Hygge: Was wir von den Dänen über ein glückliches Leben lernen können

Hygge: Nicht nur einfach ein dänisches Wort. Es ist ein Lebensgefühl. Aber was haben die Dänen, was die Deutschen nicht haben? Erfahre hier wie du dem dänischen Lebensgefühl überall auf der Welt ein Stück näher kommen kannst. Mache es dir hyggelig.

Alexandra KuptzPsychologin Alexandra schreibend auf der Suche nach dem Glück

Die Glückseligkeit scheint in der Muße zu bestehen. Aristoteles

Ich hörte zum ersten Mal so richtig von diesem Begriff, weil meine Schwester mir zum Eintritt in meine Selbständigkeit und mit der Geburt meines „Glückslabors“ ein Buch mit der Aufschrift „Hygge“ schenkte.

Hygge. Man kommt heute kaum noch um das Wort herum. Selbst in deutschen Duden findet man eine Erklärung. „Hygge: Substantiv, feminin – Gemütlichkeit, Heimeligkeit als Lebensprinzip (in Dänemark)“.

Und es gibt ein Adjektiv, dass sogar nach Glück und Gemütlichkeit klingt, wenn man es ausspricht. „Hyggelig: Adjektiv – dem Prinzip der Hygge gemäß; gemütlich, heimelig“.

„Hygge“ ist aber nicht nur einfach ein Wort. Es gehört zur dänischen Tradition. Man verbindet mit dem Begriff ein Lebensgefühl und eine besondere Art zu Leben. Die Dänen sind lebensfrohe Menschen, die gerne in Gemeinschaft gutes Essen und Trinken bei Kerzenlicht genießen und sich über Gott und die Welt austauschen.

Fun Fact: Die Dänen verbrauchen durchschnittlich 6-8 Kilo Kerzen pro Jahr. Deutsche nur 2-3 Kilo.

Mike Wiking, der Autor des Buches „Hygge“ und „Lykke“ und der CEO des Kopenhagener Institutes für Glücksforschung berichtet von einem Leserbrief einer Schülerin aus England. Diese beschloss, inspiriert von seinen Büchern, mehr „Hygge“ in ihr Klassenzimmer zu bringen. Die Klasse brachte daraufhin Lichterketten an, es gab gemeinsame Mahlzeiten und sie erzählten sich bei Kerzenlicht Geschichten. Dazu gab es sogar ein Youtube Video mit Kaminfeuer, welches sie an die Wand projizierten.

Klingt auf jeden Fall ziemlich „hyggelig“, wenn du mich fragst. Ich finde die kleine Geschichte des Mädchens toll und sehr inspirierend. Auch eine Person kann viel bewegen und in dem Fall eine ganze Klasse dazu animieren, „hyggeliger“ zu leben.

Fällt dir vielleicht auch schon spontan etwas ein, wie du dir dein Leben ein wenig „hyggeliger“ gestalten kannst?

Ich zum Beispiel habe das Kerzenthema für mich aufgegriffen. Meine Devise: Es müssen mindestens drei Teelichter zur Verfügung stehen, das macht mein Zimmer gleich viel gemütlicher und wärmer. Und wenn ich mindestens meine, dann sollten in der Regel eher 6 Kerzen am Abend angezündet sein, egal bei welcher Jahreszeit.

Hygge geht aber offensichtlich über die Situationen, bei denen man einfach nur nett zusammensitzt und es sich gemütlich und heimelig macht, hinaus. Warum genau ist das Wort auch im internationalen Sprachgebrauch angekommen? Und was haben die Dänen, was die Deutschen nicht haben? Was können wir von den Dänen lernen? Dazu müssen wir etwas weiter in die Tiefe gehen …

 

Dänemark als Utopie?

Ich möchte dir ein Beispiel von Mike Wiking aus seinem Buch „Lykke“ beschreiben. Es beruht auf einer wahren Begebenheit:

„Es ist vier Uhr an einem Nachmittag in Kopenhagen. Die Menschen radeln vom Büro nach Hause und holen unterwegs ihre Kinder von der Schule ab. Ein Paar, das sich die zweiundfünfzig Wochen Elternzeit teilt, geht am Wasser spazieren. Ein paar Studenten schwimmen im sauberen Hafenwasser. Sie können das ziemlich sorglos tun, weil es keine Studiengebühren gibt und weil sie ein staatliches Stipendium von bis zu umgerechnet 809 Euro (im Monat) bekommen. In Dänemark läuft alles rund. Zumindest fast alles. Vor vier Jahren (Stand 2017) ist mal ein Zug fünf Minuten zu spät angekommen. Da haben die Fahrgäste einen Entschuldigungsbrief vom Ministerpräsidenten und einen Designerstuhl ihrer Wahl als Entschädigung bekommen.“

Man kann die Geschichte als Deutscher fast gar nicht glauben. Zumindest musste ich ein wenig schmunzeln, als ich diese Zeilen las. Vor allen Dingen die mit dem Entschuldigungsbrief und dem Designerstuhl.

Wenn ich aus der Perspektive meines Berliner Großstadtlebens auf die Welt schaue, sollte ich doch eigentlich meinen, dass es uns Deutschen – zumindest materiell – ziemlich gut geht im Vergleich zu der restlichen Welt da draußen.

Doch die Dänen übertrumpfen alles. Sie leben in einer Utopie, die man sich kaum vorstellen kann, wenn man nicht einmal da gewesen ist. Natürlich gibt es auch einige Dinge, die nicht so perfekt laufen. Und natürlich sind nicht alle Dänen glücklich. Aber von ihnen können wir einiges lernen.

Ein Glücksvergleich: Laut des World Happiness Reports 2019 liegen die Deutschen auf Platz 17 und schneiden somit schlechter ab als im Jahr zuvor. Dänemark liegt aktuell auf Platz 2, nach Finnland. Gemessen wird hier das Bruttoinlandsprodukt pro Person, Lebenserwartung und Korruption von Regierung und Wirtschaft. Außerdem wurden Bürger auch direkt befragt wie glücklich sie sich fühlten. Die Top-10 der „glücklichsten“ Länder sind laut der aktuellen Studie:

  1. Finnland
  2. Dänemark
  3. Norwegen
  4. Island
  5. Niederlande
  6. Schweiz
  7. Schweden
  8. Neuseeland
  9. Kanada
  10. Österreich

 

Was können wir von also von den Dänen lernen?

„Selig, wer sich vor der Welt, Ohne Haß verschließt, Einen Freund am Busen hält.“ Goethe

 

Glücksfaktor Gemeinschaft

Am Institut für Glücksforschung in Kopenhagen kommt man immer wieder zu dem Ergebnis, dass in den Ländern, in denen die Menschen besonders glücklich sind, ein ausgeprägtes Gemeinschaftsgefühl herrscht. Dänen treffen sich sehr häufig mit Freunden und Familie. 95% der Dänen geben an, dass sie sich im Notfall immer auf ihre Gemeinschaft verlassen können (OECD Better Life Index 2017).

Gemeinschaft geht für die Dänen auch über die eigene Wohnung hinaus. Sie haben z.B. viel Kontakt zu ihren Nachbarn und genießen die Gemeinschaft, die über ihre eigene Wohnung hinausgeht z.B. in Form eines Gemeinschaftsgartens oder eines Leihbücherschrankes. Eine schöne Idee wie ich finde.

 

Glücksfaktor Geld

Katar, das reichste Land der Welt steht im Glücksreport von 2017 auf Platz 35. Es scheint also nicht nur darum zu gehen, wieviel Geld wir verdienen, sondern auch was wir mit dem verdienten Geld anstellen.

Ein Tipp der Dänen: Koppele Wohlergehen von Wohlstand ab. Dänen kaufen sich z.B. mit ihrem Geld Erlebnisse statt Gegenstände. Wie wäre es also mit einem Ticket für ein Konzert, einen Ausflug ins Grüne oder einem guten Buch?

 

Glücksfaktor Gesundheit

Obwohl Dänen ziemlich viele Zimtschnecken essen und sehr viel über ein gemeinschaftliches Essen geht, sind sie relativ gesund. Das liegt zum einen am guten Gesundheitssystem und daran, dass die Dänen sich sehr viel auf dem Rad bewegen.

Wo kannst du dich noch etwas mehr bewegen oder einfach zu Fuß gehen? Oder einfach erstmal nur den Fahrstuhl durchs Treppenlaufen ersetzen? Besser noch: Gehe gleich in die Natur und mache einen Waldspaziergang.

 

Glücksfaktor Freiheit

Die Dänen sind grundsätzlich sehr zufrieden mit den Möglichkeiten, frei über ihr Leben zu entscheiden. Wenn man nach 17 Uhr oder an Wochenenden noch im Büro sitzt, wird man komisch angeschaut. Dänen schämen sich nicht dafür, dass sie ihrem Leben neben der Arbeit einen hohen Wert zusprechen. Bei uns sieht das etwas anders aus.

Aber wenn du schon mal damit anfängst, mehr auf deine Bedürfnisse und dein „Life“ zu achten, vielleicht machen es dir ja deinen Kollegen irgendwann nach und eine gesunde „Work-Life-Balance“ ist keine Ausnahme mehr.

 

Glücksfaktor Vertrauen

Dänen vertrauen einander. Fährt man nach Dänemark kann man oft Kinderwagen beobachten, die in der Öffentlichkeit herumstehen, während ihre Eltern in Cafés etwas trinken. Hat man sein Geld vergessen, kann man in einigen Läden später zahlen. Auch muss man in Dänemark nicht für jedes bisschen einen Vertrag unterschreiben. Hier zählt schon oft das gesprochene Wort.

 

Glücksfaktor Freundlichkeit

„Wenn du eine Stunde lang glücklich sein willst, halte ein Schläfchen. Wenn du einen Tag lang glücklich sein willst, geh zum Angeln. Wenn du ein Jahr glücklich sein willst, mach eine Erbschaft. Wenn du dein Leben lang glücklich sein willst, hilf einem anderen.“ chinesisches Sprichwort

Gutes Tun, freundlich sein und sich dabei gut fühlen. Darin sind die Dänen sehr gut. Dänen engagieren sich zu 42% ehrenamtlich. Der Grund: Sie lernen dadurch Menschen kennen, sie fühlen sich nützlich und haben das Gefühl etwas Sinnstiftendes zu tun.

Eine weitere Studie von Wiking zeigte, dass Menschen, die eine Woche lang jeden Tag etwas Nettes tun, weniger Ärger empfanden, mehr lachten und das Gefühl hatten, mehr Energie zu besitzen als die Kontrollgruppe. Starte doch noch heute mit einem „random act of kindness“.

Ich habe z.B. eine Zeit lang irgendwelchen Menschen auf der Straße ein Kompliment für ihre Ausstrahlung gegeben oder kleine Zettelchen mit Glücksbotschaften an Menschen verteilt. Ich fand es teilweise erschreckend wie irritiert Menschen zunächst reagiert haben, dass jemand einfach so nett zu ihnen ist, ohne etwas von ihnen „zu wollen“. Sie haben sich dann aber doch gefreut. Ich kann dir sagen, dass es immer wieder eine kleine Überwindung für mich war und es mir aber im Nachhinein immer selbst richtig gut getan hat.

 

Hygge, hygge, hurra! Ein Schlusswort

Ich finde es super inspirierend mir anzuschauen wie andere Länder, in dem Fall Dänemark und ihre Menschen funktionieren. Selbst wenn du nicht alles umsetzt, was auch ziemlich viel verlangt wäre, hast du allein durch das Lesen bereits ein anderes Mindset für die Gestaltung deines eigenen Glückes bekommen.

Vielleicht hat ja ein Punkt besonders mit dir resoniert. Fang doch mit diesem an. Du kannst dich, wenn du willst, immer noch steigern. Ideal ist es, wenn einer der Punkte so sehr in deinen Alltag integriert werden kann, dass es sich für dich gar nicht mehr mühevoll, sondern ganz selbstverständlich anfühlt. Erst dann würde ich mit einem zweiten Punkt anfangen. Oder es auch erstmal dabei belassen. Das ist auch okay.

Vertraue auf dein Glück – und du ziehst es herbei. Seneca

Danke, dass du dir Zeit für den Artikel genommen hast.

Alles Liebe <3

Über die Autorin

Alexandra Kuptz

Alexandra Kuptz ist selbständige Psychologin. Sie versteht sich als Motivatorin und Glücksbeauftragte und begleitet Einzelpersonen und Gruppen auf ihrer Visions- und Sinnsuche mit einer gesunden Portion Witz und Achtsamkeit.

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