Wie du unnötigen Ballast abwirfst und befreiter lebst

Wenn du dich oft gestresst und belastet fühlst, dann solltest du dich eventuell mal mit dem Theme Minimalismus auseinandersetzen. Viele Menschen häufen Besitztümer an, bis diese zur Belastung werden. Andere nehmen sich nie Zeit für sich selbst, da sie es immer allen anderen recht machen wollen. Befreie dich davon!

Die Definition für Minimalismus lautet wohl für jeden etwas unterschiedlich. Im Grunde ist es jedoch eine Lebenseinstellung, bei der sich alles um weniger Konsum und mehr Freiheit dreht. Das beinhaltet sowohl materielle als auch immaterielle Werte. Wie weit es damit getrieben wird, hängt ganz von der persönlichen Einstellung ab.

Besitztümer und Verpflichtungen können nicht nur ungemein belastend sein, sondern auch unglücklich machen. Manchmal ist weniger eben mehr. Besonders dann, wenn du dir andauernd über bestimmte Sachen den Kopf zerbrechen musst. Mache Platz in deinem Kopf, deinem Leben und deinem Hausrat. Die folgenden 12 Punkte sollen dich dabei unterstützen, befreiter und leichter zu leben.

“Wer wenig besitzt, wird umso weniger besessen: Gelobt sei die kleine Armut!” (Friedrich Nietzsche)

 

1. Überlege dir, ob du dein Auto wirklich brauchst

Da ich in Brandenburg aufgewachsen bin, weiß ich nur zu gut, wie wichtig ein Auto sein kann. In Großstädten mit gutem öffentlichen Verkehr ist es aber meist überflüssig (natürlich mit Ausnahmen). In den letzten knapp 10 Jahren bin ich ohne Auto gut “gefahren”. Für längere Strecken habe ich für ein paar Tage ein Auto gemietet, einen Fernbus genommen oder bin mit einer Mitfahrgelegenheit gefahren. Es ist unglaublich befreiend, sich nicht mehr um Benzinpreise, Versicherung, KFZ-Steuer und Wartung des Autos sorgen zu müssen.

 

2. Schmeiße deinen Fernseher aus dem Fenster

Anders als das Auto, kann niemand sagen, dass er oder sie auf den Fernseher angewiesen ist. Ich kann mich gar nicht erinnern, wann ich das letzte mal ferngesehen habe, glaube aber ich nicht, dass mir etwas entgangen ist. Ganz im Gegenteil; ich nutze die Zeit am Abend sinnvoller, als mir irgendwelche Eskapaden oder Casting-Shows auf RTL anzusehen. Natürlich schaue ich mir gerne mal einen Film oder eine Episode meiner Liebling-Serien an, aber das mache ich auf dem Laptop – ohne Werbeunterbrechungen und nach meinen eigenen Zeiten.

 

3. Mache Platz in der Wohnung und verkaufe Hausrat auf eBay

Nach ein paar Jahren in einer Wohnung sammelt sich schon so einiges an. Brauchst du denn aber wirklich den Entsafter, das zweite Sofa und die Geschirrspülmaschine? Natürlich machen viele kleine Dinge das Leben angenehmer. Sie belasten uns aber spätestens dann, wenn sie kaputt gehen, gereinigt werden müssen oder einfach unnötig viel Platz wegnehmen. Überlege mal, welche Gegenstände du in den letzten Monaten nicht benutzt hast und verkaufe diese auf dem Flohmarkt oder online.

 

4. Miste deinen Kleiderschrank aus

Platzt dein Kleiderschrank aus allen Nähten? Ein guter Trick ist der Folgende: Räume alle deine Sachen aus dem Kleiderschrank in einen anderen Schrank. Du räumst nur die Kleidungsstücke wieder in den Kleiderschrank, die aus der Waschmaschine kommen. Alles was es nach einem halben Jahr nicht zurück in den Kleiderschrank geschafft hat (je nach Jahreszeit), geht in die Kleiderbox oder wird verkauft.

 

5. Kündige deinen Telefonvertrag und wähle einen flexiblen Tarif

Langfristige Verträge sind ein Inbegriff von Verpflichtungen und Inflexibilität. Das beste Beispiel dafür ist der zweijährige Handyvertrag, aus dem du nicht so ohne weiteres herauskommst. Heutzutage sind Prepaid Tarife nicht viel teurer und bieten dir unglaublich viel Flexibilität. Generell schließe ich keine Verträge mehr ab, die ich nicht innerhalb eines Monats kündigen kann. Darunter fallen auch Verträge für das Fitnessstudio, Co-Working Spaces, den Internetanschluss oder Online-Dienste.

 

6. Gehe deinen Versicherungsordner durch und hinterfrage den Nutzen einzelner Policen

Wenn es dir so ging wie mir, dann hast du mit dem ersten guten Gehalt einen Haufen Versicherungen abgeschlossen. Hausrat, Bausparvertrag, Lebensversicherung, Berufsunfähigkeit, Zahnzusatzversicherung und vieles mehr. Wie oft hast du die einzelnen Versicherungen bisher beansprucht? Als ich mir diese Frage gestellt habe, wurde mir bewusst, dass ich über die Hälfte meiner Policen nicht mehr brauche. Mit dem kleinen Restrisiko lebe ich gern und spare damit viel Geld und lästigen Papierkram.

 

7. Bestelle sowohl Zeitungs-Abonnements als auch E-Mail-Newsletter ab

Jedes Abonnement, egal ob in Papierform oder im E-Mail-Postfach, setzt uns unter einen gewissen Druck. Besonders wenn wir für ein Zeitungsabo bezahlen, dann müssen wir es doch auch lesen, oder? Die E-Mail muss zumindest gelöscht werden und wir regen uns jedes mal wieder auf’s neue darüber auf. Für E-Mail-Newsletter gibt es ein tolles Tool, was sich unroll.me nennt. Anstelle der Zeitungsabos kannst du dir doch einfach die Ausgabe kaufen, wenn du Zeit und Lust dafür hast.

 

8. Digitalisiere deine Unterlagen und mach ein schönes Lagerfeuer damit

Vor ca. 2 Jahren habe ich etliche Kartons mit Unterlagen vom Dachboden meiner Eltern geholt. 90% der Sachen habe ich weggeschmissen, da sie nicht mehr aktuell waren. Einen Teil, der mir wichtig erschien, habe ich mit dem Smartphone eingescannt (eine tolle App ist Scanbot). Übrig geblieben ist ein dünner Ordner mit wichtigen Originalen. Jetzt habe ich alle wichtigen Unterlagen und wieder etwas Gerümpel weniger. Weitere Tipps für das “digitale Büro”

 

9. Streiche 50% der Termine in deinem Kalender und To-Do’s in deiner Liste

Neben all dem materiellen Besitz bereiten uns vor allem Verpflichtungen Kopfschmerzen. Egal ob das geschäftliche Meetings sind oder eine endlos lange und unrealistische To-Do Liste – manchmal lieben wir es wohl, uns das Leben schwer zu machen. Schaue dir deine Termine und To-Do’s mal genauer an. Welche davon sind denn wirklich bedeutsam? Welche bringen dich deinen persönlichen Zielen einen Schritt näher? Was hat Priorität? Ich wette mit dir, dass über die Hälfte ohne große Auswirkungen gestrichen werden kann.

 

10. Gestalte deinen Arbeitsplatz flexibler oder kündige den Job

Wenn ich mich mit Menschen darüber unterhalte, was sie in ihrem Leben gerne ändern würden, dann ist die Arbeit die am meisten genannte Antwort. Nicht unbedingt weil das Gehalt schlecht ist oder die Tätigkeit keinen Spaß macht, sondern weil die Freiheit fehlt. Nicht jeder ist in der Lage seinen Job von heute auf morgen zu kündigen, die meisten können ihn aber flexibler gestalten. Deine Vorschläge zum Thema flexible Arbeitszeiten werden sich die meisten Chefs ganz sicher anhören.

 

11. Trenne dich von Erinnerungsstücken, die nur Staub fangen

Eines der Dinge, von denen die Trennung am schwersten fällt, sind Erinnerungsstücke. Eingestaubte Souvenirs, an den Kühlschrank gepinnte Postkarten oder die Blumenvase von der Urgroßmutter tragen so manche Erinnerungen mit sich. Ich bevorzuge es meine Erinnerungen im Kopf zu haben oder in Form digitaler Fotos, nicht aber als Gegenstände, die mir den Platz für die Gegenwart nehmen. Eine Teilnehmerin der DNX hat ihre Lösung im Abfotografieren der liebsten Erinnerungsstücke gefunden. Vielleicht macht das den Abschied davon leichter.

 

12. Finde heraus, mit welchen Leuten du am liebsten Zeit verbringst

Das mag hart klingen, aber auch Freunde und Familie führen oft dazu, dass wir uns unwohl fühlen und gestresst sind. Fühlst du dich manchmal dazu verpflichtet, dich mit jemandem der “guten” Freundschaft wegen zu treffen oder weil es ja Familie ist? Sei egoistisch. Es ist deine Zeit, dein Leben und nur du bestimmst, wer deine Aufmerksamkeit verdient. Umgib dich nur mit Leuten, die dich glücklich machen. Das fängt beim Lebenspartner an und hört bei Geschäftspartnern auf.

 

Wie sieht’s bei dir aus? Welchen Ballast kannst du abwerfen und was ist für dich unentbehrlich?

Mit diesem Beitrag möchte ich niemanden überreden, sich vollkommen vom Konsum und anderen Lasten loszusagen. Das mache ich selbst nur bis zu einem bestimmten Grad. Allerdings hat mir das Loslassen, Wegschmeißen und Vereinfachen von Dingen wie auch Personen in den letzten Jahren ein viel befreiteres Leben zu bescheren.

Das Gefühl, jederzeit einen Koffer packen zu können und in die Welt zu ziehen, ist für mich eine große Genugtuung. Die Beschränkung von Verpflichtungen auf das wirklich Wesentliche, gibt mir mehr Zeit für die Dinge, die mir am Herzen liegen.

Tue mir einen Gefallen und halte nur an den Dingen fest, die für dein Leben wirklich wichtig sind.

Danke für 16 Kommentare

Wir freuen uns über deine Fragen, deine Hinweise und dein allgemeines Feedback. Wenn du eine spezielle Frage zum Beitrag hast, schaue bitte zuerst in den bisherigen Kommentaren nach, ob du die Antwort dort findest.

16 Kommentare zu "Wie du unnötigen Ballast abwirfst und befreiter lebst"

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Daniel und Jessica
Leser

Defintiv ein wirklich guter Beitrag.
Die Tage wurde uns noch vorgeworfen, dass wir zu minimalistisch wären.
Aber wie du schon sagst, sollte jede Person das “Maß” an Minimalismus selbst festlegen und vor allem andere Menschen nicht kritisieren, wenn es um dieses Thema geht.
Leben und leben lassen eben!

Alles Liebe,
Daniel und Jessi

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[…] Welche Option sich für dich eignet, hängt von der Dauer der Reise ab. In jedem Fall ist es ein guter Zeitpunkt, um mal ordentlich auszumisten und unnötigen Ballast abzuwerfen. […]

Christian
Leser
Christian

Ich habe schon eine Menge Sachen weggetan (verkauft, weggeschmissen,verschenkt ). Ich leben ohne Fernseher, habe keinen Kühlschrank, schlafe sehr erholsam auf dem Fußboden und bin drauf und dran in eine kleinere Wohnung zu ziehen.

Mein nächstes Projekt: Waschmaschine und Handy abschaffen.
Auf das Handy schaue ich nur noch einmal Abends. Ich kontrolliere meine emails und whats App.

Das Peoblem ist die Waschmaschine. In der nächsten Wohnung soll definitiv keine mehr reinkommen. Nur habe ich keinen Waschsalon in der Stadt. Hat jemand eine Idee wie man das Von-Hand- waschen effektiv gestalten kann. Ich habe das auch noch nie probiert. Wie genau geht das?

P.S.: Am sinnvollsten, effektiveren zum ballast abwerfen und Vorwärtskommen im Prozess es entmaterialisierend ist der oben genannte Tipp sich von Menschen zu trennen die einen nur belasten. Meistens sind das die sogenannten guten Freunde oder der Partner der will das man so bleibt wie man ist. Oder Familienmitglieder die nicht wollen das sich was im engsten Kreis bezüglich der gefestigten Machtverhältnisse ändert.

Mit freundlichen Grüßen

Christian

Swantje Gebauer
Leser

Lieber Sebastian,

dieser Beitrag kommt gerade zur richtigen Zeit 🙂
Ich merke, dass mein Besitz mich besitzt und ich ganz gerne mehr loslassen möchte.
Ich bin kein Messie, aber es ist doch so einiges.
Nun habe ich wirklich ganz praktische Tipps dazu bekommen, Raum zu schaffen. Raum für eine neue Lebensweise, die flexibler und organischer ist.

Danke!!!

🙂
Swantje

Burak Ba
Leser

Ein wirklich super Artikel! Zudem das Design deines Blogs hat mich sehr inspiriert und gefällt mir persönlich sehr gut!

Du kommst in meine Favoriten!

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[…] meinen Fernseher verkauft und damit aufgehört, regelmäßig Nachrichten zu lesen. Seit ich diesen Ballast abgeworfen habe, habe ich nicht nur mehr Zeit, sondern fühle mich auch viel […]

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[…] Dinge, wenn sie unser Leben nur belasten, anstatt es schöner zu machen? Das Abwerfen von Besitz und Kündigen von Verträgen hat zumindest auf mich unglaublich befreiend […]

trackback

[…] Verwendung dafür. Seit meiner Abmeldung aus Deutschland und der Kündigung fast aller bestehenden Verträge und Abos bekomme ich nur noch sehr wenige Briefe. Diese landen im Briefkasten meiner Eltern, die mir […]

Neffhausen
Leser
Neffhausen

Weniger ist eben doch mehr. Ich lebe schon seit über 10 Jahren minimalistisch. Das erste was damals bei mir rausflog war die Glotze und dann kam eine Kette in Gang die nicht mehr aufzuhalten war. Ich werde für meinen Lebensstil zwar häufig belächelt aber das ist mir herzlichst egal denn, die Leute wissen gar nicht wie angenehm, wie befreiend und praktisch dieser Lebensstil ist. Man lebt viel stressfreier und hat viel mehr Zeit für die wirklich schönen Dinge die das Leben zu bieten hat.

trackback

[…] genau, ob du dich nicht auch von einigen Möbeln, Kleidern oder anderem Hausrat trennen kannst. Mit weniger Ballast lebt es sich nicht nur besser, sondern kann auch viel Geld gespart […]

Andreas
Leser

Hallo Sebastian,

eine in meinen Augen wichtige Sache fehlt. Kaufe gebraucht! Ich habe mir gerade eine Spiegelreflex, eine Canon 350d, von privat gekauft. Unter hundert Euro, macht genau so viel Spaß, macht sehr gute Bilder, aber macht erheblich weniger Stress. Mir nicht nicht und meinem Portmonnaie nicht. Neue Dinge können Ballast sein und Stress bereiten. Ein Kratzer oder gar eine Unachtsamkeit und mind. 500 € sind pfutsch.

Gruß
Andreas

Eva
Leser

Lieber Sebastian!
Danke für diesen wundervollen Beitrag – du sprichst mir aus der Seele! Ich hab mich vor fast 5 Jahren von meinem Ballast befreit, nur Punkt 5 und 10 bereiten mir noch Schwierigkeiten. Wir wurden von Kindesbeinen an, in Richtung Leistungs- und Konsumgesellschaft diktiert. Ich denke deshalb fällt es Vielen schwer, sich aus dem Hamsterrad zu befreien. Das Erwerben von Dingen löst wohl ein Glücksgefühl aus, dass kurz den Alltag vergessen lässt. Gleichzeitig wird einem ständig suggeriert, dass man etwas Neues braucht und die Produkte die man erwirbt, zeichnen sich nicht gerade durch Langlebigkeit aus. Dazu kommt noch die vermeintliche Verantwortung der BürgerInnen die Wirtschaft durch Konsum beim wachsen zu unterstützen.
Diesen Kreislauf gilt es zu durchbrechen – deshalb hat m.E. Minimalismus auch eine politische Komponente. Gegen das herrschende System und für die Freiheit.
Liebe Grüße ins Reich der Mitte,
Eva

Steffi
Leser
Hallo Sebastian! Meine Familie und ich leben seit 5 Jahren in einem “Wohnlaster” auf knapp 9 m². Da geht es gar nicht, dass Dinge angehäuft werden könnten… und trotzdem finde ich immer wieder Sachen in diesem kleinen Raum, die ich im letzten Jahr nicht gebraucht habe. Dann überlege ich, warum ich es überhaupt habe, wofür ich es brauchen könnte. Zum Glück schmeiße ich es dann weg, oder noch besser, verschenke es. Es ist schon interessant, wie wir Menschen dazu neigen Dinge anzuhäufen und an ihnen zu hängen, auch wenn wir sie gar nicht wirklich brauchen. Die Trennung von Dingen kann sogar unglaublich hart sein. Als wir vor Jahren unsere Besitztümer aus dem Haus räumten, in dem wir wohnten, musste ich oft mit mir kämpfen es wirklich zu tun. All die Kleinigkeiten, die mein Leben für immer verlassen sollten bereiteten mir Schmerzen. Von einigen habe ich sogar Fotos gemacht. Die Dinge, die uns unverzichtbar erschienen, haben wir im Keller meiner Eltern eingelagert. Ich weiß schon gar nicht mehr genau, was dort eigentlich noch alles ist. Eigentlich könnte ich das alles also auch über Bord schmeißen. Eigentlich. Mein “Büro” habe ich auch digitalisiert. Auch alte Briefe, Postkarten und sowas habe ich eingescannt.… Mehr lesen »
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