Bin ich digitaler Nomade? Ortsunabhängiges Einkommen und der ortsunabhängige Lebensstil

Bist du ein digitaler Nomade? Bin ich einer? Was überhaupt macht denn einen digitalen Nomaden letztendlich aus? In einem Gastartikel hat sich Florian an eine Definition gewagt, mit der ich völlig übereinstimme. Bist du damit einverstanden oder hast du eine andere Meinung dazu?

In den letzten Monaten haben mich vermehrt Leute angeschrieben, die nach einer Definition des digitalen Nomadens für ihre Abschlussarbeit gesucht haben. Ist es nicht großartig, dass der Lifestyle sogar zum Thema an Unis wird? Dafür hätte ich mich bei meiner Masterarbeit entscheiden sollen, dann hätte ich sicher weniger Motivationsprobleme gehabt.

Doch so viel Aufmerksamkeit das digitale Nomadentum mittlerweile auch bekommt, so schwierig scheint es zu sein, den Begriff klar zu definieren. In diesem Gastartikel überlasse ich dafür Florian Blümm vom Flocblog das Wort, der sich mit dieser Frage auseinandergesetzt hat.

Vorhang auf für Florian!

 

Es  gibt mindestens 2 verschiedene Definitionen und (Selbst-)Verständnisse von digitalen Nomaden.

1) Definition Einkommen

Ein digitaler Nomade ist jeder, der über ein ortsunabhängiges Einkommen verfügt.
Testfrage: Wo kommt das Geld her?

2) Definition Lifestyle

Ein digitaler Nomade ist jeder, der dank einem ortsunabhängigem Einkommen ein vom Aufenthaltsort unabhängiges Leben führt.
Testfrage: Wo ist der Aufenthaltsort?

 

Dieser Artikel will ausgehend vom Begriff „Digitaler Nomade“:

  1. auf den Sinn einer Diskussion um den Begriff zu sprechen kommen
  2. Probleme der Definition Einkommen ansprechen
  3. 2 Lösungsansätze vorstellen für diese Probleme

 

1. Sinn einer Definition

Fuck Schubladendenken! Wozu überhaupt definieren?

Aber: Begriffe sind nur dann sinnvoll, wenn wir alle das  gleiche darunter verstehen. Ansonsten gibt es unnötige Missverständnisse.

Der Begriff digitaler Nomade ist in freier Wildbahn und wird sich genauso wenig wieder einfangen lassen, wie die digitalen Nomaden selbst. Besser wir zähmen ihn ein wenig.

Stell Dir einen digitalen Nomaden vor. Was macht der? Wie schaut sein Alltag aus? Wo ist der gerade?

  • Am Strand in Thailand?
  • Im Coworking-Space auf Bali?
  • Am Küchentisch in Deutschland?

Stell Dir vor, ich denke dabei an Peter. Peter sitzt den ganzen Tag am Küchentisch und verdient sein Geld ortsunabhängig als professioneller Pokerspieler. Peter hat keinen Reisepass, dafür aber eine furchtbare Angst vorm Fliegen und vor allem, was fremd ist.

Dachtest Du auch an jemanden wie Peter? Reden wir noch über den gleichen Begriff, oder werden wir uns mißverstehen, wenn wir über den Alltag eines digitalen Nomaden reden?

 

2. Probleme der Definition Einkommen

Welche unterschiedlichen Auswirkungen haben die beiden Definitionen Einkommen und Lifestyle auf die Verwendung des Begriffs „digitaler Nomade“? Welche Probleme ergeben sich vor allem durch die Definition Einkommen?

A) Faktoren für Ortsunabhängigkeit

Ein ortsunabhängiges Einkommen ist nicht die einzige Voraussetzung um ortsunabhängig zu sein. Edward Snowden und Julian Assange z.B. sind trotz ihrem ortsunabhäng generierten Einkommen nicht ortsunabhängig.

Ein internationaler Haftbefehl ist ein Extrembeispiel, aber bei weitem nicht der einzige Grund an einen Ort gebunden zu sein. Neben einem ortsabhängigen Einkommen gibt es viele weitere Verpflichtungen und Faktoren, die einen Ortswechsel verhindern können, z.B.:

  • Gesundheit, Hobbies, Religion, Besitz
  • Partner, Familie, Freunde, Haustiere
  • Hoardingverhalten, Essensgewohnheiten, Suchtverhalten
  • Sicherheitsbedürfnis, Umweltbewusstsein, Unwillen
  • Xenophobie, Flugangst

Wir können neben dem ortsunabhängigen Einkommen also auch von ortsunabhängigen Essensgewohnheiten, ortsunabhängiger Gesundheit oder ortsunabhängiger Partnerschaft sprechen.

Wenn auch nur einer dieser Faktoren beim Peter ortsabhängig ist, dann ist der Peter insgesamt ortsabhängig. Ein ortsunabhängiges Einkommen allein reicht nicht aus um ortsunabhängig zu leben.

Definition Einkommen

Die Definition Einkommen geht nur auf einen Lebensumstand aus einer langen Liste ein, die für Ortsunabhängigkeit erfüllt sein müssen.

Definition Lifestyle

Die Definition Lebensstil berücksichtigt alle ortsunabhängigen Lebensumstände zwangsläufig.

 

B) Unterschiedliche Reichweite

Mal ehrlich, nach der Definition Einkommen wäre meine Oma eine digitale Nomadin. Rentner haben ein ortsunabhängiges Einkommen, ebenso Privatiers, Lottogewinner und Bitcoin Millionäre.

Auch Berufstätige in vielen Dienstleistungsberufen haben ein ortsunabhängiges Einkommen, z.B.:

  • Buchautor, Musiker, Dokumentar-Filmer, Berater
  • Börsenmakler, Investor, Immobilienbesitzer
  • Programmierer und Designer im Home Office
  • Unabhängiger Graphik Designer und Programmierer
  • Freiberuflicher Übersetzer, Journalist und Fotograf
  • Professioneller Gamer und Pokerspieler
  • Telefon-Sekretär, Call-Center-Agent, Telefonsex-Agent, Skype-Lehrer

Mit der Definition Einkommen werden jede Menge Menschen zu digitalen Nomaden gemacht, die sich niemals mit dem Begriff oder dem Lebensstil angesprochen fühlen würden.

Wir denken beim Begriff digitaler Nomade gerne an Web Unternehmer und Online Freelancer. Die machen aber nur einen Bruchteil aller ortsunabhängigen Einkommen aus.

Definition Einkommen

Die Definition Einkommen ist sehr weit gefasst. Es gibt eine unglaubliche Vielzahl von ortsunabhängigen Einkommensverhältnissen, fast ohne Berührungspunkte.

Definition Lifestyle

Die Definition Lebensstil ist sehr präzise gefasst. Nur wer tatsächlich als digitaler Nomade ortsunabhängig lebt, wird berücksichtigt.

 

C) Gemeinsamkeiten

2 Menschen, die den Lebensstil als digitaler Nomade leben, teilen viele Probleme und Bedürfnisse, die ihr gemeinsamer Lebensstil mit sich bringt. Ihre Einkommensverhältnisse und Berufe können trotzdem sehr verschieden sein.

Auf einer Cocktailparty könnten sich 2 Lebensstil Nomaden über ein oder mehrere dieser Themen unterhalten:

  • Visas, Versicherungen, Internationale Steuern, Banken und Finanzen
  • Ausrüstung, Flüge, Minimalismus
  • Geo Arbitrage, Flag Theory
  • Coworking Spaces, Reiseziele, Unterkünfte

2 Einkommen Nomaden haben sich auf der Cocktail Party vielleicht gar nichts zu sagen.

Definition Einkommen

Die digitalen Nomaden nach der Definition Einkommen haben höchstens durch Zufall Berührungspunkte bei Berufen oder Lebensumständen.

Definition Lifestyle

Die digitalen Nomaden nach der Definition Lebensstil haben jede Menge gemeinsamer Bedürfnisse und Probleme.

 

D) Der Begriff „Nomade“

Der Begriff „Nomade“ wird oft kritisiert, weil er im Zusammenhang eines ortsunabhängigen Einkommens keinen Sinn macht. Viele Menschen mit ortsunabhängigem Einkommen können oder wollen gar keine Nomaden sein (siehe A).

Wenn wir vom Lebensstil eines digitalen Nomaden ausgehen, dann macht der Begriff „Nomade“ schon viel mehr Sinn. Wer den Lebensstil lebt, zieht wie ein Nomade durch die Welt, egal ob das Nomadentum nun wirklich nötig ist oder nicht.

Definition Einkommen

Der Begriff Nomade macht bei der Definition Einkommen keinen Sinn.

Definition Lifestyle

Der Begriff Nomade passt zumindest halbwegs auf die Definition Lebensstil

 

3. Lösungsansätze für den Begriff digitaler Nomade

Wie sollen wir also den Begriff digitaler Nomade verwenden, damit wir uns nicht mißverstehen und damit er eine möglichst hohe Aussagekraft hat?

A) Über die Definition Lebensstil

Das ist doch ganz einfach, sagst Du. Verwenden wir eben nur noch die Definition Lebensstil. Aber so einfach ist es nicht.

Wann lebt jemand den Lebensstil eines digitalen Nomaden?

  • Darf ich keine Wohnung und keinen Besitz haben?
  • Muss ich außer zu Weihnachten in’s Ausland gehen?
  • Muss ich als Backpacker durch die Gegend ziehen?
  • Muss ich jede Woche meinen Aufenthaltsort ändern?
  • Zählt auch eine 3-monatige Workation in Thailand?
  • Was ist, wenn ich zu lange in meiner Homebase bleibe?
  • So lange ich weniger als 182 Tage im Jahr in Deutschland bin, bin ich digitaler Nomade, oder?

Du findest Tage zählen und Haare spalten wahrscheinlich genauso albern wie ich.

Eine Gegendarstellung

  • Ob Du 90, 180 oder 365 Tage im Jahr durch die Welt ziehst, hat nichts mit Deinem Lebensstil als digitaler Nomade zu tun.
  • Ob Du irgendwo auf der Welt eine Wohnung hast, hat nichts mit Deinem Lebensstil als digitaler Nomade zu tun.
  • Ob Du mit dem Bus oder mit dem Flugzeug reist, hat nichts mit Deinem Lebensstil als digitaler Nomade zu tun.

Wichtig ist nur, dass Du den ortsunabhängigen Lebensstil eines digitalen Nomaden lebst, egal für wie lang und egal wo.

 

B) Über die zeitliche Komponente

Eine einfachere Lösung ist es deshalb, die zeitliche Komponente zu betonen, z.B.

  • “Meine Frau und ich waren Anfang des Jahres in Bogota als digitale Nomaden.”
  • “Ich will nächsten Dezember als digitaler Nomade in Thailand überwintern.”
  • “Peter reist oft als digitaler Nomade nach Südostasien.”

 

Wir verwenden das Wort digitaler Nomade also wie das Wort Reisender.

  • Ein Reisender ist nur so lange ein Reisender, wie er unterwegs ist.
  • Ein digitaler Nomade ist nur so lange ein digitaler Nomade, wie er unterwegs ist.

Ich bin nur so lange digitaler Nomade, wie ich auch als digitaler Nomade lebe. Wenn ich wieder daheim in der Homebase bin, bin ich erstmal kein digitaler Nomade mehr. Aber meine nächste Reise als digitaler Nomade kommt bestimmt.

Die Zeitkomponente umgeht ganz elegant viele der angesprochenen Haarspaltereien. So wird der Begriff digitaler Nomade sowieso schon oft verwendet.

Fazit

Am besten geeignet ist die Definition Lifestyle mit zeitlichem Bezug:

Ein digitaler Nomade ist jeder, der dank einem ortsunabhängigen Einkommen gerade in diesem Moment ein vom Aufenthaltsort unabhängiges Leben führt.
Testfrage: Bin ich derzeit unterwegs?

Jetzt ist deine Meinung gefragt!

  • Was verstehst du unter dem Begriff digitaler Nomade?
  • Wie gefällt Dir die Definition über die zeitliche Komponente als Lebensstil?
  • Welche weiteren Gesichtspunkte fehlen in dem Artikel?

 

 

Florian Blümm

Über den Autor:

Florian ist Langzeitreisender und seit gut 2 Jahren als digitaler Nomade unterwegs. Er bloggt über Spartipps beim Reisen und günstige Reiseziele auf flocutus.de. Dass ein passives, ortsunabhängiges Einkommen viel Aufbauzeit braucht, beweist er unfreiwillig in seinen Einnahmen Reports.

Danke für 16 Kommentare

Wir freuen uns über deine Fragen, deine Hinweise und dein allgemeines Feedback. Wenn du eine spezielle Frage zum Beitrag hast, schaue bitte zuerst in den bisherigen Kommentaren nach, ob du die Antwort dort findest.

16 Kommentare zu "Bin ich digitaler Nomade? Ortsunabhängiges Einkommen und der ortsunabhängige Lebensstil"

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Eva
Leser

Ich hab die Diskussion jetzt erst gesehen und fühl mich bemüßigt auch noch meinen Senf dazu zu geben.
Zu deiner Definition, Florian “Ein digitaler Nomade ist jeder, der dank einem ortsunabhängigen Einkommen gerade in diesem Moment ein vom Aufenthaltsort unabhängiges Leben führt” fällt mir die “timeless time” und “space of flows”von M. Castells ein (Internet-Theorie aus den 90ern) – damit beschreibst du die digitale Komponente vielleicht unbewusst mit. Ich würde statt Leben eher Lebensstil nehmen, sonst klingt das eher unlogisch oder esoterisch (Leben braucht einen Aufenthaltsort, oder?)
Insgesamt stimme ich Oli zu, dass wohl eine Definition hauptsächlich anhand des Selbstverständnisses geschehen kann, es handelt sich eben nicht um eine, durch eine Innung definierte, Berufsbezeichnung wie die BäckerIn.
Im übrigen werden die Menschen, die sich als digitale Nomadinnen fühlen, sprachlich ausgeschlossen (auch wenn sie wohl mitgedacht werden, aber woher sollen sie das so genau wissen?).
Naja – Ich bezeichne mich übrigens lieber als Global Citizen und schreibe gerade an einem Blogpost darüber…(falls es jemanden interessiert)
lg,
Eva

Florian
Leser

Warum wollen sich eigtl. so viele Menschen, die nomadisch leben, nicht als digitale(r) Nomade/in fühlen.
Und andere Menschen wollen sich wiederum als digitale(r) Nomade/in fühlen, obwohl sie nichts Nomadisches tun.
Vielleicht hängt ja das eine mit dem anderen zusammen…

Ich freue mich auf jeden Fall auf Deinen Artikel, denn ich fühle mich auch als Weltenbürger. Nationalstaaten gibt’s ja erst seit ein paar Jahrhunderten und ich denke das wird auch bei diesen paar Jahrhunderten bleiben. Obs noch 1 Jhd. mehr oder weniger dauert, ist halt leider net absehbar 😉

Eva
Leser
Tobias
Leser

Ja Florian super runterdefiniert! Daher mag ich Nerds auch so gerne 😉 Bin ja selber bissle einer…LG und weiter so 🙂

Oli
Leser

Hallo Florian,

vielleicht eine interessante Analogie gibt es in der Ethnologie bei der Defintion von Ethnien. Auch hier ist nämlich nicht so klar, auf Grund von was man Völker einordnen will. Sprache? Das würde in den meisten Fällen stimmen, aber was ist mit zwangsasimilierten Minderheiten, die ihre eigene Sprache nicht sprechen können/dürfen? Genetik? Eine Zuordnung auf Grund des Bluts ist natürlich problematisch, da sich beispielsweise ein afrikanisches Waisenkind, das in Deutschland aufgewachsen ist, sehr stark von dem Volk unterscheidet, aus dem es ursprünglich stammt. Und so weiter. Die meisten Definitionsversuche sind bisher aus solchen und ähnlichen Gründen gescheitert.

Mittlerweile akzeptieren die meisten Ethnologen das Selbstverständnis als Definitionskriterium. Sprich: Wenn sich jemand als Kurde fühlt, dann IST er ein Kurde und es spielt absolut keine Rolle, ob er sich in irgendeiner Weise von einem Türken untscheidet. Das scheint auch mir die sinnvollste Herangehensweise an die Defintion zu sein.

Ich denke, ein solcher Ansatz ist vielleicht auch beim Begriff digitaler Nomade sinnvoll. Also “digitaler Nomade” ist, wer sich als ein solcher fühlt und sich der Bewegung zugehörig empfindet.

Mein Lebensstil ist vermutlich recht ähnlich von dem eines typischen digitalen Nomaden. Ich sehe mich aber nicht als ein solcher.

Gruss,
Oli

Florian
Leser

Ich mag die grundsätzliche Idee vom Selbstverständnis. Aber sie ist auch sehr unbefriedigend und in manchen Bereichen einfach nicht anwendbar.

Wenn jemand sagt, “Ich bin kein Bäcker”, aber er knetet gerade früh um 5 den Brotteig, akzeptierst Du das dann einfach so?

Was ist mit negativen und positiven Konnotationen, z.B.: “Ich bin keine Putzfrau, ich bin Raumkosmetikerin!”

Auch der Begriff “digitaler Nomade” hat für die Menschen, die in überhaupt kennen entweder negative oder positive Konnotationen. Ich fände es schade, wenn man von diesen Vorstellungen abhängig macht, wer ein digitaler Nomade ist.

Zu viel Relativismus schadet nur – Man muss die Dinge schon beim Namen nennen! 😉

Oli
Leser
Ich finde, du vermischt in deiner Replik zwei unterschiedliche Dinge. Beim einen geht es drum, wie man eine Gruppe konkret bezeichnen will, beim anderen darum, welche Kritierien man anwenden soll, um zu definerten, ob jemand einer Gruppe angehört oder nicht. Zum ersten: Ich denke, dass wir durchaus im Alltag Rücksicht auf die Befindlichkeiten und das Selbstverständnis der Leute nehmen sollten, über die wir reden. Das gilt insbesondere für sehr negativ konnotierte Begriffe wie etwa “Nigger”, aber auch für Fremdbezeichnungen, die für die Leute nicht passen wie zum Beispiel “Eskimo” und “Innuit”. Und wenn sich Putzfrauen am Wort stören, spricht aus meiner Sicht auch nichts dagegen den Begriff “Raumkosmetikerin” einzuführen. Dabei geht es aber nicht um die Gruppe selber, sondern nur um die Bezeichnung und die Ironie bei solchen Umbenennungen ist, dass die Arbeit gleich beschissen bleibt und es deswegen nicht lange geht, bis auch die “Raumkosmetikerin” zu einem negativ empfundenen Begriff wird. Zum zweiten: Ich sehe schon auch das Problem der Willkür, wenn ein Bäcker sich nicht als Backer sieht und trotzdem Brote backt. Es stellt sich immer die Frage, wie man einen Begriff definiert. Bei einem Bäcker lässt sich das relativ leicht mit objektivierbaren Kriterien verwirklichen. Entweder produziert er… Mehr lesen »
Steffi Mania
Leser

Danke Oli! Deinem Kommentar schließe ich mich jetzt einfach mal voll uns ganz an 🙂 Das Sebstverständnis finde ich auch am sinnvollsten für die Definition. Jedenfalls solange “Digitaler Nomade” noch keine geschützte Berufsbezeichnung ist. 🙂

Lili
Leser
Lili

Lieber Florian,

guter Ansatz und völlig richtig, den Digitalen Nomanden eher über Lifestyle als über Einkommen zu definieren. Allerdings ist mir die Zeiteinteilung zu streng und mir fehlt auch die Konzentration auf “digital”, denn schließlich heisst es “digitaler Nomade” und nicht “Nomade mit ortsunabhängigem Einkommen”. Das wäre ein weißer Schimmel.

Nomade: altgr. νομάς nomás, „weidend“, „herumschweifend“ Nomaden haben keinen festen Wohnsitz. Ergo ist Poker-Peter am Küchentisch definitiv kein Nomade. Ziehe ich als Wanderarbeiter umher, verdiene mein Geld mal hier mal dort und lebe von der Hand in den Mund ohne Online Banking und Smartphone, dann bin ich ein Nomade – nur nicht digital.

Für einen “digitalen Nomaden” ist es zwingend erforderlich, auf seinen Reisen Internetzugang zu haben, um ortsungebunden seinen Lebensstil zu finanzieren und zu organisieren.

Lili

Florian
Leser

Hi Lili, mit dem DIGITALEN Nomaden sprichst Du ein gutes Thema an. Das wollte ich in dem Text nicht auch behandeln, aber ich würde mich über eine Diskussion darüber freuen. Freiwillige vor! 😉

Ich finde, dass die Grenzen fließend sind. Ist zum Beispiel ein Immobilien-Investor, der sein Business per Skype regelt ein digitaler Nomade? Ohne Internetzugang ginge es auch für ihn nicht.

Was ist mit dem Buchautor? Buchautoren sind schon immer ortsunabhängig gewesen, auch vor dem Internet. Aber durch digitale Technologien ist es so viel einfacher geworden Buchautor zu werden und zu sein.

Der Daytrader braucht jeden Tag schnelles Internet, der langfristige Börsenanleger nicht. Ist der Daytrader ein digitaler Nomade und der langfristige Anleger nur ein normaler Nomade?

…und so weiter und so fort!

Matthias
Leser
Hallo Florian, ich finde gut, dass Du in Deiner Herangehensweise an den Begriff den Lifestyle, den ein Digitaler Nomade anstrebt, so schlüssig in den Mittelpunkt stellst. Da gibt es einerseits die Digital Worker die in erster Linie ihr Geld digital verdienen, sprich über das Internet. Und dann die anderen, die ortunabhängig arbeiten/leben wollen, sehr oft reisend. Sie könnten ja auch während Ihrer Reise durch Anheuern irgendwo auf einer Farm Geld verdienen, dann wäre ihr Einkommen aber nicht digital. Erst die Schnittmenge macht den Digitalen Nomaden aus. Und das hat meines Erachtens sehr viel einer Lebens-Einstellung zu tun. Auch wenn jemand derzeit in der Homebase lebt und seinen nächsten Trip nach Bali in 6 Monaten plant, kann er von der Einstellung und seinem Denken her ein Nomade sein. Seine Ziele, sein Besitzt, seine Werte formen diesen Lebensstiel. Die jeweilige Einstellung macht den Unterschied aus, egal wo ich mich gerade befinde. Daher wäre mir die zeitliche Einschränkung auf den jeweiligen Reisezeitraum, wie Du es beschreibst, zu eng. Ich selbst beschäftige mich auch mit diesem Unterschied in den Lebenseinstellungen und finde dies total spannend! Ich sehe mich selbst z.B. als jemand, der anstrebt, einen 2-Welten-Lifestyle zu leben: durch Pendeln zwischen Kreta und Deutschland.… Mehr lesen »
Florian
Leser

Hi Matthias, lass uns zurück zum analogen Begriff Reisender kommen:

Ich plane gerade meinen nächsten Trip nach Bali in 6 Monaten. Der Rucksack ist schon gepackt und ich lese jeden Abend Reiseblogs und in der Mittagspause “Eat Pray Love”.

Ich bin also von meiner Einstellung voll auf die Reise nach Bali fixiert, aber bin ich ein Reisender?

Matthias
Leser
Matthias

Hi Florian,
das hängt meines Erachtens davon ab, wie weit dieser Begriff Reisender lediglich eine derzeitige Tätigkeit nominalisiert oder aber Deine Lebenseinstellung in Form eines Teils Deiner Identität mitbestimmt. Beispiel: ist ein Marathonläufer oder Mountainbiker dies nicht auch, wenn er gerade auf dem Sofa liegt? Oder ist ein Raucher nur ein Raucher, wenn er die Zigarette im Mund hat? Wie sieht es beim Veganer aus?
Ich denke auch der (digitale) Nomade sieht diesen Begriff als Teil seiner Identität und wird sich grundsätzlich als Reisenden bezeichnen, auch wenn er gerade eine Zeit lang sich irgendwo eingemietet hat. Denn als Reisender habe ich bestimmte Werte zu Besitz, Partnerschaft, Bindund zu Freunden/Famlie, usw die aufgrund dieser Identität zu Stande kommen. Die Identität aber ist für einen längeren Zeitraum stabil und ändert sich nicht, nur weil ich gerade im Flugzeug sitze.
Grüße,
Matthias

Florian
Leser

Gute Gegenbeispiele.

Klar fühle ich mich persönlich als Reisender, auch wenn ich im Heimaturlaub bei Mutter am Küchentisch sitze. Aber ich denke ich würde es in dem Moment nicht aussprechen – schwer zu beschreiben.

Ich stimme Dir auf jeden Fall zu, dass es um Wertvorstellungen und Identität geht. Andererseits kann man noch so viel über Digitale Nomaden lesen, aber ohne persönliche Erfahrung als digitaler Nomade mit seinen 7 Sachen in der Welt reicht das nicht.

Mischa
Leser

Hi Florian,

das ist ja schon fast eine wissenschaftliche Abhandlung 😉

Ich finde solche Begrifflichkeiten sowieso komplett überbewertet. “Ortsunabhängiges Arbeiten” gefällt mir da viel besser, weil da alle drunter fallen – egal, ob sie in der Unterhose am Küchentisch Online-Poker spielen und damit ihr Geld verdienen oder in Kolumbien gerade die nächste DNX vorbereiten.

Aber Digitaler Nomade klingt natürlich stylish, trendy, abenteuerlich, weshalb bald schon jede Schülerin, die nach ihrem Abi zwei Wochen auf Malle war und dort ihr Notebook dabei hatte, sich als Digitale Nomadin bezeichnen wird.

Liebe Grüße

Mischa

Florian
Leser

Hi Mischa, es ist halt ein heikles Thema, da muss man also rational rangehen, wie in einer Abhandlung 😉

Warum es ein heikles Thema ist, liegt denke ich daran, wie Du sagst: “Digitaler Nomade klingt natürlich stylish, trendy, abenteuerlich”.

Deshalb will man sich gerne mit dem Begriff schmücken und weitet einfach die Definition aus, bis es passt und total verwässert ist. Ich bin halt ein Nerd und finde Begriffe wichtig und Verwässerungen schlimm 😉

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