Online Arbeiten [5/15]: Mit Private Labeling ortsunabhängigen Handel betreiben

Private Labeling bedeutet, dass du Artikel beim Hersteller einkaufst und diese unter einer eigenen Marke vertreibst. Damit der Online-Handel mit physischer Ware ortsunabhängig funktioniert, beauftragst du einen Fulfillment-Dienstleister mit der logistischen Abwicklung.

Im vorherigen Teil dieser Artikelserie ging es darum, wie du mit dem Modell Dropshipping als Wiederverkäufer von Waren auftrittst. Da du dabei keine eigenen Lagerbestände hast, reduzierst du das finanzielle Risiko. Die großen Nachteile sind die geringen Gewinnmargen und die fehlende Marke, wodurch du als Anbieter leicht austauschbar bist.

Diese Nachteile beseitigst du beim Private Labeling, indem du eine exklusive Produktmarke erschaffst und als Produzent zum Hersteller deiner eigenen Artikel wirst. Dafür brauchst du weder eine Produktionsstraße noch ein Lager.

Private Labeling ist durch den Aufbau einer eigenen Produktmarke und der Verbesserung bestehender Produkte deutlich nachhaltiger als Dropshipping. Gleichzeitig steigt das Risiko aufgrund der Vorab-Investitionen, die du für den initialen Lagerbestand benötigst.

Aber was bedeutet Private Label eigentlich? Viele hergestellten Produkte besitzen keine Marke. Sie werden generisch produziert, sodass du sie als Verkäufer mit deinem eigenen Etikett versehen kannst und damit exklusiv vertreibst. Dir steht es frei, die Ware in jeder Form zu verändern oder zu verbessern.

Wir wollen uns speziell mit FBA beschäftigen, das in den letzten Jahren zum Trend wurde. FBA steht für Fulfillment by Amazon, also den Versand durch Amazon. Der Vertrieb über den Marktführer ist dabei nur eine Möglichkeit von vielen, wohl aber die populärste und einfachste für den Einstieg.

Alternativen sind Fulfillment-Anbieter wie Zenfulfillment oder DPD. Gegen eine Gebühr übernehmen diese Dienstleister alles, von der Lagerhaltung über die Zustellung bis hin zu den Retouren. Der einzige Zeitpunkt, zu dem du deine Ware in der Hand hast, ist bei der Qualitätskontrolle einer Produktprobe. Einmal eingerichtet, kann der Online- Handel mit FBA komplett ortsunabhängig betrieben werden.

Die großen Erfolgsgeheimnisse liegen in einer ausführlichen Marktrecherche, dem Finden eines zuverlässigen Lieferanten und dem Marketing. Letzteres wurde von vielen Leuten unterschätzt, die sich mit FBA ausprobiert, jedoch nach wenigen Monaten aufgegeben haben.

Auch ich habe mich anstecken lassen und ein Testprojekt gestartet. Nach einiger Einarbeitungszeit war der eigentliche Prozess von der Lieferantensuche bis zur Vermarktung auf Amazon nicht sehr zeitintensiv.

Aus eigener Erfahrung kann ich also sagen, dass E-Commerce kein Hexenwerk ist. Genauso wenig aber ist es ein Selbstläufer, wie es im Internet oft propagiert wird. Beschäftige dich mit Absatzmärkten, mit Handelsspannen und Zulieferern, dann wirst du ein Gefühl dafür bekommen, ob du im Handel mit physischen Produkten deine Erfüllung findest.


Vorteile: Private Labeling kann ein äußerst attraktives Geschäftsmodell sein, wenn du mindestens 1.000 Euro für das erste Investment und einen langen Atem hast. Durch den Aufbau einer eigenen Marke für deine Produktreihe machst du dich unverwechselbar, wodurch du selbst mit finanzstarken Wettbewerbern mithalten kannst.

  • Aufbau einer eigenen Marke führt zu nachhaltiger Abgrenzung vom Wettbewerb
  • Versandabwicklung, Lagerhaltung, Produktion und Retouren können an Dienstleister ausgelagert werden
  • Amazon kann als Marktplatz mit bestehendem Kundenstamm genutzt werden

Nachteile: Der Erfolg steht und fällt mit dem Hersteller deiner Produkte. Vor allem bei ausländischen Produzenten kann es zu Kommunikationsschwierigkeiten und unterschiedlichen Vorstellungen hinsichtlich der Qualität kommen. Erst, wenn das Vertrauen zum Zulieferer vorhanden ist, ist Private Labeling ohne kontinuierliche Qualitätskontrolle ortsunabhängig möglich.

  • Anfangsinvestment von mindestens 1.000 Euro für die Erstbestellung, Produktfotos und eventuelle Zollgebühren nötig
  • Risiko für das eigene Inventar liegt bei dir als Verkäufer
  • Hohe Abhängigkeit von Amazon und Produzenten

 

Erste Schritte für Private Labeling

Wie auch bei anderen Geschäftsmodellen im E-Commerce ist eine gründliche Marktrecherche ausschlaggebend für den Erfolg. Verlasse dich nicht zu sehr auf dein Gefühl und deine Vorlieben, sondern durchstöbere Amazon und andere Marktplätze nach Hinweisen auf einen unerfüllten Bedarf.

Wenn du glaubst, eine gute Nische gefunden zu haben, liegt der zweite große Erfolgsfaktor im Finden eines zuverlässigen Lieferanten, der sowohl deine Änderungswünsche bei der Produktion berücksichtigen als auch gleichbleibend hohe Qualität liefern kann.

  1. Produktauswahl: Recherchiere auf Amazon nach bestehenden Artikeln, die du verbessern und anpassen kannst.
  2. Lieferantensuche: Suche über Lieferantenverzeichnisse wie Alibaba nach Herstellern, die geeignete Private-Label-Produkte anbieten.
  3. Fulfillment-Dienstleister: Entscheide dich für einen Anbieter, der die Abwicklung von der Lagerung bis zur Bearbeitung von Retouren übernimmt.
  4. Produktlisting: Erstelle eine aussagekräftige Produktbeschreibung mit hochwertigen Fotos.
  5. Vermarktung: Schalte Anzeigen, starte werbewirksame Aktionen wie Gewinnspiele und arbeite mit Influencern aus deiner Branche zusammen.

18 digitale Geschäftsmodelle

Bist du verloren im Dschungel der Informationen? Der Wireless Life Kompass gibt dir einen Überblick über 18 ortsunabhängige Geschäftsmodelle, die jeweiligen Vor- und Nachteile und erste Schritte zum Start.

Zum Wireless Life Kompass

1. Produktauswahl

Die Kunst liegt darin, ein Marktsegment zu finden, die ausreichende Nachfrage bei gleichzeitig wenigen Anbietern hat. Deine Produktkategorie sollte so viel Tiefe haben, dass nicht nur die ersten drei Verkäufer auf Amazon einen guten Bestsellerrank haben, sondern auch die Plätze dahinter.

Achte darauf, dass die Top-Anbieter in deiner Nische bereits genügend Rezensionen haben, die auf die Anzahl der Verkäufe hinweisen, jedoch nicht mit hunderten 5-Sterne-Bewertungen uneinholbar sind.

Recherchiere auf Amazon nach Artikeln, die du verbessern, anpassen, neu verpacken oder besser vermarkten kannst. Der einfachste Einstieg führt über ein bestehendes Produkt, das sich schon jetzt gut verkauft. Schaue dir die negativen Rezensionen für dieses Angebot an, beseitige die Mängel und vermarkte es attraktiver als die Konkurrenz.

Da Amazon FBA mittlerweile kein Geheimnis mehr ist, musst du kreativ sein. Rücke den Kunden in den Vordergrund und begeistere ihn. Wenn du ein Küchenprodukt verkaufst, packe ein bebildertes Rezeptbuch dazu. Oder mache eine Verpackung, die als Aufbewahrungsbox benutzt werden kann. Denke an Produktsets, welche dem Käufer alle Teile liefern, sodass er nicht mehrere Artikel bestellen muss. Sei für ihn da, wenn er Rückfragen hat.

Ein Private Label Produkt sollte für den Versand im Idealfall klein, leicht und unzerbrechlich sein. Preislich verspricht der Bereich von 15 bis 50 Euro eine gute Marge bei geringem Investmentrisiko. Denke bei der Kalkulation deiner Gewinnmarge daran, dass neben Produktionskosten und Versand auch noch Zoll, (Einfuhr-)Umsatzsteuer und Amazon-Gebühren anfallen können. Der Verkaufspreis sollte mindestens viermal so hoch sein, wie die Kosten für Herstellung plus Import.

Fallstudie: Annas eigene Produktreihe für Speaker

Anna bietet Storytelling-Workshops für Vortragsredner an. Ihre Arbeit befriedigt sie, gleichzeitig hat sie finanziellen Erfolg. In Gesprächen mit ihren Klienten erfährt sie, dass diese Schwierigkeiten haben, gutes Equipment für ihre Bühnenauftritte zu bekommen. Es nervt sie, jegliche Technik wie Headsets, Klicker und Mikrofone genauso wie Flipcharts und Beamer bei unterschiedlichen Anbietern kaufen zu müssen.

Anna möchte dieses Problem für ihre Kunden lösen, indem sie eine Produktmarke für professionelle Speaker ins Leben ruft. Mit „Speak your Mind” bietet sie über Amazon und ihren eigenen Online-Shop hochwertige technische Ausrüstung für Vortragsredner an.

Da sie einen engen Draht zur Zielgruppe hat, kann sie bei der Produkt- und Herstellerauswahl gezielt vorgehen. Sie passt bestehende Angebote an die Bedürfnisse ihrer Zielkunden an und bündelt verschiedene Zubehörteile in Speaker-Sets.

2. Lieferantensuche

Beliebt bei FBA Händlern ist China als Produktionsstätte der Welt. Das bedeutet nicht, dass du dich nicht auch im Inland oder in Europa nach hochwertigen Artikeln umschauen kannst. Suche über Lieferantenverzeichnisse wie Alibaba oder Global Sources nach Herstellern, die geeignete Private-Label-Produkte anbieten.

Stelle dich einer Handvoll Lieferanten via E-Mail vor und frage nach Mindestabnahmemenge (MOQ), Versandkosten und Anpassungsmöglichkeiten für dein gewünschtes Produkt. Du wirst schnell die seriösen von den unprofessionellen Herstellern unterscheiden können.

Dann bestellst du dir ein paar Produktproben (Samples) von verschiedenen Anbietern, für die du in der Regel nur das Porto bezahlen musst. Prüfe Geruch, Muster, Farben und Formen des Samples. Entweder du benötigst eine weitere Bearbeitungsschleife oder löst die erste Großbestellung aus. Für gewöhnlich werden hier 30-50 % des Auftragswertes fällig. Den Rest überweist du erst nach Produktionsende.

 

3. Fulfillment-Dienstleister

Bevor du den Versand beim Produzenten auslöst, entscheidest du dich für einen Anbieter, der die Abwicklung von der Lagerung bis zur Bearbeitung von Retouren übernimmt. Der Platzhirsch und die einfachste Möglichkeit zum Einstieg ist Amazon. Als Gewerbetreibender meldest du dich dort für einen Seller Account an. Die Verifizierung kann ein paar Wochen dauern.

Zum Import in die EU musst du eine EORI-Nummer beantragen. Diese Nummer bekommst du kostenlos auf der Webseite des Zolls. Für den Versand benötigst du außerdem ein FNSKU-Label auf der Ware. Das ist der Barcode, den Amazon intern nutzt.

Falls du eine Marke bei Amazon registriert hast, kannst du alternativ die EAN/GTIN nutzen. Mit der offiziellen GTIN von der GS1 darfst du dann auch im eigenen Shop oder offline verkaufen.

Wenn du diese Hürden gemeistert hast, erstellst du einen Versandauftrag in deinem Amazon Sellers-Account. In einem Schritt-für-Schritt-Prozess gibst du Anzahl, Gewicht, Absender und andere Daten an, woraufhin du deine Versandetiketten bekommst. Jetzt kannst du dir die erste Lieferung von deinem Lieferanten in das Amazon- Warenlager schicken lassen.

 

4. Produktlisting

Anders als bei Google, berücksichtigt der Suchalgorithmus von Amazon hauptsächlich die Anzahl der Verkäufe. Hat ein Produkt einen hohen Abverkauf, wird es weiter oben in den Suchergebnissen angezeigt, wodurch eine Aufwärtsspirale ausgelöst wird.

Entscheidend ist also, wie viele Leute dein Listing anschauen und wie viele von ihnen dann das Produkt kaufen (Conversion Rate). Wenn sich der Artikel oft verkauft, wirst du mit guten Platzierungen belohnt.

Für eine hohe Conversion Rate muss das Listing optimal gestaltet sein. Das bedeutet, hochwertige Bilder, eine aussagekräftige Produktbeschreibung und der Social Proof durch eine Vielzahl positiver Bewertungen. Für gute Rezensionen ist neben der Qualität des Produktes vor allem dein Kundenservice entscheidend.

 

5. Vermarktung

Sobald deine Bestellung im Lager von Amazon eingetroffen und das Listing optimiert ist, beginnt das Marketing. Frage nach Testern in deinem Netzwerk, in relevanten Facebook-Gruppen, auf Blogs oder in lokalen Gruppen. Wichtig an dieser Stelle ist, dass du schnell die ersten zehn Bewertungen bekommst.

Nachdem ausreichend positive Rezensionen vorhanden sind, schaltest du eine Amazon-Werbeanzeige für deinen Artikel. Das verhilft dir zu weiteren Verkäufen und Bewertungen, wodurch du wieder bessere Platzierungen in der Suche erreichst.

Starte parallel dazu werbewirksame Aktionen wie Gewinnspiele und kooperiere mit Influencern (Blogger, Podcaster, YouTuber) aus deiner Branche. Weitere Tipps für die Vermarktung und den Handel mit Amazon FBA bekommst du in diesem Artikel.

 

 

12 Ideen für Private Labeling

  • Strumpfhosen im 6-Monats-Abo
  • Großpackungen Zahnpasta
  • Winterset mit Handschuhen und Wollmütze
  • Pfannenwender aus Bambus
  • Transparente Kochtöpfe
  • Fitnesskit mit verschiedenen Faszienrollen
  • Australische Verkehrsschilder als Wohnungsdeko
  • Zubehör für Hochseeangler
  • Produktserie für Survival-Ausrüstung
  • Mit Wasser befüllbare Kettleballs
  • Solar-Sonnenschirme für den Balkon
  • Handyhüllen aus recyceltem Papier

 

Weiterführende Ressourcen

 

Hat dir der Beitrag geholfen? Es ist der fünfte Teil einer Artikelserie zu ortsunabhängigen Geschäftsmodellen. Neben dem Private Labeling gibt es natürlich viele weitere Möglichkeiten, um online zu arbeiten. Regelmäßig erscheint ein neuer Artikel zu dieser Reihe.

Wenn du jetzt schon herausfinden möchtest, welches Geschäftsmodell zu dir passt, mache den folgenden Test. Lasse uns gerne in den Kommentaren wissen, was dein Ergebnis ist und ob es zu dir passt.

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