Nachhaltig Reisen: Wie schädlich Fliegen wirklich ist

Hast du eine Vorstellung davon, wie schädlich ein einziger Flug für die Umwelt ist? Hier ein kleiner Vergleich: Ein Flug in den Urlaub nach Mallorca ist genauso schädlich, wie ein ganzes Jahr lang Auto zu fahren. Hättest du das gedacht? Ich nicht. Hier erfährst du, wie du bewusster reist und fliegst.

Laut dem Paper „The Future of Tourism“ aus dem Jahr 2010 verursacht die Tourismusbranche ungefähr 5% der weltweiten Treibhausgase. Darunter fallen Flüge (ca. 40%), Autos (ca. 32%), Unterkünfte (21%) und Aktivitäten (ca. 4%).

Durch die stärkeren Auswirkungen von Kohlendioxid in großer Höhe wird davon ausgegangen, dass Flüge realistisch gesehen eher für 75% des gesamten Treibhauseffektes durch Tourismus verantwortlich sind.

Auch wenn die Energieeffizienz der Flieger in den letzten 20 Jahren deutlich gestiegen ist (von 6,3 auf 3,7 Liter pro Person pro 100 km) und der deutsche Luftfahrtverband die Vier-Liter-Flugzeuge bewirbt, kann dies nicht über die Umweltschädlichkeit des Flugverkehrs hinwegtäuschen.

Durch den angenommenen jährlichen Zuwachs des Luftverkehrs um ca. 5% kann selbst ein Anstieg der Treibstoffeffizienz von 2% pro Jahr den Treibhauseffekt nicht vermindern. Bis zum Jahr 2050 wird damit gerechnet, dass die Tourismusbranche für 40% der weltweiten CO2-Emissionen verantwortlich ist. Ein Treiber dafür sind vor allem die zunehmenden Langstreckenflüge.

Viele Zahlen, die lediglich für das Thema sensibilisieren sollen. Das Fliegen schädlich für die Umwelt ist, wissen wir nicht erst seit gestern. Über die Tragweite war ich mir jedoch nicht im Klaren.

Ich liebe es in ferne Länder zu reisen und möchte ungern darauf verzichten. Das muss auch nicht sein. Wer bewusst fliegt, der kann die Umweltschäden in Grenzen halten und dennoch nachhaltig unterwegs sein.

 

Kleiner Exkurs zum Thema Kohlendioxid (CO2)

CO2 ist nur eines von mehreren Treibhausgasen. Auch Methan und Lachgas (Distickstoffmonoxid) gehören dazu. Bei all den negative Assoziationen mit den Treibhausgasen wäre ein Leben ohne sie nicht möglich.

Kohlendioxid entsteht auf natürliche Weise, indem wir und Tiere es ausatmen. Pflanzen nehmen das Gas auf, wandeln es in Zucker um und produzieren gleichzeitig Sauerstoff. Der bei der Photosynthese produzierte Sauerstoff wird eingeatmet und als CO2 wieder freigegeben.

Der Treibhauseffekt sorgt dafür, dass die vom Boden reflektierten Sonnenstrahlen nicht zurück in die Atmosphäre verschwinden, sondern durch die Treibhausgase wieder zurück zur Erde gelangen. Ohne diesen Effekt wäre es auf der Erde bitterkalt.

Solange dieser natürliche Kreislauf im Einklang steht, ist alles in Ordnung. Die vom Menschen gemachten CO2-Emissionen sind leider so stark angestiegen, dass die Natur aus dem Gleichgewicht geraten ist und die Mengen nicht mehr verarbeiten kann. Das übrig gebliebene CO2 verbleibt in der Atmosphäre und sorgt für eine stärkere Erwärmung der Erde.

Sind also mehr Treibhausgase in der Luft, erwärmt sich die Erde deutlich mehr, womit wir beim Thema globale Erwärmung angekommen sind.

Die energiebedingten Emissionen sind laut Umweltbundesamt in den letzten beiden Jahrzehnten deutlich gesunken. Im Jahr 1990 wurden beispielsweise noch 980 Millionen Tonnen CO2 ausgestoßen, was im Jahr 2012 auf 768 Millionen Tonnen reduziert wurde. Der größte Teil dieser CO2-Emissionen entsteht im Produktionsbereich und nur weniger als ein Drittel wird durch private Haushalte verursacht.

Im Grunde also eine positive Entwicklung, die langsam auch im internationalen Durchschnitt sichtbar wird. Besonders beim Fliegen ist diese Entwicklung jedoch alles andere als erfreulich.

Beim Fliegen wird Kerosin verbrannt, wodurch Wasserstoff und Kohlendioxid entstehen. Der Wasserdampf formt sich zu den Kondensstreifen, die wir vom Boden aus sehen können. Genau wie Kohlendioxid reflektieren diese Streifen die Wärme zurück zur Erde. Beide Stoffe haben für das Klima in der Luft ca. 2,7 mal so starke Auswirkungen wie am Boden (Radiative Forcing Index; Strahlungsantrieb).

Nachfolgend siehst du eine Übersicht zu den Emissionen, die bei einem Hin- und Rückflug von Berlin zu verschiedenen Orten in der Welt verursacht werden (1 Person, Economy Class, ohne Kondensstreifen, Ozonbildung und andere Effekte). Die reale Belastung ist durch den geschilderten Effekt in dieser Höhe übrigens 2-3 mal höher.

Zum Vergleich: Ein Kühlschrank stößt im Jahr ca. 100 kg CO2 aus, ein Mittelklassewagen 2.000 kg (12.000 km Fahrleistung) und die durchschnittlichen pro Kopf-Emssionen in Deutschland liegt bei ca. 10.000 kg.

(Zahlen basieren auf CO2-Rechnern von Atmosfair und myclimate)

 

Deshalb solltest du nie wieder ein Flugzeug besteigen

Neben den Schadstoffemissionen gibt es noch andere negative Auswirkungen durch den Flugverkehr. Zu den größten Problemen gehören der Fluglärm und die Luftverschmutzung.

Besonders bei Abflug und Anflug entsteht Fluglärm, der sich sowohl auf unsere Gesundheit als auch auf die Tierwelt auswirkt. Auch der Flächenverbrauch durch Flughäfen und die damit verbundene Umsiedlung von ansässigen Menschen und Zerstörung von Lebensraum für Tiere gehört dazu.

Das Hauptproblem bleiben jedoch die Schadstoffemissionen. Die nackte Wahrheit zum CO2-Ausstoß beim Fliegen ist erschreckend. Ein Artikel im britischen Magazin Wanderlust hat ein paar interessante Fakten zur Umweltbelastung durch Flugzeuge aufgeführt:

  • auf einem Flug von London nach Sydney werden pro Person 5 Tonnen CO2 ausgestoßen – etwa die Hälfte der jährlichen CO2-Emissionen einer durchschnittlichen Person
  • der CO2 Footprint eines Fluges wird durch den Motortyp des Flugzeuges, die Anzahl der Passagiere, die Flugdauer, die Geschwindigkeit und die Treibstoffart beeinflusst
  • bei einer Zugfahrt mit gleicher Länge wird pro Passagier 10 mal weniger CO2 in die Luft abgegeben, wobei es beim Auto auf den Kilometer gesehen ungefähr die gleiche Menge ist wie beim Fliegen
  • es gibt Unterschiede beim CO2-Ausstoß zwischen den Fluglinien, abhängig von der durchschnittlichen Auslastung und der Effizienz der Flotte (Airline Index von Atmosfair)
  • die Auswirkungen auf den Klimawandel sind in der großen Höhe, in der Flugzeuge unterwegs sind, etwa 2,7 mal größer als am Boden
  • die größte Menge CO2 wird beim Start und bei der Landung ausgestoßen, weshalb Kurzstreckenflüge auf die Strecke gesehen mehr CO2 pro Kilometer emittieren

Wenn wir das lesen, dann sollten wir eigentlich nie weider ein Flugzeug besteigen. Es gibt jedoch auch ein paar gute Gründe, warum Fliegen zur Nachhaltigkeit beitragen kann …

 

Wann du doch fliegen solltest und wie es nachhaltig sein kann

Mit keinem anderen Transportmittel können innerhalb so kurzer Zeit so weite Strecken zurückgelegt werden. Das ist der Hauptgrund dafür, dass wir Flugzeuge besteigen. Wir fliegen entweder in den Urlaub oder sind geschäftlich unterwegs.

Beide Motive sind keine Rechtfertigung für das Fliegen, tragen jedoch zu höherer Lebensqualität und großer Zeitersparnis bei. Der Mehrwert von Geschäftsreisen kann wohl diskutiert werden. Reisen in den Urlaub auf der anderen Seite kann jedoch durchaus nachhaltig sein.

Für viele Entwicklungsländer ist der Tourismus eine der wichtigsten Einnahmequellen. Wenn auf das Fliegen verzichtet wird, fehlen dort Erlöse aus den Flügen, Übernachtungen, Aktivitäten usw.

Wenn die Einnahmen aus dem Tourismus richtig eingesetzt werden, übersteigt der ökologische und ökonomische Nutzen den Schaden, der durch das Fliegen angerichtet wird. Das mag nach Rechtfertigung klingen, ist aber ein plausibler Grund für das Fliegen.

Zu guter Letzt haben Reisen natürlich auch einen ideologischen Nutzen. Viele entfernte Länder wären ohne Flugzeug nur schwer zugänglich. Die Flüge dorthin verschaffen nicht nur uns selbst wertvolle Erfahrungen, sondern unterstützen auch den Austausch mit anderen Kulturen und sorgen für eine gegenseitige Annäherung.

Was Geschäftsreisen angeht, so bin ich der Meinung, dass hier der Umwelt viel Gutes getan werden kann. Warum müssen wir heute noch für Meetings um die halbe Welt fliegen, wenn wir all diese wunderbaren Technologien zur Kommunikation haben?

Wenn du der Umwelt etwas Gutes tun willst, dann berücksichtige vor deinen nächsten Reisen die folgenden Empfehlungen.

 

Beste Lösung: Verzicht auf Fliegen

Besonders bei geschäftlich motivierten Flügen kann ein Meetings vor Ort durch eine Videokonferenz ersetzt werden. Anstelle von Inlandsflügen kann auf Bahnfahrten ausgewichen werden und anstelle von regelmäßigen Pendelflügen kann auch länger an einem Ort geblieben werden.

Für Reisende macht es Sinn, einen langen Urlaub zu machen, anstatt zwei kürzere Reisen zu unternehmen. Als Faustregel gilt, dass bei Flügen über 1400 km ein Aufenthalt von 14 Tagen ein gutes Verhältnis ist. Am Reiseziel sollten alternative Verkehrsmittel wie Bus oder Bahn vorgezogen werden.

 

Kurzfristige Lösung: Carbon Offset (Emissionsausgleich)

Beim Carbon Offset werden Treibhausgase kompensiert. Das geschieht über einen von den Emissionen abhängigen Geldbetrag, der bei der Flugbuchung bezahlt wird und dann für Klimaschutzprojekte in Ländern eingesetzt wird, in denen bisher wenig für den Umweltschutz getan wird. Eine dieser Organisationen in Deutschland ist Atmosfair.

Die Kompensation löst natürlich nicht das Problem. An der Quelle (dem gebuchten Flug) werden immer noch massenhaft Emissionen ausgestoßen, welche natürlich an anderen Orten nicht wirklich ausgeglichen werden können. Der Ausgleich ist eher als Investition in die Zukunft zu sehen, beispielsweise durch Projekte für erneuerbare Energien in Drittländern.

Nach der Vermeidung und Verminderung von Emissionen bei Flugreisen ist das Carbon Offset wohl die drittbeste Lösung. Der Ausgleich der Emissionen ist besser als gar nichts zu tun und es kann zumindest das eigene Gewissen  beruhigen.

 

Langfristige Lösungen: Umweltfreundliche Technologien

Die nahhaltigste Lösung liegt in der Verantwortung der Fluggesellschaften. Sie müssen an effizienteren Flugzeugen und Kraftstoffen forschen, um die Belastungen durch den zunehmenden Flugverkehr zu mindern. Dafür müssen Anreize geschaffen werden.

Dies funktioniert am Ende wahrscheinlich nur über staatlich verordnete Strafen für die Nutzung veralteter Technologien oder eine zusätzliche Besteuerung. Auch die Begrenzung des weltweiten Wachstums des Flugverkehrs wäre ein Möglichkeit.

Die optimalen Lösungen der Zukunft sind Null-Emissions-Flugzeuge oder umweltverträgliche Biotreibstoffe. Bis dahin ist es wohl noch ein weiter Weg und es liegt an uns, Flugzeuge bewusster zu nutzen.

 

Den Spagat zwischen nachhaltigem Reisen und dem umweltschädlichen Fliegen zu meistern, ist sicher nicht einfach. Ich möchte nicht darauf verzichten, die Welt zu bereisen. Auf der anderen Seite bin ich mir über die Schäden, die durch das Fliegen angerichtet werden, wohl bewusst.

Dieses Bewusstsein zu entwickeln ist der erste Schritt zur Besserung. Dann kommt es darauf an, nicht sinnlos um die Welt zu fliegen, Reiserouten geschickt auszuwählen und nach umweltfreundlichen Alternativen zum Fliegen zu schauen.

Bist du bereit auf ein paar Flüge im Jahr zu verzichten, um der Umwelt etwas Gutes zu tun?

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27 Kommentare zu "Nachhaltig Reisen: Wie schädlich Fliegen wirklich ist"

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