Langzeitreisen oder Leben im Ausland: Das solltest du beachten

Das große Abenteuer steht vor der Tür – ein Jahr Work & Travel, mit dem Backpack durch die Welt oder eine neue Anstellung im Ausland. Zunächst einmal freue ich mich riesig für dich und möchte dir zugleich auch gerne ein paar Tipps mit auf den Weg geben, die dir bei der Vorbereitung behilflich sein werden.

Bevor die große Reise angetreten oder die Auswanderung geplant wird, gilt es einige wichtige Entscheidungen zu treffen. Das betrifft unter anderem die Meldepflicht in Deutschland, Krankenversicherung, Visumsbeantragung und viele weitere Dinge, die dir beim Leben im Ausland begegnen werden.

Behördengänge und Meldepflicht

Theoretisch musst du dich bei der Meldebehörde abmelden, sobald du aus deiner Wohnung ausziehst und keine neue Wohnung im Inland beziehst. Natürlich kannst du trotzdem noch eine Anschrift deiner Eltern oder von Freunden bei Versicherungen, Banken oder anderen Dienstleistern angeben, hast aber nach der Abmeldung offiziell keinen festen Wohnsitz mehr in Deutschland.

Das bedeutet auch, dass du ein bestehendes Gewerbe abmelden müsstest. Wenn du dich “nur” für maximal ein Jahr im Ausland aufhältst, dann ist es der Bürokratie wegen wohl das Risiko wert, einfach gemeldet zu bleiben. Zu weiterer Hilfe dazu bietet das Raphaelswerk für Auswanderer und Heimkehrer bei einem persönlichen Gespräch in einer der bundesweiten Beratungsstellen fachkundige Auskunft.

Ausführliche Infos zur Meldepflicht und Vor- und Nachteile der Abmeldung des Wohnsitzes in Deutschland findest du in diesem Beitrag.

 

Visumsk(r)ampf und Border Hopping

Je nach Land, Art und Länge des Aufenthaltes brauchst du natürlich ein Visum, was nicht immer ganz problemlos zu bekommen ist. Wenn du dich länger in außereuropäischen Ländern aufhalten oder dort arbeiten möchtest, brauchst du in der Regel eine Einladung eines Arbeitgebers, um das Work-Visa zu bekommen. Ausnahme hier: Work & Travel Visum für ausgewählte Länder.

Die Alternative besteht also in 1 – 3-monatigen Touristenvisa, die bei längeren Aufenthalten durch die Ausreise und erneute Einreise quasi verlängert werden können (sogenanntes Border hopping). Das klappt besonders in asiatischen Ländern für eine gewisse Zeit ganz gut. In westlichen Ländern kann dies jedoch Probleme bereiten und sollte vor der Reise bedacht werden.

 

Gesetzliche und Auslands-KV

Klar ist, dass du bei Aufenthalten außerhalb der EU-Mitgliedsstaaten eine zusätzliche Auslands-KV brauchst. Das Problem besteht eher bei der Stilllegung der heimischen gesetzlichen KV, die damit droht, dich nach einem Austritt nicht wieder aufzunehmen.

Ich habe mich allerdings bereits schon zweimal aus der gesetzlichen KV abgemeldet und wurde auch ohne Probleme wieder aufgenommen. Alternativ kannst du eine monatliche Gebühr von rund 20 Euro bezahlen, die dir den Wiedereinstieg garantiert (sogenannte Anwartschaft), was aber meiner Meinung nach Unsinn ist. Es gibt schließlich eine gesetzliche KV-Pflicht in Deutschland.

Ausführliche Infos zur Krankenversicherung und der Anwartschaft bei Auslandsaufenthalten findest du in diesem Beitrag.

 

Diese 3 Punkte sind die wichtigsten organisatorischen Dinge, die du vor der Abreise unbedingt berücksichtigen solltest. Dazu kommen noch Gegenstände, die du vor der Abreise besorgen solltest, wie eine Kreditkarte und andere benötigte Ausstattung. Außerdem empfehle ich dir, deine wichtigsten Dokumente zu scannen und als digitale Version immer dabeizuhaben.

Neben den organisatorischen Vorbereitungen werden dich je nach Zielland viele neue Eindrücke erwarten, die nicht immer nur Freude bereiten. Gehe voller Vorfreude auf das Abenteuer zu aber bereite dich mental auch auf einige grundlegende Änderungen ein.

 

Umstellung der Ernährung

Straßenessen in Thailand

Straßenessen in Thailand – nicht für jeden Magen ein Genuß

Abhängig davon, ob du in Asien, Südamerika, Australien oder wo auch immer bist, kann die lokale Küche schon mal etwas gewöhnungsbedürftig sein. Ich habe mich beispielsweise in mexikanisches, chinesisches und thailändisches Essen verliebt, vermisse aber dennoch manchmal eine Scheibe Brot mit gutem Belag.

An vielen Orten bekommst du zwar importierte Produkte, jedoch sind besonders Käse, Wurst und Brot im Ausland meist deutlich teurer. Da hilft es nur, sich auf die Lebensmittel vor Ort einzurichten oder ein höheres Budget einzuplanen.

 

Willst du für längere Zeit ins Ausland?

Was du bei der Planung von langfristigen (oder unbefristeten) Reisen beachten solltest, wird auch im Wireless Life Guide ausführlich behandelt. Wenn dieser Beitrag für dich interessant ist, dann solltest du dir das Handbuch für digitale Nomaden unbedingt anschauen.

Zum Wireless Life Guide

 

 

Umweltverschmutzung

In vielen Entwicklungsländern spielt der Umweltschutz bis dato noch keine wichtige Rolle. Verständlich, da es andere grundlegendere Bedürfnisse gibt. Das führt dazu, dass in einigen Ländern das Trinkwasser nicht genießbar ist, die Luft durch veraltete Fabriken, Klimaanlagen und Fahrzeuge verschmutzt wird und viele Lebensmittel nicht unseren Qualitätsstandards entsprechen.

Was tun dagegen? Bei Luftverschmutzung können Atemmasken getragen werden, die vor allem in China und Japan bereits Normalität sind. Wasser am besten aus Wasserspendern beziehen oder große 5l-Gallonen kaufen. Auf Fleisch und Fisch, das auf der Straße zubereitet wird, solltest du am besten verzichten, wenn du einen sensiblen Magen hast.

 

Stressiger Verkehr

Verkehr in Vietnam

Verkehr in Vietnam – da hilft nur Augen zu und durch

In Nordafrika, Italien, Asien oder auch Lateinamerika gelten andere Regeln im Verkehr – meist gar keine. Es gilt lediglich, wer ein großes Fahrzeug hat oder dreist genug ist, der fährt. Als Fußgänger hast du dann sowieso das Nachsehen. Auch der ständig hohe Geräuschpegel auf den Straßen ist nichts für zarte Gemüter.

In Vietnam beispielsweise fahren auf den Hauptstraßen nur Roller und zwar 20 Roller nebeneinander. Das hat mich beim Überqueren der Straße schon etwas eingeschüchtert, vor allem weil die Ampelfarben keine große Bedeutung spielen. Ein Tipp eines Einheimischen hat mir seitdem viel geholfen: einfach ruhig und im gleichen Tempo loslaufen und keine hektischen Bewegungen machen. Die geübten Fahrer weichen dann (hoffentlich) problemlos aus.

 

Sprachbarrieren

Selbst wenn dein Englisch ein gutes Niveau hat, bist du nicht davor gewahrt auf Sprachprobleme zu stoßen. Besonders außerhalb großer Städte oder im asiatischen und südamerikanischen Raum gehören gute Englischkenntnisse eher zur Ausnahme. Da hilft nur selbst aktiv zu werden und sich entsprechende Grundkenntnisse anzueignen.

Der Schwierigkeitsgrad erhöht sich noch, wenn du in Ländern bist, die keine lateinischen Schriftzeichen verwenden. Dann wird das selbst das Lesen von Straßennamen, Bahnhofsanzeigen und Speisekarten zur echten Herausforderung. Hilfreich sind hier Übersetzer-Apps mit Spracherkennung (OCR).

Ich hoffe, dass ich dir mit diesem Beitrag nicht die Vorfreude verdorben habe. Die Hinweise sollen lediglich dazu dienen, dass du dich nicht ganz unvorbereitet in das große Abenteuer stürzt und am Ende mit großem Schrecken aufwachst.

Behalte die Tipps im Hinterkopf und stelle dich auf die kommenden Veränderungen ein aber vor allem, genieße die Gegebenheiten vor Ort und  lasse diese auf dich wirken. Darum geht es schließlich beim Reisen.

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Angelika Hatzner

Hallo,
Ich bin seit fast 2 Jahren mit einem Mann aus Österreich verlobt und er will, daß ich nach Österreich ziehe.
Nur ich will es nicht, da ich krank und frühberentet bin und zu meiner kleinen Rente noch Grundsicherung
bekomme und darauf auch nicht verzichten kann.
Meine Frage ist, kann ich eine bestimmte Zeit, ca. 3 Monate, ohne Verluste der Rente oder der Grundsicherung und meines Pflegegrades 1 in Österreich bleiben ?
Kann mir da jemand evtl. Auskunft geben.
Vielen Dank
Angelika

Fredo

Ave, ich will ins nicht-EU-Ausland für – naja, mal schauen. Da möchte ich natürlich den Kostenpunkt Krankenversicherung einsparen, also die Krankenversicherung abmelden und eine günstigere AuslandsKV (also die für 30€ im Monat) abschließen. Das sollte ja soweit, ohne den Wohnsitz abzumelden, möglich sein. Ich führe ein Gewerbe in D, Internet-Geschichte, die ich von überall führen kann. Wisst ihr von Gesetzen oder Einschränkungen, welche die Abmeldung der freiwilligen GKV verhindern, wollte man sein Gewerbe in D weiterführen? Reichen für die Abmeldung bei der GKV (AOK) Flugticket und Auslandsversicherung ? Danke schon mal im Voraus.

Johan

Hallo, danke für die hilfreichen Tipps!
Ich bin seit mehr als vier Jahren nicht krankenversichert, hab’s aber überlebt – bisher 😉
Bin deutscher Staatsbürger und überlege aber, für eine Zeit lang nach England zu gehen (1-2 Jahre).
Da ich aber das mit meiner KV hier in Deutschland unbedingt regeln will (z. B. mit einem Anwalt der mir hilft in eine PKV zu kommen), dann aber ja gar nicht in Deutschland bin, frage ich mich, was ich zuerst tun soll: Die KV regeln oder die temporäre (vielleicht dauerhafte) Auswanderung planen?
Danke für mehr Tipps! (Echt voll gut, dass Du all die wertvollen Infos zusammengestellt hast!)
Johan

Wow, dieser Beitrag versucht eine Menge abzudecken. Das hätten gut und gern 5 Artikel sein können.

Eine Frage:
MUSS man sich wirklich abmelden bei weniger als 180 Tagen pro Jahr in Deutschland? Wo hast Du das gelesen?

Eine Anmerkung:
Die KV Anwartschaft macht schon Sinn, weil nur so alle Vorerkrankungen abgedeckt sind. Deine vorherige Krankenkasse kann eine Wiederaufnahme nicht verweigern, aber sie muss afaik nicht für Vorerkrankungen aufkommen (z.B. im Ausland zugezogen)! ADAC oder Hanse Merkur AKVs decken das auch nicht ab, die sind aus dem Spiel, sobald Du zurück in Deutschland bist. Also im worst case hast Du eine schlimme Erkrankung und stehst ohne Versicherungsschutz da.