Routinen zum Mitnehmen: So arbeitest du produktiv von unterwegs

Schnell noch am Flughafen die E-Mails checken, auf dem Weg zur Unterkunft mit dem virtuellen Assistenten skypen und dann am Abend in der Hängematte den Blogartikel für den nächsten Tag schreiben – diese Assoziation mit dem digitalen Nomadentum könnte falscher nicht sein.

Vielleicht gibt es sie, die Webworker, die wirklich reisend arbeiten und dabei tatsächlich produktiv sind. Ich habe sie noch nicht getroffen und gehöre sicher nicht dazu.

Wenn du selbst schon mit dem Laptop unterwegs warst, hast du sicher gemerkt, dass sich Reisen und Arbeiten nur schwer vereinen lassen. Genau so geht es auch allen anderen digitalen Nomaden, die mit der Zeit ganz einfach besser darin werden, an neuen Orten schneller in eine Routine zu verfallen.

Einige Routinen und Verhaltensweisen kannst du überall hin mitnehmen. Sie helfen dabei, trotz all der neuen Einflüsse einer ungewohnten Umgebung schnell in den gewohnten Arbeitsmodus zu kommen.

Ich möchte dir gerne einen Einblick darin geben, wie ich mich organisiere, wenn ich von unterwegs aus arbeite. Mit dem Laptop “unterwegs” zu sein kann ganz verschiedenen aussehen. Wichtig für mich ist, dass ich vor der Abreise genau weiß, was mich erwartet und wie ich mich vorbereiten sollte.

REISEN und Arbeiten im Wartungsmodus: Wenn ich in neue Länder reise, dann möchte ich Land und Leute kennenlernen. Dann wechsele alle paar Tage den Standort und nehme mir lediglich 1-2 Stunden am Morgen, um die wichtigsten To-Dos zu erledigen. Der Arbeitsmodus ist absolut reaktiv, ohne aktiv Projekte vorantreiben zu können. Darauf stelle ich mich vorher ein und genieße dann meine Reise.

ARBEITEN und sporadisches Reisen: Sobald ich längere Zeit an einem Ort verweile, dann richte ich mich dort ein, versuche mir ein möglichst produktives Arbeitsumfeld zu schaffen und meinen gewohnten Routinen nachzugehen. Der reiselustige Entdecker in mir beschränkt sich dann auf vereinzelte Tagesausflüge.

 

Angenehmes Arbeitsumfeld an neuen Orten schaffen

Als ich damit begonnen habe, den Laptop und damit die Arbeit ständig mitzunehmen, ist es mir verdammt schwer gefallen, an bisher unbekannten Orten produktiv zu arbeiten. Viel zu groß war die Lust, auf Entdeckungstour zu gehen und viel zu lange hat es gedauert, bis ich in den Arbeitsmodus gefunden habe.

Mittlerweile fällt es mir deutlich leichter, mich bei vorübergehenden Aufenthalten einzurichten. Bestimmte Routinen verfolge ich unabhängig von den Bedingungen vor Ort. Was mir dabei extrem hilft, ist die Einrichtung vor Ort, die mittlerweile schon automatisch geschieht.

Wohnung in zentraler Lage: Die erste Wahl für mich ist in der Regel ein AirBnB Apartment, das sich in der Nähe von Coworking Space, Restaurants, Supermarkt und Sportmöglichkeiten befindet. Außerdem wichtig ist, dass ich mein temporäres Zuhause auch mal als Home Office nutzen kann. Für die Zeitersparnis bei täglichen Wegen und mein Wohlbefinden bin ich auch gern bereit, einen höheren Preis zu bezahlen, als für das Hostel am Stadtrand.

Lokale SIM-Karte: An den meisten Flughäfen gibt es SIM-Karten mit Datenvolumen. Wenn ich länger als einen Monat irgendwo bleibe, dann recherchiere ich vorher nach den besten Anbietern. Ansonsten kaufe ich einfach die erstbeste Karte mit einem Datenvolumen von mindestens 3 GB, um bei schlechtem Wifi auch über den Smartphone-Hotspot online sein zu können.

Fahrbarer Untersatz: Nenne es Bequemlichkeit, aber mir gibt ein Motorroller vor der Tür ein Gefühl von Unabhängigkeit und Flexibilität. Damit kann ich mich schnell fortbewegen und bin nicht auf Taxi und Bus angewiesen. Zumindest in Asien kostet ein gemieteter Roller nur wenige Euro am Tag.

Co-Working Space oder Cafés: Die Dichte an Co-Working Spaces nimmt ständig weiter zu. An den Nomaden Hotspots hast du deshalb keine Probleme, tage- oder wochenweise in einen Space einzuchecken. Alternativ suche ich mir ein nettes Café mit stabiler Internetverbindung. Eine Google Suche, Foursquare oder die Nachfrage in lokalen Facebook Gruppen hilft bei der Suche.

Bezugspersonen vor Ort: Nicht weil ich nicht gern alleine bin, sondern einfach um Freunde und Bekannte zu treffen, wähle ich die Location eigentlich immer danach aus, wo sich bekannte Gesichter gerade aufhalten. Das zumindest teilweise bekannte Umfeld (vs. sich wiederholende Small Talks) hilft mir ungemein, um schnell in den Rhythmus zu kommen.

 

Am zweiten Tag steht die Routine

Nachdem am Ankunftstag die Unterkunft bezogen, der Roller ausgeliehen und der Arbeitsplatz für die nächsten Tag auserkoren ist, versuche ich spätestens am zweiten Tag in eine gewohnte Routine zu verfallen.

Bestimmte Teile meiner gewohnten Routine übernehme ich, andere passe ich an die neuen Gegebenheiten an. Der Tagesablauf verschiebt sich zwar mit den Gegebenheiten (z.B. Öffnungszeiten und Tageslicht) im Land, aber trotz geänderter Zeiten stehen bestimmte Teile der Routine.

Eine Morgenroutine, ganz unabhängig davon wie diese aussieht, sorgt dafür, dass sich Köper und Geist trotz der neuen Umgebung mit all den aufregenden Einflüssen an etwas klammern können, dass sie kennen und das ihnen Stabilität gibt.

Dein Journal führen, meditieren, Bodyweight Training, morgendliches Schreiben oder Joggen kannst du auch an fremden Orten. Bei mir ändert sich diese Morgenroutine immer mal wieder etwas. Was sie mir aber gibt, ist ein vertrautes Gefühl. Ich fühle mich nach dem Joggen, dem morgendlichen Kaffee und der kalten Dusche fertig für den Tag.

 

Genauso wichtig wie die Routine am Morgen sind für mich 1-2 Stunden während des Tages, die ich gerne meine Alleinzeit nenne. Abseits von geschäftigen Cafés oder Coworking Spaces suche ich mir während dieser Zeit einen ruhigen Platz, lese Bücher, schaue Video, höre Podcasts oder Musik.

Ich merke immer mehr, wie sehr ich diese Zeiten brauche – egal, ob ich in Thailand, Deutschland oder China bin. Wieder etwas, das ich mir als Routine antrainiert habe und das mir jetzt ein gewohntes Gefühl gibt, wodurch meine Produktivität automatisch steigt.

 

Nicht vergessen: Ort und Menschen genießen

Selbst habe ich mich schon oft dabei ertappt, an traumhaften Orten zu sein und außer dem Apartment, 2-3 Restaurants um die Ecke und dem Coworking Space nichts vom Land mitbekommen zu haben.

Dabei bereichern ein kleiner Sprachkurs, ein lokaler Sportverein oder gemeinsame Aktivitäten mit anderen Leuten vor Ort den Aufenthalt ungemein. Letztendlich bin ich schließlich Gast in diesen Ländern und möchte die Sprache und Kultur vor Ort verstehen.

Genau deshalb gebe ich dir und vor allem auch mir den Rat, öfter mal den Laptop zugeklappt zu lassen und die wunderbare neue Umgebung zu genießen.

 

Welche Routinen hast du, um beim Arbeiten von unterwegs produktiv zu bleiben?

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HI Sebastian, toller Artikel. Ich habe noch die Angewohnheit auf meiner ToDo Liste zu notieren, warum ich etwas mache. Zum Beispiel: heute erstelle ich einen Marketingplan, weil es mir hilft ein unabhängiges Leben zu führen. Sprich, ich betrachte das große Bild. Das hilft mir, mich auch in neuen Umgebungen zu motivieren. Abends erstelle ich noch eine “was habe ich heute alles erreicht” Liste. Auch das ist ein Motivator und gibt meinen Tagen eine Struktur.

Hi Sebastian, schöner Artikel – vielen Dank! Irgendwie beruhigend, dass nur ich unterwegs meine Schwierigkeiten habe, produktiv zu arbeiten. Auch ich habe auf meinen letzten Reisen versucht, etwas Routine in den “Reise-Alltag” zu bekommen, und siehe da: Es klappt schon besser. Bei mir kommt noch erschwerend hinzu, dass ich mich gerne nach Wind und Welle richte, und das ist dann tatsächlich ein Faktor, der sich nur schwer einplanen lässt! Das wird aber auch noch!