Wie du mit einer Informationsdiät vom Lernmodus in den Machermodus kommst

Keine Zeit, kein Geld und fehlendes Wissen – das sind die Top 3 Ausreden von Menschen, die nicht in den Machen-Modus kommen. Wie kommt es, dass manche Leute anscheinend immer mehr Zeit haben, als Andere? Liegt es wirklich daran, dass sie einfach weniger zu tun? Ist der Grund höhere Produktivität? Oder einfach nur besser gesetzte Prioritäten?

Dieser Beitrag erschien zuerst am 10.06.2014 und wurde neu veröffentlicht am 15.06.2017

 

Wir Deutschen haben grundsätzlich das Bedürfnis, immer gut informiert zu sein. Schließlich muss man beim Kaffeeklatsch etwas zu aktuellen Geschehnissen sagen können. Und umso besser wir informiert sind, desto mehr gehören wir dazu und desto weniger Risiken gehen wir schließlich auch ein.

Das Problem dabei ist, dass wir uns allzu oft passiv mit Informationen beschallen (lassen) und nur darauf reagieren. Das fängt beim Meckern über den Wetterbericht und politische Entscheidungen an und hört beim endlosen Konsum von unnützem Wissen im Studium noch lange nicht auf.

Viel besser ist es doch, aktiv die Informationen aufzusaugen, die wir gerade benötigen. Nicht 5 Jahre lang im Wirtschaftsstudium sitzen, weil wir irgendwann vielleicht einmal 10% des Gelernten anwenden können. Und nicht den Tagesspiegel von der ersten bis zur letzten Seite durchlesen, wenn mich 90% der Themen nicht interessieren.

Kennst du das, wenn du beim Scrollen durch deinen Facebook Newsfeed oder Hören eines Podcasts von einem neuen Mega-Trend erfährst, den du nicht verpassen darfst und dich dadurch ablenken lässt? Das Shiny Object Syndrom kann gar nicht auftreten, wenn du deine Informationsaufnahme ganz bewusst steuerst.

 

Warum hast du eigentlich keine Zeit?

Fangen wir mal damit an, dass ein jedem von uns die gleichen 24 Stunden am Tag zur Verfügung stehen. Ziehen wir einen gesunden Schlaf von 8 Stunden, Körperhygiene und Mahlzeiten ab, dann bleiben uns noch 14 Stunden übrig. Das ist doch gar nicht so wenig, oder?

Nun ist diese freie Zeit natürlich relativ, besonders wenn du in einem Angestelltenverhältnis steckst. Aber selbst wenn wir noch einmal 9 Stunden pro Arbeitstag abziehen, bleiben uns 5 Stunden. Was machst du in diesen 5 Stunden?

  • Wie viele Stunden in der Woche ist dein Fernseher eingeschalten?
  • Wie viel Zeit verbringst du jeden Morgen beim Lesen der Tageszeitung?
  • Wie oft klickst du dich im Internet durch Blogs, Facebook und Youtube?
  • Wie viele Podcasts, Online-Kurse und Bücher konsumierst du, ohne danach zu handeln?

Ich sage nicht, dass diese Zeit verschwendet ist. Die Zeiten der vermeintlich banalen Beschallung durch Videos oder das Lesen eines Romans, ohne dabei ein Ziel zu verfolgen, brauche auch ich. Ich sage lediglich, dass es in jedem Alltag genügend Optionen gibt, um Zeit zu schaffen.

Als ich mir vor einiger Zeit die Frage gestellt habe, worauf ich in deinem Alltag am ehesten verzichten kann, war die Antwort relativ klar: Informationsaufnahme jeglicher Art begrenzen. Dazu gehören für mich vor allem Tageszeitungen, Fernsehen, soziale Netzwerke, Chat-Apps, Blogs, Podcasts und Videos.

 

Welche Informationen sind dir wirklich wichtig?

Während meines Studiums habe ich massenweise Bücher gelesen und Vorlesungen gehört, von denen mich viele nicht interessiert haben. Das “Kapital” von Marx und in die Jahre gekommene Marketingtheorien von Bruhns gehörten zur Pflichtlektüre für den guten Studenten. Um es milde auszudrücken, ich hätte die Zeit besser nutzen können.

Tageszeitungen und Magazine wie den Spiegel habe ich abonniert, um mein Allgemeinwissen aufzubessern und um bei aktuellen Diskussionen mitreden zu können. Die Abogebühr hat immer einen gewissen Druck ausgeübt. Wer bezahlt schon gerne für etwas, das dann nicht genutzt bzw. gelesen wird. Interessiert haben mich viele Themen jedoch nicht.

Heute lege ich darauf keinen Wert mehr. Bei Small Talks stehe ich zwar manchmal etwas verloren da, jedoch kann ich damit gut leben. Ich schäme mich ganz und gar nicht für fehlendes “Allgemeinwissen”. Vielmehr kann ich von Dingen erzählen, die ich selbst erlebt habe. Bisher hat mich dafür auch noch niemand ausgelacht.

Es interessiert mich nicht, wer der letzte deutsche Superstar war oder welche Skandale es im Abgeordnetenhaus gab. Wenn etwas wichtiges in der Welt passiert, dann bekomme ich es mit.

Natürlich habe ich meine Informationsaufnahme nicht komplett auf Null gefahren. Ich verzichte lediglich auf Mainstream News über Politik, Wirtschaft und Sport. Meine Inputs sind sehr speziell. Ich nehme ganz gezielt die Informationen auf, die mich wirklich interessieren.

Mit der Informationsdiät ist es wie bei einer herkömmlichen Diät – wir hören nicht auf zu essen, ernähren uns aber bewusst und zielgerichtet.

Mich interessieren geschichtliche und aktuelle Themen zu bestimmten Ländern. Mich interessiert, wie der Tag meiner Freunde war und wie es ihnen geht. Mich interessiert, was um mich herum passiert. Das erfahre ich ganz zielgerichtet, ohne alle 10 Minuten Facebook oder WhatsApp zu checken und ohne jeden Tag eine Stunde lang Nachrichten zu lesen.

 

Aktionsplan für deine Informationsdiät

Im Zeitalter der digitalen Technologien haben wir ständig Zugang zu Informationen. Das Smartphone, Millionen von Websites, Fernseher in U-Bahnen und eine unglaubliche Fülle an Zeitschriften sorgen dafür, dass es um uns herum immer “laut” ist.

Manchmal ist es schwer, diesen Störfaktoren zu entfliehen. Deshalb sind für die Informationsdiät ganz bewusste Schritte nötig. Hier ist ein guter Anfang:

  1. Kündige alle bestehenden Zeitungsabos
  2. Stelle deinen Fernseher in den Keller
  3. Schalte automatische Benachrichtigungen für Apps auf deinem Smartphone aus (soziale Netzwerke, WhatsApp, …)
  4. Abonniere Blogs und andere Magazine zu Themen, die dich interessieren (Feedly eignet sich dafür super)
  5. Richte dir 1-2 feste Zeiten für die Informationsaufnahme ein (inklusive Facebook & Co)
  6. Lege einen Tag pro Woche fest, an dem du möglichst gar nicht online bist und nutze die Zeit stattdessen zum Lesen eines guten Buches

Ich habe vor Jahren alle meine Abos gekündigt, meinen Fernseher verkauft und damit aufgehört, regelmäßig Nachrichten zu lesen. Seit ich diesen Ballast abgeworfen habe, habe ich nicht nur mehr Zeit, sondern fühle mich auch viel befreiter.

Es hat bei mir eine ganze Weile gedauert, bis ich meine Gewohnheiten zur Informationsaufnahme geändert habe. Es klappt auch nicht immer zu 100% aber in der Regel nehme ich mir einmal in der Woche Zeit, um meinen Blogfeed über Feedly zu lesen und nach interessanten Podcast Episoden zu schauen. Soziale Netzwerke wie Facebook habe ich in der Regel geschlossen und schaue nur alle paar Stunden mal rein.

 

Balance zwischen Input und Output

Als ich Anfang 2015 damit begonnen habe, mein erstes Buch zu schreiben, habe ich wahnsinnig viel gelesen, Podcasts gehört und Blogs durchstöbert. Immer wenn ich von irgendwo einen Impuls bekommen habe, wollte ich die neuen Gedanken in mein Buch einarbeiten.

Irgendwann im Schreibprozess habe ich gemerkt, dass ich nie richtig vorankommen werde, wenn ich den Input nicht stoppe. Ich wußte bereits genug zum Thema, um mit dem Schreiben anzufangen. Nicht alles, aber genug. Also habe ich damals ganz bewusst beschlossen, vom Lernmodus in den Machenmodus zu wechseln. Keine neuen Informationen mehr, sondern etwas Kreieren, das auf dem bereits vorhandenen Wissen basiert.

Im englischen wird oft von Learning Zone vs. Performance Zone gesprochen (oder Growing vs. Doing). In meiner Erfahrung gibt es Phasen, in denen ich sehr viele neue Dinge aufnehme und mich inspirieren lasse, bis daraus Konzepte in meinem Kopf entstehen und sich einzelne Puzzlestücke zusammenfinden.

Alle paar Monate gibt es dann aber auch die Phasen, in denen mein Kopf voll ist und keinen neuem Input mehr verarbeiten kann. In diesen Phasen verdaue ich das Gehörte und Gelesene. Und in diesen Phasen habe ich dann genügend mentale und zeitliche Freiheiten, um neue Dinge zu erschaffen.

Wie findest du nun die richtige Balance zwischen Input und Output?

Das hängt davon ab, ob du eher einen Hang zum perfektionistischen oder laissez-faire hast. Manch einer handelt viel zu schnell, ohne im Thema zu stecken; andere kommen nie ins Handeln, weil immer noch die letzte Information fehlt.

Ich setze mir Ziele. Sagen wir, ich möchte lernen, wie Chatbots funktionieren. Dann nehme ich mir einen Monat lang jede Woche 2-3 Stunden Zeit, um mir durch Online-Kurse, Blogs, Videos und Podcasts das benötigte Grundwissen zu verschaffen. Danach bin ich ganz sicher kein Experte, habe aber genügend Know-How, um das Gelernte selbst zu testen. Nach diesem einen Monat geht es also vom Lern- in den Machen-Modus.

Besonders wenn du eine perfektionistische Veranlagung hast, musst du dich damit abfinden, nicht immer alle Informationen zu haben. Du wirst immer Fehler machen und beim Handeln dazulernen. Wirklich scheitern kannst du letztendlich nur, wenn du nie über den Lernmodus hinauskommst.

 

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7 Kommentare zu "Wie du mit einer Informationsdiät vom Lernmodus in den Machermodus kommst"

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Nina
Leser

Hi Sebastian,

eine “Informationsdiät” ist wirklich wichtig, um in anderen Lebensbereichen ins Handeln zu kommen. Man muss sich auch eingestehen, dass die Welt sich weiterdreht, wenn man nicht über alles immer gleich informiert ist. Ich habe bereits vor 2 Jahren mit dem aktiven Konsum von Nachrichten – egal ob Zeitschriften oder die Tagesschau – aufgehört. Die wirklich großen Ereignisse bekommt auch beiläufig noch mit.

Bücher, Videokurse & Co sind mittlerweile für mich die bessere Alternative zum Mainstream-TV. Aber hier ist es natürlich, wie du schon geschrieben hast, wichtig, die richtige Balance zwischen Input und Output zu finden. Ich handhabe es mittlerweile so, dass ich Bücher – so wie Tim es auch beschreibt – als “sanften Input” sehe und mir z.b. vor dem Schlafen dafür 30 – 60 Min Zeit nehme. Die schwerere Kost, wie z.B. Udemy-Kurse versuche ich aber eher in kleine Blöcke unter der Woche einzuteilen und dabei immer zwischen Theorie (bloßes anschauen) und Praxis (selbst ausprobieren) feste Einheiten festzulegen und dazwischen auch komplett andere Dinge zu tun – im Idealfall nicht am Bildschirm

Gerd
Leser

Hallo Sebastian,

ich habe ein Video von Tony Schwartz entdeckt der über “The Power of Full Engagment” spricht. Also mehr schaffen in weniger Zeit und wie das möglich ist. Seitdem arbeite ich absolut konzentriert und erreiche meine Ziel.

Viele Grüße,
Gerd

Robert Zach
Leser
Robert Zach

Ich glaube, man braucht auch einen Verarbeitungsmodus, um dem Gehirn Zeit zu geben den Input mit dem Output zu verbinden. Oft kommen mir bei einem Bier im Park oder beim Sport ganz neue Ideen, wie ich gelerntes anwenden kann oder wie ich Probleme im Output Modus besser angehen kann. Es zahlt sich aus ein Notizbuch immer dabei zu haben 😀

Tim Chimoy
Leser

Super Artikel. Glaub auch, dass viele Menschen zu viel aufsaugen und zu wenig umsetzen.

Aber mal die andere Seite der Medaille: Kenne persönlich aber auch gut die Falle, die auf der anderen Seite lauert. Zu viel umsetzen wollen, und zu wenig “sanfter Input”, z.B. in Form von Lesen, der ja auch der Entspannung dient. Und wenn ich dann zu lange im Output Modus war, sagt der Körper: Stopp, Kollege. Du brauchst ne Pause. Und da is dieser sanfte Hängematten-Input mit Zeitung oder Buch sicher ne gute Methode für all jene, die mehr Pausen brauchen. (TV, Netflix oder Youtube zählt (vermute ich) bei Entspannungsmethoden nur bedingt. Mich kratzt eine spannende Serie z.B. eher auf.)

Linda Benninghoff (@Nanamia_de)
Leser
Linda Benninghoff (@Nanamia_de)

Genau richtig 🙂
Ich gucke allerdings sehr gerne Fern, schaue aber seit einigen Monaten keine Nachrichten oder andere News-Sendungen nicht mehr. Dort wird eh nur über Negatives berichtet.
Da mein Leben so ist, wie ICH es mir gestalte, konzentriere ich mich auf schönes oder lustiges. Ist im TV zwar auch viel Schrott dabei, aber da steh ich zu 😉

Viele Grüße
Linda

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