Erfolgsfaktoren für den Start eines digitalen Business

Dein Online Business kann vom Freelancing bis hin zur eigenen Produktserie alles beinhalten. Einige Schlüsselfaktoren sind jedoch für alle Online Unternehmer gleich. In einem Interview gibt Autor und Unternehmer Martin Sternsberger Tipps für den erfolgreichen Start deiner digitalen Geschäftsidee.

Es ist schwer allgemeine Schlüsselfaktoren zu benennen, die über Erfolg und Misserfolg eines Online Business entscheiden können. Aber es gibt sie auf jeden Fall. Egal ob kleines Einzelunternehmen oder digitales Startup mit großem Investment – die persönlichen Fähigkeiten des Gründers und das Vorgehen beim Markeintritt sind entscheidend.

Ich will gar nicht so viel vorwegnehmen, sondern den Experten sprechen lassen. Er hat sich für ein paar Fragen zum Thema digitale Geschäftsideen und zur Verfügung gestellt.

Martin SternsbergerMartin Sternsberger begleitet seit 1996 Technologie-Unternehmen und Startups in der strategischen Unternehmens-, Führungskräfte- und Persönlichkeitsentwicklung. Außerdem setzt er Online-Marketing- und Internet-Projekte um und ist ausgebildeter Trainer und Coach.

Zwischen 1996 und 2010 hat Martin eine der ersten Internet-Agenturen in Österreich mit Kunden wie Mercedes-Benz, Eckes-Granini, Suzuki, Gabor Shoes, Prefa, etc. aufgebaut. Davor war er Leiter der Software-Enwicklung (Car Access) im High-Tech-Unternehmen SkiData AG.

 

Wie finde und validiere ich meine Geschäftsidee?

Der erste Schritt sollte immer die Zieldefinition sein: Was will ich eigentlich? Wie will ich leben? Wie viel Geld brauche ich dazu?

Danach eine „Bestandsaufnahme“: Was kann ich wirklich gut? Was macht mir Spaß? Wo liegt meine (berufliche) Leidenschaft? Was sind meine Schwächen?

Falls dann noch nicht klar ist, was man machen wird (was bei der Mehrheit so sein wird), muss man als nächstes sehr offen Ideen „spinnen“, welche Tätigkeiten in Frage kommen. Erst im nächsten Schritt werden die einzelnen Ideen beurteilt und hinterfragt, welche Eigenschaften und Ressourcen dafür nötig sind.

Die Idee, für die man sich entscheidet, soll nun auf Marktauglichkeit geprüft werden. Dabei wird mit dem MVP (ein minimum viable product – siehe Lean Startup) eine Art Vorprodukt oder Prototyp erstellt und potentielle Kunden zum Kauf aufgefordert. Bietet man beispielsweise Online-Kurse für Bienenzucht an, so wird nicht schon der gesamte Kurs ausgearbeitet, sondern nur online zum Kauf angeboten, obwohl es noch gar nicht existiert. Aus der Kaufbereitschaft kann man ablesen, ob die Idee marktreif ist.

 

Welches sind die Schlüsselfaktoren für ein digitales Business?

1) Das Produkt muss stimmen, das ist das wichtigste! Das Produkt (oder die Dienstleistung) muss einen eindeutigen Nutzen für den Kunden haben und mit hoher Qualität ausgeführt sein.

2) Leistungs- und Einsatzbereitschaft sind zwingend. Kein Geschäft – und da bildet das digitale Business keine Ausnahme – läuft von Anfang an von selbst. Speziell zu Beginn ist hohe Einsatzbereitschaft zwingend. Leistungen werden deutlich über dem Normalmaß nötig.

3) Lernbereitschaft und Flexibilität. Ohne sein Ziel aus den Augen zu verlieren, muss man dennoch immer auf die schnell ändernde Marksituation eingehen. Man muss willens sein laufend Neues zu lernen und dies dann auch einzusetzen.

 

Welche digitalen Geschäftsmodelle lassen sich schnell umsetzen?

Hier eignen sich am besten alle Tätigkeiten, die an sich schon ortsunabhängig sind (auch wenn das die betreffenden Personen und Vorgesetzten zunächst nicht erkennen): Software-Entwicklung, Webdesign und -programmierung, Übersetzer, Grafiker, Serverbetreuung und ähnliches, Social-Media-Marketing, etc.

Wenn in solchen Bereichen kein Wissen vorhanden ist, muss man im Einzelfall prüfen, welche Geschäftsmodelle möglich sind. Gibt es eine spezielle Expertise? Kann diese in Form von Online-Beratung, Webinaren oder einem Blog vermarktet werden? Allgemein gültige Rezepte gibt es hier aus meiner Sicht nicht. Es ist eine wohl überlegte, durchdachte Strategie nötig.

In weiterer Folge sollte man aber immer versuchen, die reine direkte Dienstleistung (Stunden gegen Geld) durch möglichst selbstlaufende Produkte zu ersetzen, die eine Skalierung erlauben.

 

Welche Rechtsformen bieten sich für digitale Startups an?

Ich bin kein ausgesprochener Steuerexperte und kann diese Frage nur aus meiner eigenen Erfahrung beantworten. Grundsätzlich hängt die Rechtsform extrem davon ab, was man macht und wie und wo man unterwegs ist.

Die vermutlich grundsätzlich idealste Form wäre eine kleine GmbH. GmbHs an sich vermitteln den Kunden in Deutschland oder Österreich an sich schon ein gewisses Vertrauen. Sie ermöglichen eine gute Steuerung, welche Teile als Gehalt ausbezahlt werden (und damit ggf. sozialversicherungspflichtig sind), welcher Anteil als Gewinnausschüttung erfolgt (Abgeltungssteuer / Kapitalertragssteuer) und was im Unternehmen verbleiben kann.

Darüber hinaus hat man damit immer eine valide Adresse im gewünschten Land (D / A), unabhängig davon, wo man sich aufhält. Der klare Nachteil einer GmbH ist der deutliche Verwaltungsaufwand (doppelte Buchhaltung, Bilanzpflicht), der sich erst ab einem sehr hohen Umsatz auszahlt. Als Alternative dazu sehe ich nur die Rechtsform, die jeder Neugründung vermutlich auch intuitiv wählt: das Einzelunternehmen.

 

Vielen Dank für deine aufschlussreichen Antwort, Martin!

Im Rahmen seiner MBA Master Thesis hat sich Martin im Detail mit der Frage beschäftigt, warum einige digitale Startups sehr erfolgreich sind, der Rest aber scheitert. Im Rahmen der Arbeit wurden auf Basis von Experteninterviews 12 Schlüsselfaktoren ermittelt, die als kritisch für den Erfolg im Internet gelten.

Mehr Informationen zum Buch erhältst du hier: “Schlüsselfaktoren für den erfolgreichen Markteintritt von digitalen Startups

Selbst wenn du zunächst klein anfangen willst und die Umsetzung einer größeren digitalen Geschäftsidee noch in weiter Ferne liegt, konnte dir der Beitrag sicher wertvolle Anregungen geben. Unabhängig von der Größe deines Vorhabens sind die Aussagen zur Ideenfindung und Validierung sowie die Schlüsselfaktoren für alle Online Unternehmer vom Blogger bis zum Startup relevant.

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Gerade wenn man sich ein kleines digitales Business aufbauen möchte, mit dem man ein bisschen Geld nebenbei verdient (z.B. eine Nischenseite), dann reicht ein Einzelunternehmen vollkommen aus. D.h. man muss nur zum Gewerbeamt und sich ein Gewerbe ausstellen lassen. Das ist sehr unkompliziert und der Steuer-Aufwand hält sich danach in Grenzen.

Eine GmbH ist wirklich nur sinnvoll, wenn man für Kunden arbeitet und man sich selbst in der Haftung begrenzen möchte (nämlich auf die Höhe des Stammkapitals, bei einer GmbH also mind. 25.000 Euro). Wenn man als Einzelunternehmer nämlich einen Fehler macht und ein Kunde dadurch zu schaden kommt und einen bspw. auf Schadensersatz verklagt, dann haftet man mit seinem Privatvermögen – hier wäre eine GmbH also schon sinnvoll.

Viele Grüße
Sebastian