Quitting: Die Kunst, im richtigen Moment aufzugeben

Das deutsche Wort “aufgeben” hat für uns größtenteils eine negative Bedeutung. Es bedeutet, dass wir etwas nicht bis zum Ende verfolgen. Nicht immer ist das etwas schlechtes, vielmehr bringt es oft einen positiven Richtungswechsel mit sich, wenn wir loslassen und uns von Dingen trennen.

Zwei Ereignisse haben mich zu diesem Beitrag motiviert. Zum einen habe ich gestern offiziell verkündet, dass ich meinen ersten gestarteten Blog nicht aktiv weiterführen werde. Zum anderen lese ich gerade das Buch Vagabonding von Rolf Potts*, in dem ich diese wunderbaren Zeilen zum Thema gefunden habe:

“Quitting means not giving up, but moving on; changing direction not because something doesn’t agree with you, but because you don’t agree with something.”

Das englische Wort Quitting kann vieles bedeuten – kündigen, aufgeben, verlassen, aufhören, … Es ist nicht zwangsläufig etwas schlechtes, wenn wir aktiv etwas in unserem Leben ändern. Das Rauchen auszugeben, den Job zu kündigen oder unsere Heimatstadt zu verlassen – diese Dinge können für einen sehr positiven Richtungswechsel sorgen.

 

Wann aufgeben etwas positives bewirken kann

Wir sind darauf programmiert, nie aufzugeben. Schon in der Schule wurde es immer wieder erzählt, wie wichtig Ausdauer und Ehrgeiz ist. Beim Langstreckenlauf, bei der Prüfungsvorbereitung oder später auch beim ersten Arbeitsvertrag.

Es fällt uns schwer loszulassen und nein zu sagen, zu Dingen, hinter denen wir nicht mehr voll und ganz stehen. Wir ziehen unser Studium durch, obwohl wir schon im zweiten Semester merken, dass es nicht unser Ding ist. Wir hängen in einem Job fest, da wir ja nichts anderes gelernt haben.

Wir tun uns schwer damit etwas aufzugeben, in das wir viel Zeit, Geld und Herzblut investiert haben. Ist es nicht leicht masochistisch, dass wir uns deshalb nicht von ungeliebten Dingen oder Gewohnheiten trennen?

Sollten wir ein Studium nicht abbrechen, wenn es uns keinerlei Freude bereitet?

Können wir nicht unseren Job verlassen, wenn er uns unglücklich macht?

Macht es Sinn einen Blog zu schreiben, wenn es mehr Verpflichtung als Selbstverwirklichung ist?

Gehört eine Beziehung nicht beendet, in der wir zu viele Kompromisse eingehen?

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Mit unseren Jobs, Wohnungen oder Beziehungen verbinden wir jahrelange Gewohnheiten, die uns daran hindern etwas aufzugeben. Es braucht diesen Aha-Moment, um eine Veränderung herbeizuführen. Oft kommt dieser leider zu spät oder gar nicht.

Ich habe früher selten Dinge hinterfragt, vieles so hingenommen wie es mir erzählt wurde und mich an die Gegebenheiten angepasst. Nach drei Jahren im Einzelhandel und einer gescheiterten Beziehung gab es bei mir diesen Aha-Moment. Einen Monat später bin ich für ein Jahr nach Australien gegangen und nie zurückgeschaut. Seitdem haben alle große Veränderungen etwas gutes in meinem Leben bewirkt.

Jedes mal wenn ich etwas aufgegeben habe, wurden dadurch komplett neue Türen aufgestoßen.

Das eingangs erwähnte Zitat hat es wunderbar beschrieben – etwas oder jemanden aufzugeben, ist keine Schwäche, sondern ein Richtungswechsel. Es bedeutet, dass wir unser Leben selbst in die Hand nehmen, anstatt uns von Pseudo-Verpflichtungen, Verträgen oder Gewohnheiten bestimmen zu lassen.

Mich hat es einige Wochen gekostet, einen Newsletter an alle Abonnenten meines Geldverdieneniminternetblog zu schicken und danach die E-Mail Liste zu löschen. Es bedeutet für mich die Aufgabe eines zweijährigen Projekts, in dem viel Schweiß und Herzblut steckt. Aufgrund mangelnder Zeit und wandelnden Interessen war es am Ende jedoch die richtige Entscheidung.

Etwas aufzugeben ist ganz sicher kein leichtes Unterfangen. Noch schwieriger ist es, den richtigen Zeitpunkt dafür zu finden, da es den in der Regel nicht gibt. Höre auf dein Gefühl, anstatt Dinge so hinzunehmen wie sie sind und dich von Gewohnheiten leiten zu lassen.

Ich hoffe, dass du deine Gewohnheiten hin und wieder hinterfragst. Nimm nicht alles als gegeben hin und denke darüber nach, was dich wirklich glücklich macht.

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