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Exklusiv: Eine Reisebloggerin packt aus

Sich selbständig machen und die Welt bereisen – was liegt da näher, als einen Reiseblog zu starten, um seine Leidenschaft zum Beruf zu machen? Leider haben viele Menschen falsche Vorstellungen davon, was es bedeutet, seinen Lebensunterhalt als Reiseblogger zu verdienen.

Von allen Reisebloggern, die ich in den letzten Jahren kennenlernen durfte, ist kaum jemand so reflektiert wie Melissa Schumacher. Mit Indojunkie betreibt sie den größten deutschsprachigen Blog über Indonesien. Mit weit über 100.000 monatlichen Besuchern ist aus dem Blog ein echtes Business mit sehr guten Einnahmen geworden. Ganz bald gibt es übrigens den Reiseblog Guide von Melissa, in dem sie all ihre Learnings der letzten 4 Reiseblogger-Jahren festhält!

Melissa schreibt in diesem Gastbeitrag über Dinge, von den die meisten Reiseblogger nichts wissen wollen, die jedoch mal gesagt werden sollten. Ein klasse Beitrag, den alle (angehenden) Reiseblogger unbedingt lesen sollten.

Vorhang auf für Melissa …

 

Vor vier Jahren startete ich meinen Blog über Indonesien, nachdem ich sehr viel Zeit in dem größten Inselreich der Welt verbracht habe.

Meine ersten Artikel waren verspielt, naiv und ein wenig verträumt. Sie handelten von meinem Leben in einer balinesischen Fischerfamilie, von schwarzer Magie und Hahnenkämpfen. Einige dieser Artikel existieren heute gar nicht mehr, da die Inhalte nicht auf 100.000 Leser im Monat ausgelegt waren.

Von SEO und Affiliate Marketing hatte ich in den Anfängen meiner Bloggerei keine Ahnung. Ich bloggte, weil ich einen Kanal suchte, in dem ich meine abgefahrenen Erfahrungen in Indonesien teilen konnte – und des kreativen Schaffens wegen. Ich war auf der Suche nach Begegnungen mit Menschen aus anderen Kulturen und nach wirklich außergewöhnlichen Momenten “on the road”. Meine Artikel adressierten mich selber und Menschen, die wie ich tickten. Nur das ich (und die Menschen, die wie ich gereist sind) keine Blogs lesen.

Meine heutigen Artikel handeln von den schönsten Wasserfällen, der tollsten Reiseroute und der besten Reisezeit (diese Links sind an dieser Stelle ganz bewusst platziert worden, da diese Keywords äußerst spannend im Kampf um die ersten Plätze bei Google sind). Meine heutigen Artikel adressieren zum Teil nicht mehr mich, sondern die breitere Masse.

Denn aus meinem Hobby wurde innerhalb von zwei Jahren mein Vollzeitjob. Zu Beginn arbeitete ich noch für ein Startup. Nach und nach konnte ich meine Stunden für das Startup reduzieren, bis ich meine gesamte Energie nur noch für meinen Blog nutzen durfte. Und plötzlich war ich eine Vollzeit-Reisebloggerin, startete mit meiner besten Freundin Petra einen Selbstverlag und lebte als digitale Nomadin in der Welt – eine Traumvorstellung von vielen.

Und ja, ich liebe diesen Lifestyle. Ich liebe es mit einem Flat White in einem Café zu sitzen und zu schreiben. Ich liebe es Blogbeiträge einzupflegen und am Ende das Endergebnis zu bestaunen. Ich liebe es, ein Buch von vorne bis hinten zu entwickeln und mit tollen Menschen zusammenarbeiten zu dürfen. Es ist schon irgendwie ein Traum.

Ich hatte jedoch nie davon geträumt. Ich hatte nie den Plan geschmiedet, einen ortsunabhängigen Job zu finden. Ich habe mir nicht mal Gedanken dazu gemacht. Ich war ja bereits ständig unterwegs. Habe im Ausland studiert, gejobbt, gelebt, gereist – ohne das Wort “digitaler Nomade” jemals gehört zu haben. Eins kam zum anderen, wie eine fremde Hand, die mich geführt hat. Es sollte einfach so sein.

Und so hatte ich mir bis dato auch keine Gedanken gemacht, was hinter einem Reiseblog-Business eigentlich alles steckt. Derzeit wird mir jedoch immer häufiger bewusst, was für eine Verantwortung man als Reiseblogger mit einer großen Reichweite eigentlich hat, und wie schwierig ein Blog-Business sein kann.

 

Du bist ein Beeinflusser!

Als Reiseblogger, Youtuber oder Instagrammer ist man ein “Influencer”. Der Begriff wird derzeit inflationär benutzt und als etwas erstrebenswertes angesehen. Aber ist es wirklich so erstrebenswert ein “Beeinflusser” zu sein?

Als Reiseblogger arbeitet man im Prinzip in der Tourismusbranche. Und in der Tourismusbranche ist ein Land nichts anderes als ein Produkt. Für mich war Indonesien kein Produkt, sondern ein Land voller Magie und Abenteuer. War das zu naiv gedacht?

Als Reiseblogger beeinflusst man seine Leser – ob bei der Länder-, Restaurant-, Rucksack- oder Unterkunftswahl. Damit tragen wir eine riesige Verantwortung für die lokale Bevölkerung und auch für die Natur – vor allem wenn man viele Leser hat und wenn man über Länder schreibt, deren Tourismus kaum reguliert wird.

Viele Reiseblogger sind sich dieser Verantwortung überhaupt nicht bewusst, weil sie die Begebenheiten vor Ort nicht gut genug kennen oder weil sie sich noch nie Gedanken darüber gemacht haben.

Was würdest du tun? Stell dir folgendes Szenario für Bali vor:

Man kann seine Leser in eine Villa mit Infinitypool schicken, deren Einnahmen in die Taschen von ausländischen Investoren fließen, die wiederum zu einem großen Teil dazu beitragen, dass Locals von ihren Ländern vertrieben werden und dessen Pool die Wasserknappheit der Insel nicht gerade verbessert. Zum Frühstück gibt es eine super healthy Breakfast Bowl mit Chia-Samen und Goji Beeren – dessen Zutaten natürlich allesamt importiert wurden.

Oder man kann seine Leser in das kleine Homestay schicken, welches keinen negativen Einfluss auf die Region hat und dessen Einnahmen zu 100 Prozent an die Familie gehen. Zum Frühstück gibt es hier lokalen Black Rice Pudding mit Kokosnussmilch.

Die Villa wird auf Instagram total gehyped, hat großartige Bewertungen und bietet attraktive Provisionen für Influencer. Als i-Tüpfelchen wurde man für eine ganze Woche eingeladen. Vor Ort ist natürlich alles perfekt und von den o.g. negativen Hintergründen der Unterkunft weiß man nichts, da man keine allzu intensive Recherche betrieben hat.

Im Homestay muss man in Sachen Komfort und Hygiene ein paar Abstriche machen. Provisionen gibt es hier keine, da das Homestay eine “local friendly” Buchungsplattform nutzt.

Ein Großteil der Bali-Reisenden fände das Homestay “ganz nett” – aber ein Dschungel-Infinitypool mit einer gesunden Breakfast Bowl wäre schon nice gewesen. Und das gehört ja auch irgendwie zu einem Bali Urlaub dazu, oder?

Zumindest gehört es zu dem eher fragwürdigen Image, welches über Instagram von uns geschaffen wurde.

Also, was tust du?

Nicht immer sieht das Reiseblogger-Office so romantisch aus wie hier (© Indojunkie)

 

Das Reiseblogger-Dilemma

Viele Blogger werden natürlich nur von Firmen eingeladen, die wissen, wie der Hase läuft. Nicht jeder Local versteht was von “Blogger Relation”. Dies trifft vor allem in Entwicklungs- und Schwellenländern zu.

Somit fördert man durch manche Kooperationen oder Empfehlungen die Ungleichheit in der Tourismusbranche – ohne es oftmals zu wissen. Man muss seine Kooperationspartner theoretisch aktiv aussuchen und stets nach ökologischen und sozialen Gesichtspunkten evaluieren.

Welches Surfcamp geht besser mit seinen Mitarbeitern um? Welches Yogastudio bildet lokale Yogalehrer aus? Welche Tauchschule investiert in Korallen-Restaurierungsprojekte? Wo fängt man hier bitte an, und wo hört man auf?

Hier beginnt das Reiseblogger-Dilemma: Irgendwie muss man seine Brötchen verdienen und seinen anspruchsvollen Lesern liefern, was sie wollen, denn ansonsten verliert man sie.

Aber haben wir Reiseblogger das Recht zu entscheiden, wohin das Geld in einem Land fließt, dessen Begebenheiten wir nicht gut genug kennen? Haben wir das Recht dazu, einen Ort wie ein Produkt zu verkaufen?

Viele Reiseblogger reisen in ein Land, veröffentlichen einen Artikel im Blog oder Foto auf Instagram und dann heißt es: Nach mir die Sinnflut. Nur die wenigsten Blogger wissen, was ihre Worte und Fotos für eine Macht haben – vor allem, wenn man viele Follower hat.

Da ich ein Nischenblog betreibe, und ziemlich deutlich sehe, welche Macht man als Reiseblogger hat, sehe ich das ganze Thema immer kritischer – auch bei meiner Arbeit.

Kürzlich stand ich vor folgender Situation:

Auf Empfehlung eines Lesers entdeckten wir eine wunderschöne Gegend auf Bali. Sie hatte alles: spektakuläre Wasserfälle, abgefahrene Naturrutschen, saftige Reisfelder und unglaublich freundliche Locals. Eine 6-köpfige Familie hatte sich hoch verschuldet, um hier ein wunderschönes Homestay zu bauen (das Banksystem in Indonesien ist der reinste Irrsinn!).

Hier waren wir nun, alleine. Niemand wusste von diesem Ort. Niemand kam. Und niemand würde kommen, denn der Besitzer war zwar ein sehr nachhaltiger und einfühlsamer Mann, hatte aber keine Ahnung von Marketing.

Er bat uns, seine Unterkunft in unserer Community zu empfehlen. Und ja, sie war empfehlenswert, und wie! Wir taten es. Mittlerweile ist die Familie meistens ausgebucht. Er konnte Leute aus der Region einstellen und schreibt mir fast täglich, wie dankbar er uns ist.

Aber was ist in ein paar Jahren? Was ist, wenn zu viele Reisende in diese Region kommen? Was, wenn clevere Investoren diesen Ort für sich entdecken? Wird es die Natur vor Ort, und die lokale Bevölkerung positiv oder eher negativ beeinflussen? Und wann sollte man sich für die lokale Bevölkerung und wann für die Natur entscheiden? Denn was der Bevölkerung zugute kommt (Arbeitsplätze), schadet oftmals der Natur (Bootsverkehr, Müll, Verkehr etc.).

Wie du siehst, geht hier das Reiseblogger-Dilemma weiter. Über welche Orte darf man schreiben? Welche Orte sollte man lieber außen vor lassen? Welche Regionen könnten von mehr Tourismus profitieren? Bei welchen könnte es negative Folgen haben? Und wer weiß bitte die Antwort auf diese Fragen?!

Natürlich wird die Arbeit von einem einzelnen Reiseblogger keine katastrophalen Auswirkungen haben. Es ist eher der Netzwerkeffekt von vielen verschiedenen Influencern.

Reise-Hypes, die früher nur ein Film wie “The Beach” oder “Eat Pray Love” auslösen konnte (denen auch ich einst gefolgt bin), sind heutzutage durch die ganzen Online-Ressourcen an der Tagesordnung. Und diese Ressourcen sind Segen und Fluch zugleich.

Szenario Insider-Tipp früher: Noch vor wenigen Jahren kam im “Jahr 1” ein Rucksacktourist zum Secret Beach auf Bali. Er erzählt es seinem besten Kumpel, der in “Jahr 2” dem Tipp seines Kumpels folgt. Nach seiner Rückkehr schreibt er dem Lonely Planet einen Brief, dass der Strand in der nächsten Auflage unbedingt erwähnt werden müsste. Im Gegenzug erhält er ein großes Danke des Verlags und ein kostenloses Exemplar der neuen Auflage. In “Jahr 4” kommt der neue Lonely Planet mit dem Tipp für den Strand auf den Markt. In “Jahr 5” übernehmen auch andere Reiseverlage den Tipp. Mehr und mehr Reisende besuchen den Strand. Dann kommen die ersten Investoren, bauen Hotels, Straßen und Parkplätze – erst für Roller, dann für Autos und später für Reisebusse mit ostasiatischen Reisegruppen. Vielleicht befinden wir uns jetzt in “Jahr 10”.

Szenario Insider-Tipp heute: Ein Rucksacktourist findet einen Strand, postet ihn auf Instagram, vergibt die richtigen Hashtags. Das Foto wird von einem Influencer mit 100k Followern entdeckt, der daraufhin den Strand besucht. Es folgen Reiseblogger, mehr und mehr Reisende, ein Google Maps Eintrag mit einigen 5-Sterne-Bewertungen. Es ist immer noch das “Jahr 1”! Wie es dann weitergeht, kann man sich ja denken!

Der Unterschied: Die lokale Bevölkerung hat kaum noch genügend Zeit auf die enorme Entwicklung zu reagieren und eine vernünftige Infrastruktur zu schaffen.

Die Müllbilder aus Bali kennt mittlerweile jeder von uns (© Indojunkie)

 

Over-Tourismus ohne Infrastruktur

Das beste Beispiel von einem aus dem Ruder geratenen Tourismus ist der Süden von Bali – eine Insel, die im Verkehr und Müll erstickt.

Ist es vertretbar noch mehr Menschen nach Bali zu schicken? Sollte man als Influencer nicht lieber die anderen 17.000 Inseln von Indonesien promoten? Oder ist es nicht vielleicht sogar besser, wenn sich alles auf einen Raum konzentriert und die Natur der anderen Inseln unberührt bleibt?

Damit könnte man ein “Worst-Case-Scenario” auf Bali provozieren, damit die Regierung endlich mal checkt, dass sie dafür verantwortlich ist, Regeln und Richtlinien für den lokalen Tourismus zu schaffen.

Aber vermutlich wird sich hier erst etwas ändern, wenn niemand mehr kommt. Denn solange das Geld vor Ort fließt, werden die Flieger landen und neue Hotels, Restaurants, Straßen und Flughäfen gebaut. Einen spannenden Artikel darüber veröffentlichte Bravebird: 7 gute Gründe, nicht mehr nach Bali zu reisen.

Anderen Meinungen zufolge beeinflusst der Tourismus auf Bali das Denken der Locals auf eine positive Weise. Denn es gibt kaum einen Ort auf dieser Welt, an dem so viele “Querdenker” leben, wie auf Bali.

Das Müllproblem zum Beispiel ist nicht allein durch den Tourismus entstanden, sondern ein grundsätzliches Problem in vielen Ländern. Apokalyptische Berichterstattungen über das Müllproblem handeln aber vor allem gerne über Bali. Aber was ist mit dem von Gift und Müll vollgepumpten Flüssen in einigen chinesischen oder indischen Großstädten? Hier kommen viel weniger Reisende hin, die es “stört”. Somit gibt es weniger Berichterstattungen darüber.

Aber ist es nicht eigentlich sogar gut, wenn man möglichst viel über das Müllproblem berichtet und das am besten noch von einem Ort, mit dem man was anfangen kann (wie z.B. Bali oder Thailand)? Somit könnte dieses bereits sehr gravierende Problem noch mehr Menschen erreichen und noch mehr Menschen für das Thema “Plastikmüll” sensibilisieren. Und je mehr Menschen nach Bali kommen und von der Müllsituation geschockt sind, desto mehr wird berichtet. Vielleicht ist Bali wie ein Ventil für das globale Umweltproblem? Vielleicht sind es die Götter Balis, die hier ihre Finger im Spiel haben? Der Vulkan Agung (Hauptsitz der Götter) brodelt ja auch schon.

All diese Gedanken kreisen mir derzeit ständig durch den Kopf und ich möchte diese Verantwortung nicht tragen. Ich bin dieser Verantwortung nicht gewachsen. Ich habe vielleicht auch einfach zu viel Angst davor, die falschen Entscheidungen zu treffen. Und das letzte was ich will, ist diesem wunderschönen Planeten, der mir so viele wundervolle Momenten beschert hat, auf irgendeine Weise zu schaden.

Aber mach ich das nicht schon mit jeder Zeile, die ich schreibe? Oder ist es nicht sogar meine Pflicht weiter zu schreiben? Und plötzlich ist man nicht nur ein Reiseblogger, sondern auch ein Umweltbeauftragter, oder gar ein Umweltaktivist?

Aber auch ich habe meine schwachen Momente (und das nicht gerade selten), wo ich kein Vorbild sein will, wo ich eine schöne Villa empfehle, ein Nutellabrot esse und Plastikflaschen kaufe. Der Unterschied: Früher habe ich Plastikflaschen gekauft. Heute kaufe ich Plastikflaschen und sehe sie bildlich vor mir im Meer verrotten. Früher habe ich Nutella gegessen. Heute esse ich etwas mit Palmöl und sehe eine gerodete Regenwaldfläche vor mir.

 

Positive Macht des Tourismus

Ein gutes Beispiel für die positive Macht des Tourismus war die kleine Insel Bangka in Sulawesi. Auf der winzigen Insel wurde eine Eisenerzmine inmitten eines Marine Nationalparks (!) von ausländischen Investoren errichtet. Der Bau wurde genehmigt und damit war die Zerstörung des Nationalparks nur eine Frage der Zeit.

Die ansässigen Tauchschulen, Resortsbesitzer und Anwohner protestierten. Auch wir berichteten darüber. Diesmal gewann das Gute. Der Bau der Mine wurde gestoppt, u.a. weil damit argumentiert wurde, dass die Region ein enormes Tourismus-Potential aufgrund der wunderschönen Unterwasserwelt besitzt.

Könnte demnach ein nachhaltiges Dschungel-Trekking in Kalimantan die Abholzung der Regenwälder für Palmölplantagen in manchen Regionen stoppen? Könnte die Förderung des Tauchtourismus die destruktive Fischerei verhindern?

Letztendlich ist es in manchen Regionen so, dass der Tourismus das geringere Übel ist. Wenn der Tourismus wegfällt, wird in andere Wirtschaftsbereiche investiert. Und ob die dann besser sind, dass sei dahin gestellt.

 

Du generierst kein passives Einkommen!

Oftmals werden Reiseblogs als passive Einkommensquelle bezeichnet. Du schreibst einen Blogeintrag, packst den ein oder anderen Affiliate Link zu Tour-Anbietern, Kreditkarten und Buchungsplattformen für Hotels und Flüge hinein und schwups – noch Jahre später verdienst du an diesem Artikel.

Aber ist das wirklich so?

Reisedestinationen verändern sich oftmals rasant – vor allem Städte und gehypte Orte, wie z.B. Bali. Sobald man einen Blogeintrag über die “besten Cafés in San Francisco” oder die “schönsten Unterkünfte auf Bali” veröffentlicht hat, ist dieser schon wieder veraltet.

Bestenfalls liegt die Recherche vor Ort nur wenige Tage zurück. Schlimmstenfalls liegt der Beitrag schon seit Wochen auf dem Tisch und man ist erst Monate nach der Rückkehr des Trips zum Schreiben gekommen. Dann braucht Google nochmal drei Monate bis dein Artikel in den Suchanfragen erscheint. Wie aktuell sind die Infos in dem Artikel dann noch?

Nicht selten öffne ich einen Artikel von vor einem Jahr und muss feststellen, dass ein Drittel der Inhalte bereits veraltet sind. Die kleinen Strandbars in dem ehemaligen Fischerdörfchen wurden gegen private Villen ausgetauscht. Der “einsame” Strand wird mittlerweile von ostasiatischen Touristen mit Selfie-Stangen überflutet. Und der hochgelobte Surfguide aus Lombok ist längst nach Australien ausgewandert.

Denn das Internet hat die Tourismusbranche ziemlich umgekrempelt. Vor Google Maps, Tripadvisor, Instagram & Co. hatten Reiseführer eine viel längere Lebensdauer. Die Geschwindigkeit, in der sich heutzutage Reisetipps verbreiten, ist enorm (siehe Szenario Insider-Tipp weiter oben).

Ein Großteil meiner Zeit bin ich demnach “aktiv” mit dem Updaten von meinen Artikeln, E-Books und Büchern beschäftigt. Darf man das also eine passive Einkommensquelle nennen?

Was würde passieren, wenn ich die Artikel nicht updaten würde? Vermutlich würde ich für eine Reihe an Keywords noch eine Weile gut ranken. Die Artikel würden mir weiterhin passives Einkommen generieren, ohne sie nochmal anpacken zu müssen.

ABER: Einige Leser werden deinen Tipps folgen und feststellen, dass viele Infos nicht mehr stimmen. Schlimmstenfalls wird der ein oder andere Leser einen unglücklichen Urlaub verbringen. Blogleser achten zudem immer häufiger auf das Erscheinungsdatum von Reiseberichten. Je älter ein Reiseartikel, desto unbrauchbarer ist er.

Demnach liegt es vermutlich am eigenen Anspruch: Will man stets einen Mehrwert schaffen, seine Artikel auf dem (mehr oder weniger) neuesten Stand halten oder ist die Arbeit getan, nachdem der Artikel veröffentlicht wurde? Letzteres würde dann dafür sprechen, dass ein Reiseblog eine passive Einkommensquelle ist. Ersteres nicht.

Es gibt andere Themen für Blogs, die viel zeitloser sind. Ich habe beispielsweise als Content Manager für einen Yoga Blog gearbeitet. Und ein großer Teil des Contents ist noch heute “aktuell” und rankt bis heute noch sehr gut. Denn die einzelnen Asanas, die verschiedenen hinduistischen Götter oder die unterschiedlichen Yogaformen verändern sich kaum bis gar nicht. Das nennt man dann wohl eher “evergreen content”.

Man kann einen Reiseblog zeitloser gestalten, indem man sich auf jene Sehenswürdigkeiten und Destinationen konzentriert, die einem weniger starken Wandel ausgesetzt sind. Anstelle von bestimmten Unterkünften und Restaurants können bestimmte Viertel oder Straßen empfohlen werden.

Je “oberflächlicher” man sich jedoch mit einem Ort beschäftigt, desto weniger Mehrwert besitzt ein Artikel oftmals. Denn schließlich lesen Reisende ja Blogs, um genau diese aktuellen Insidertipps zu erfahren. Das nennt man dann wohl auch wieder Reiseblogger-Dilemma.

Man kann natürlich auch eine Struktur aufbauen, die einem hilft, in regelmäßigen Abständen ein Update seiner Artikel vorzunehmen. Wenn jemand eine solche Struktur etabliert hat, der melde sich bitte bei mir! Ich bin leider zu sehr mit dem Updaten beschäftigt.

Man schafft als Reiseblogger demnach nur selten “nachhaltigen” Content. Es ist zwar nicht so schlimm, wie bei Fashion-Bloggern, aber es kommt der Sache immer näher!

Life as a Reiseblogger (© Indojunkie)

 

Du besitzt keine digitale Immobilie

Wo wäre ich, wenn ich all die Energie, Liebe und Leidenschaft in ein anderes (zeitloses und objektives) Thema gesteckt hätte? Was für ein krasses Business hätte ich in all der Zeit aufbauen können?

Und was ist, wenn ich irgendwann keine Lust mehr aufs Reisebloggen habe? Was, wenn das Reisen – oder in meinem Fall Indonesien – nicht mehr meine Priorität sein wird? Ich muss gestehen, dass das Reisen in meiner Prioritätenliste tatsächlich aktuell immer weiter nach unten rutscht.

Viele Reiseblogger standen bereits vor dem Problem: Man kann sich nicht mehr mit seinem Blog identifizieren, entfremdet sich, wird unauthentisch. Und das merken die Leser. Was dann?

Einige meiner Blogger-Kollegen haben ihre Webseiten, die ähnlich viele Leser haben, für einen 6-stelligen Betrag verkauft. Denn wusstest du, dass eine erfolgreiche Webseite, wie eine digitale Immobilie ist? Sie generiert jeden Monat “Mieteinnahmen” und wenn du möchtest (und einen Käufer findest), kannst du die digitale Immobilie verkaufen. Für wie viel hängt von unterschiedlichen Kriterien ab, wie z.B. deinen Leserzahlen (und deren Entwicklung im Zeitverlauf), deinem Umsatz, deinen Einnahmequellen und deinem Thema.

Eine Seite zum Thema “besser schlafen” kann an einen Matratzenhersteller verkauft werden. Eine Seite zum Thema “Yoga” an eine Yogamattenmarke u.s.w.

Ein Reiseblog, wo du als Person hinter stehst, ist schwierig und nicht so spannend als “digitale Immobilie”. Und ich will ganz sicher nicht mein Baby an einen ausländischen Investor verkaufen, der den Traffic nutzt, um seine Villen zu verticken!

Ein persönlicher Reiseblog ist mehr Arbeit, erzeugt mehr Verantwortung aber am Ende weniger Wert, als eine Seite zu den Themen “besser schlafen”, “Stress-Reduktion” oder “Basketball”.

Baut man sich mit einem Reiseblog also einen unternehmerischen Wert auf? Vermutlich gibt es dafür weitaus bessere Themenbereiche!

 

Warum bloggst du eigentlich?

Bei der Frage bekommt man oft die Antwort: Naja, weil ich gerne reise!

Wenn ein Reiseblog erfolgreich ist, kann dieser durchaus dabei helfen, das ganze Jahr lang in der Welt unterwegs zu sein und von Unternehmen eingeladen zu werden. Aber bis dahin ist es ein langer Weg und entlang diesen Weges geht einiges an Reisequalität durch das Bloggen verloren.

Wenn es einen ausschließlich ums Reisen geht, muss man zugeben, dass es durchaus bessere Wege gibt, die einem das Unterwegssein ermöglichen. Man braucht entweder eine ortsunabhängige Arbeit (die nicht unbedingt mit Reisen zu tun haben muss), einen Saisonjob, den Willen vor Ort zu arbeiten oder einfach ein paar Rücklagen.

Ich reise seit acht Jahren um die Welt, nie war ich länger als drei Monate an einem Ort. Ich studierte in Seoul und Istanbul, arbeitete in Tauchschulen in Indonesien und Elefantencamps in Thailand. Ich war unglaublich gierig nach Abenteuern, Erfahrungen und intensiven Reisemomenten. Es gibt Tage, da wünsche ich mir diese Zeiten zurück à la “ohne WLAN, Instagram und Google Maps war alles besser”.

Aber war es das wirklich? Es war auf alle Fälle intensiver, aufregender und “echter” aber auch ziemlich anstrengend und energieraubend. Daneben noch ein Blogbusiness aufziehen? Das wäre kaum möglich gewesen!

Tatsächlich habe ich nach meinen intensivsten Reiseerlebnissen mit dem Bloggen angefangen und zwar nach einer Operation – aus Langeweile, und in Deutschland!

Und seit dem ortsunabhängigen Job in dem Start-up und meinem Blog-Business reise ich viel weniger. Ich bin zwar ständig unterwegs, aber lebe eher an Orten mit einer guten Infrastruktur für Digital Nomads. Ein ständiger Ortswechsel stresst mich derzeit eher.

Und ich reise nur noch selten an Orte, an denen es kein Internet gibt (da ich relativ viel online sein muss). Und wenn ich es dann doch mal tue (für ein paar Tage), muss ich mir immer wieder eingestehen, dass diese Orte die schönsten sind und man dort auch die spannendsten Charaktere trifft. Außerdem bin ich viel weniger im “Hier und Jetzt” als vor meiner Blogger-Zeit.

Ich hab einige Freunde, die sich auf ihren Reisen von einem Job zum nächsten hangeln, die Yoga unterrichten und dafür eine kostenlose Unterkunft bekommen, die beim Oktoberfest aushelfen und mit der Kohle ein halbes Jahr durch die Welt ziehen – ohne ständig die Mails zu checken oder auf Instagram ein Foto mit einer tiefgründigen Message zu posten. Ich bin mir ziemlich sicher, dass diese Menschen die Vorteile des Reisens eher spüren, als das ich es mittlerweile tue.

Für mich ist es okay, weil ich fast acht Jahre wie eine Irre gereist bin und ziemlich viele Punkte auf meiner “Bucket List” abgehakt habe. Ich bin fast schon gesättigt vom Reisen und bin einfach super happy, über die Erfahrungen, die ich machen durfte.

Das Reisen sollte demnach nicht der Hauptgrund sein, dass man einen Reiseblog Business startet.

Wenn du noch nicht länger am Stück gereist bist, dann reise erstmal ohne das Betreiben eines Reiseblog – mit deinen Rücklagen oder suche dir Jobs auf deinen Reisen mithilfe von Plattformen, wie z.B. “HelpX” oder “Work Away”.

Genieße den Moment, spüre die intensiven Reisemomente, tauche tief in ein Land ein, sei mal mehrere Wochen offline, hänge mit Locals ab und lasse dich vor Ort treiben, anstatt dich von einem “instagrammable” Spot zum nächsten zu hetzen. Und blogge erstmal einfach “just for fun”.

Aber wenn man nicht des Reisens wegen bloggt, warum dann?

 

Weil du gerne Content produzierst

Das Schreiben war schon immer (!) mein Ventil für meine Gefühle, Gedanken und Ideen – in Form von Gedichten als Teenie (die sogar in der Wendy und Girl veröffentlicht wurden), persönlichen Blogs und unzähligen Tagebüchern.

Aber wie viel dieser kreativen Schaffens-Energie fließt in einen Reiseblog, dessen Szene von SEO dominiert wird?

Denn viele sehr erfolgreiche Reiseblogger schreiben keine besonders guten Texte. Sie haben aber ihre Suchmaschinen-Hausaufgaben erledigt. Andere Reiseblogger können nicht mal ihre Miete von den Einnahmen ihrer Blogs bezahlen, obwohl sie unglaublich wertvollen Content veröffentlichen.

Meine Inhalte haben sich enorm verändert innerhalb von vier Jahren. Der Prozess verlief schleichend. Ich reagierte auf die Bedürfnisse des Marktes. Für das Interview über den Kampf gegen die Eisenerzmine bekam ich 56 Klicks auf Facebook. Für die schönsten Strände auf Bali gab es über 4000 Klicks. Man passt seine Artikel nach und nach (eher unterbewusst) den Bedürfnissen der Zielgruppe an.

Das ist nicht schlecht, aber man sollte seine Inhalte hin und wieder mal von außen beleuchten und evaluieren, ob man sich selbst treu geblieben ist und ob man noch hinter dem, was man publiziert, steht.

 

Weil du gerne anderen Menschen hilfst

Wenn du anderen Menschen gerne hilfst und sie auf ihren Reisen “an die Hand nehmen möchtest”, dann werde Reiseblogger!

Ich bekomme täglich Nachrichten von Menschen, deren Urlaubsvorbereitungen durch unsere Artikel unglaublich erleichtert wurden.

Aber auch Unternehmen oder Einzelpersonen vor Ort kannst du mit deiner Reichweite helfen – gerade jenen, die selber keine Ahnung von Marketing haben. Da wäre z.B. Made aus Bali, der eine schöne Sunset-Cruise entlang der Bukit-Halbinsel anbietet. Wir haben ihn in unseren Büchern und auf unserer Listing-Seite empfohlen und immer wieder kriegt er Buchungen über uns. Wir bekommen keinen Cent, dafür aber ein Lächeln von der Grinsebacke Made. Gleiches gilt für Buda, der Homestay-Besitzer, von dem wir weiter oben berichtet haben oder Stefanie und ihrer indonesischen Familie, die fantastische Bootstrips auf den Togian-Inseln anbieten, und vielen anderen Locals in Indonesien.

Denn du hast immer die Wahl, als “Beeinflusser”, deine Leser zu den “richtigen” Leuten zu schicken, die deine Philosophie vertreten und denen du mit deinem Traffic wirklich helfen kannst! Und das ist doch ein schöner Nebeneffekt von einem Reiseblog, oder? Es fühlt sich auf alle Fälle sehr gut am Ende des Tages an!

Aber: Man bekommt als Reiseblogger nicht nur nette Nachrichten. Mit Kritik sollte man also auch umgehen können!

 

Weil du gerne im Mittelpunkt stehst

Wenn du gerne im Mittelpunkt stehst und der Welt zeigen willst, was du alles erlebst, dann ist ein persönlicher Reiseblog, Youtube- oder Instagram-Channel auf alle Fälle die richtige Wahl.

Aber sei dir der Verantwortung bewusst, die du als Influencer besitzt. Welches Gefühl willst du mit deinen Inhalten vermitteln? Es ist nur ein schmaler Grad zwischen den Gefühlen von “Motivation zum Reisen” und “Neid”.

Und bedenke zudem, dass Instastories ein ziemlich krasses Suchtpotential besitzen, welches kaum mit einem anderen Medium vergleichbar ist. Smartphone-Nutzer starren in den USA im Durchschnitt 3 (!) Stunden pro Tag auf die kleinen Bildschirme – Tendenz steigend! Und glaub mir, Instastories machen die Sache nicht besser.

Mit einem informativen Artikel liefert man Content, der gesucht wird. Ein guter Artikel macht nicht süchtig. Er ist sogar anstrengend zu lesen.

Mit Instastories kreiere ich etwas anderes; eine direkte Verbindung zwischen dem Follower und Influencer entsteht. Man kann als “Zuschauer” in die faszinierende Welt von digitalen Nomaden und Reisebloggern eintauchen und live dabei sein.

Als Reiseblogger will man Menschen dazu motivieren, die Welt zu entdecken. Ist es da nicht kontraproduktiv, die Menschen vor dem Smartphone zu fesseln, indem man spannende Insights aus dem Leben zeigt?

 

Weil du nachhaltigen Tourismus promoten möchtest

Wenn du den Tourismus positiv beeinflussen möchtest, könnte ein Reiseblog ein guter Kanal sein. Aber sei dir der Verantwortung hier bewusst!

Wir promoten mit Sicherheit nicht nur “gute Dinge” ohne negative Folgen – mit Sicherheit nicht. Aber wir versuchen immer häufiger durch das Veröffentlichen von kritischen Artikeln, dem Promoten von NGOs oder Volunteeringoptionen, dem Verkauf von lokalen, nachhaltigen Produkten, sowie dem Fokus auf den lokalen Tourismus einen positiven Einfluss auf die aktuellen Entwicklungen zu bewirken.

Hier stellt sich jedoch die Frage, wie nachhaltig man ein Fernreiseziel wie Indonesien promoten kann und ob das nicht ein Wiederspruch in sich ist?

Land und Leute kennenlernen – eine gute Motivation für einen Reiseblog? (© Indojunkie)

 

Würde ich das alles nochmal tun?

Ich sehe mich nicht für den Rest meines Lebens über Indonesien bloggen.

ABER: Ich habe in den letzten vier Jahren so viel durch das Bloggen lernen dürfen. Ich bin mittlerweile ein absoluter Allrounder: Blogger, Journalist, Buchhalter, Redakteur, Marketing- und Community-Manager, SEO-Spezialist und Online-Händler.

Es ist wie eine abgefahrene Uni, die jeden Tag neue Überraschungen und neue Fächer auf dem Stundenplan offenbart. Es ist wie ein Prozess, der niemals aufhört. Ein Prozess, in dem man sich entwickelt – vom reiselustigen Abenteurer zum reflektierten Unternehmer. Es ist ist wie eine Beziehung, in der man sich gemeinsam entwickelt oder sich nach einer Weile auseinander lebt.

Aber dieser Prozess musste genau so durchlaufen werden, ansonsten wäre ich nie an dem Punkt angekommen. Ein Punkt, wo man alles was man tut hinterfragt, damit man am Ende irgendwann mit dem was man tut im Reinen ist. Und das passiert nicht von heute auf morgen. Es ist eine Frage der Zeit, der Erfahrungen und auch des Geldes.

Ein Reiseblogger prahlt vielleicht am Anfang mit der Anzahl an Ländern, die er bereist hat, um dann irgendwann lokalen Tourismus und langsames Reisen zu promoten. Ein Amazon-Seller beginnt vielleicht mit China-Produkten um dann irgendwann bei recycelten Produkten aus Europa zu landen.

Diesen Lernprozess muss man jeden durchlaufen lassen. Denn ich erwische mich derzeit auch immer häufiger dabei, dass ich andere kritisiere, die z.B. das Reisen als die Lösung aller Probleme promoten. Aber genau das habe ich auch noch vor einigen Jahren getan.

Denn auch ich stecke erst am Anfang dieses Lernprozesses. Es ist einfach wichtig, ab und an die Folgen des eigenen Business zu hinterfragen und zu akzeptieren, dass man sich immer weiter entwickelt. Und wenn das eigene Business so flexibel ist, dass es mitwachsen kann, dann ist das cool. Und wenn es das nicht ist, dann ist es auch cool. Keine Zeile ist verschenkte Zeit gewesen. Man wechselt vielleicht die Unternehmer-Uni und das Fach, aber das Gelernte kann einem keiner mehr nehmen.

Also ja, ich würde das alles genauso nochmal tun! Und wie es weitergeht, das werden wir sehen…

 

ÜBER DIE AUTORIN:

Melissa Schumacher ist die Gründerin von Indojunkie, dem größten deutschen Indonesien-Blog. Gemeinsam mit ihrer Partnerin Petra hat sie mehrere Bücher im Selbstverlag veröffentlicht und unterstützt soziale Projekte in Indonesien. Mit Indojunkievibes haben sie kürzlich außerdem ein Verzeichnis mit den besten Reisetipps für Indonesien gestartet. Ganz bald gibt es übrigens den Reiseblog Guide von Melissa, in dem sie all ihre Learnings der letzten 4 Reiseblogger-Jahren festhält!

 

Danke für 16 Kommentare

Wir freuen uns über deine Fragen, Hinweise und allgemeines Feedback. Wenn du eine spezielle Frage zum Beitrag hast, schaue bitte zuerst in den bisherigen Kommentaren und im FAQ nach, ob du die Antwort dort findest.

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Sehr guter und ehrlicher Artikel, mit einigen Denkanstössen. Ich hab mich schon vor etwa 3 Jahren häufiger mal mit anderen Reisebloggern aus allerlei Regionen und Ländern ausgetauscht und dass das ganze auch nicht wirklich “passives Einkommen” ist, hab ich schon häufiger gehört. Viele von ihnen sind auch auf Pressetrips angewiesen und haben da nicht besonders viel Bestimmungsfreiheit, da das Hotel / Resort / Reiseveranstalter / Whatever meist in möglichst wenigen Tagen, möglichst viel Programm unterbringen will. Da huscht man dann auch mal im Eiltempo durch das Paradies und hat erst Zeit das ganze auf sich wirken zu lassen, wenn man wieder daheim ist. Oder aber, diejenigen reisen komplett selbstbestimmt, arbeiten allerrdings auch 10 bis 14 Stunden pro Tag zu Hungerlöhnen als Freelancer. Beides wäre gar nichts für mich. Ich mach zwar auch Freelancer-Jobs, bin hier aber sehr wählerisch geworden und fordere auch einen höheren Preis. Das ganze mache ich nur so lange, bis ich genug Zwischenfinanzierung für ein Dropshipping-Business habe. Einen Blog werde ich aber trotzdem noch erstellen. Dieser wird allerdings sehr privat und eher einem Reisetagebuch gleichen, da ich ihn hauptsächlich nur für Familie, Freunde und Kollegen schreiben werde, um damit zu verhindern, dass ich jedem einzeln per Mail… Mehr lesen »

Huhu,

danke für dein Kommentar!

Ich habe in 5 Jahren tatsächlich erst einen Pressetrip selber gemacht, einen an eine Freundin gegeben und einen an meine Verlagspartnerin! Wir haben beide für uns entschieden, dass das nichts für uns ist. Aber vor allem auch, weil wir Destinationsblogger sind. Es gibt aber auch coole Pressereisen und daher verstehe ich auch, warum viele Blogger gerne auf Pressereise gehen. In Indonesien ist das Angebot, was coole Pressereisen angeht, jedoch relativ dünn. Es gibt viele schwarze Schafe unter Pressereisen, aber auch wirklich viele tolle Anbieter.

Tatsächlich habe ich auch mit einem “kleinen” Blog gestartet und nie erwartet, dass er mal so groß wird. So, you never know 😉

Hallo Melissa, ich stehe noch ganz am Anfang, eigentlich noch in den Vorbereitungsarbeiten für einen Reiseblog zu Afrika und habe diesen Artikel mit großem Interesse gelesen. Ganz besonders nachdenklich hat mich die Idee des Beeinflussers gemacht. Natürlich will man Positives bewirken, aber durch diesen Artikel denke ich nun auch darüber nach, dass man auch Negatives bewirken kann. Dabei ist es eigentlich so offensichtlich. Danke, dafür.

Huhu Anette,

ich wünsche dir viel Erfolg mit deinem Afrika-Blog und das du für dich den richtigen Weg für deinen Blog finden wirst 🙂 In dem Bereich steckt glaube ich noch ganz viel Potential!

Du kannst auch viel Positives bewirken!!! Das darf man nicht außen vor lassen.

Sehr durchdachte Kritik am Reiseblogger-Beruf, besonders zur Sucht bei Instagram/Social Media.

Auch zu Destinations-Artikeln sind das viele Wahrheiten. Erstens das mit der Verantwortung und zweitens der Arbeitsaufwand.

Kein Wunder, daß es einen Trend zur Spezialisierung zu geben scheint. Du kannst ja nicht mal für ein Land alle deine Artikel aktuell halten. Ich habe schon mit Bangkok genug zu tun, einer einzigen Stadt…

Hi Florian!

Ja, ich kann mir vorstellen, dass sich asiatische Großstädte unglaublich schnell verändern und es eine echte Herausforderung sein muss, bei einer Stadt wie Bangkok immer auf dem neusten Stand der Dinge zu sein.

Das Problem bei Destinationsbloggern: Du gehst zum Teil mehr ins Detail! Dadurch benötigst du eine höhere Aktualität.

Hi Melissa, toller, tief reflektierter Beitrag! Da gibt es sehr viele Punkte, die mich zum Nachdenken bringen. Seit 1.5 Jahren bin ich nun auch ein “Reiseblogger” im weitesten Sinne. Jedoch habe ich diesen Reiseblog als Herzensprojekt ohne jegliche Monetarisierung gestartet – letztlich um mich einfach in “diese Universität” des online business einzuschreiben. Die fehlende Monetarisierung bringt natürlich den Nachteil, dass ich nur einen kleinen Teil lerne und nur wenn ich dies ändere kann ich auch viele deiner oben genannten Punkte wirklich nachvollziehen. Aber es gibt mir auch eine gewisse Freiheit – nicht bloggen zu müssen, nicht mich mit “wie baue ich da einen Affiliate link ein” oder schlimmeres zu beschäftigen. Letztlich besteht bei Reiseblogs ja oft das Dilemma ob man die Reisedestination empfehlen möchte oder neben der Empfehlung auch die wirklich negativen Seiten anzusprechen. Damit meine ich nun nicht Plastikmüll. Wie geht man zum Beispiel mit dem sehr schwierigen Thema von Vergewaltigungen von weiblichen Reisenden um. Solche Themen möchte fast niemand lesen, obwohl sie natürlich sehr relevant sind. Wie objektiv berichtet man also über die jeweilige Destination. Für mich ein Balanceakt, den ich bisher so zu lösen versuche, dass ich insbesondere bei solchen Geschichten, direkt auf die Originalquelle (so vorhanden)… Mehr lesen »

Huhu Philipp, ich hoffe, dir gefällt die Universität soweit 😉 Ja, es ist super wichtig, auch mal über kritische Seiten zu sprechen. Wir haben eine ganze Sparte dafür: https://indojunkie.com/category/kritisch – aber da könnte es auch noch viel viel mehr geben. Gerade in Indonesien gibt es so viele kritische Seiten – von Palmöl bis hin zu Korruption. Leider fehlt mir in diesem Bereich das nötige Wissen um fundierte Artikel zu schreiben. Ich wäre aber z.B. jederzeit offen Berichte von Experten zu veröffentlichen, die sich dazu äußern können. Demletzt erst habe ich einen Bericht zu den politischen Unruhen in Jakarta veröffentlicht. Der Autor wollte anonym bleiben. Ein paar Tage nach der Veröffentlichung schrieb mich der Autor an, ob ich den Beitrag wieder löschen könnte. Pressefreiheit wie in Deutschland gibt es in Indonesien nicht und durch Google Translate kann jeder unsere Artikel easy übersetzen. Und das ist gar nicht mal so ungefährlich! Und ich stimme dir auch zu, dass einige westlich geführte Resorts eine tolle Arbeit leisten. Wir waren z.B. letztens im Mövenpick Resort in Jimbaran und die zahlen ihren Mitarbeitern wirklich richtig faire Löhne und bilden z.B. Blinde für ihren Spa aus und kaufen nur lokal bei kleinen Produzenten vor Ort ein.… Mehr lesen »

Ich folge Melissa und ihrem Projekt schon seit es ganz am Anfang stand. Ich finde toll, was sie da aufgebaut hat und auch, wie reflektiert sie auf ihre eigene Arbeit schaut. Denn mit Reichweite kommt Verantwortung.

Auch ich (ebenfalls Reiseblogger mit grosser Reichweite) überlege mir immer wieder, was ich promoten möchte und was nicht. Bei konkreten Beispielen finde ich es jedoch oft schwer abzuschätzen, was nun wirklich das Richtige ist.

Ich rate beispielsweise von Bali ab und ermutige dazu, die restlichen Inseln zu entdecken, weil ich Tourismus vor allem als Verteilungsproblem sehe (dazu habe ich selber vor kurzem was geschrieben, Link im Profil).

Oder ich wende mich gegen politisch motiverte Reiseboykotte, weil sie in den meisten Fällen die Falschen treffen und Unrechtregimes dank eines verstärkten Wir-Gefühls sogar noch stärken.

Aber ob das am Ende alles wirklich so richtig ist? Die Abhängigkeiten sind so komplex, dass wir das alles nur sehr, sehr schwer durchschauen können. Deswegen sehe ich meine Aufgabe weniger darin, anderen zu erzählen, wie sie “richtig” reisen, sondern generell auf Probleme zu sensibilisieren. Ich denke, damit ist schon viel erreicht.

Gruss,
Oli

Melissa

Huhu Oli,

“Mit Reichweite kommt Verantwortung” – wahre Worte!

Du schreibst: Ich rate beispielsweise von Bali ab und ermutige dazu, die restlichen Inseln zu entdecken, weil ich Tourismus vor allem als Verteilungsproblem sehe.

Hier fängt leider das Dilemma an, denn an dieser Stelle bekomme ich oft von jeder Seite Kommentare von Lesern, die wiederum die restlichen indonesischen Inseln vor der Touristenflut bewahren wollen und es besser finden, wenn sich alles auf einen Raum konzentriert. Kommentare unter Instagram-Fotos von wunderschönen indonesischen Inseln wie folgt sind nicht selten: “Nooo don’t tell everyone. The nice thing about this place is that there are only few tourists”!

Und leider besitzen andere indonesische Inseln noch weniger Infrastruktur für Touristen, als Bali. Das Thema ist echt nicht easy…

Wie du schon sagst, die Abhängigkeiten sind soooo komplex. Und mir als Reiseblogger fehlt auch einfach das Hintergrundwissen dazu. Es beginnt bei Umweltproblemen und reicht bis zu komplexen sozialen Problemen, die durch den Tourismus entstehen.

Danke für deine Worte! Es hat mich gefreut nochmal von dir zu hören! Und weiter so!

Vielen Dank für diesen Ehrlichen Einblick! Und vielen Dank für deine Entwicklung 😀 Es ist so wichtig zu sehen das wenn man viele Leser hat einen so großen Einfluss auf so vieles hat!
Gut wie schlecht.
Viel Erfolg weiterhin, wohin auch immer deine Lebens Reise geht.
Jule

Eine Frage zu dem Thema Nachhaltig Reisen und Fliegen welches ich gerade recherchiere: Welches ist dein Lieblingsprojekt oder Organisation um den Carbon footprint auszugleichen?

Huhu Jule,

danke für deine lieben Worte.

Tatsächlich mache ich den CO2-Ausgleich oft über atmosfair.de. Falls du hier bessere Ideen hast, würde ich mich über Tipps freuen!

Und hier muss ich auch offen und ehrlich zugeben, dass ich das nur bei jedem 3. Flug oder so mache. Bei einem Hin- und Rückflug nach Bali sollte man theoretisch immer 150 Euro für atmosfair.de drauf rechnen. Was wir stattdessen tun: Wir spenden jeden Monat 100 Euro an verschiedene indonesische Organisationen vor Ort, von denen wir überzeugt sind (u.a. green-books.org, Peduli Alam, PGS – Pacific Garbage Screening u.v.m.). Zusätzlich habe ich das Projekt birubiru.de mit einer Freundin gestartet, wo wir auch schon ein wenig was zurückgeben konnten an unsere Ozeane!

Aber weißt du was? Ab jetzt werde ich trotzdem zusätzlich auch IMMER den Flug kompensieren, und nicht nur bei jedem 3. Flug. Danke für den erneuten Tritt in den Hintern 🙂

Bei dem Punkt kommt einem das Reisebloggen immer verrückter vor. Es ist einfach TOTAL CRAZY wie schlecht der carbon footprint eines Reisebloggers wie mir ist, der mind. 1 x im Jahr einen Langstreckenflug wahrnimmt.

Ein heißer Tropfen auf dem Stein – und vielleicht will man sich dadurch unterbewusst das eigene schlechte Gewissen beruhigen…

Vielen Dank Melissa, für den sehr interessanten Einblick in die vielen alltäglichen Herausforderungen und Konflikte denen man als erfolgreicher Destination-Blogger so ausgesetzt ist. Ich finde es sehr vorbildlich dass du als erfolgreiche Influencerin so reflektiert bist und dich immer wieder hinterfragst was für Auswirkungen deine/eure Blog-Artikel und Insta-Fotos/Stories haben können. Sowas liest man heutzutage nicht mehr sehr oft. Ich selbst stecke schon seit einiger Zeit in einem ganz ähnlichen „Reiseblogger-Dilemma“ wenn auch unter anderen Gegebenheiten bzw. Voraussetzungen. Auf der einen Seite möchte ich ebenfalls gerne über mein Lieblingsland schreiben und es interessierten Reisenden näher bringen. Auf der anderen Seite aber sind es genau deine Fragen die mich oftmals davon abhalten die ganzen schönen Orte „preiszugeben“ die ich auf meinen zahlreichen Reisen schon entdecken durfte. Fragen wie.. „Über welche Orte kann ich schreiben? Welche Orte sollte ich lieber außen vor lassen? Welche Regionen könnten mehr Tourismus profitieren? Bei welchen könnte es negative Folgen haben? u.s.w..“ kommen mir sehr bekannt vor. Auch Überlegungen wie diese hier: „..Denn was der Bevölkerung zugute kommt (Arbeitsplätze), schadet oftmals der Natur (Bootsverkehr, Müll, Verkehr etc.).“ gehen mir immer wieder im Kopf herum. Ich weiß natürlich das es nicht von mir abhängt ob eine Destination in 5… Mehr lesen »

Hi Rene,

danke für dein Feedback! Man liest es tatsächlich nicht allzu oft, aber ich merke, dass ich mit unglaublich vielen Influencern immer wieder dieses Thema anspreche. Es ist demnach in den Köpfen von vielen – aber man kann es auch nicht wirklich in Worte fassen.

Jetzt würde mich natürlich brennend interessieren, was dein Lieblingsland ist 😉 haha.

Und ja, genau das ist das Problem: Sobald du von deinem Reiseblog 100% abhängig ist, beginnt das Dilemma! Demnach besteht z.B. eine Lösung auch für mich in der Zukunft darin, ein zweites Standbein aufzubauen 🙂 We will see 🙂

Toller Artikel, Melissa! Sehr ehrlich und ich kenne die Situation nur zu gut. Worüber darf man schreiben, worüber nicht? Beim Surfen sind es die Surfspots. Die Locals freuen sich über mehr Business, andere (Nicht-local) Surfer werden aggressiv, weil man “ihre” Spots verrät und Touristen in die Lineups schickt (obwohl sie selbst welche sind).
Und auch was die Inhalte angeht, stimme ich voll und ganz zu. Ja, Artikel müssen gut und spannend sein, aber wenn sie nicht gefunden werden, bringt es nichts. Google ist und bleibt der wichtigste Kanal für Blogger, daran ändern auch Insta-Stories nichts. Über die Jahre entwickelt sich dann der Blog zur Marke und bleibt im Kopf der Menschen. Das ist übrigens egal, ob du eine Buchhaltungssoftware oder einen Reiseblog betreibst. Der Aufbau funktioniert erstaunlich ähnlich 😉 Ein Blog ist am Ende ein Reichweitenkanal, den man nutzen kann um Werbeflächen oder Produkte zu verkaufen. Ich finde es toll und beeindruckend, wie ihr das mit Indojunkie geschafft habt.

Hi Christian!

Danke für dein Feedback und deine lieben Worte 🙂

Ich kann mir vorstellen, dass man mit einem Surfblog in einem sehr ähnlichem Dilemma steckt. Auf der einen Seite profitiert die Surfindustrie von der wachsenden Beliebtheit, auf der anderen Seite leiden lokale Surfer (und auch die Natur) von der höheren Anzahl an Leuten im Wasser (und rund um den Surfspot) – vor allem wenn manche Reisenden keinen Respekt vor der Natur haben.

Gerade das Wildcampen an der Atlantikküste soll für viele Locals ein Dorn im Auge sein (wir waren nun auch schon 2 x in Folge in Nordspanien zum Surfen). Ich bin z.B. auch mal gespannt, wo sich dieser #vanlife Trend in z.B. Spanien & Portugal hin entwickelt.

PS: Congrats zum Momondo Award 😉