4 Wochen frugane Ernährung: The Good, the Bad and the Ugly

28 Tage lang habe ich mich von Obst, Gemüse und Nüssen ernährt. Mehr als 7 kg habe ich dabei verloren, gleichzeitig aber auch verdammt viel über meinen Körper und meine Ernährung gelernt. Befinden, Blutwerte und Erkenntnisse – hier bekommst du die nackte Wahrheit.

Wie bei allen Lifestyle X Experimenten ging es mir auch beim Frutarier nicht rein um die Ernährung. Wenn du so willst, dient das Obst als Metapher für das eigentliche Ziel: radikale Änderungen anstoßen, die meine Denkweisen auf den Kopf stellen. Das hat im Februar definitiv funktioniert.

Mein Ziel für dieses Lifestyle X Experiment war es, größtenteils Lebensmittel zu essen, die von der Pflanze gepflückt werden können, ohne diese zu beschädigen. Mich ausschließlich von Fallobst zu ernähren, habe ich ausgeschlossen, dennoch wollte ich versuchen, meine Lebensmittel nur auf Wochenmärkten zu kaufen und im Supermarkt genau auf die Herkunft zu achten.

Außerdem wollte ich einen Gesundheitscheck mit Blutwerten zu Beginn und Ende des Experiments durchführen sowie genau Buch über Gewicht, Gemütszustand und Ernährung führen. All das habe ich getan und fasse es in hier ganz ungefiltert zusammen.

 

Woche 1: Im Fruchtparadies

Der Monat startete mit einem 4-tägigen Seminar in Singapur und einem Flug nach Penang. Keine guten Voraussetzungen, um sanft in die neue Ernährung zu starten. Dennoch war meine Freude über die vielen Früchte in Singapur und Malaysia in der ersten Woche groß.

Ein paar Tage habe ich gebraucht, um mein Hungergefühl in den Griff zu bekommen. Die meisten Früchte sind kalorienarm, weshalb ich die Portionen an Wassermelone, Pomelo, Guava und Orangen verdreifachen musste. Unterwegs hatte ich immer Bananen, Mandarinen und Nüsse dabei.

Gewarnt wurde ich von anderen Frutariern vor dem “Entzug”, der durch die Entsäuerung des Körpers auftritt. Bis auf Durchfall, kleinere Magenverstimmungen und eine leicht verschnupfte Nase machte mir das wenig zu schaffen. Ein guter Indikator dafür war mein Urin, das wohl aufgrund der Entsäuerung und viel Wasser mit jedem Tag klarer wurde.

Der Detox hat sich gut angefühlt. Tagsüber waren Energielevel und Wohlbefinden hoch. Nachts habe ich besser (und weniger) geschlafen und das Gefühl bekommen, dass mir meine Verdauung für die Umstellung sehr dankbar ist.

Allerdings habe ich in dieser einen Woche auch schon über 2 kg abgenommen. Mein Kalorienverbrauch (2.500 – 3.000 pro Tag) liegt deutlich über den aufgenommen Kalorien (1.500 – 2.000 pro Tag) und meine Ernährung ist alles andere als ausgewogen.

Erschrocken war ich, dass selbst in Malaysia die meisten Früchte importiert wurden (von Singapur habe ich das schon eher erwartet). Die vielen lokalen Obstsorten gab es nur an Straßenständen außerhalb der Städte, nicht aber im Supermarkt oder den vielen Obstmärkten in Georgetown. Hätte ich hier nur lokales, “von den Bäumen gefallenes” Obst gegessen, dann wäre meine Auswahl sehr eingeschränkt gewesen.

Typischer Speiseplan in Woche 1:

  • Morgens: 500 g Wassermelone, 3 Bananen, 4 Passionsfrüchte
  • Mittags: 1 Pomelo, 3 Guava, 1 Avocado mit Zitrone
  • Abends: 1 Papaya, 1 Granatapfel, 3 Orangen
  • Snacks: frischer Orangensaft, Cashew Kerne
  • Kosten: 76,39 Euro (53,68 Euro für Lebensmittel, 22,53 Euro für Restaurant)

 

 

 

Woche 2: Langeweile auf dem Teller

Die zweite Februarwoche verbrachte ich zur einen Hälfte in Georgetown auf Penang zur CUAsia Conference und zur anderen Hälfte auf Phuket bei einem Treffen mit meinen Geschäftspartnern vom Citizen Circle.

Auch wenn die Auswahl an Obst relativ groß ist, wiederholen sich die Mahlzeiten schnell. Es macht wenig Spaß, sich 10 Bananen, eine ganze Wassermelone oder 5 Mangos reinzuquälen, um den Kalorienbedarf zu decken.

So langsam habe ich die Schnauze voll von Früchten, besonders wenn ich mit Freunden essen gehe und mich die Kellner beim Bestellen des Fruit Salads fragen, was ich denn als Hauptgericht haben möchte. Was ich vermisse, sind Vielfalt und warmes Essen im Magen.

Beim Essen in Restaurants hatte ich immer meinen Beutel mit Obst und Nüssen dabei, so dass ich zwar allen Versuchungen gut widerstehen konnte, den sozialen Aspekt des gemeinsamen Schlemmens aber schon vermisse.

In Penang habe ich auch wieder mit dem Sport begonnen. Früh morgens funktionales Training für 15 min und eine Stunde joggen am Abend. Danach war ich ziemlich schlapp und habe gemerkt, dass mein Körper sich gerade arg an meinen Energiereserven bedient. Am Ende von Woche 2 habe ich fast 5 kg verloren.

Typischer Speiseplan in Woche 2:

  • Morgens: 1 Papaya, 1 Ananas, 3 Orangen, 4 Kiwis
  • Mittags: 2 Kokosnüsse (Wasser und Fleisch), 3 Bananen, 2 Mango
  • Abends: 1 Avocado mit Zitrone, 5 Tomaten
  • Snacks: frischer Orangensaft, Langsat (Lychees), Nussmix (Mandeln, Walnuss, Cashew, Macadamia)
  • Kosten: 52,48 Euro (40,90 Euro für Lebensmittel, 11,58 Euro für Restaurant)

 

 

 

Woche 3: Kohl und Rüben

Zurück in Deutschland gab es im Winter bis auf eingelagerte Äpfel kein Obst, das nicht bereits tausende Kilometer zurückgelegt hat. Also habe ich meine Diät auf Weißkohl, Rüben, Karotten, Chicorée, Tomaten und Salat ausgedehnt. Nicht alles habe ich roh gegessen, sondern Kohl geschmort und Karotten als Suppe verkocht. Auch ohne Gewürze und Öl ganz schön lecker nach zwei Wochen Obst.​

Das entspricht natürlich nicht den Idealen eines Frutariers, denn Kohl und Rüben fallen bekanntlich nicht vom Baum. Aber wenn ich es zu ernst nehmen würde, dann wäre ich wohl jetzt verhungert. Vielleicht ein Beleg dafür, dass wir Menschen so weit entfernt vom Äquator eigentlich nichts zu suchen haben.

Ich habe mich gefragt, was die Menschen in Mitteleuropa gegessen haben, bevor es Viehzucht, Ackerbau und Feuer gab. Die Antwort ist: nichts. Vor diesen Errungenschaften konnten unsere Vorfahren ganz einfach nicht überleben, weil die Nahrung fehlte. Erst vor ein paar zehntausend Jahren sind Menschen aus den Tropen in neue Gebiete umgesiedelt.

Regionale Früchte zu essen, muss also ganz und gar nicht natürlich sein. So ein Blumenkohl oder ein Weißkohl schmecken roh auch nicht so wirklich. Wir haben unseren Körper trainiert, diese Dinge zu essen. Ein “das haben die Menschen hier doch schon immer gegessen” ist schlichtweg falsch.

Nach genau drei Wochen, am 21.02. um 18 Uhr Ortszeit, bin ich dann auch zum ersten Mal schwach geworden und habe ein paar Stückchen Schokolade gegessen. Schieben wir es auf die Kälte in Deutschland, die mich dazu verleitet hat.

Ansonsten war meine Ernährung dank des Gemüses deutlich ausgewogener (mehr Proteine, weniger Fette). Das Essen hat wieder mehr Spaß gemacht, da ab und an etwas warmes in den Magen kam, und es war einfacher, meinen Kalorienbedarf zu decken. Sogar das Gewicht blieb in Woche 3 recht stabil.

Was mir zunehmend fehlt, sind der Genuss beim Essen und der soziale Aspekt bei gemeinsamen Mahlzeiten mit Freunden. Hier widersprechen sich Ideale, Gesundheit und Bedürfnisse.

Typischer Speiseplan in Woche 3:

  • Morgens: 2 Orangen, 2 Äpfel
  • Mittags: 400 g Weißkohl (geschmort)
  • Abends: 10 Karotten (püriert in Supper), 1 Salatgurke
  • Snacks: heiße Zitrone, Orangensaft, Cashew Kerne
  • Kosten: 83,43 Euro (61,43 Euro für Lebensmittel, 22 Euro für Restaurant)

 

 

 

Woche 4: Saftkur ohne Freuden

Motiviert von den ersten drei Wochen wollte ich dem fruganen Monaten einen würdigen Abschluss verleihen. Was wäre da geeigneter als eine 7-tägige Saftkur? Meine Annahme war, dass die Hürde nicht mehr so groß sei … weit gefehlt.

Meinen bisherigen Früchteverzehr habe ich einfach gemixt zu mir genommen, was angenehm war, denn 5 Bananen am Stück sind deutlich einfacher zu trinken, als sie zu essen. Es hat durchaus Spaß gemacht, verschiedenste Rezepte und Eigenkreationen auszuprobieren.

Erstaunlich war für mich, dass ich so gut wie kein Wasser brauchte. Zu jedem Saft habe ich lediglich ein klein wenig Wasser beigegeben, ansonsten hat das Fruchtwasser für meine Hydrierung anscheinend ausgereicht.

Was ich total unterschätzt habe war, wie sehr mich in den ersten drei Wochen eigentlich Nüsse mit Energie versorgt haben. Selbst mit 5 Säften am Tag hatte ich echte Probleme, mein Hungergefühl in den Griff zu bekommen, so dass ich zumindest jeden zweiten Tag ein “Cheat Meal” (Kürbissuppe, Süßkartoffel-Pommes und Kartoffelsuppe) einlegen musste.

In den letzten Tagen habe ich mich körperlich schwach gefühlt. Das lag sicher nicht nur an der Saftkur, sondern auch den Wochen davor, in denen ich weder meinen Kalorienbedarf ausreichend gedeckt noch ausgewogen gegessen habe.

Am Ende von Woche 4 hatte ich mit 74 kg über 7 kg weniger auf den Rippen als zum Monatsbeginn. Das lag wohl mehr an meiner Unwissenheit bezüglich fruganer Ernährung, als an den Früchten selbst. So oder so konnte ich das “Fastenbrechen” am Abend von Tag 28 kaum erwarten! Es gab Bratkartoffeln, Krautsuppe und Nachos. Dazu ein Radler. Es war lecker aber weit entfernt von dem, was sich meine Fantasie zuvor zurechtgelegt hat.

P.S. wenn du Lust auf eine eigene Juice Fast hast, dann schau dir unbedingt den Videokurs für die 7-Tage-Saftkur von Johanna an, die für alle Leser den Rabattcode “WIRELESSLIFE” eingerichtet hat.

Typischer Speiseplan in Woche 4:

  • Morgens: Saft aus 2 Orangen, 2 Äpfeln, 1 Zitrone und 1 Banane
  • Mittags: Saft aus 1 Avocado, 2 Bananen und 20 g Ingwer
  • Abends: Saft aus 200g roter Beete, 1 Gurke, 1 Apfel, 2 Karotten und 20 g Ingwer
  • Snacks: Orangensaft, Cashew Kerne
  • Kosten: 44,92 Euro (31,42 Euro für Lebensmittel, 13,50 Euro für Restaurant)

 

 

 

Mein Speiseplan

Ich habe versucht, am Morgen saftiges Obst wie Wassermelone oder Papaya zu essen. Zum Mittag dann süße und sättigende Sachen wie Mango, Banane oder Avocado. Zum Abend hin dann eher wieder saftiges Obst oder leichte Salate.

Es war erstaunlich, wie einfach ich mich daran gewöhnt habe, auf Koffein, Alkohol, die gelegentliche Zigarette und Süßigkeiten zu verzichten. Der Schalter im Kopf hat sich schnell von Verlustangst hin zu einem Gewinn für den Körper umgeschalten. Das hat mir mal wieder bewiesen, wie sehr sich meine Grundbedürfnisse (was ich wirklich brauche) von Gewohnheiten (was ich glaube zu brauchen) unterscheiden.

Was ich echt vermisst habe, waren warme Mahlzeiten und hin und wieder mal etwas richtig bauchfüllendes wie Pasta oder Brot. Richtig genießen konnte ich meine Fruchtdiät nur in den ersten Tagen. Dann wurde es schnell langweilig und unbefriedigend, was sicher auch an meiner fehlenden Kenntnis zu ausgewogener Rohkosternährung und spannenden Rezepten bzw. der Verfügbarkeit an regionalen Zutaten lag.

Auch wenn ich selten mal so ein richtiges Magenknurren hatte, ist aus dieser Monotonie und der fehlenden Lust auf das Essen heraus ein großes Defizit zwischen Kalorienbedarf und Kalorienaufnahme entstanden. Durch Grundumsatz und Bewegung habe ich täglich 2.853 Kalorien verbrannt, aber nur 1.679 Kalorien konsumiert. Der Gewichtsverlust von 7,5 kg ist also nicht verwunderlich. Spezielle Defizite bei Nährstoffen hatte ich für Vitamin B12 und D, Kalzium und Sodium. Absolut überfüllt habe ich hingegen meine Nährwertziele für Eisen und andere Vitamine.

Wie die Anteile der Kalorien aus Kohlenhydraten, Fetten und Proteinen für den Körper am besten sind, darüber wird gestritten. Am meisten Sinn machen für mich die Ausführungen von Douglas Graham in seiner 80/10/10 Diät (80% Kohlenhydrate, 10% Fett und 10 % Proteine). So sah unsere Ernährung wahrscheinlich vor McDonalds und Geschmacksverstärkern aus.

Mit 31,3% war mein Fettanteil an der gesamten Kalorienaufnahme deutlich zu hoch. Proteine lagen mit 7,1% noch in einem gesunden Bereich, wobei diese zum Großteil aus fettigen Nüssen stammten.

Meine Kohlenhydrate habe ich vor allem aus Bananen (16%), Mangos (8%), Orangen (7%) und Äpfeln (7%) bezogen. Fette aus Cashew Kernen (20%), Avocados (8%), Mandeln (6%), Walnüssen (5%) und Kokosnüssen (3%). Ein nennenswerter Proteinanteil kam über Cashew Nüsse (5%).

Einen Monat lang habe ich alles, was ich gegessen habe, mit zwei verschiedenen Apps aufgezeichnet: Cronometer und Myfitnesspal, wobei ich erstere App als deutlich benutzerfreundlicher und aussagekräftiger empfand. Wenn es dich interessiert, kannst du in diesem Cronometer Report ganz genau nachlesen, was ich 28 Tage lang gegessen habe und wie sich das in Nährwerten widerspiegelt.

Basierend auf diesem Foodlog hier noch ein paar nützliche und unnütze Daten:

  • 2.853 kcal habe ich täglich verbrannt (301 kcal durch Sport, 819 kcal durch Bewegung, 1733 kcal durch Grundumsatz)
  • 1.679 kcal täglich konsumiert (7,3% Proteine / 30,9% Fett / 61,8% Kohlenhydrate)
  • 1.174 kcal Defizit für 28 Tage resultierten in 7,5 kg Gewichtsverlust
  • 20% meines Energiebedarfes habe ich allein durch Cashew Kerne (10%), Bananen (7%) und Avocados (3%) gedeckt
  • 71 Orangen, 54 Bananen und 27 Äpfel habe ich im Februar verputzt
  • 3 Liter Wasser täglich getrunken (+22 Gläser Orangensaft und 8 Kokosnüsse)
  • 1.550 g Cashew Kerne und 820 g andere Nüsse (Walnüsse, Macadamia, Erdnüsse) haben mir Kraft gegeben
  • 288.904 Schritte (10.318 pro Tag) bin ich im Februar gelaufen (davon 60,1 km gejoggt)
  • 3 mal habe ich kleine Cheat Meals gegessen, alle während der letzten Woche Saftfasten

 

 

 

 

 

Meine Blutwerte

In den ersten Tagen habe ich es noch genossen, viele exotische Früchte zu essen und dabei meinen Körper entsäuern zu sehen. Zum Monatsende hin war die anfängliche Aufregung verflogen und ich habe mich körperlich nicht immer gut gefühlt.

Zunächst kann ich sagen, dass meine Laune den ganzen Monat über keinen großen Schwankungen unterlegen war. Ich habe nicht gespürt, dass mich die Unterernährung gestresster oder müder hat werden lassen. Dafür habe ich deutlich besser geschlafen und weniger Verdauungsprobleme gehabt.

Was ich auf der Waage sehe, sind 7,5 kg Gewichtsverlust. Das zeigt sich auch im Spiegel, wo ich ein Gesicht mit weniger Vitalität sehe. Mein Hautbild an sich hat sich zwar nicht verändert aber durch den Gewichtsverlust sehe ich nicht unbedingt frischer aus.

Hier aber die harten Fakten aus zwei Laboranalysen, die ich am 30.01. in Bangkok und am 27.02.2018 in Berlin habe machen lassen.

 

 

Wissenschaft & gesunder Menschenverstand

Ich möchte mich gar nicht zu Empfehlungen hinreißen lassen, da mir dazu auch ganz einfach das Hintergrundwissen fehlt. Aber ich möchte ein paar Gedanken mit dir teilen, die ich gerne weiter diskutieren würde. Egal, wie du dich gerade ernährst, urteile beim Lesen der nächsten Paragraphen nicht basierend auf deinen Gewohnheiten und Propaganda der Lebensmittelbranche, sondern deinem gesunden Menschenverstand.

Unsere gesamte Anatomie, Biochemie und Psychologie spricht dafür, dass wir keine Fleischfresser sind. Wir müssen Fleisch kochen, braten oder frittieren. Dinge wie Sehnen und Kochen entfernen wir. Wir ekeln uns vor warmen Blut und Organen. Schmackhaft wird das Fleisch eigentlich nur mit viel Öl und Gewürzen. Genauso ist das mit Milchprodukten und Eiern.

Reifes Obst und Gemüsefrüchte schmecken uns hingegen ohne Zubereitung. Es ist fertig, sobald es in der Natur gereift ist. Früchte riechen und schmecken einfach gut, ohne dass dafür Geschmacksverstärker und Zerkochen nötig ist. Wird dein Mund bei dem Gedanken an Weizen, rohe Eier und Milch aus dem Euter auch wässrig?

If we observe nature, we will find that all creatures are born with or develop everything they need to secure their natural food. No human has yet been born with a stove on his back or the keys to a tractor in her hand. – Dr. Douglas Graham

Das Feuer haben wir Menschen vor einigen Hunderttausend Jahren entdeckt, den Ackerbau und Nutztiere (und damit auch Kuhmilch) gibt es erst einige Tausend Jahre. Was haben wir vorher gegessen? Wahrscheinlich Früchte, Gräser, Wurzeln und Würmer. Vielleicht auch ab und an mal ein Mammut.

Fakt ist jedoch, dass der Körper sich über lange Zeiträume auf neue Nahrungsmittel wie Mehl oder gekochtes Fleisch einstellen konnte. Zeiträume von tausenden von Jahren. Alleine in den letzten einhundert Jahren gab es dann plötzlich so viele neue Nahrungsmittel, dass wir uns nicht wundern dürfen, mindestens genauso viele hausgemachte Krankheiten zu erleben.

Krebs, HIV und Allergien gab es im 19. Jahrhundert einfach nicht oder sie treten zumindest erst jetzt vermehrt auf. Diabetes und Fettleibigkeit gibt es erst, seitdem unsere Diät so viele Fette und Proteine enthält. Beides sind Anzeichen für eine generell schlechte Gesundheit, die zu Todesursachen wie Blut- und Gefäßkrankheiten, Krebs oder Schlaganfall führen.

Unser Körper hat sich über Millionen von Jahren auf eine Diät eingestellt. Bildlich gesprochen, schmeißen wir in den letzten Sekunden des Evolutionsjahres nun allerhand neue Dinge (inklusive Medikamente) den Rachen runter und erwarten, dass unsere Verdauung das schon irgendwie regelt.

Mein wenig wissenschaftliches, aber auf gesundem Menschenverstand basierendes Fazit zu diesem Zeitpunkt lautet:

  • alles was uns roh und reif schmeckt, ist gut für uns (ausgenommen sind Toxine)
  • alles was uns roh nicht schmeckt, sollten wir hinterfragen
  • Früchte können nicht nur ein Dessert oder ein Snack zwischendurch, sondern durchaus eine vollwertige Mahlzeit sein
  • Molkereiprodukte, Fleisch und Eier sollten wir nur in kleinen Mengen verzehren, da es unnatürlich für uns ist
  • es ist absurd, Symptome mit mehr und mehr Medikamenten zu bekämpfen, anstelle die Ursachen (Ernährung, Bewegung, Drogen) zu verändern

 

Wie gesagt reicht mein Urteilsvermögen zu diesem Thema nicht besonders weit. Es soll lediglich Anstoß für Diskussionen zu geben. Zum Weiterlesen und Schauen kann ich dir die folgenden Quellen empfehlen:

 

 

The Good, the Bad & the Ugly

Ich weiß viel zu wenig über Ernährung und frage mich, warum ich mich erst in den letzten Jahren damit beschäftigt habe. Sollte das nicht Gegenstand des Bildungssystems sein? Ernährung gehört für mich (genauso wie Finanzen) in den Lehrplan von jedem Schüler.

Ich habe verlernt auf meinen Körper zu hören. Sagt mir dieser gerade, dass ich diese Scheibe Brot oder das Curry mit Hühnchen wirklich brauche oder ist es nur ein Verlangen bzw. eine Gewohnheit? Es wurde mit jedem Tag besser und ich bin guter Dinge, dass mein Körper und ich unsere Beziehung weiterhin verbessern.

Lokale Lebensmittel sind rar: Ich war überrascht, wie schwer es im Supermarkt (sowohl in Asien als auch Deutschland) war, lokale Früchte im Supermarkt zu finden. Avocados aus Mexiko, Melonen aus Vietnam und Trauben aus Australien – viel Auswahl bleibt da nicht, wenn man wirklich lokal und saisonal essen möchte.

Wir essen nicht nur zur Ernährung und Flüssigkeitszufuhr, sondern auch für den Genuss. Die Auswahl an lokal angebautem Obst ist vor allem in Deutschland nicht groß. Die Mahlzeiten wiederholen sich schnell und es macht wenig Spaß, sich 10 Bananen, eine ganze Wassermelone oder 5 Mangos reinzuquälen, um den Kalorienbedarf zu decken.

Neben dem Genuss bietet Essen auch eine Plattform für sozialen Austausch. Es war zwar weniger schlimm als angenommen, mit Freunden zum Essen zu gehen (ich hatte immer meinen Fruchtbeutel dabei und Wasser oder einen frisch gepressten Saft bestellt), aber doch manchmal neidisch auf die Teller meiner Begleitung geschaut.

Kalorienaufnahme wird erschwert: meinen Kalorienbedarf von über 2.000 kcal kann ich allein mit Obst kaum decken, außer wenn ich mich fettigen Früchten wie Avocado oder Kokosnuss aus Übersee bediene. Bleiben also noch Nüsse und Kerne, die jedoch auch einen sehr hohen Fettgehalt haben, was wiederum zu hohem Blutzucker führt.

Hoher Blutzucker und Fettleber durch die hohe Aufnahme von Fruchtzucker sind Argumente gegen die frugane Ernährung. Nach dem was ich gelesen und gehört habe, ist die Gefahr vor allem bei getrockneten und entsafteten Früchten hoch. Jedoch wird der Zucker von vollwertigem, rohem und reifem Obst wird schneller abgebaut und bleibt deshalb nicht lange im Blut.

Fehlende Proteine sind ein weiteres, immer wieder hervorgebrachtes Argument gegen die pflanzenbasierte Ernährung. Hülsenfrüchte, Soja, Nüsse und Samen kommen locker auf einen Proteingehalt von 10g auf 100g.  Vegetarische Proteinquellen gibt es zur Genüge. Das wir ohne Fleisch nicht gesund leben können, ist reine Rechtfertigung dafür, uns das Schnitzel nicht vom Teller nehmen zu lassen.

Fehlende Vitamine B12/D: beide Vitamine habe ich über meine Diät im Februar nicht aufgenommen. Welche Auswirkungen die Mangelernährung langfristig hat, mag ich natürlich nicht zu beurteilen. Nach einem Monat waren bei mir keine Symptome von schlechter Stimmung, Müdigkeit, unruhigem Schlaf oder nachlassender körperlicher und geistiger Leistungsfähigkeit zu sehen.

Bis auf die ersten Tage hatte ich keine Probleme mit meiner Verdauung. Das macht sich vor allem vor dem Schlafengehen bemerkbar, da ich normalerweise ein reichhaltiges Abendessen habe. 6-7 Stunden Schlaf pro Nacht schienen mir im Februar zu reichen, um früh munter zu sein (sonst 8 Stunden). Vielleicht braucht mein Körper weniger Zeit zum Aufladen der Batterien, da weniger Energie für die Verdauung benötigt wird.

Ich brauche meinen Kaffee nicht, um morgens fit zu sein. Nach der ersten Stimulation durch Koffein war ich sonst noch müder als vorher, was ich für gewöhnlich mit einem zweiten Kaffee bekämpft habe. Dieser teuflische Kreislauf ist genauso wahr für alle anderen Genussmittel, Drogen und Medikamente. Der schnelle Genuss bzw. der Fix verursachen langfristig Schäden.

Meine Kosten sind gesunken, was vor allem an den wenigen Restaurantbesuchen lag. In den vorangegangenen Monaten habe ich wöchentlich um die 100 Euro für Essen und Getränke außerhalb ausgegeben. Im Februar waren es im Schnitt um die 15 Euro für einen gelegentlichen Fruchtsalat, die Kokosnuss oder eine heiße Zitrone. Die Kosten für Lebensmittel lagen mit 45 Euro pro Woche etwas höher als in den Vormonaten mit meiner normalen Diät, was aber eher an den häufigen Restaurantbesuchen als an der Art der Lebensmittel liegt.

 

Veränderte Gewohnheiten

Warum mache ich diese Experimente? Weil ich dadurch gezwungen bin, meine Gewohnheiten und Denkweisen neu zu bewerten. Viele Handlungsmuster haben sich ungebeten in mein Leben eingeschlichen und werden mir erst wieder bewusst, wenn ich den Blickwinkel darauf verändere. Erst mit diesem Bewusstsein kann ich Automatismen verändern.

Ein Beispiel: im Laufe des Vormittags schnappe ich mir gerne meinen Laptop und gehe zum Schreiben in ein Café. Ganz automatisch bestelle ich dort einen Kaffee, der in mir gelegentlich die Lust nach einer Zigarette auslöst. Wenn ich der Lust nachgebe, setze ich mich raus und spiele beim Rauchen mit meinem Handy. Das alles sind Automatismen, die ich nur begrenzt bewusst steuere.

Im Februar war Kaffee keine Option, weshalb ich mich nach Jahren der Gewohnheit wieder neu auf der Speisekarte umschauen musste. Damit ist auch die Lust auf die Gelegenheitszigarette komplett verschwunden.

Gewohnheiten werden durch eine Schleife aus Auslöser, Routine und Belohnung geformt. Der Auslöser (bei mir Besuch im Café) versetzt unser Gehirn in den Autopilot, wir führen unsere Routine aus (Arbeiten, Kaffee trinken, Zigarette rauchen) und verstärken diese dann durch eine Belohnung (Rausgehen, durch den Facebook Newsfeed scrollen).

Um Gewohnheiten zu verändern, muss das Verlangen nach der Routine ausgeschaltet oder verändert werden. Der beste Ansatz dafür ist die Veränderung des Auslösers und der Belohnung oder der Einsatz einer neuen Routine in die bestehende Schleife. Was dann noch für die langfristig erfolgreiche Veränderung einer Gewohnheit fehlt, ist der Glaube daran und die feste Absicht, es zu schaffen.

Wie viele dieser Automatismen sind dir bewusst? Welche davon schaden dir? Wie kannst du den Auslöser oder die Belohnung verändern? Warum möchtest du diese Routinen aus deinem Leben schmeißen? Wie sieht dein Leben in 10 Jahren aus, wenn du dies nicht tust?

In jedem Augenblick haben wir die Chance, Gewohnheiten zu ändern und unserem Leben damit eine andere Richtung zu geben. Dafür müssen wir nicht bis zum kommenden Neujahr oder “den richtigen Moment” warten. Ein “vielleicht” oder “später” muss durch “sofort” und “definitiv” ersetzt werden.

Weißt du was noch geschieht, wenn sich Lebensumstände radikal ändern: der Blickwinkel verändert sich und damit haben wir die Chance, Denkweisen neu zu bewerten.

Sicher hast du eine Meinung zu Rohköstlern oder Vegetariern. Du bewunderst sie, schüttelst den Kopf oder stehst ihnen neutral gegenüber. In etwa das Gleiche passiert in deinem Kopf, wenn eine Frau mit Burka an dir vorbeiläuft oder wenn ein Straßenmusiker in der S-Bahn spielt.

Total egal, ob du diese Assoziationen im Kopf Vorurteile, Stereotypen oder Klischees nennst; sie sind in aller Regel nicht fair. Wir bewerten Dinge und Menschen viel zu oft anhand weniger Details, weil wir es einfach nicht besser wissen.

Für mich sind weder militanter Rohköstler noch 7 Tage die Woche Fleisch essen gute Optionen. Zwischen diesen beiden Extremen liegt jedoch ein unglaublich großes Spektrum an Möglichkeiten, das wir nur sehen können, wenn wir unsere starren Denkmustern regelmäßig wieder hinterfragen.

 

Ausblick und offene Fragen

Mein größter Gewinn dieses Experimentes ist das Hinterfragen von Gewohnheiten. Schon nach ein paar Tagen habe ich einige Muster in mir entdeckt, die mir nicht völlig bewusst waren. Meine große Hoffnung ist es natürlich, auch dich zum Hinterfragen und eventuell zu kleinen Veränderungen zu motivieren.

Was ich mir selbst auch in Zukunft beibehalten möchte, sind der Verzicht auf Nikotin und Koffein, das Ersetzen einer Mahlzeit am Tag durch einen frischen Saft sowie die starke Einschränkung von Fleisch, Milchprodukten und verarbeiteten Lebensmitteln. Außerdem werde ich auch weiterhin meine Ernährung tracken, um einer möglichst ausgewogenen Ernährung nahezukommen.

Im Laufe dieses Monats habe ich mir eine ganze Menge Fragen gestellt. Klare Antworten habe ich für mich noch nicht gefunden, weshalb ich mich auf eine Diskussion zu den folgenden Punkten sehr freuen würde:

Warum essen wir eigentlich 3 mal am Tag? Warum nicht einmal? Oder 8 mal?

Warum trinken wir als einzige Lebewesen auch nach dem Babyalter noch Milch? Und warum von anderen Spezies?

Warum essen viele von uns so viele verarbeitete Lebensmittel, Junk Food und Fleisch, obwohl wir ganz genau wissen, dass es unser Leben verkürzt?

Woher weiß ich, wann mein Körper wirklich etwas braucht und wann es nur ein Verlangen ist, dass durch Gewohnheiten oder gutes Marketing hervorgerufen wird?

Warum müssen alle Lebensmittel immer jederzeit verfügbar sein? Warum nicht regional und saisonal essen?

Ist es nicht ein Widerspruch, wenn ich als Frutarier keinem Lebewesen schaden will, gleichzeitig aber Früchte esse, die um die halbe Welt gereist sind?

Wie haben es die Lebensmittel- und Pharmabranche geschafft, uns abhängig von angeblich schnellen Heilmitteln zu machen, anstatt die Ursachen von Krankheiten zu bekämpfen?

Danke für 24 Kommentare

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Marcus

“Diabetes und Fettleibigkeit gibt es erst, seitdem unsere Diät so viele Fette und Proteine enthält.”

Was soll dieser Satz bedeuten?
Diabetes gibt es schon seit Jahrhunderten und früher sind Menschen daran gestoben.
Es hat nichts mit Diäten zu tun, sondern ist eine meist angeborene Stoffwechselstörung (Typ 1)

Petra

Hallo Sebastian, vor ca. 5 Jahren hatte ich 3 Wochen lang nur frisch gepressten Orangensaft getrunken. Ergebnis war Gewichtsverlust, leider auch Verlust an Muskelmasse und anschließender Jojoeffekt. Heute mache ich Saftfastenkuren nur mit 80% Gemüseanteil (z.B. Karotten, Ingwer, Apfelsaft) und gebe bei jedem Saft möglichst Wildkräuter (z..B. Brennessel, Giersch) mit dazu. Dabei habe ich keinen Verlust an Muskelmasse und verliere auch nicht so viel Gewicht. Der Saft wird gesiebt damit die Verdauung nicht mehr arbeiten muss. Mit der richtigen Mischung schmeckt das sehr gut und macht auch satt. Darmreinigung ist in der ersten Woche auch wichtig, denn dann verschwindet das Hungergefühl schneller. Bei gesundheitlichen Problemen ist das inzwischen meine Geheimwaffe. Für die langfristige Ernährung glaube ich dass es gut wäre auf den eigenen Körper zu hören und ein Gefühl dafür zu bekommen was mir persönlich wirklich gut tut. Gemixt ist das für mich oft schwierig zu erkennen. Es ist z.B. sehr interessant ein frisch gepflücktes junges Gierschblatt zu essen und dabei zu spüren welche Energie es hat und ob der Körper sich freut. Jeder Mensch ist unterschiedlich, aber ich habe das Gefühl dass mein Körper genau weiß was er braucht. Ich habe bloß oft das Problem, dass mich das was… Mehr lesen »

Analoger Digitalist

Dein Artikel war sehr spannend zu lesen! Schön dass du meinen Link mit den “veganen Proteinquellen” gebraucht konntest 🙂 Frutarier ernähren sich schon sehr radikal reduziert und das ist eigentlich nur für einen kürzeren Zeitraum gut. Mit einer rein veganen Ernährung kann man aber locker klar kommen, was ich jedoch vor 7 Jahren selbst erst nicht glauben wollte! Ich dachte anfangs nur “Da bleibt mir ja fast nix mehr zum Essen!” 😀 und heute weiß ich, dass das kompletter Blödsinn ist, wenn man mal nach Rezeptideen sucht und nebenbei noch einiges an Obst und Gemüse entdeckt, was man vorher entweder gar nicht kannte, oder beim Einkauf übersehen bzw. ignoriert hat. Die Kohlenhydrataufnahme ist für mich kein Problem und ich muss mich wegen einer chronischen Hypoglykämie (die seit meiner Ernährungsumstellung gelindert wurde) sogar alle 4 Stunden damit vollstopfen 😉 Ist aber alles Geschmackssache und ich versuche auch niemanden zu bekehren. Jeder soll das essen, was er essen möchte! Ich erwarte allerdings auch von anderen, dass sie mir das ebenfalls zubilligen… was leider nur selten der Fall ist 😀 Vielleicht hattest du ja in den 28 Tagen auch die ein oder andere Diskussion, warum du plötzlich kein Fleisch mehr essen willst 😀… Mehr lesen »

Hi Sebastian, ich war gerade in Thailand am Strand und hab mir 2 Mangos reingedrückt. Es war Ebbe, ein paar Einheimische weit draußen … Was meinst du, was die da gemacht haben ? Algen gesammelt ? Vielleicht auch. Aber vor allem suchen die Muscheln, Krabben, Krebse etc. Und das ist – Fleisch ! Und das machen wir Menschen nicht erst seit 100 Jahren … Wenn du schreibst, Fleisch essen ist für uns unnatürlich, widerspreche ich dir mal ganz dreist. Wozu haben wir Speer und Bogen und diverse Fallen erfunden ? Und das Feuer gleich noch mit dazu ? Und das auch alles nicht erst seit 100 jahren … Und hier in Europa wächst im Winter nicht sonderlich viel draußen, wie du ja auch bemerkt hast. Was blieb also vor 10.000 Jahren ? Nur der Mammut u.a. Tiere. Ein paar Nüsse aus dem Herbst vielleicht noch. Der schlagende Beweis ist für mich aber Vitamin B12. Das ist in pflanzlicher Nahrung kaum vorhanden und wenn dann nur in Sauerkraut, Bier und so vergorenem Zeugs halt. Das kann man nun auch nicht kiloweise futtern, zumal die Jäger und Sammler (nanu, Jäger ?) das wohl noch nicht einmal kannten. Übrigens: Geh mal in den… Mehr lesen »

Hallo Sebastian,

erst einmal danke für Deine Postkarte aus Singapur. Das freute mich sehr. 🙂

Unsere ganze Familie lebt vegan. Trotzdem habe vor allem ich das Problem, dass meine Geschmacksnerven durch meine Kindheit stark auf Salz und Fett geprägt sind. Ich experimentiere gern mit der Ernährung, falle aber immer wieder zu salzigem, fettreichem Essen zurück – weil es mir sonst auch nicht schmeckt. Mit der Folge, dass ich mit derzeit über 100 kg wohl einer der wenigen fetten Veganer bin. 😉 Ich würde gern wieder die 86 kg erreichen, die ich vor Jahren durch viel Sport und Kalorienzählen erreicht habe. Mit Familie ist das Zählen der Kalorien aus gekochten Mahlzeiten schwierig.

Ich nehme mir Dein Experiment zum Vorbild, um meine Geschmacksnerven mal für einige Zeit umzutrainieren. Einzelne Früchte, Nüsse und Wurzeln kann man auch viel besser mit Cronometer zählen. Vielleicht schaffe ich es diesmal, nicht wieder in alte Essgewohnheiten zu verfallen. Danke für Deine Anregungen!

Deine Fragen am Ende des Artikels sehe ich als rhetorisch an. 😉 Man sollte darüber nachdenken.

Liebe Grüße
Patrick

Liebe Grüße
Patrick

Analoger Digitalist

Hi, ich bin zwar nicht Sebastian, aber ich antworte trotzdem mal kurz. Welche Fettquellen hast Du denn? Vegan und fettig+salzig kann ja beispielsweise auch Chips bedeuten. Das ist jetzt keine Unterstellung, sondern nur ein Hinweis darauf, dass man anhand deiner Info nicht viel raus lesen kann und entsprechend auch nicht weiß, wo das Problem eigentlich sitzt. Gute und gesund Fette findest du in der Kokosnuss und Avocado. Letztere kann man auch salzen, was ich auch öfter mal nach sportlichen Aktivitäten mache. Dieser Artikel könnte vielleicht nützlich für dich sein: https://www.zentrum-der-gesundheit.de/gesunde-fette.html Was den Geschmacksinn betrifft, so hab ich von zwei Kollegen gehört, dass sie das mit einer “umtrainierung” der Geschmacksnerven, auf eher bittere Sachen und Bitterstoffe geschafft haben. Googel mal danach 😉 oder guck mal, ob du hier was passendes findest (kannst da übrigens auch mal nach “fette” suchen): https://www.zentrum-der-gesundheit.de/search.html?query=bitter Und nein das bedeutet nicht, dass du nur noch bitter essen musst und es immer beibehalten musst. Es reicht oft, wenn man die Geschmacksnerven umtrainiert, danach wird dir das fettig-salzige wahrscheinlich eher nicht mehr so gut schmecken. Ich würde auch zusätzlich mal gucken, wonach dein Körper wirklich verlangt, wenn es um die Fette und das Salz geht. Oft sind diese Verlangen… Mehr lesen »

Rieke

Sehr spannendes Experiment, Respekt fürs Durchhalten! Ich habe vor ca. einem Jahr angefangen mich vermehrt mit dem Thema Ernährung und Ernährungsumstellung auseinanderzusetzen. Einige Änderungen habe ich schon vorgenommen und festgestellt das es oft einfacher ist als man denkt, vor allem wenn man merkt das es einem damit besser geht. Allerdings bin ich dann wieder schwanger geworden und das hat mich davon abgehalten noch extremere Änderungen vorzunehmen. Daran habe ich aber auch gemerkt, dass Frau doch z.T. auch sehr von ihren Hormonen abhängig ist (Stichwort Menstruation, Schwangerschaft, Stillen, Menopause etc.). Derzeit esse ich z.B. keine Milchprodukte, weniger Zucker, kaum noch Brot und kaum verarbeitete Produkte. Ich finde es vor allem erschreckend wie viel Zucker in vielen Lebensmitteln enthalten ist. Und meiner Meinung nach ist das auch die Antwort auf deine Frage zum Thema Junk Food. Diese “Lebensmittel” sind so vollgepumpt mit Zucker das wir ganz einfach abhängig von ihnen sind/werden. Viele Menschen denken nicht so sehr darüber nach was sie essen und wollen lieber genießen als verzichten. Ich bin ganz deiner Meinung, dass Ernährung Teil des Bildungssystems sein sollte. Ich stelle es mir allerdings schwierig vor einen Konsens darüber zu finden, was richtig/gesund und was falsch/ungesund ist. Es gibt einfach super… Mehr lesen »

Ich finde dieses Experiment absolut super, weil es viele Menschen dazu bringt, nachzudenken. Und am Ende kann jeder auf seine ganz persönliche Sichtweise zum Thema Ernährung kommen. Durch meine Weiterbildung zum Naturkost-Fachberater musste ich mich mit vielen Ernährungsweisen auseinandersetzen. Und obwohl der Naturkost-Bereich generell schon eine gewisse Tendenz hat, gibt es hier auch eine solche Bandbreite von Menschen die meinen zu Wissen, was für jeden das beste ist… Erstaunlich. Der eine sagt viel Weizen, der andere verpönnt ihn. Und jeder findet eine Erklärung dafür 😉 Zwei kleine Anmerkungen habe ich noch: “Wird dein Mund bei dem Gedanken an Weizen, rohe Eier und Milch aus dem Euter auch wässrig?” – Zumindest bei letztem auf jeden Fall! Als Kind gab es immer ganz frische (noch warme) Milch vom Bauern nebenan. Das ist etwas ganz besonderes. Und auch heute trinke ich bevorzugt Vorzugsmilch. Die schmeckt einfach am besten. Und auch roher Weizen ist als Getreideflocken in Müsli lecker. Insofern ist es nicht ganz richtig, diese Dinge als unnatürlich darzustellen. Für mich persönlich spielt auch ein großer Punkt, dass eine rein vegane Ernährung eben zu einem mangel an Vitamin B12 führt. Gleichzeitig ist unsere Ernährung so oder so unnatürlich, da wir uns kaum nur… Mehr lesen »

Dass eine rein vegane Ernährung zu einem Vitamin-B12-Mangel führen muss, stimmt nicht. Früher deckte man den Bedarf durch den anhaftenden Humus am Wurzelgemüse nach grober Reinigung. Heute, da wir nur noch penibel gesäuberte Lebensmittel im Obst- und Gemüseregal finden, gibt es das Vitamin B12 aus “rein veganen” Supplementen. Ist das problematisch? Nein. Man sollte nur drauf achten, Methylcobalamin, Adenosylcobalamin und/oder Hydroxocobalamin zu verwenden und auf das billige Cyanocobalamin zu verzichten, da das Cyanid Unwohlsein verursachen kann und die Resorptionsrate gering ist.

Sebastian Kühn

Danke für deine Gedanken, Malchus. Ich störe mich auch sehr an diesen absoluten Wahrheiten von selbsternannten Experten. Umso wichtiger, dass wir unseren Körper selbst wieder besser verstehen, anstatt uns auf all diese gegensätzlichen Ratschläge verlassen zu müssen.

Beim Gedanken an die warme Milch aus dem Euter kommen bei mir ganz furchtbare Gedanken an einen Urlaub auf dem Bauernhof im Kinderalter hoch 😉

Ich kann bei dem Thema Milch ein stückweit mit dir mitgehen. Aber die Frage für mich ist auch, ob wir alles sollten, was wir könnten. Wir können auch synthetisches Fleisch herstellen und Klonen, aber das macht es ja nicht sofort ethisch und gesund. Generell glaube ich schon, dass sich unser Körper an Veränderungen in der Ernährung anpassen kann, wenn wir ihm Zeit dafür geben, was wir in den letzten Jahrhunderten ganz sicher nicht getan haben.

Gewohnheiten und Handlungsmuster werden einem bewusst, wenn man den Blickwinkel ändert. Diese Erkenntnis spricht mich in deinem Bericht gerade am meisten an. Bei mir ist es zwar keine so extreme Veränderung der Ernährung, sondern mehr ein Anpassen an mein aktuelles Umfeld (Südindien). Der Effekt ist ähnlich: ich hinterfrage viele Dinge, ändere meine Perspektive, vergleiche ständig mit meinem sonstigen “Alltag”. Insbesondere auf Fleisch, Süßigkeiten und Alkohol kann ich sehr gut verzichten, im Grunde vermisse ich rein gar nichts meiner typischen Ernährung in Deutschland (Weizenprodukte, Käse, …).
Was ich an deinem Experiment ganz spannend finde ist, dass man es im Grunde an jedem Ort durchführen kann und man nur ganz direkte und selbstbestimmte Einflussgrößen anpasst. Wenn ich zurück in Deutschland bin, probiere ich vielleicht auch mal was Neues (ein Monat vergange Ernährung wäre für mich schon eine echte Herausforderung…). Danke für deine Mühe (ich muss gestehen dass ich mich mit Ernährung bisher auch so gut wie nicht befasst habe).

Sebastian Kühn

Es ist schön von deinen aktuellen Erfahrungen zu lesen. Bei mir hat sich dieser Blickwinkel nicht nur auf die Ernährung geändert, sondern auch auf viele andere Aspekte meines Alltags. Ich kann mir sehr gut vorstellen, dass es dir in einer Umgebung mit komplett neuen Rahmenbedingungen in Indien gerade ähnlich geht.

Burk Snyder

Hallo Sebastian, Chapeau – ich finde es toll, dass Du auf verschiedene Arten versuchst, die Grenzen Deines Bewusstseins zu sprengen und zu weiteren erkenntnissen zu kommen! Ich selbst lebe seit ca. 3 Jahren sehr bewusst im Bezug auf das, was ich zu mir nehme. Ich denke, dass die Summe der Belastungen über Krankheit oder Gesundheit entscheidet – ein Beispiel: wenn Du in einer Großstadt lebst, bist Du unwillkürlich verscheidenen Belastungen ausgesetzt: Abgase/Emissionen, Elektrosmog, Lärm, Trinkwasserqualität, … Wenn Du Dich dann noch ungesund ernährst, rauchst, kaffee, Alk…ist die Gefahr groß, krank zu werden, da die Summe der Belastungen für den Körper zu groß ist. Für mich liegt die Lösung im Maß der Dinge: gesunde, regionale Ernährung, sportliche Betätigung – und auch ein mental/emotional ausgefülltes Leben tragen mit Sicherheit dazu bei, einen gesunden Körper zu erhalten, der auch gelegentliche “Ausreisser” wie das Glas Wein, die Zigarette o.ä. verzeiht. Für mich selbst habe ich folgende Änderungen eingeführt: Osmosewasser (der dt. Grenzwert für Trinkwasserbelastung liegt ein vielfaches höher als der EU-Grenzwert), Bio-Produkte, Entsäuerung des Körpers durch Natron, Entgiftung des Körpers durch Heilerde, Zeolith & Chlorella und 2x im Jahr eine Saftfastenkur von 12 Tagen. So versuche ich für mich, meine Mytochondrien bei Laune zu… Mehr lesen »

Sebastian Kühn

Vielen Dank für deine wertvollen Tipps und Gedanken!
Das “Maß der Dinge: gesunde, regionale Ernährung, sportliche Betätigung – und auch ein mental/emotional ausgefülltes Leben” unterschreibe ich sofort 😉

Atti

Glückwünsch zum Durchhalten!!

Ich finde die LDL Cholesterin Werte (das “böse” Cholesterin) noch sehr erwähnenswert – sind schön gesunken 😉
Da sieht man mal wie viel tierische Fette wir doch in uns reinschaufeln.

Mich würde interessieren wie deine Blutwerte in 1 Monat aussehen. Ob sie sofort wieder zurückgehen auf die alten Werte? Oder bleibt dein Cholesterin zB länger auf dem Niveau? Daraus könnte man Rückschlüsse ziehen ob es sich lohnt hin und wieder eine temporäre ErnährungsUmstellung vorzunehmen.

Sebastian Kühn

Danke dir, Atti! Mein Cholesterin war im letzten Jahr ziemlich hoch, weshalb das echt eine schöne Entwicklung war. Ich werde in 1-2 Monaten definitiv auch nochmal einen Bluttest machen und schauen, ob es einen sofortigen Jojo-Effekt gibt.