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e-Residency in Estland: Was dahinter steckt und warum du e-Resident werden solltest

Seit Mai 2015 kann sich für die estnische e-Residency beworben werden. In den ersten 24 Stunden gab es bereits 4.000 Bewerbungen aus 140 Ländern. Was du als e-Resident für Vorteile hast und wie du zum digitalen Bürger von Estland wirst, erfährst du in diesem Erfahrungsbericht.

Berichten zufolge hat der kleine baltische Staat mit einer Bevölkerung von gerade einmal 1,3 Millionen die höchste Dichte an Start-ups pro Einwohner weltweit. Kein Wunder also, dass Programmierkenntnisse bereits fest im Bildungsplan von Grundschulen verankert sind.

Esten haben die Software für Skype und den Bezahlservice Transferwise entwickelt. Mit der One-Stop-Shop-Lösung für e-Government Services kann in weniger als 18 Minuten ein Unternehmen in Estland angemeldet werden (Eintrag im Guiness Buch der Rekorde 2009). Die Hauptstadt Tallinn wird nicht selten als das europäische Silicon Valley bezeichnet.

Estland ist der erste Staat, der einen virtuellen Wohnsitz – genannt e-Residency – möglich macht. Als e-Resident bist du kein Staatsbürger, kannst aber mit deiner digitalen ID verschiedene Services der estnischen Regierung in Anspruch nehmen.

Die Bürger im eigenen Land können die e-Services schon seit über einem Jahrzehnt nutzen. Nach und nach sollen sie jetzt auch für Menschen außerhalb von Estland zugänglich gemacht werden. Zu den e-Services gehören:

  • e-Cabinet: digitales Kabinett, durch das Reisekosten und tausende Papierdokumente für Regierungsmitglieder eingespart werden.
  • i-Voting: seit 2005 können Einwohner in Estland über das Internet ihre Stimme bei Wahlen abgeben (2011 hat fast jeder 4. online gewählt).
  • e-Tax: seit 2000 werden Steuererklärungen komplett online eingereicht.
  • e-School: Anwesenheit, Noten und Hausaufgaben werden über das System geregelt. iPads sind fester Bestandteil in estnischen Schulen.
  • e-Prescription: alle Krankenhäuser und Apotheken in Estland verschreiben Medikamente komplett digital.
  • DigiDoc: mit einer ID Card oder MobileID können Dokumente einfach digital unterschrieben werden.
  • eBusiness-Register: von der Einsicht in digitale Unternehmensregister bis zur Gründung eines Unternehmens ist über diese Plattform alles möglich.
  • e-Police, e-Health, e-Energy und vieles mehr …

 

Was steckt hinter der E-Residency in Estland?

Die e-Residency ist eine länderübergreifende digitale Identität. Estland öffnet sich mit der e-Residency für jeden Menschen auf der Erde, der estnische e-Services in Anspruch nehmen möchte. Spannend ist dieser innovative Ansatz vor allem für ortsunabhängige Unternehmer, die sich nicht von nur einer Regierung oder einer Meldeadresse abhängig machen wollen.

Jeder e-Resident erhält eine “smart ID card”, mit der verschiedene Online-Services der estnischen Regierung genutzt werden können. Die ID card dient als digitale Signatur, mit der Verträge unterzeichnet, Dokumente verschlüsselt und Daten verifiziert werden können.

Ganz einfach gesagt: als e-Resident bekommst du eine kleine Plastikkarte mit Microchip, mit der du dich online ausweisen und alle möglichen Dokumente digital unterzeichnen kannst – ganz egal, wo auf der Welt du dich gerade befindest.

Die digitale Signatur ist zumindest in Estland von Gesetzes wegen genauso viel wert, wie eine handschriftliche Unterschrift. Die smart ID card enthält einen Microchip mit 2048-bit Verschlüsselung und zwei Sicherheitsschlüsseln für digitale Unterschriften und die Autorisierung für die Nutzung von Online-Services.

smart ID card

Digital ausweisen und unterschreiben mit der smart ID card

 

Die e-Residency ist jedoch nicht gleichzusetzen mit einer Staatsbürgerschaft, einer Aufenthaltsgenehmigung oder einem steuerlichen Wohnsitz in Estland. Die smart ID card enthält kein Foto, weshalb es kein offizielles Reisedokument ist.

 

Was du als E-Resident machen kannst

Jetzt kommt der eigentlich spannende Teil. Du fragst dich sicher, ob hinter der e-Residency mehr als nur eine Kampagne steckt, um Estland die Aufmerksamkeit der Medien zu sichern?

Seit einigen Tagen bin ich selbst offizieller e-Resident von Estland und habe mich auf der Plattform e-Estonia mal ausgiebig umgeschaut. Bei der Abholung meiner smart ID card hatte ich außerdem noch eine interessante Unterhaltung mit dem Konsul in Shanghai.

Zunächst mal ganz objektiv betrachtet, was du mit der e-Residency machen kannst:

  • Unternehmensgründung: innerhalb eines Tages kannst du ein Unternehmen komplett online eröffnen und verwalten (mehr dazu weiter unten).
  • Unternehmensverwaltung: du kannst das digitale Unternehmensregister einsehen, Online-Berichte wie Jahresabschlüsse hochladen und Änderungen an der Registrierung vornehmen.
  • Steuererklärung: Einkommenssteuern und die Ertragssteuern für dein Unternehmen kannst du direkt online erklären (mehr Infos hier).
  • e-Banking: sicheres Online-Banking mit estnischen Banken, der Swedbank und SEB Bank (zur Eröffnung des Kontos ist derzeit noch ein persönliches Gespräch vor Ort nötig).
  • Patente/Marken anmelden: du kannst komplett online europäische Patente, Handelsmarken und Warenzeichen anmelden.
  • Signatur: mit der smart ID card kannst du Verträge und Dokumente digital unterzeichnen.

Eine Übersicht zu allen Services gibt es hier.

Es ist bereits Gang und Gebe in Estland Unternehmen komplett online zu gründen, Verträge digital zu unterzeichnen oder die Steuern online einzureichen, ohne vor Ort zu sein. Spannend für Online-Unternehmer sollte vor allem die unkomplizierte und günstige Gründung sowie Verwaltung eines Unternehmens im EU-Raum sein, ohne dass ein fester Wohnsitz vor Ort benötigt wird.

Ein großes Defizit ist, dass Banken derzeit noch nicht komplett online eröffnet werden. Das liegt weniger an den Banken, die sich bereitwillig zeigen, sondern an den estnischen Gesetzen zur Vermeidung von Geldwäsche und Finanzierung von Terroristen.

 

Unternehmensgründung als e-Resident

Die Eröffnung eines Unternehmens funktioniert als e-Resident komplett online, ohne dass du ins Land reisen musst. Dabei kannst du zwischen einer Private Limited Company (ähnlich GmbH), Sole Proprietor (Einzelunternehmen), Limited Partnership (KG), General Partnership (OHG) und Non-Profit auswählen.

Für e-Residents fällt keine Einkommenssteuer an und Unternehmenserträge müssen nur dann zu einer Rate von 20% versteuert werden, wenn sie das Land verlassen. Solange du deine Gewinne in Estland lässt, bezahlst du keine Steuern. Weitere Informationen zum Steuersystem findest du hier.

Die großen Vorteile der Unternehmensgründung in Estland sind neben der einfachen Eröffnung, die geringen Verwaltungskosten, die bequeme Administration über das Online-Portal und die gute Reputation als EU-Standort (im Gegensatz zu einigen Offshore-Standorten).

Für die Gründung deines ortsunabhängigen Unternehmens in Estland sind folgende Schritte notwendig:

  1. Bewerbung für die e-Residency (genaue Infos findest du weiter unten im Beitrag) – Kosten: 100 Euro
  2. Auswahl eines Anbieters für eine virtuelle Geschäftsadresse, die im Unternehmensregister hinterlegt wird (Auswahl an Anbietern) – Kosten: ca. 200 Euro/Jahr
  3. Name für das Unternehmen auswählen und überprüfen, ob es diesen schon gibt (Auskunft hier)
  4. Registrierung des Unternehmens im Company Registration Portal und Upload der erforderlichen Dokumente (Namen der Shareholder, Articles of Association, Angaben zum Gründer) – Kosten: 145 Euro
  5. Digitale Signatur mit der smart ID card
  6. Überweisung von Anmeldegebühr und Stammkapital (mindestens 2.500 Euro für eine Private Limited, die aber nur unter bestimmten Voraussetzung notwendig wird – weitere Infos hier unter § 140)
  7. Eröffnung eines Geschäftskontos (leider konnte ich bei meiner Recherche bisher noch nicht herausfinden, ob sich dieses Konto zwangsläufig in Estland befinden muss)
  8. Anmeldung einer estnischen VAT Number (nur wenn die jährlichen Umsätze über 16.000 Euro liegen – Details hier und hier)

Nachtrag vom 20.09.: Für die Unternehmensgründung über das Company Registration Portal wird nicht zwingend ein estnisches Geschäftskonto benötigt. Der Dank für diese Info geht an Etienne von Vietmok, der zu diesem Thema recherchiert hat.

e-Business Register

Unternehmensgründung leicht gemacht im e-Business Register

 

Anders als in vielen anderen Offshore-Standorten wir keine Sekretärin oder ein Direktor vor Ort benötigt. Die Steuererklärung wird bis spätestens 6 Monate nach Ende des Geschäftsjahres über das e-Tax Board und eine bereitgestellte Software eingereicht. Alle erfoderlichen Dokumente (wie Jahresabschluss) können über das e-Business Portal hochgeladen werden. Der Verwaltungsaufwand scheint also recht niedrig zu sein.

Das große Problem scheint bisher noch das Geschäftskonto zu sein. Die smart ID Card für e-Residents wird bisher von drei Banken in Estland anerkannt – der estnischen LHV und den skandinavischen Banken Swedbank und SEB. Zum jetzigen Zeitpunkt kann die Bewerbung für ein privates oder geschäftliches Konto zwar online eingereicht werden, jedoch ist für die Eröffnung noch eine Anreise nach Tallinn erforderlich.

Interessant ist diese Alternative wohl für alle (mich eingeschlossen), die innerhalb der EU aber außerhalb Deutschlands ein Unternehmen bzw. eine Niederlassung eröffnen möchten. Ich werde noch ein paar Monate abwarten und eventuell selbst eine Zweigstelle meiner Hong Kong Limited in Estland registrieren.

 

Ein spannendes Thema, oder?

Services von fremden Regierungen in Anspruch zu nehmen, bedeutet letztendlich auch mehr Selbstbestimmung in deinem Leben. Wie du dich unabhängig von Instutionen, Büros und anderen Verpflichtungen machst, darum geht es im Wireless Life Guide.

Zum Wireless Life Guide

 

 

So wirst du zum E-Resident

Bewerben kann sich grundsätzlich jeder, der über 18 Jahre alt und nicht vorbestraft ist. Abgeholt werden kann die smart ID card an einem von insgesamt 38 Standorten weltweit, unabhängig davon, wo du wohnst.

Bei mir hat der gesamte Prozess ca. 2 Monate gedauert. Derzeit wird auf der Webseite von e-Estaonia von verlängerten Wartezeiten aufgrund der erhöhten Nachfrage hingewiesen.

Die Beantragung ist wirklich kinderleicht und kostet etwas über 50 Euro. So sah der gesamte Prozess (mit Angabe der Daten und E-Mail-Verkehr) bei mir aus:

1.) Online-Bewerbung (14.05.2015): Neben deinen persönlichen Angaben musst du ein paar Sätze zu deiner Motivation für die Bewerbung schreiben und ein Passfoto sowie einen Scan deines Reisepasses hochladen. Das Ganze dauert keine 5 Minuten. Hier geht’s zur Online-Bewerbung

2.) Bezahlung (14.05.2015): Die Kosten betragen 50 Euro (plus 0,99 Euro Kartengebühr) und müssen mit Kreditkarte (Mastercard oder Visa) bezahlt werden. Nach wenigen Minuten bekommst du eine Zahlungsbestätigung von der “Politsei- ja Piirivalveamet” in Estland, die den Geldeingang bestätigt. Dann heißt es warten.

3.) Background-Check (03.06.2015): Das Estonian Police and Border Guard Board (Bundesgrenzschutz) überprüft, ob du Vorstrafen hast oder sonstige Fragen zu deiner Bewerbung auftreten: “Estonian Police and Border Guard Board has received an application for e-Resident Digi-ID submitted by SEBASTIAN KÜHN born on 02.02.1983. The application number 1032… was submitted on 03.06.2015 and is currently being reviewed.”

4.) Nachricht über den Background-Check (18.06.2015): Sobald der estnische Bundesgrenzschutz deine Bewerbung akzeptiert hat, bekommst du per E-Mail bescheid: “Estonian Police and Border Guard Board has granted e-Residency to SEBASTIAN KÜHN born on 02.02.1983. You will be notified upon the document’s arrival to the place of issue marked on the application form.”

5.) Aufforderung zur Abholung der ID card (23.07.2015):  Gute zwei Monate nach der Online-Bewerbung bekam ich die E-Mail mit der Bitte zur Abholung meiner smart ID Card bei meinem angegebenen Standort in Shanghai: “This is to confirm that the digital identity card of the Republic of Estonia that you applied for has arrived at the Consulate General of Estonia in Shanghai and is ready to be picked up.”

6.) Persönliche Abholung der Karte: In 38 Städten rund um den Globus kannst du deine e-Resident smart ID Card und den Kartenleser im estnischen Konsulat abholen. Vor Ort musst du dich mit deinem Reisepass ausweisen und es werden deine Fingerabdrücke genommen. Nach einem kurzen Gespräch mit dem Konsul bekommst du alle Unterlagen.

7.) Aktivierung der Zertifikate: Einige Stunden nach der ersten Anmeldung im Online-Portal von e-Estland werden die Zertifikate für die smart ID card aktiviert, womit dir dann alle Service der e-Residency zur Verfügung stehen: “Certificates for e-Resident Digi-ID N0106… have been activated and the document is ready for digital use. Welcome to e-Estonia! Sincerely, Police and Border Guard Board”

 

Was wir zukünftig von Estland erwarten können

Mein Fazit: bisher sind die sichtbaren Vorteile der e-Residency noch sehr überschaubar und bis auf die Unternehmensgründung kaum praktisch anwendbar. Aber genauso ist das auch, wenn ein Unternehmen eine echte Innovation auf den Markt bringt. Es dauert ganz einfach seine Zeit, bis sich eine solche Idee entwickeln kann.

Die e-Residency ist ein Experiment und genau so solltest du es bisher sehen. Es ist ein mutiger Vorstoß eines kleinen Landes, um (zumindest virtuelle) Grenzen zwischen Ländern aufzulösen.

Kaspar Korjus, der Verantwortliche für das e-Residency Programm, entwickelt das Projekt wie ein Start-up. Ganz im Sinne des Lean-Startup-Ansatz ist das Pilotprojekt noch in der Beta-Phase und wird, basierend auf Erfahrungen und Nutzer-Feedback, schrittweise zu einem fertigen “Produkt”.

Laut dem digitalen Magazin “Life in Estonia” sollen in Zukunft die angebotenen Services für e-Residents über die Regierung hinaus auf den privaten Sektor erweitert werden. Prominente Beispiele sind die Bezahlservices Stripe und PayPal, die die extrem sichere Authentifizierung mit der smart ID card nutzen könnten.

Weiterhin wird es eine MobileID geben, mit der alle Services über eine sichere SIM-Karte im Telefon genutzt werden können.

Ganz abgesehen davon, ob die praktischen Vorteile momentan schon vorhanden sind oder nicht, finde ich die estnische Initiative für einen digitalen Wohnsitz absolut bemerkenswert und bin gespannt, was noch kommt.

Was hältst du von der e-Residency?

Danke für 61 Kommentare

Wir freuen uns über deine Fragen, Hinweise und allgemeines Feedback. Wenn du eine spezielle Frage zum Beitrag hast, schaue bitte zuerst in den bisherigen Kommentaren und im FAQ nach, ob du die Antwort dort findest.

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Nweiss

Also das System mit dem E Residenz ist absolut geil habe nach dem Durchlesen mehrere Artikel hier nun selber eine Gesellschaft eine Firma in Estland gegründet und kann nur aus meiner Erfahrung sagen Friede Freude Eierkuchen ist es nirgendswo zu den Anbietern bei der Gründung eures Unternehmens kann ich euch nur sehr ans Herz legen lesen hilft und meist passt der Anbieter mit der wenigsten Werbung am Besten =) Ich bin auch zu erst über Leap IN gestoßen und habe gedacht cool im Prinzip gar nicht so teuer und super bequem der Teufel steckt dort im Detail und zwar in der Buchung der Positionen für die Buchhaltung dort steht nämlich immer nur man soll es nicht ausnutzen und es muss sich im Rahmen bewegen. Aber was ist der Rahmen ? Genau diese Frage wird euch leider keiner beantworten sogar nicht bei Leap IN. Und das war für mich ein Echtes Problem denn ich wollte unter keinen Umständen gleich zu Anfang Stress mit meinem Buchhalter haben. Aus meiner Erfahrung ist Leap in etwas für Leute die wirklich sehr wenige Positionen für die Buchhaltung benötigen und das wirklich sehr wenig ansonsten würde sich deren Geschäftsmodell ja auch nicht lohnen wenn du da… Mehr lesen »

Nico

Hallo,

danke für den Beitrag. Ich bin Daytrader und finde es sehr interessant das Geld zum weiteren Invest in der Firma belassen zu können.

Wie steht es um Privateinlagen zum Starten meines Business. Kann ich die später wieder steuerfrei nach Deutschland entnehmen?

Pupsie

Ich habe da noch eine Frage: Wenn ich in Estland eine Firma aus dem gemeldeten Deutschland gründe aber in dem späteren Zeitpunkt nicht mehr in Deutschland gemeldet bin,, sondern in z.B. Russland oder wo anders, wie sieht das dann mit der Auszahlung und Steuern aus? Wo kann ich dafür Informationen finden? Und darf ich dann noch in Deutschland digitale Infoprodukte & Dienstleistungen vertreiben und verkaufen?
Und ist das dann auch evt. ein Problem für mich in Estland?
Vielen Dank

heidingsfelder

hallo
ist es möglich einen führerschein in estland zu bekommen mit der e-residence

vielen dank

R.J.Random

Wirkliche “Vorteile” sehe ich hier auch nach dem 10ten Male Durchlesen nicht… Bricht man mal die oben genannte tollen “Vorteile” auf die Businessrelevanten herunter, sehe ich nicht, was mir diese als deutscher Staatsbürger bringen – noch dass es diese nicht in Deutschland geben sollte: Eine Einzelperson kann für das Unternehmen zu jeder Zeit seine Abschlüsse / Buchhaltung an das Finanzamt übermitteln – sogar per Telefax, als auch digital mit Signatur. Jahresabschlüsse under steuerliche Einreichungen einer Gesellschaft sind ebenfalls problemlos an das Finanzamt und/oder über den Bundesanzeiger digital signiert möglich; lediglich beim Jahresabschluss besteht – und das zurecht – der Bilanzierungszwang über einen Steuerberater. Ob ich also als Gesellschaft die Buchhaltung selbst erledige und dem Finanzamt (online) zusende und nur den Jahresabschluss über einen Steuerberater (der online meine Unterlagen erhalten hat) – oder jedem Monat die Vorsteuer etc. durch einen Steuerberater erledigen lasse dem ich die Unterlagen (online) übersende die er dann an das Finanzamt sendet: Das ist ein organisatorisches Problem, was ich mir ggf. aus Unkenntnis über vorhandene Schnittstellen in Deutschland selbst baue und nicht auf Grund “digitalem Fortschritts im Ausland” (der vielleicht einfach nur besser dokumentiert und verständlich ist…) löse. Die üblichen Verdächtigen Anbieter von Steuersoftware für Steuerberater, wie… Mehr lesen »

Cornelius

E-Residency does not automatically provide tax residency: It’s only fair that you pay taxes in the country that you physically reside so e-Residency is not a way to avoid paying taxes. Taxation can get complicated if you are location-independent so you should always consult your tax professional to determine where income and corporation tax should be paid. (see: https://blog.leapin.eu/9-things-you-need-to-know-before-starting-a-company-with-estonian-e-residency-cff0013f18fb).

Somit nicht wirklich eine Alternative um Steuern zu sparen – wenn das der Hauptgrund sein sollte!?

PapaPapa

Darf ich fragen ob es wirklich für alle gilt? also auch für Russen? und Russlanddeutsche? Das würde ich sehr gerne vor dem Antrag und dem bezahlen der Gebühren wissen, vielen Dank.

Philipp

Ich habe eine andere Frage zu der ich keine Informationen online gefunden habe:

Sind alle Shareholder einer OÜ öffentlich einsehbar? Kann ich auch Firmenanteile an “stille” Investoren vergeben?

Chris

Frage bzgl. der Steuer die anfallen – bin mir nicht ganz wie das bei den Ausgaben gehandhabt wird.
Angenommen man kauft über sein Firmenkonto/Card – WordPressTheme, od- Software aus DE/US etc . ein – das “Geld” verläst ja EE ?
Kommen da dann schon 20% zusätzlich drauf

Waldemar

Hallo Sebastian,
vielen Dank für den ausführlichen und detaillierten Bericht!
Leider habe ich meinen Wohnsitz und meinen dauernden Aufenthalt NOCH in Deutschland. Wenn ich eine Private Limited Company in Estland gründe und mit dieser PLC digitale Produkte vertreibe und die Einnahmen NICTH ausschütte, bin ich innerhalb Estland nicht steuerpflichtig (so wie ich das verstanden habe). Aber wie sieht es da in Deutschland aus? Als unbeschränkt Steuerpflichtiger muss ich da die Einkünfte der PLC hier in Deutschland versteuern? Wenn ja, was ist die Grundlage (ESt oder in diesem Fall sogar KSt)? DANKE Dir schon mal!

Lucy

Hallo,
die e-Residency bzw. die ID-Card ist auf ein Jahr befristet. Da Du die Karte schon länger zu haben scheinst als ich, würde ich gerne wissen wie man die verlängert.

Ole Rein

Frage: Muß man unbedingt einen Reisepass haben oder reicht ein deutscher PA?

Christopher

2.) Bezahlung (14.05.2015): Die Kosten betragen 50 Euro (plus 0,99 Euro Kartengebühr) und müssen mit Kreditkarte (Mastercard oder Visa) bezahlt werden. Nach wenigen Minuten bekommst du eine Zahlungsbestätigung von der “Politsei- ja Piirivalveamet” in Estland, die den Geldeingang bestätigt. Dann heißt es warten.

Korrektur: Die Kosten betragen mittlerweile 100 EUR

Chriss

Hi,

ein wirklich interessanter Beitrag.
Hat schon jemand Informationen, wie eine Unternehmensentnahme durch einen deutschen Gesellschafter besteuert wird?
Vermuten würde ich:

Beispiel: 100€ Gewinnausschüttung

Steuern in Estland: 20% von 100€ ( = 20€ ) abzuführen durch das estnische Unternehmen an Estland
Steuern in Deutschland: 25% von 100€ ( = 25€ ) abzuführen durch den Gesellschafter an Deutschland

Eine Verrechnung wäre schön, kann ich mir jedoch nicht vorstellen.

Grüße

Jan

Wie sieht es aus mit AMZ FBA und Mehrwertsteuer? Jemand Erhahrungen

Mehrwertsteuer wird dort abgeführt, wo das Produkt gelagert und versendet wird. Also bei dir in Deutschland vermutlich. 🙂

Liebe Grüße
Hannes von Private Label Tagebuch

Tim

Wieder ein super Beitrag, danke! Was interessant wäre: Wenn ich mir als Geschäftsführer ein Gehalt auf ein privates, estländisches Konto überweise, bleibt das Geld ja im Lande – zumindest solange, bis ich es ausgebe. Reicht das dann schon, um steuerfreies Einkommen zu haben?

Willi

Hallo Tim,

dass mit dem privaten Konto solltest Du vermeiden. Jedes Bankkonto innerhalb der EU ist überprüfbar durch “andere Behörden”. Sinnvoller wäre eine Kreditkarte zum Firmenkonto von dem Du Deine privaten Rechungen zahlst. In der Buchführung kannst Du es dann über das Verrechnungskonto wieder ausgleichen.

Hallo Sebastian, vielen Dank für den klasse Beitrag.
Ein paar Fragen habe ich noch dazu:
Bzgl. den Patenten, Handelsmarken und Warenzeichen: Ist es günstiger / einfacher diese über Estland zu schützen statt z.B. über DE, vor allem wenn man sich diese europa- oder weltweit sichern möchte?
Zu den Steuern: Als deutscher Staatsbürger mit festem Wohnsitz in Deutschland muss ich keine Steuern abführen, solange das Geld in der estnischen Firma bleibt und quasi erst bei einer Ausschüttung / Auszahlung nach Deutschland fällig?
Wäre natürlich dann für Startups extrem interessant, das Geld ins Wachstum zu investieren.

Sebastian

ich bin seit einem jahr e-resident und grundsätzlich zufrieden. was mich stört ist das nicht alles auf englisch möglich ist, z.b. muss ich mir für die steuererklärung mit einem lokalen anbieter zusammenarbeiten der mir dann die estnischen formulare ausfüllt

Dennis

Hallo Sebastian,
Wie sieht es eigentlich mit dem Arbeits- und Vertragsrecht aus? Gilt das estländische oder das deutsche?

Ron

Hallo Sebastian,
wenn ich z.B. eine Firma in Estland gründe und alle Gewinne in der Firma belasse, mir kein Gehalt auszahle, dann gibt es kein Einkommen, welches es in Deutschland zu verteuern gäbe. Ist es richtig?

Hallo Sebastian,

wiedereinmal ein super Beitrag von Dir! Ich bin auf diesen beitrag schon vor einigen Monaten gestoßen konnte damit allerdings noch nichts damit anfangen, da meine Pläne in eine andere Richtung verliefen. Nun aber habe ich vor mit meinen Chinesischen Partner im Europäischen Raum unsere Produkte zu verkaufen, da die Situation günstig ist, nicht zuletzt durch die Staatliche Förderung. Da ich mich natürlich nach meiner Ausreise aus Deutschland abgemeldet habe (Danke an der stelle für deinen Beitrag dazu) und nun seit einigen Monaten in China lebe, bin ich mir unsicher, ob es nicht einfacher wäre ein unternehmen in Estland zu gründen. Praktisch wäre es ja. Wie ist denn deine Erfahrung mit der “E-Residency Estland”? Ist es schon eine ausgereifte Alternative oder wäre es sicherer sich in Deutschland wieder anzumelden und die Firma Vorort zu gründen? Ich kann jetzt keine rechtssichere Antwort auf meine Frage von dir erwarten allerdings interessiert mich deine Meinung sehr.

Vielen Dank,
Andreas

Michael

Hallo,

Estland schön und gut aber das funktioniert aus meiner Sicht nur für Perpetual Traveller… und scheint mir “nur” eine seriösere Lösung zu einer Offshore-Firma zu sein. Ein PayPal-Konto wird man mit so einer Firma wohl auch nicht ohne Weiteres erhalten.

Aber ansonsten gilt für alle Nichtdauerreisenden denke ich mal – und zwar egal in welchem Land man sich befindet -, dass sich am Firmenstandort auch ein Geschäftsführer und Räumlichkeiten befinden muss. Dass die Einkommensteuer im Wohnsitzland (in der Regel wohl gerade NICHT Estland) gezahlt werden muss versteht sich auch von selbst…

BG

Thomas

Für viele vielleicht interessant: Ein Artikel über Steuern für E-Residenten: http://www.emta.ee/index.php?id=36465

Hallo Thomas, danke für diesen Interessanten Artikel. Wenn ich das richtig verstanden habe, dann ist es genau wie Sebastian im Artikel schreibt, d.h. dass keine Einkommenssteuerpflicht vorliegt. Was mir noch nicht ganz klar erscheint, ist ob wenn man ein ausländisches Geschäftskonto angibt, dann alle Unternehmenserträge automatisch versteuert werden? VG

Ja, im Sommer würde ich das auch mal machen 😉
Da bin ich ein bisschen überrascht. Dachte dass das in Hong Kong etwas unkomplizierter wäre. In Panama oder Costa Rica hat’s dann nicht die jährlichen Kosten durch die Sekretärin/ Virtuelles Office, sondern die pauschale Gesellschaftssteuer pro Jahr. Kommt dann wahrscheinlich auf’s gleiche raus. Laufende Kosten muss man dann wohl immer irgenwie einplanen. LG

Super Übersicht, danke dir. Für so ein Geschäftskonto kann man ja ruhig mal eine Reise auf sich nehmen. Gibt sicher auch schöne Ecken in Estland 😉 Die Sache mit den Sekretärinnen in anderen Ländern für Offshore Gesellschaften wird oft falsch verstanden.
Viele meinen, man müsste dann großartig Personal für die betreffenden Positionen einstellen. Bei meiner Gesellschaft in Panama, war das zum Beispiel einfach nur eine Fomalität für die Gründung am Anfang (gleiches gilt für Costa Rica). Danach kann man die jeweiligen Personen aus den Posten als “Hauptaktionär” einfach wieder “zurücktreten lassen” und der Käse ist gelutscht ;-). V.G. Tobias

Danke für die interessanten Infos. Das ist eine tolle Sache.
Gruss, Joachim

Maximilian Weber

Hallo Sebastian,

ist vielleicht eine blöde Frage, aber wie hast du das Passfoto erstellen lassen? Die haben ja ganz diffizile Anforderungen und ich würde gerne verhindern, dass wegen des Passfotos die Bewerbung nicht klappt.

Gibt es beispielsweise einen Passfoto-Generator wie bei den deutschen Passfotos, oder hast du beispielsweise einfach selber ein Selfie gemacht und das dann zurechtgeschnitten.