Die Heldenreise: Die Reise in dein Inneres und wieder zurück in den Alltag

Paul Rebillot entwickelte die klassische Heldenreise wie wir sie aus Filmen kennen (z.B. Herr der Ringe, Die unendliche Geschichte) in therapeutischer Form weiter. Ich will dir heute von meiner persönlichen Heldenreise während eines 5-tägigen Retreats erzählen. Absolute Herzensempfehlung!

Alexandra Kuptz

Glücksbeauftragte Alexandra schreibt

Heute mache ich einen kleinen Exkurs mit dir. Ich will dir von meiner persönlichen „Heldenreise“ erzählen.

Auch noch nach einem Jahr kann ich mit Bestimmtheit sagen, dass diese Reise eine der intensivsten und lehrreichsten war, die ich jemals zu mir selbst gemacht habe. Seit der Heldenreise hat sich mein Leben verändert.

Ich sage dir heute warum und auch warum es sich auch für dich lohnen kann, diese Reise mindestens einmal in deinem Leben anzugehen. Wärmste Herzensempfehlung.

 

Der Ausgangspunkt

Immer schon bin ich ein kleiner „Psycho“ gewesen. Ich interessiere mich schon seit ich denken kann für die Beweggründe der Menschen, ihre dunklen und ihre hellen Seiten, ihre funktionalen, aber auch dysfunktionalen Verhaltensweisen, ihren inneren „Müll“, ihr inneres Glück.

Vielleicht auch deshalb der Studiengang Psychologie. Vielleicht auch die vielen Coachingausbildungen, die vielen Gespräche mit Klienten, vielleicht auch deshalb das Interesse am Thema „Glück“. Man lernt nie aus in der Arbeit mit Menschen, noch intensiver ist es wohl sich die eigenen Schattenseiten, sich das eigene Innere anzuschauen.

Ich erlebe viele Menschen, die nicht bereit sind über ihr Inneres zu sprechen, aus Angst vor den Ergebnissen. Wenn man lange nicht im Keller war, weiß man eben nicht mehr was sich dort unten alles angesammelt hat im Laufe der Jahre.

Das ist sehr verständlich, aus den letzten Jahren Berufserfahrung und aus persönlicher Erfahrung kann ich dennoch sagen, dass es sich IMMER lohnt hinzuschauen, besonders dann, wenn es wahrscheinlich ziemlich weh tun wird. Anfänglich sieht man vielleicht den Nutzen nicht. Warum sollte man sich mit sich selbst beschäftigen, wenn es doch ganz gut läuft? Vielleicht nicht optimal, aber es passt schon.

Jedes Mal, wenn ich mich intensiver mit eigenen Themen beschäftigt habe, habe ich danach immer das Gefühl gestärkter und selbstbestimmter durch mein Leben zu gehen. Denn nur wenn mir meine Verhaltensweisen und Gedankengänge oder Glaubenssätze bewusst werden, kann ich sie auch verändern bzw. selbst in die Hand nehmen.

Die Heldenreise ist ein wunderbares Tool, um sich die eigenen „Schattenseiten“ anzuschauen. Es sind die Seiten, die uns von dem abhalten, was wir eigentlich wollen. Durch kreative, spielerische und therapeutische Elemente verschafft die Heldenreise Zugang zu verdrängten Angelegenheiten und bietet Möglichkeit zur Integration. Sie hilft eigene Wünsche, Vorstellungen und Ziele klarer zu erkennen und zu leben und eine tiefere Vision für den weiteren Lebensweg zu entdecken.

Ich begab mich aus purem Interesse auf die „Heldenreise“. Ich habe bereits des Öfteren von Freunden und Bekannten von dieser Reise gehört und war neugierig. Sie hatte offensichtlich schon viele positive Eindrücke hinterlassen. Im Sommer 2018 hörte ich dann auch den „Ruf“. Es war an der Zeit die Reise anzutreten.

 

Warum eigentlich Heldenreise? Ein bisschen Theorie vorab

Typisch für eine Heldenreise ist, dass sich die Taten eines Helden in vielen Mythen, Romanen und Filmen immer durch typische Situationsabfolgen ereignen. Der Mythenforscher Joseph Campbell hat es sich zur Aufgabe gemacht das Motiv der Heldenreise genauer zu erforschen. Die Heldenreise ist laut Campbell in folgende Phasen einzuteilen:

  1. Der Held hört den Ruf des Abenteuers.
  2. Der Held weigert sich dem Ruf zu folgen, vielleicht aus Angst seine alten Sicherheiten aufzugeben.
  3. Die Heldin begegnet einem (übernatürlichen) Mentoren.
  4. Der Held überwindet sein Zögern und überschreitet die erst Schwelle, er macht sich auf seine Reise.
  5. Der Heldin wird das Ausmaß der Aufgabe bewusst, die Probleme drohen sie zu überwältigen.
  6. Der Held wird zur ersten Prüfung aufgerufen.
  7. Die Heldin begegnet einem Gott, ihr wird die gegengeschlechtliche Macht offenbar.
  8. Der Held begegnet einer Frau als Versucherin. Die Alternative zu seiner abenteuerlichen Heldenreise ist eine angenehme Versuchung in Form einer Frau.
  9. Der Heldin versöhnt sich mit dem Vater. Sie erkennt, dass sie das Erbe ihrer Vorfahren in sich trägt und dass ihr Gegner in Wahrheit nur sie selbst ist.
  10. Dem Helden wird offenbar, dass er göttliches Potenzial in sich trägt, welches er für sich nutzen kann.
  11. Der Held wird gesegnet. Er erhält ein Elixier, ein Schatz, welches ihm in der Welt seines Alltags helfen kann.
  12. Der Held verweigert seine Rückkehr, er ist noch nicht bereit in seinen Alltag zurückzukehren.
  13. Die Heldin wird zur Rückkehr bewegt.
  14. Die Heldin wird durch eine Tat oder einen Gedanken, die sie auf dem Hinweg ausführte oder dachte, auf ihrem Rückweg unterstützt.
  15. Der Held tritt über die Schwelle zurück ins Alltagsleben.
  16. Die Heldin vereint ihr neu erworbenes Wissen und ihren Alltag und den damit verbundenen Herausforderungen.
  17. Das Elixier des Helden hat das Leben in der „normalen Welt“ verändert und er lässt nun auch seine Umgebung daran teilhaben.

Wer z.B. „Der Herr der Ringe“, „Die unendliche Geschichte“ oder „Star Wars“ kennt, erkennt bestimmt die meisten dieser Schritte wieder. Tatsächlich basieren sehr viele dieser Heldengeschichten auf diesen oben genannten Phasen.

Interessant wurden diese Phasen des Helden später auch für Psychologen und Therapeuten. Paul Rebillot, der eine gestalttherapeutische Ausbildung absolvierte, lernte Joseph Campbell in Kalifornien kennen. Begeistert von der Heldenreise entwickelte Rebillot die therapeutische Heldenreise.

Die Heldenreise arbeitet mit einem breiten Methodenspektrum von humanistischer Psychologie (hier wird das Wachstumspotenzial gesunder Menschen betont und weniger die psychischen Schwächen) über die Archetypenlehre nach C.G. Jung bis hin zu meditativen Ansätzen wie z.B. Fantasiereisen und körpertherapeutischen Ansätzen wie z.B. Trancetänzen.

“Es ist der Geist, der sich den Körper baut.” – Schiller

 

Bei der Heldenreise werden die emotionalen und physischen Zustände im Hier und Jetzt genutzt, um verschiedenste unfertige verdrängte Angelegenheiten im eigenen Leben auch auf psychischer Ebene zu vollenden, das heißt also zu einer ganzen „Gestalt“ werden zu lassen.

Das bedeutet also, dass wir Menschen Probleme, die sich in unserem Leben manifestieren auch auf emotionaler Ebene lösen können, ohne darüber sprechen zu müssen, d.h. sie auf rationaler Ebene zu klären. Die Gestalttherapie bzw. die Heldenreise geht davon aus, dass sich Problemfelder viel nachhaltiger verändern können, wenn wir sie (auch) auf der körperlichen Ebene lösen.

Die Heldenreise hat mich deshalb so begeistert, weil sie wenig mit dem rationalen Verstand arbeitet, sondern vielmehr mit dem Körper. Heutzutage findet der Großteil unserer Handlungen im Kopf statt. Selten hören wir noch auf unsere Intuition und versuchen stattdessen alles rational abzuwägen und treffen eine Entscheidung weniger „aus dem Bauch heraus“.

Wenn man in die Medizin oder auch in Richtung Psychosomatik schaut, versteht man, dass sich bestimmte Gedanken, die sich über Jahre hinweg ziehen auch auf unseren Körper auswirken können. Auch Ausdrücke wie „die Nase voll haben“, „so einen Hals haben“, „auf die Nerven gehen“ und „nicht mehr klar denken können“ zeigen, dass wir Gedanken und Körper nicht vollkommen losgelöst voneinander betrachten können.

 

Meine Heldenreise

Dadurch, dass sich das 5-tägige Seminar an dem Aufbau der oben genannten Heldenreise orientiert, ist es auch uns als Teilnehmern möglich gewesen, die Reise unseres eigenen Heldens komplett zu durchlaufen, was die ganze Angelegenheit für mich unfassbar spannend machte.

Ich will wirklich nicht zu viel verraten, denn sonst geht der magische Effekt womöglich verloren, aber um dich ein wenig in das Thema einzuführen, erzähle ich dir ein von meiner Erfahrung.

Ich hörte den „Ruf“ im Sommer 2018 und begab mich mit einer Gruppe „Heldinnen und Helden“ auf eine Reise. Gemeinsam starteten wir das 5-tägige Seminar in einem wunderschönen Seminarhaus in der Natur. Da alle Heldinnen und Helden in diesem Haus übernachten sollten, mussten wir uns während dieser Zeit um nichts anderes kümmern, als uns auf die eigene Reise einzulassen. Es wurde für uns gekocht und wir hatten einen sehr schönen Schlafplatz im Seminarhaus.

Auch im Nachhinein erscheint es mir immer noch unglaublich wertvoll, fünf Tage lang abgeschottet von der „Alltagswelt“ zu sein, vom Handy und von dem Trubel in Berlin, sodass ich mich wirklich auf meinen inneren Prozess einlassen konnte. Falls du Interesse an der Reise hast, rate ich dir auch dringend so wenig Kontakt zur „Außenwelt“ zu haben, sodass du dich voll auf deinen Prozess konzentrieren kannst.

Unsere Gruppe wurde sehr liebevoll durch die fünf intensiven Tage geführt. Jeder Tag begann und endete mit einer Mediation bzw. einem kurzen Innehalten und einer Imaginationsübung.

Neben Gesprächsrunden gab es praktische und körperliche Übungen zur Identifikation mit dem Helden auf der einen Seite und der Erschaffung des (inneren) Dämonen auf der anderen Seite. Dies passierte nicht nur imaginativ, sondern auch mit theaterähnlichen Prozessen, sodass wir uns wirklich in die Lage des Helden sowie die des Dämons versetzen konnten.

 

Held vs. Dämon

Die innere Heldin verkörpert unsere positive, leichte oder auch die „Sonnenseite“. Es ist die Seite, die wir vor allen Dingen im Alltag von uns preisgeben. Es sind unsere Stärken und positiven Eigenschaften, die wir nach Außen tragen. Heutzutage setzen Coaching und auch moderne Therapieformen auf diese „Heldenseite“. Stärken werden hervorgehoben und Lösungen gesucht.

Auf die Schattenseiten wird weniger geschaut, die bei der Heldenreise „Der Dämon“ genannt werden. Der „Dämon“ verkörpert in dem Konzept alle Verhaltensweisen, die uns von unserem rational gesteckten Ziel abhalten.

Vielleicht kennst du das: Eigentlich willst du dich mit deiner Freundin nicht immer über dieselben Themen streiten, allerdings kommst du in gewissen Dingen einfach nicht aus deiner Haut und dieselben Verhaltensweisen deines Gegenübers lösen etwas in dir aus, ohne dass du die Entscheidung bewusst triffst. Oder du beschließt endlich nicht mehr nervös zu sein, wenn du mit deiner Vorgesetzten sprichst, stammelst dann aber doch wieder etwas wirr, wenn ein wichtiges Gespräch mit ihr ansteht.

Während der Heldenreise wird nicht über die beiden Seiten „gesprochen“. Sie werden in Form von Figuren erschaffen. Wir verkörperten die zwei Seiten und stellten sie anhand von verschiedenen Übungen gegenüber. In der Gestalttherapie nennt man das die „Arbeit am inneren Team“ oder die Arbeit mit den sogenannten „inneren Anteilen“.

Bei der Gegenüberstellung der Anteile sprechen diese, verkörpert im Helden bzw. Dämon, miteinander und finden auf diese Weise zu einer Lösung. Die beiden Anteile verbinden sich, man integriert seine Schattenseiten, sodass diese auch zur „Sonnenseite“ werden kann.

Immer wieder wurden wir während der fünf Tage auf vier Lebensbereiche hingewiesen und fühlten nach jeder Übung wie sich unsere Einstellung zu diesen veränderte. Die Bereiche waren: Das eigene Selbst bzw. die Selbstwahrnehmung, Arbeit, Beziehungsleben und das Gefühl von „zu Hause“.

Da wir uns durch eine geführte Fantasiereise ein imaginäres Bild von den Bereichen jeweils vor und nach der Heldenreise machten, konnte jeder einzelne sehr gut schauen, was sich für sie nach der Reise veränderte.

Wir arbeiteten während der fünf Tage so intensiv an den beiden Seiten und durchliefen alle Phasen des Helden. Ich lachte, weinte, schwitzte und fiel abends so müde, nachdenklich, traurig, glücklich ins Bett in Vorfreude auf den nächsten Tag. Jeder Tag war intensiver als der andere. Sie schüttelten mich komplett durch und setzte alle Teilchen, die in mir vorher noch keinen Platz gefunden hatten auf den richtigen Fleck.

 

Was danach geschah …

Als ich von der Heldenreise wieder zurück ins Alltagsleben kam, fühlte ich mich wie ein anderer Mensch. Ich habe mich auf eine magische Reise begeben, die ich vorher so nicht absehen konnte. Alle vier Lebensbereiche haben sich nach der Reise zum Positiven verändert. In mir war etwas passiert, ein Knoten war gelöst und ich hatte den Mut und die Motivation Teilbereiche meines Lebens zu überdenken und im Nachgang zu verändern.

 

… und ein Resümee

Wow, das klingt intensiv. Ist es auch. Ich kann aber nur nochmal betonen, dass sich diese Reise lohnt und dir diese wärmstens empfehlen. Auch nach ca. einem Jahr kann ich sagen, dass sich nachhaltig etwas in mir verändert hat.

Es ist eine ganz andere Herangehensweise, die ich so vorher noch nicht erlebt habe. Die Heldenreise schafft einen sicheren Raum, in der alle Gefühle- und ja gar Gefühlsausbrüche willkommen sind und auch gehalten werden können. Ich bin mit keinem bestimmten Anliegen dorthin gegangen, es ist also auch möglich die Reise einfach aus Neugierde anzutreten.

Oft geben wir Geld für Reisen, technische Geräte oder Kleidung aus. Es bereitet uns Freude, keine Frage, diese ist aber meist nur von kurzer Dauer und hat ein Ablaufdatum. In dich selbst zu investieren, bedeutet in dein gesamtes Leben zu investieren. Dein Zukunfts-Ich wird es dir danken, versprochen.

Danke, dass du dir Zeit für den Artikel genommen hast.

Alles Liebe <3

P.S. Hast du die Heldenreise gemacht? Erzähle mir gerne davon. Ich freue mich über deinen Kommentar oder eine persönliche Nachricht von dir.

 

Alexandra Kuptz

Über die Autorin

Alexandra Kuptz ist selbständige Psychologin. Sie versteht sich als Motivatorin und Glücksbeauftragte und begleitet Einzelpersonen und Gruppen auf ihrer Visions- und Sinnsuche mit einer gesunden Portion Witz und Achtsamkeit.

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