Startup-Night: So testest du deine Geschäftsidee in einer Nacht (und hast eine Menge Spaß dabei)

Das Ziel einer Startup-Night ist es, in kürzester Zeit eine Geschäftsidee zu testen, um diese dann umzusetzen oder zu verwerfen. Wir haben es auf Bali probiert, viel dabei gelernt und eine Menge Spaß gehabt. Ich sage dir, warum du unbedingt selbst eine Startup-Night machen solltest und wie es funktioniert.

So individuell wir als Unternehmer und digitale Nomaden auch sind, können Projekte in Gemeinschaftsarbeit deutlich effizienter umgesetzt werden als im Alleingang. Außerdem ist der Spaßfaktor deutlich höher.

Während unserer Workation in Bali haben wir eine Startup-Night durchgeführt, bei der wir in Gruppen von jeweils 5 bzw. 6 Personen zwei verschiedene Geschäftsideen getestet haben. Nach 10 Stunden intensiver Arbeit wurde eine Idee verworfen und eine andere erfolgreich validiert.

In dieser einen Nacht ist nicht nur eine Landing Page mit Prototyp entstanden, sondern es hat sich ein Startup-Team gefunden, das auch einen Monat nach dem erfolgreichem Test noch an der Umsetzung der Geschäftsidee arbeitet.

Während der Validierungsphase wurde klar, dass die Umsetzung des Projektes hohe Chancen auf Erfolg hat. Keine zwei Tage später hielt die Gruppe den ersten Prototypen, der direkt vor Ort in Bali gefertigt wurde, in der Hand. Du kannst dir sicher vorstellen, wie genial dieses Gefühl ist, innerhalb so kurzer Zeit eine Idee erfolgreich umzusetzen.

 

Startup-Night: Gemeinsam statt einsam

Das Ziel der Startup-Night ist es, eine Geschäftsidee innerhalb kürzester Zeit (eine Nacht bzw. ein Tag) auf Umsetzbarkeit hin zu testen. Die einfache Bedingung ist: niemand geht ins Bett, bevor die Idee validiert oder verworfen wurde.

Dank der Gruppendynamik fällt das Umschalten vom Vorbereiten- in den Machen-Modus leicht. Außerdem haben die Mitstreiter eventuell genau die Fähigkeiten, die dir selbst für die Umsetzung der Idee fehlen.

Was für eine Startup-Night benötigt wird, ist eine Gruppe von motivierten Leuten, die sich nicht zwangsweise vorher kennen müssen. Ansonsten braucht es für eine Startup-Night nicht viel. Wichtig sind:

  • 5-10 motivierte (angehende) Entrepreneure mit unterschiedlichen Backgrounds
  • gute Internetverbindung und ablenkungsfreier Raum
  • Whiteboard, Stift, Zettel oder andere Medien, um Ideen festzuhalten
  • Pizza, Red Bull, Schokolade oder was auch immer euch mit Energie versorgt

 

Damit du eine bessere Idee vom Ablauf einer Startup-Night bekommst, möchte ich dir zeigen, wie es bei uns abgelaufen ist. Ob du dich an unsere Zeiten hältst oder das Ganze tagsüber machst, wie viele Teilnehmer eure Gruppe hat oder ob ihr den Ablauf ändert, ist vollkommen dir/euch überlassen. Wichtig ist, dass die Regeln vorher klar sind.

 

1) Pitch vorbereiten

Wir waren 11 Teilnehmer, von denen 7 einen Pitch vorbereitet haben. Das Ziel dieses Pitch ist es, die eigene Geschäftsidee so überzeugend vorzustellen, dass andere Teilnehmer Lust bekommen, an der Umsetzung mitzuarbeiten.

 

2) 15.00 Uhr – Idee pitchen

Unsere Startup-Night begann um 15 Uhr. Von dieser Zeit an waren private E-Mails, Chat-Apps und Telefonate verboten. Jeder, der einen Pitch vorbereitet hat, hatte 3 Minuten Zeit, diesen vor der Gruppe vorzustellen. Ein Moderator hat darauf geachtet, dass die Zeiten eingehalten wurden.

Während des Pitches waren keine Rückfragen erlaubt. Dafür gab es Gelegenheit in einer anschließenden Fragerunde, bei der die gesamte Gruppe noch einmal 3 Minuten pro Idee hatte, um weitere Details zu erfragen.

 

3) 16.00 Uhr – Abstimmung über 1-2 Ideen

Dann kam der Zeitpunkt, an dem sich die Diskussionen erhitzt haben. Wir haben eine halbe Stunde Zeit gegeben, in der sich alle untereinander austauschen konnten. Es hat so ein bisschen was von Investorengesprächen, in denen du anderen Teilnehmern verdeutlichst, warum du an den Erfolg deiner Idee glaubst.

Nach Ablauf der halben Stunde haben wir jedem Teilnehmer zwei Stimmen gegeben, die für andere Ideen (nicht die eigene) vergeben werden konnten. Wir hatten am Ende zwei klare Favoriten.

 

4) 16.45 Uhr – Gruppenaufteilung

Für die beiden Ideen fand dann die Aufteilung der Gruppen nach Interessen und Qualifikationen statt. Wir haben versucht die Leute so auf die Projekte zu verteilen, das wir uns von unseren Fähigkeiten her bestmöglich ergänzen. Das heißt, dass wir jeweils Programmierer, Designer, Blogger und Marketing-Experten auf beide Gruppen verteilt haben.

 

5) 17.00 Uhr – Validierungsphase

Ab jetzt hieß es, beide Gruppen für sich. Wir haben uns einen ruhigen Ort gesucht und ein Brainstorming durchgeführt. Folgende Fragen mussten dabei zuerst geklärt werden:

  • Wer ist unsere konkrete Zielgruppe?
  • Wie definieren wir das Angebot und kommunnizieren den Mehrwert?
  • Unter welcher Marke bzw. welchem Produktnamen verkaufen wir das Angebot?
  • Wer übernimmt welche Aufgaben?

 

Sobald der Markenname feststand, haben wir uns in der Gruppe weiter aufgeteilt. Zwei Teilnehmer haben die Domain registriert, E-Mail-Adressen angelegt und eine erste Landing Page mit E-Mail-Formular gebaut.

Zwei weitere Leute haben sich die Auftritte von Wettbewerbern angeschaut, nach Herstellern gesucht und Einkaufspreise recherchiert. Ein anderer hat sich um die Gestaltung des Logos und andere Designelemente gekümmert und jemand um die Erstellung von Präsenzen in sozialen Netzwerken.

Natürlich muss vorab diskutiert werden, in welchem Namen die Domain registriert, Facebook-Seiten erstellt und kleinere Ausgaben (z.B. Kauf eines Themes) getätigt werden. Das sollte am Anfang jedoch nicht überbewertet werden, da es sich erstmal nur um einen Prototypen handelt.

Rechtlich erforderliche Angaben können auch später noch geändert werden. Auch über die Gründung eines Unternehmens sollte erst nach erfolgreicher Validierung nachgedacht werden.

 

6) 24.00 Uhr – Entscheidung

Wettbewerber wurden analysiert, Preise verglichen, Traffic auf die Landing Page geleitet (durch Social Media und Anzeigen) und die ersten Interessenten haben das E-Mail-Formular auf der provisorischen Landing Page ausgefüllt.

Im besten Fall wurden vorher schon Erfolgskriterien festgelegt (z.B. Conversion Rate, Anzahl von Likes oder E-Mail-Anfragen), anhand derer dann eine Entscheidung über die Umsetzung der Idee getroffen werden kann.

In unserem Fall haben wir eine Idee aufgrund unserer Recherche schweren Herzens verworfen. Auch wenn die Enttäuschung groß war, waren wir dennoch froh, dass wir zu diesem Zeitpunkt außer unserer Zeit und ein paar Euro für Domain und Hosting noch nicht weiter in das Projekt investiert hatten.

 

7) Next Steps

Die Validierung der zweiten Idee war erfolgreich. Alle Teilnehmer beschlossen, in den nächsten Tagen mit der Umsetzung zu beginnen. Das beinhaltete die Anfertigung eines physischen Prototyps (bis dahin gab es nur ein Mockup auf der Landing Page) und die damit verbundene Einholung von Angeboten für die Produktion sowie die Festlegung von Verantwortlichkeiten in der Gruppe. Die wichtigsten Entscheidungen waren Folgende:

  • Welcher Kommunikationskanal wird verwendet?
  • Wer übernimmt welche Verantwortlichkeiten?
  • Wie hoch ist das Budget für Bestellungen?
  • Wie wird mit Haftungsfragen umgegangen?
  • Welche Unternehmensform bietet sich an und wann sollte gegründet werden?
  • Wie werden zukünftige Gewinne aufgeteilt?

 

Für alle Teilnehmer war die Startup-Night ein voller Erfolg. Wir hatten wahnsinnig viel Spaß, haben dabei viel gelernt und den Grundstein für ein möglicherweise erfolgreiches Business gelegt.

Danke für 6 Kommentare

Wir freuen uns über deine Fragen, Hinweise und allgemeines Feedback. Wenn du eine spezielle Frage zum Beitrag hast, schaue bitte zuerst in den bisherigen Kommentaren und im FAQ nach, ob du die Antwort dort findest.

  Neue Kommentare abonnieren  
Neueste Älteste Beliebteste
Benachrichtige mich bei
Daniel

Ich finde das Konzept super interessant!

Wie kommt man zu so einer Gruppe? Ich arbeite derzeit an einem online und einem offline Projekt und würde gerne bei einer Art Mastermind Gruppe oder so teilnehmen.
Facebook Gruppen durchstöbern und fragen wer lust hat? 😛

lg
Daniel

Hi Sebastian,
eine Startup Night, wie ihr es genannt habt, ist ein absolut geniales mittel um das Unternehmer-Feuer anzufachen, Hands-on an Ideen zu arbeiten und ein klares und naheliegendes Ziel zu verfolge: die Validierung einer Idee. In den letzten Jahren ist diese Art von Veranstaltung zu einer regelmäßigen Einheit bei mir geworden. Ich habe bereits vor über 5 Jahren die Veranstaltung “3 Day Startup” von Austin, TX mit nach Deutschland gebracht, habe seitdem ca 5 Events an der RWTH Aachen und der WHU mitorganisert und es ist einfach nur fantastisch, wenn hungrige startende Unternehmer (in unserem Fall damals Studenten) aus allen Bereichen zusammenkommen, mit dem Ziel, ihre Ideen zu validieren. Und es zeigte sich tatsächlich super Erfolge: z.B. tamyca und Reputami wurden auf diesen Events evaluiert und im Nachgang dann umgesetzt.
Seit diesen Erfahrungen, und da zählen auch die tollen Erfahrungen die ihr hattet beim Verwerfen einer Idee dazu die auch wir immer dabei haben, veranstalten wir in kleinen Gruppen immer wieder solche “Just f***** ship it” Sessions.
Toll von ähnlichen Aktivitäten bei euch zu lesen!

Viele Grüße,
Michael

Hi Sebastian

Das sieht aber nicht nur produktiv, sondern auch sehr unterhaltsam aus!

Coole Idee. Gruss Thomas