Die Alternative zur Rente mit 67: regelmäßige Mini Retirements

Ein Großteil unseres Lebens ist ziemlich vorbestimmt. Wir gehen zur Schule, machen eine Ausbildung, Arbeiten 40 Jahre lang und genießen dann die wohlverdiente Rente. Ist da nicht irgendetwas faul? Wir verbringen den besten Teil unseres Lebens damit, bestmöglich für das Rentenalter vorzusorgen.

Ich will hier gar keine langen Ausführungen darüber anstellen, wie hoch die gesetzliche Rente in 20 Jahren sein wird. Wir wissen alle ganz genau, dass sie für ein komfortables Leben nicht ausreichen wird. Der Generationenvertrag hat lange Zeit gut funktioniert, heute ist die private Vorsorge Pflicht.

Aber in diesem Beitrag soll es auch gar nicht um die finanzielle Altersvorsorge gehen. Es geht darum, das Rentenmodell grundlegend zu hinterfragen. Nicht in der Gesamtheit aber für den Einzelnen.

Heutzutage gibt es viele Möglichkeiten zur Gestaltung des eigenen Berufslebens. Niemand muss mehr dem Schema folgen, auf das unsere Großeltern schwören.

Dieser Beitrag gibt dir keine Anleitung. Er soll dich zum Nachdenken anregen. Im besten Fall soll er dir den Anstoß geben, deine ganz eigenen unkonventionellen Entscheidungen zu treffen.

 

Warum arbeiten wir eigentlich unser ganzes Leben lang auf die Rente hin?

Ist das nicht eine verkehrte Welt? Wir verbringen die besten Jahre unseres Lebens damit, uns für das Rentenalter abzusichern. Sprüche wie “nur noch 5 Jahre bis zur Rente” hörst du wahrscheinlich öfter mal von älteren Kollegen.

Ist es denn nicht absurd, dass wir das Rentenalter herbei sehnen? Es ist genauso absurd, wie sich schon am Montag auf den Freitag und das bevorstehende Wochenende zu freuen.

Sollten wir denn nicht im Jetzt leben und jeden Augenblick genießen? Ich hasse es, wenn die Wochen an mir vorbeifliegen. Ich möchte mein Leben jetzt leben und nicht auf das nächste Wochenende und schon gar nicht bis zur Rente warten.

Ich möchte nicht warten, bis ich das Rentenalter erreicht habe. Ich möchte mich jetzt für meine harte Arbeit belohnen.

Ich habe jetzt die große Motivation für Abenteuer. Ich möchte jetzt Sprachen lernen, Sport treiben, neue Kulturen entdecken und um die Welt reisen. Von dieser Abenteuerlust und Kompromissbereitschaft habe ich in 30 Jahren ganz sicher viel eingebüßt.

Natürlich gibt es die rüstigen Rentner. Meine Großmutter ist mit Mitte 70 noch gut in Form und genießt ihre Rente so gut es geht. Sie hat jedoch weder den Antrieb, noch ist sie in der körperlichen Verfassung, lange Reisen anzustellen, Sport zu treiben oder neue Dinge zu erlernen.

 

Mini Retirements: die Rente auf Raten

Die Idee der Mini Retirements ist spätestens seit dem Bestseller von Tim Ferriss, der 4-Stunden Woche, bekannt geworden. Anders als bei der gewöhnlichen Rente wird nicht 40 Jahre am Stück gearbeitet, sondern die “Rentenzeit” über das ganze Leben lang verteilt.

Das Konzept hinter den Mini Retirements ist Folgendes: das Geld wird nicht für den Lebensabend aufgespart, sondern es werden regelmäßige Auszeiten genommen, in denen kleine Ersparnisse ausgegeben werden.

In der Praxis bedeutet es, dass alle 1-3 Jahre entweder der Job gekündigt oder mit dem Arbeitgeber eine Auszeit von mehreren Monaten vereinbart wird. Das während dieser Zeit angesparte Geld wird für Reisen oder andere Leidenschaften ausgegeben, anstatt es für das Rentenalter anzusparen.

Anstatt ein Leben lang Vermögen und Rentenpunkte aufzubauen, sind Mini Retirements über das gesamte Leben verteilte, regelmäßige Auszeiten von mehreren Monaten.

Natürlich hört sich das in der Theorie alles schön und einfach an. Einige werden jetzt darüber nachdenken, was dann im eigentlichen Rentenalter passiert. Schließlich fehlen die achso wichtigen Rentenpunkte und Ersparnisse.

Nun, im Idealfall übst du eine Tätigkeit aus, die du nicht in einem bestimmten Alter beenden willst bzw. aus gesundheitlichen Gründen musst. Noch besser, du hast ein nachhaltiges Business aufgebaut oder in eine Immobilie investiert, die du im Alter untervermietest.

Ich habe ganz und gar nicht vor irgendwann in Rente zu gehen. Aus diesem Grund mache ich mir derzeit auch noch nicht viele Gedanken um die Altersvorsorge. Worin ich heute investiere, ist mein Wissen. Mein Wissen darüber, wie ich jederzeit selbständig und nachhaltig Geld verdienen kann.

Vielleicht hältst du mich für naiv, vielleicht bin ich es auch. Jedoch bin ich fest davon überzeugt, dass ich jederzeit kreative Wege finde, um mein Leben gut zu finanzieren – egal ob heute, morgen oder mit 70 Jahren.

 

Wie hört sich diese Idee für dich an? Was spricht dagegen?

Mit diesem Beitrag möchte ich dich lediglich zum Nachdenken anregen. Natürlich gibt es keine Anleitung, die für alle Lebenssituation und jeden Einzelnen passt.

Wichtig ist, dass du Dinge hinterfragst. Nimm nicht alles als gegeben hin, nur weil es viele andere Menschen immer wieder nachsprechen. Nur weil unsere Eltern und Großeltern nach bestimmten Konventionen gelebt haben, heißt dies nicht, dass wir diesen folgen müssen.

Überlege dir ganz genau, ob du wirklich ein Leben lang auf deine Rente hinarbeiten willst oder dich bereits in der Blüte deines Lebens mit Auszeiten belohnen willst? Die Entscheidung liegt bei dir!

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[…] Regelmäßige Mini-Renten zwischendurch auf Wirelesslife.de. Warum willst du bis zur Rente warten, um dir eine längere Auszeit zu gönnen? Mini-Retirements wären eine gute Alternative, von denen du schon heute profitierst. […]

Du hast sicherlich recht, wenn du unser Sicherheitsdenken hinterfragst. Allerdings solltest du auch deine eigene Zukunftseinschätzung hinterfragen. Denn seien wir mal ehrlich: Wer mit 70 nicht mehr in der Lage ist, die freie Zeit auszukosten, wird auch beruflich nichts mehr auf die Reihe kriegen.

Sebastian Fahrenkrog

HI Sebastian

Ich persönliche teile deine Meinung absolut. Das Verzögerungsgenießen führt meistens dazu, dass es zu spät ist. Allerdings sorge ich trotzdem für das Alter gut vor: Sparen, Immobilien und private Rente.
Trotzdem fahre ich regelmäßig weg, arbeite vom Strand aus oder gehe auf Seminare etc.
Das mache ich schon seit dem Beginn meiner Selbstständigkeit so und fahre bis jetzt ganz gut damit.

Ich denke wenn man sich geschäftlich erst mal ganz gut eingerichtet hat, dann ist beides kein Problem.

VG
Sebastian

Hallo Sebastian! Ich glaube ja, dass es eine Typfrage ist, ein Charakterzug. Manche Menschen sind glücklich, wenn ihr Leben in regelmäßigen Bahnen verläuft. Wenn sie wissen, was in 5, 10 oder 20 Jahren ist. Wenn sie täglich zur Arbeit gehen, am besten in die immer gleiche Firma, mit den gleichen Kollegen, mit immer den gleichen Sorgen und Freuden. Sie pflegen ihre Hobbys und ihre Familien und richten es sich in ihrem Leben gemütlich ein. Sie warten nicht auf ihre Rente, sondern sie freuen sich tatsächlich über ihr ruhiges Leben. Auch wenn das natürlich nie so ist. Die Firma geht pleite, man wird vielleicht krank, arbeitslos und streitet sich mit den Kindern. Äußere Dinge verändern das Leben. Dinge, auf die “man” meint keinen Einfluss zu haben. Doch sie reagieren, richten sich neu ein.

Und dann gibt es die anderen. Die mit einem ruhigen Leben nichts anfangen können. Die, die lieber agieren, statt zu reagieren. Die ihre Kuschelecke verlassen möchten, oft Neues erleben wollen, die sich eben nicht in dem immer Gleichen einrichten möchten. Das Konzept der Mini-Retirements ist für diese Charakter eine tolle Variante!

Hallo Sebastian,

ich kann Dich soweit beruhigen, dass ich von meiner Abenteuerlust und Kompromissbereitschaft nichts eingebüßt habe. Ich denke eher, dass das Gegenteil eingetreten ist.

Ich werde demnächst 50.

Gruß
Andreas