So schaffst du als Freelancer den Einstieg in die Selbständigkeit

Freelancing ist einer der besten, wenn nicht der beste Weg, um den Schritt aus der Festanstellung zu wagen. Du verkaufst deine Fähigkeiten und hast im Vergleich zu anderen Online Geschäftsmodellen ein sofortiges Einkommen. Damit kannst du als Freelancer perfekt die Zeit überbrücken, bis deine eigenen Projekte genügend Geld abwerfen.

Bevor ich vor über drei Jahren meinen letzten Job verlassen habe, war ich alles andere als ein Experte für irgendeinen Freelancer Job. Ich habe in den Jahren zuvor immer mal wieder kleinere Texterjobs und Übersetzungen gemacht, ohne aber mich wirklich damit auszukennen. Dementsprechend niedrig war auch der Verdienst, was als Student aber zumindest ein netter Nebenverdienst war.

Nach dem Ende des letzten Arbeitsvertrages habe ich dann alles auf eine Karte gesetzt und wusste, dass ich schnellstmöglich Geld verdienen muss. Damals habe ich bereits in Shanghai gewohnt und hatte weniger als 2.000 Euro auf dem Konto. Mein Tipp an dich: schaffe dir ein etwas größeres Polster oder ziehe für eine Weile an einen Ort, an dem du günstig leben kannst (Eltern, Thailand, …).

Mit dem finanziellen Druck im Nacken habe ich mich dann auf allen möglichen Freelancer Protalen angemeldet und für Jobs als Übersetzer und im Online Marketing beworben. In den ersten Monaten habe ich viel gearbeitet und verhältnismäßig wenig verdient, konnte den Verdienst aber allmählich steigern und habe mir immer auch etwas Zeit für eigene Projekte genommen.

Fast 2 Jahre habe ich (anfangs viel und zum Ende hin weniger) als Freelancer gearbeitet, ohne eine Ausbildung oder Zertifikate in für meine Tätigkeiten zu haben. Für mich war es ein gutes Sprungbrett in die echte Selbständigkeit, das mir wertvolle Erfahrungen und Kontakte gebracht hat. In diesem Beitrag möchte ich dir ein paar Tipps mit auf den Weg geben, die dir den Einstieg als Freelancer erleichtern sollen.

 

1) Nische finden

Gibt es etwas, was du ganz besonders gut kannst? Besser als andere? Kannst du deinen bisherigen Job oder vergangene Ausbildung auch online als Service anbieten? Gibt es für diesen Service einen Bedarf? Mache dir eine Liste mit deinen Fähigkeiten und überlege, ob es dafür einen Markt geben könnte.

Die häufigsten Jobs liegen wohl im Bereich Online Marketing, Übersetzungen, Content Erstellung, Webentwicklung und allgemeiner Administration. Für diese Jobs brauchst du nicht zwangsweise ein abgeschlossenes Studium oder eine Ausbildung. Du musst dich gut verkaufen können und deine Nische clever auswählen.

Was mit dieser Nische gemeint ist? Das du dich auf ein sehr kleines Spezialgebiet konzentrieren solltest, in dem du schnell zum Experten wirst und wenig Wettbewerb hast. Hier ein Beispiel zur Veranschaulichung:

Als Übersetzer bist du einer von Millionen. Als Englisch-Deutsch Übersetzer bist du einer von Tausenden. Als Englisch-Deutsch Übersetzer mit Spezialgebiet Smartphone Apps bist du einer von Hunderten. Wenn du dann noch lernst, wie SEO in App Stores funktioniert, dann bist du einer von ganz wenigen.

Siehst du, was ich meine? Versuche nicht den Massenmarkt zu bedienen, sondern spezialisiere dich auf ein Gebiet. In dieser Nische bist du aufgrund der geringeren Konkurrenz viel stärker nachgefragt, kannst dich schneller als Experte positionieren und damit auch deutlich höhere Raten verlangen.

Step 1: Finde deine Marktnische und formuliere in einem kurzen Satz, welchen konkreten Service du anbieten möchtest.

 

2) Freelancer Portale

Wenn du noch wenig bestehende Beziehungen zu potenziellen Auftraggebern (ehemalige Arbeitgeber, Bekannte) hast, dann solltest du dich auf den großen Freelancer Portalen umsehen. Dort stellen Auftraggeber Jobgesuche ein, auf die du dich mit deinem Profil, deinen Raten und einem kurzen Anschreiben bewerben kannst. In der Regel bekommst du in diesen Portalen recht schnell die ersten Aufträge. Meist sind diese jedoch weniger gut bezahlt.

Ich würde dir vorschlagen, dich je nach deiner Nische bei einer der internationalen, allgemeinen Jobbörsen anzumelden und bei einem speziellen Portal für deinen Tätigkeitsbereich. Hier eine kleine Auswahl:

  • Elance & oDesk sind die mit Abstand größten internationalen Plattformen mit breitem Angebot
  • In der SEO Jobbörse werden sowohl Vollzeitkräfte als auch Freelancer im Online Marketing gesucht
  • Bei Bloggerjobs findest du kleinere Schreibjobs und kannst selbst Angebote einstellen
  • twago bietet weltweite Projekte vor allem in den Kategorien IT und Design
  • Freelance-market bietet die gezielte Vermittlung von Freelancern aus allen möglichen Bereichen
  • Auf People4Project können IT-Projekte gefunden werden, die meist sehr spezielle Qualifikationen voraussetzen
  • Proz.com und Translatorcafe sind sehr gute Portale für fortgeschrittene Übersetzer
  • Google-Suche nach “Freelancer + Tätigkeit”

Selbstverständlich wirst du mehr Geld verdienen, wenn du deine Klienten ohne ein zwischengeschaltetes Portal bekommst. Als Einstieg und zum Aufbau von Kontakten sind diese Jobbörsen aber recht gut geeignet.

Step 2: Erstelle jeweils ein Profil bei einem internationalen und einem deutschem Freelancer Portal und verschicke erste Bewerbungen.

 

3) Gewerbe anmelden

Dieser Schritt könnte sicher auch an erster Stelle stehen. Wichtiger finde ich jedoch, den ersten Kunden zu bekommen, bevor du dich mit bürokratischen Hürden belastest. Sobald der erste Geldeingang bevorsteht, kannst du immer noch zum Gewerbeamt gehen.

Die Gewerbeanmeldung ist total unkompliziert. Du gehst zu deinem zuständigen Gewerbeamt, füllst einen Fragebogen aus und bezahlst je nach Gemeinde 15-60 Euro. Halte den Unternehmenszweck so allgemein wie möglich, um dir weitere Türen offen zu halten, und verwirre die Sachbearbeiter nicht mit Dingen wie Affiliate Marketer oder Corporate Blogger (wähle z.B. Digitale Dienstleistungen).

Nach einigen Tagen bekommst du dann vom Finanzamt einen Brief mit einem weiteren Formular zugestellt, über das festgestellt wird, ob deine Tätigkeit freiberuflicher oder gewerblicher Natur ist. Mache auf jeden Fall auch von der Kleinunternehmerregelung Gebrauch. Das erspart dir am Anfang (bis 17.500 Euro Jahresumsatz) den Ausweis der Umsatzsteuer.

Step 3: Vor dem ersten Geldeingang ein Gewerbe als Kleinunternehmer oder eine freiberufliche Tätigkeit anmelden.

 

4) Portfolio Erstellen

Mehr als dein Lebenslauf oder erlangte Zertifikate interessiert potenzielle Klienten dein Portfolio an bisherigen Jobs und Rezensionen von Auftraggebern. Dieses Portfolio ist im besten Fall eine eigene kleine Website. Als zweitbeste Alternative kannst du dieses bei vielen Freelancer Portalen auch in deinem Profil anlegen.

In der Regel hast du am Anfang noch nichts vorzuweisen. Wenn das der Fall ist, dann versuche so schnell wie möglich kleine Jobs über Jobbörsen zu bekommen und frage nach Abgabe sofort nach einer Bewertung. Auch wenn du dich dafür unter Wert verkaufen musst, sind es die Rezensionen wert. Frage auch in deinem Bekanntenkreis nach, ob jemand deinen neuen Service (umsonst) testen will.

Portfolio auf eigener Website: Sicher dir am besten eine Domain mit deinem Namen. Wenn diese schon belegt ist, dann werde kreativ. Installiere WordPress und suche nach einem Portfolio Theme, was zu deinen angebotenen Services passt. Beschränke die Infos auf der Seite auf das Wichtigste zu deiner Person, deinen Services, deinem Portfolio und den Kontakt.

Portfolio auf Freelancer Portal: Auf den meisten Freelancer Portalen kannst du bisherige Projekte eintragen und sogar Arbeitsproben in Form von Textdokumenten, Videos oder Grafiken hochladen. Neben diesem Portfolio sind die Bewertungen deiner Auftraggeber absolut essenziell. Sobald du ein paar 5-Stern-Ratings bekommen hast, werden deine zukünftigen Bewerbungen ganz anders wahrgenommen. Versuche also immer deinen Kunden glücklich zu machen und frage nach Bewertungen.

Step 4: Eine eigene Portfolio-Seite anlegen und mit Inhalten zu deinen Services, vergangenen Jobs und Rezensionen füllen.

 

5) Beziehungen Aufbauen

Überlege dir genau, wer deine Services brauchen könnte und wo du diese vermarkten könntest. Dafür kommen beispielsweise Foren, Gruppen auf Linkedin, Xing oder Facebook und Blogs in Frage. Bringe dich dort in Gespräche ein und versuche mit deinem Wissen zu helfen, ohne direkt deine Services anzubieten.

Denke auch darüber nach, welche bestehenden Kontakte aus deinem Freundeskreis oder deiner beruflichen Vergangenheit du anschreiben könntest. Selbst wenn diese am Ende nicht zu Kunden werden, kennen sie eventuell jemanden der es wird. Baue dir eine Datenbank mit Kontakten auf, die du nach und nach anschreibst.

Sobald du einige Jobs erledigst hast, wirst du merken, dass es immer einfacher wird. Zufriedene Auftraggeber werden dich weiterempfehlen und dir Folgeaufträge geben. Pflege die Beziehungen mit diesen guten Klienten und lasse sie wissen, dass du freie Kapazitäten für zukünftige Aufträge hast.

Wenn du irgendwann mehr Aufträge bekommst als du abarbeiten kannst, dann ist es an der Zeit, sich von den weniger guten Klienten zu trennen. Ein guter Weg dafür ist es, deine Raten zu erhöhen, woraufhin viele Kunden von ganz allein abspringen. Über die Zeit erhöhst du damit nicht nur dein Einkommen, sondern auch die Qualität deiner Kundenbeziehungen.

Step 5: Eine Datenbank mit Kontakten anlegen, die potenzielle, aktuelle und vergangene Auftraggeber enthalten.

 

6) Ausstieg vorbereiten

Vielleicht macht dir die Arbeit als Freelancer so viel Spaß, dass du diese ein paar Jahre machen willst. Wenn es dir wie mir und vielen anderen geht, dann willst du dich aber sicher irgendwann weiterentwickeln. Für mich ist das Freelancing eine super Überbrückung zwischen Jobausstieg und dem eigenen Online Business – nicht mehr und nicht weniger.

Ich kann dir nur dringend ans Herz legen, dass du von Anfang an eine langfristige Strategie für dich festlegst. Nimm dir ab dem ersten Tag auch immer etwas Zeit für eigene Projekte. Dein Ziel sollte es sein, jeden Monat weniger Zeit für deine Kunden und mehr Zeit für den Aufbau deines eigenen Unternehmens zu investieren.

Genauso habe ich es gemacht. Nach einem Jahr als Freelancer hatten meine eigenen Projekte genügend Einnahmen, dass ich mich von dem Großteil meiner Klienten trennen konnte. Dann habe ich ein Unternehmen gegründet, von dem einige meiner alten Klienten trotz höherer Preise heute immer noch Dienste buchen, die ich selbst an andere Freelancer auslagere.

Step 6: Eine langfristige Strategie ausarbeiten, die den Ausstieg aus dem Freelancing hin zum eigenen Online Business ermöglicht.

 

Regelmäßig austauschen und weiterbilden

Diesen Punkt kann ich gar nicht stark genug betonen. Dein Wert als Freelancer bestimmt sich durch dein Know-How und deine Fähigkeiten zur Selbstvermarktung. Um dich von Anfang an weiterzuentwickeln, solltest du dir jeden Tag etwas Zeit nehmen, um neue Dinge zu lernen und dich mit anderen Freelancern auszutauschen.

Genau zu diesem Zweck veranstalten Tim und Dennis die Mastermind Days für Freelancer und Selbständige. Gemeinsam bringen es die beiden auf 20 Jahre Erfahrung als Unternehmer. Ihr geballtes Wissen geben sie in eintägigen Workshops an verschiedenen Orten in Deutschland weiter.

Dabei geht es vor allem darum, wie du Kunden akquirierst, Prozesse optimierst und dich als Experte in deinem Gebiet positionierst. Inklusive Vorträgen, Case Studies, Verpflegung und Abschlussrunde am Abend kostet der Mastermind Day derzeit noch 250 Euro (Stand 11/2014). Für die kommenden Termine kannst du dich hier anmelden*.

Mastermind Day

Mastermind Day mit Tim und Dennis

 

Regelmäßig austauschen und dich weiterentwickeln kannst du dich natürlich auch in unserer Community auf My Wireless Life. Dort gibt es bereits einen regen Austausch zum Thema Freelancing in den Foren und Mastermind Gruppen, die sich in regelmäßigen Abständen via Videokonferenz austauschen.

Auch wenn du es vielleicht nicht mehr hören kannst, will ich zum Abschluss noch einmal betonen, wie wichtig dieser regelmäßige Austausch ist. Wir stehen am Anfang alle vor den gleichen Problemen, welche sich gemeinsam viel schneller lösen lassen. Mastermind Gruppen und Workshops helfen dir dabei, dich so viel schneller weiterzuentwickeln, als wenn du es in deiner dunklen Kammer als Einzelkämpfer versuchst.

Danke für 8 Kommentare

Wir freuen uns über deine Fragen, deine Hinweise und dein allgemeines Feedback. Wenn du eine spezielle Frage zum Beitrag hast, schaue bitte zuerst in den bisherigen Kommentaren nach, ob du die Antwort dort findest.

8 Kommentare zu "So schaffst du als Freelancer den Einstieg in die Selbständigkeit"

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Jona
Leser

Lohnt es sich als 16 Jähriger der genau DAS machen will, aber keine berufserfahrung hat so etwas zu machen? Oder ist das zu Riskant? In unserer Gegend gibt es sogut wie keine Ausbildung zum Mediengestalter und die sind echt vergriffen. 🙁 Würde soetwas echt gerne machen.. Aber was wenn es scheitert?

samilord
Leser
samilord

Sehr gute Beitrag! Strukturiert und simpel…Bin begeistert

Florian Schoen
Leser

Es ist das selbe wie bei diesen TV-Infomercials. Viele Testimonials machen das Produkt (also in dem Fall dich selbst) subjektiv besser. Das ist wahrscheinlich der beste Tipp, den ich dieses Jahr gehört habe. Bau dir ein Portfolio auf und sammle Testimonials so viel es geht. Ein bekannter Infomercial Produzent (war mal bei Shark Tank aber ich hab den Namen vergessen) lässt jeden der mit einer Idee zu ihm kommt, erstmal 100 Testimonials von echten Kunden besorgen. Also los gehts

Finn
Leser
Finn

Informativer Artikel
Hast du als Student deine Selbstständigkeit angemeldet? Weil dann kann man ja nicht nebenbei noch Jobben…

Grüße Finn

Finn
Leser
Finn

Dumme Frage 🙂

Walter
Leser

Toller Beitrag Sebastian. Weiter so!

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