen bin. Von der Seite betrachtet sieht man, dass die Karriereleiter nur ein Hamsterrad ist…

Liebe Grüße aus Duisburg,

Walter