Digitale Nomaden im Doppelpack: 8 Paare verraten, wie es funktioniert

Ein großer Kritikpunkt am digitalen Nomadentum ist die angebliche Unvereinbarkeit des Lifestyles mit Beziehungen. Eine Herausforderung ist es ganz sicher. Viele Beispiele zeigen jedoch, dass es wunderbar funktionieren kann. Unsere 8 Paare leben es vor und geben viele Tipps für das nomadische Leben zu Zweit.

Digitale Nomaden mit Partner

Beziehungen können extrem einschränkend sein. Die egoistische Einstellung aus Zeiten des Single-Daseins muss abgelegt werden. Eine gesunde Partnerschaft erfordert Kompromissbereitschaft und viel Kommunikation.

Was sich so gar nicht nach ultimativer Freiheit anhört ist eine oft genannte Kritik am nomadischen Lifestyle. Ist der ortsunabhängige Freigeist eines digitalen Nomaden überhaupt in der Lage, langfristige Beziehungen zu führen?

Dies ist der erste von zwei Beiträgen zum Thema “Digitale Nomaden mit Partner und/oder Familie”. Beide Artikel sollen dir zeigen, dass der Traum der Ortsunabhängigkeit, des nomadischen Lebens, nicht nur Einzelkämpfern vorenthalten ist. Sowohl mit Partner als auch mit Kindern funktioniert das Leben voller Abenteuer und Selbstbestimmung.

Damit du nicht nur meinen Worten Glauben schenken musst, habe ich digitale Nomaden mit Partner um die Beantwortungen einiger Fragen gebeten. Alle 8 Paare haben ganz unterschiedliche Voraussetzungen, haben aber eines gemeinsam: sie alle zeigen, wie das nomadische Leben im Doppelpack hervorragend funktionieren kann.

 

8 Paare mit nomadischer Veranlagung

Zur Erinnerung: Digitale Nomaden sind nicht zwangsläufig das ganze Jahr über unterwegs. Sie haben die Möglichkeit ortsunabhängig im Internet ihr Geld zu verdienen, dennoch haben viele einen festen Lebensmittelpunkt.

Im Grunde gibt es zwei Szenarios: beide Partner sind digital nomadisch veranlagt oder einer der beiden befindet sich in der Festanstellung. Bei mir ist letzteres der Fall und ich kenne die Herausforderungen dieser Konstellation. Aber auch, wenn beide selbständig arbeiten, kann die große Freiheit zum Problem werden.

Unsere 7 Paare haben ganz unterschiedliche Bedingungen – vom festangestellten Partner bis hin zum reinen Nomadenpaar. Sie verraten dir, wie sie den Alltag auf Reisen und Zuhause meistern.

Jetzt aber genug von mir. Ein großes Dankeschön an unsere digitalen Nomaden und Vorhang auf für …

 

 

Dennis

Dennis schreibt auf seinem Weltreiseblog Lookin for Jonny regelmäßig über seine Reisen, veröffentlicht Advertorials, Ratgeberartikel und gibt Tipps zur Planung einer Weltreise, Kosten und der Unterkunftssuche.

Dennis: “Ich empfinde Arbeit nicht mehr als Arbeit. Deswegen ist es wichtig, sich Grenzen zu setzen.”

“Wir sind seit ungefähr 2 Jahren zusammen. Ich verdiene einen großen Teil meines Einkommens durch meinen Reiseblog Lookin for Jonny und habe davon eine ganze Zeit lang gelebt. Inzwischen habe ich noch eine Firma in Asien gegründet, die zusätzliches Einkommen bringt und will bis zum Ende des Jahres (inspiriert durch dich) einige Affilliate Seiten aufbauen, um passives Einkommen zu generieren.”

Feli und Marcus

Felicia und Marcus veranstalten die erste Konferenz für Digitale Nomaden, die DNX. Darüber hinaus betreiben sie unter anderem den Backpacking & Adventure Travel Blog Travelicia. Mehr über das Vorzeigepaar der deutschen Digitalen Nomadenszene erfährst du auf den persönlichen Webseiten von Feliciaund Marcus.

Felicia: “Der Schritt ins Digitale Nomadenleben hat sich bei uns beiden zusammen entwickelt.”

“Marcus und ich haben uns in Düsseldorf vor ca. 4 Jahren auf der Arbeit bei der Online-Jobbörse StepStone kennen gelernt. Knapp 1 Jahr später hat Marcus ein Jobangebot aus Berlin bekommen. Durch Zufall bin auch ich kurze Zeit später als Marketing Managerin zu Searchmetrics gewechselt und war viel im Ausland unterwegs. Nach 2 Jahren hatte ich allerdings das Gefühl, dass ich gerne noch mal länger verreisen möchte. Marcus hatte zeitgleich inspiriert vom Berliner Umfeld die Idee der Selbständigkeit. So hat sich der Schritt ins Digitale Nomadenleben bei uns beiden zusammen entwickelt. Wir verdienen unser Geld mit Dienstleistungen im Online Marketing, von der Beratung bis hin zur Umsetzung. Darüber hinaus monetarisieren wir zwei Blogs, bauen persönliche Webseiten und sind Veranstalter der DNX.”

Florian

Florian bloggt auf Flocutus über Spartipps beim Reisen und günstige Reiseziele. Ganz frisch erschienen ist sein erstes Ebook: ein kostenloser Bildband mit den besten Reisefotos zum 3 jährigen Reise-Jubiläum (unbedingt anschauen!).

Florian: “Wir sind fast 24 Stunden am Tag, 7 Tage die Woche zusammen, seit 1,5 Jahren”

“Es fühlt sich häufig noch an wie in der ersten Woche, aber meine Freundin Michela und ich sind seit ca. 1 1/2 Jahren zusammen. Als digitaler Nomade habe ich in der Vergangenheit vieles ausprobiert, unter anderem Übersetzungen, Flugsuche, Stockfotos und WordPress Theme Änderungen. Seit einigen Monaten versuche ich passiv über Stockfotos und mit meinem Reiseblog Geld zu verdienen, über Affiliate-Marketing und bald mit eigenen Büchern.”

 

Jonas

Jonas und Tini berichten auf globehopping.de über ihr Leben in Sydney und verschicken monatliche Reisetipps. Mehr über die aktuellen Web-Projekte von Jonas erfährst du auf seinem Blog.

Jonas: “In einem Leben der unbegrenzten Möglichkeiten, kann es nicht immer völlige Übereinstimmung geben”

“Wir sind jetzt seit 4 Jahren zusammen und leben seit wenigen Wochen wieder in einer richtigen Wohnung in Sydney. Meiner Freundin hat hier einen klassischen ortsgebundenen Job als Lehrerin und ich arbeite ortsunabhängig als Web-Entwickler und Webseiten-Betreiber. Aktuell arbeite ich überwiegend in einem kleinen Co-Working Space.”

 

Sebastian

Sebastian bloggt auf seinem Adventure Travel Blog Off-The-Path.com. Zusammen mit Conni zeigt er dir im Blog-Camp Online-Kurs wie du selbst einen erfolgreichen Blog startest. Zudem betreibt Sebastian die Medienagentur Transit Media.

Sebastian: “Es klappt schon, einen Partner mit einem festen Job zu haben, es sind aber zwei komplett verschiedene Leben.”

“Wir sind nun bald ein Jahr zusammen und ich bin Blogger und Onlineunternehmer. Mein Geld verdiene ich über meinen Reiseblog, unseren Onlinekurs für Blogger und unsere Medienagentur. Wir versuchen so oft es geht gemeinsam zu Reisen. Leider geht das nicht immer. Da wir uns unter den jetzigen Umständen kennengelernt haben, versteht sie, dass ich ständig vor dem Laptop sitze und das ich so meinen Lebensunterhalt verdiene.”

 

Steffi

Stefanie und Sebastian wollen mit ihrem Reiseblog anderen Menschen ihre anfänglichen Ängste vor dem Schritt in die Unabhängigkeit nehmen. Dort erfährst du auch, wie die Organisation der anstehenden Weltreise vorangeht. Die Agentur von Sebastian findest du hier.

Stefanie: “Seinen Traum zu realisieren bringt einem eine Menge Euphorie und Motivation.”

“Sebastian und ich sind seit 10 Jahren ein Paar und seit 2 Jahren verheiratet. Seit ungefähr einem knappen Jahr planen wir nun unsere Weltreise. Sebastian hat eine Agentur für Onlinemarketing, die er ortsunabhängig führen kann und bei der auch ich mit einsteigen werde, wenn mein Vertrag als festangestellte Lehrerin für MTLA am 31.08.2014 ausläuft. Ich werde als Bloggerin, Redakteurin und Projektmanagerin hauptsächlich für unseren Reiseblog, aber auch für ein paar andere Projekte tätig sein und damit mein bzw. unser Geld verdienen. Sebastian wird eigene und Kundenprojekte bearbeiten, so wie er es jetzt auch schon tut, nur dann ortsunabhängig von unterwegs.”

 

Steffi

Steffi und Olaf berichten auf ihrem Reiseblog Keine Eile von ihren Reisen und geben viele Tipps rund ums “Reisen auf Reifen” und “Leben auf Rädern”. Steffi bloggt außerdem über ihr Traumziel, die Algarve.

Steffi: “Seit 2009 bewohnen wir einen kleinen LKW, den wir zum Wohnmobil ausgebaut haben. Seitdem wechseln wir alle 2 Tage bis 2 Monate unseren Standort.”

“Olaf und ich sind seit 1993 ein Paar und seit 2002 verheiratet. Wir finanzieren unser Unterwegssein hauptsächlich durch die Vermietung unseres Häuschens. Vor kurzem erst habe ich angefangen unsere Reise-Website zu einem professionellen Reiseblog auszubauen und habe noch ein weiteres Blogprojekt gestartet.”

 

Tobias

Tobias bloggt gemeinsam mit Marcel auf dem Reiseblog Home is where your bag is. Schwerpunkt ist Südostasien, wo auch seine Freundin herkommt. Tobias freut sich, wenn du auf FacebookTwitter oder Instagram vorbeischaust.

Tobias: “Meine Freundin hat mich mit diesem Gedanken des digitalen Nomaden kennengelernt.”

“Meine Freundin und ich sind jetzt seit 1 1/2 Jahren zusammen. Das Geld verdiene ich derzeit noch in meiner Festanstellung, obwohl ich dort letztes Jahr, von Januar bis Juli 2013, ein halbes Jahr Auszeit genommen habe, um Südostasien zu bereisen. In der Zukunft möchte ich jedoch mein Geld über unseren Reiseblog für Back- und Flashpacker mit Schwerpunkt Südostasien verdienen. Da das Geldverdienen über das Bloggen aber ein längerer Prozess ist, setze ich mich gerade mit den ganzen Freelancerbörsen auseinander, um auch am Anfang ein Einkommen generieren zu können.”

 

 

Herausforderungen bei gemeinsamen und getrennten Reisen

Wie funktioniert das Beziehungsleben, wenn man ständig gemeinsam unterwegs ist? Funktioniert es überhaupt, wenn nur einer von beiden die großen Freiheiten zum Reisen hat?

Schon die Organisation des Alltags zu Hause kann zur Herausforderung werden. Auf Reisen gilt es mit ganz anderen Dingen fertig zu werden. Wie unsere Nomaden damit umgehen, verraten sie im Folgenden.

 

Alltag vs Abenteuer

Der Alltag kann schnell langweilig werden und einer Beziehung schaden. Auf Reisen gibt es diesen Alltag so gut wie gar nicht, was dafür sorgt, dass keine Langeweile aufkommt.

Feli und Marcus haben diesen Alltag weder auf Reisen, noch in Deutschland, wo sie nicht einmal eine eigene Wohnung haben. Über den Winter reisen die beiden über mehrere Monate zusammen. Bei kürzeren Trips ist jeder auch schonmal alleine unterwegs.

Feli: “Eigentlich gibt es keine größere Herausforderung als zu Hause. In Deutschland kann der Alltag einer Beziehung schnell schaden. Im Ausland erlebt man zusammen neues und muss immer wieder neue Herausforderungen zusammen bewältigen. Auch in Deutschland haben wir keinen Alltag. Das schweisst zusammen und es wird nicht langweilig!”

Organisation auf Reisen

Selbst noch so spontane und abenteuerlustige Reisende müssen Pläne schmieden und den “Reisealltag” etwas organisieren, besonders wenn unterwegs gearbeitet wird.

Für Steffi und Olaf, die auf 9 qm leben, ist dies essentiell. Da der Schreibtisch gleichzeitig Esstisch und Werkstatt ist und die beiden sich einen Computer teilen, gibt es schon mal Interessenskonflikte.

Steffi: “Die größte Herausforderung beim Reisen & Arbeiten ist die Zeit und der Platz. Beim Reisen ist man halt viel mit Reisen beschäftigt und nebenbei gibt es ja noch den ganz “normalen Alltag” zu bewältigen. Ausreichend Zeit zu haben für den Partner, für den Austausch und um Pläne zu schmieden, ist unabdingbar.”

24/7 zusammen unterwegs

Die meisten Paare, bei denen beide Partner die Vorzüge eines digitalen Nomaden genießen, sind eigentlich immer zusammen unterwegs. Jonas betont, dass es besonders wichtig ist, gemeinsame Vorstellungen vom Reisen zu haben und kompromissbereit zu sein.

Ein nicht zu unterschätzendes Problem sind Visumsangelegenheiten. So war Florian kürzlich mehrere Wochen von seiner Partnerin getrennt, da die maximale Dauer für das Touristenvisum in der USA auf 3 Monate beschränkt ist.

Jonas: “Wir sind eigentlich immer gemeinsam unterwegs. Dabei ist es wichtig, dass wir ähnliche Vorstellungen davon haben, was wir sehen und erleben wollen. Ganz ohne Kompromisse geht es natürlich nicht.”

 

Florian: “Wir sind fast 24 Stunden am Tag, 7 Tage die Woche zusammen, seit 1,5 Jahren. Gerade waren wir leider für 3 Wochen getrennt, weil meine Freundin saisonal in Kalifornien arbeitet und ich nur ein 3 Monate Visum für die USA bekomme.”

Kontakt via Skype

Nicht alle Paare sind in der glücklichen Lage, immer zusammen verreisen zu können. Dann spielt vor allem die regelmäßige Kommunikation eine große Rolle.

Sebastian ist viel unterwegs und war kürzlich erst für drei Wochen in Nicaragua, um gemeinsam mit Conni von Planet Backpack das Blog Camp zu launchen. Die beste Alternative um den Kontakt zu halten, ist dabei Skype. Feli nutzt zudem File-Sharing Services, um aus der Ferne mit Marcus an gemeinsamen Projekten weiterarbeiten zu können.

Sebastian: “Wir versuchen, so oft es geht gemeinsam zu Reisen. Leider geht das nicht immer. Zum Glück gibt es Skype, daher ist das kein Problem, wobei das zusammen Reisen dann schon besser ist!”

 

Feli: “Mittlerweile haben wir uns arbeitstechnisch ganz gut organisiert und teilen uns Dokumente über Google Drive. Ansonsten gibt es ja auch noch Skype.”

Reisen und Arbeiten

Ein der größten Herausforderung für digitale Nomaden ist wohl, dass beim Reisen eigentlich immer der Laptop dabei ist.

Dies ist auch bei Stefanie. der Fall, die sagt, dass der  Traum von einem örtlich und zeitlich unabhängigen Leben eine Menge Euphorie und Motivation mit sich bringt. Bei all der Leidenschaft für die eigenen Ideen wird die Absprache mit dem Partner umso wichtiger.

Als Betreiber eines Reiseblogs denkt Tobias während des Reisens immer auch daran, Materialien für die nächsten Beiträge zu sammeln. Für seine Partnerin ist das ganz normal, da sie ihn unter diesen Umständen kennengelernt hat.

Ähnlich ist es bei Dennis, der ebenfalls einen Reiseblog betreibt. Jedoch sagt er ganz klar, dass die gemeinsame Zeit beim Reisen im Vordergrund steht und die Arbeit eine untergeordnete Rolle spielt.

Stefanie: “Wie alle Selbstständigen, stehen auch die Digitalen Nomaden vor der Herausforderung neben der Arbeit nicht die Entspannung zu vergessen. Und ich denke, das ist noch schwieriger, wenn man zu zweit unterwegs ist, weil man sich dann noch besser organisieren und absprechen muss.”

 

Tobias: “Das ganze Sammeln der Infos, Fotos und Videos schießen, wenn man unterwegs ist, ist für sie auch nichts ungewöhnliches mehr. Sie ist da auch schon so, dass sie mich manchmal auf Sachen hinweist, wenn ich etwas übersehe.”

 

Dennis: “Vor allem wenn wir Reisen geht es eben auch darum, Zeit gemeinsam zu genießen. Sie hat Verständnis dafür, dass ich Zeit für Advertorials auf meinem Blog oder eMails einplanen muss, allerdings fahre ich eben auch nicht das übliche Lebensmotto „Arbeit geht vor“. Meine Prioritäten sind definitiv anders verteilt.”

 

Wie sieht es bei mir aus? Ich bin seit über 3 Jahren mit meiner Freundin zusammen. Sie arbeitet derzeit in einer Festanstellung. Damit kommt auch eine der größten Herausforderungen für uns: die beschränkten Urlaubstage.

Wir beide lieben das Reisen, jedoch geht es gemeinsam nur für 5-6 Wochen pro Jahr. Deshalb bin ich hin und wieder auch alleine unterwegs, was für uns beide nicht optimal ist.

Mein Laptop ist auf Reisen immer dabei. Ich versuche vor einer Reise viel vorzuplanen, um dann möglichst wenig an meine Arbeit denken zu müssen. Ein paar Stunden hier und da brauche ich dennoch. Mittlerweile habe wir uns da super eingespielt. Wir nehmen uns unterwegs oft “Auszeiten” voneinander, in denen jeder für eine Weile sein Ding macht.

Unsere Beziehung funktioniert hervorragend, weil wir die gleichen Ansichten und Ziele für unser Leben haben. Durch viel Kommunikation, Verständnis und Respekt für die Arbeit des anderen haben wir eine sehr solide Basis geschaffen, die auch bei vorübergehenden Trennungen nicht ins Wanken kommt.

Gemeinsam Reisen

 

Grenzen zwischen Arbeitszeit und Partnerzeit

Als Selbständige haben die meisten digitalen Nomaden keine klare Work-Life-Trennung. Arbeit und Freizeit gehen ineinander über, so dass es keinen Feierabend und keine Urlaubstage gibt.

Das kann bei der Organisation des gemeinsamen Alltags zur Herausforderung werden, besonders dann, wenn einer von beiden im festen Angestelltenverhältnis ist. Unsere Paare verraten dir, wie sie sich organisieren und wie wichtig ihnen klare Grenzen sind.

 

Keine klare Trennung

Die Tendenzen sind bei unseren Befragten komplett unterschiedlich. So sagt Tobias beispielsweise, dass es besonders als Reiseblogger ganz normal ist, nebenbei immer auch etwas für den Blog zu tun. Seine Partnerin hat dafür Verständnis, da sie sich unter diesen Umständen kennengelernt haben.

Feli erklärt dies zu einem schwierigen Thema, hat aber mit Marcus eine gute Lösung gefunden. Sie arbeiten in Berlin oft gemeinsam im Co-Working Space Creative Loft und im Ausland je nach Situation gerne morgens und spät abends. Beide teilen sich die Arbeit an gemeinsamen Projekten gut auf und besprechen zu bestimmten Zeitpunkten Dinge, die Input des anderen benötigen.

Tobias: “Nein, ganze klare Grenzen ziehe ich da nicht. Meine Freundin hat mich mit diesem Gedanken des digitalen Nomaden kennengelernt. Besonders beim Reiseblog, wenn man unterwegs ja doch dauernd „arbeitet“, ist das einfach ein schon ganz normaler Ablauf, dass man immer etwas für den Blog macht.”

 

Feli: “Wir haben bisher keine klare Trennung. Um zu vermeiden, dass wir den anderen nerven, wenn plötzlich einer eine Idee hat zu der er den Input des anderen braucht, haben wir eine Liste. Die gehen wir dann zu einem bestimmten Zeitpunkt einfach zusammen durch.”

 

 

 

Gezielt Zeiten festlegen

Vor allem für Paare, die gemeinsam von unterwegs aus arbeiten, ist die Organisation des “Arbeitsalltags” schwierig. Einige Paare versuchen deshalb, ganz gezielt Tage oder Zeiten zu bestimmen, an denen dann wirklich produktiv gearbeitet wird.

Für Florian steht als Lifestyle Traveller das Reisen ganz klar im Vordergrund, weshalb der Workaholismus vieler andere Nomaden für ihn kein Problem ist. Um dennoch etwas zu bewerkstelligen, suchen sich beide ein paar Tage in der Woche aus, an denen dann wirklich gearbeitet wird.

Steffi sieht die Herausforderung vor allem in der fehlenden Privatsphäre, da sie unterwegs kein Büro hat. Um trotzdem Ruhe zur Arbeit zu finden, versucht sie täglich feste Zeiten einzuhalten. Wichtig ist vor allem die nötige Disziplin von beiden Seiten.

Florian: “Ich versuche zwar ortsunabhängig Geld zu verdienen, aber das Reisen steht bei mir klar im Vordergrund. Wir erklären rund 2-3 Tage pro Woche zu Arbeitstagen. Dafür suchen wir uns gezielt brauchbares Internet und einen ruhigen Platz zum Arbeiten.”

 

Steffi: “An klaren Grenzen zwischen Freizeit und Arbeit arbeiten wir noch. Gerade auf so engem Raum ist das nicht so leicht umzusetzen. Da ich meine Blogprojekte gerne mache, fällt es mir oft schwer, ein Ende zu finden. Ich könnte wahrscheinlich den ganzen Tag am Laptop verbringen. Zur Zeit arbeite ich so von 13 bis 17 Uhr – feste Zeiten auszumachen war eine gute Sache.”

Klare Grenzen sind wichtig

Die wohl schwierigste Situation besteht dann, wenn einer von beiden einen festen Job hat, bei dem ganz klar zwischen Arbeitszeit und Freizeit unterschieden wird.

Jonas muss sich während der Arbeit an wichtigen Projekten konzentrieren können. Auf der anderen Seite hat seine Partnerin an gemeinsamen Abenden seine komplette Aufmerksamkeit verdient, ohne dass “ständig Mails gecheckt werden.

Auch wenn es bei Dennis bisher noch keine klaren Grenzen gibt, betont er dessen Wichtigkeit. Besonders wenn sich die Arbeit nicht wie solche anfühlt, muss ein Bewusstsein dafür entwickelt werden.

Jonas: “Ja, klare Grenzen sind da ganz wichtig. Unsere langweilige Lösung: Unter der Woche ist von morgens bis um 16 Uhr Arbeitszeit, der Rest ist Freizeit. Die Wochenenden sind heilig. In Ausnahmefällen (Strandwetter) mache ich aber natürlich auch schon mal früher Feierabend.”

 

Dennis: “Ich habe auch zu Hause keine klaren Arbeitszeiten und arbeite teilweise bis in die Nacht hinein am Laptop (schlimmer noch: aus dem Bett heraus). Ich empfinde allerdings Arbeit auch nicht mehr als Arbeit, wie es in meinem bisherigen Angestelltenleben war. Deswegen ist es wichtig, sich Grenzen zu setzen.”

Effizienter Arbeiten und Organisieren

Der beste Weg für mehr Zeit zu Zweit führt über eine effiziente Zeiteinteilung. Wer produktiver arbeitet und seinen Tagesablauf gut organisiert, hat am Ende mehr Zeit für den Partner.

Sebastian arbeitet daran, sich die Zeit besser einzuteilen und effizienter zu nutzen. Dafür verwendet er Tools wie Rescue Time, damit er Abends dann wirklich abschalten kann.

Auch für Stefanie ist die Verwaltung der eigenen Zeit ein wichtiges Thema. Wie in jeder Beziehung sollten sich beide Partner über das “Problem” bewusst werden und dann durch intensive Kommunikation eine gute Lösung finden.

Sebastian: “Manchmal funktioniert es, dass ich Abends und an den Wochenenden den Laptop nicht anfasse. Zum Glück muss sie für ihre Uni viele Hausarbeiten am Wochenende schreiben und dann sitzen wir einfach beide vor dem Laptop.”

 

Stefanie: “Man muss sich selbst und die Beziehung organisieren. Ich beschäftige mich schon eine Weile mit dem Thema Zeit- bzw. Selbstmanagement und gebe diesbezüglich auch Workshops. Der erste Schritt auf dem Weg ist das Bewusstsein für die Problematik zu entwickeln. Und der nächste ist es eine gute Kommunikationskultur zu erschaffen.”

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Wie auch bei anderen Nomaden besteht für mich die größte Herausforderung im “Feierabend”. Meine Freundin kommt am Abend von der Arbeit und wir möchten diese Zeit, wie auch die Wochenenden, natürlich gerne gemeinsam verbringen. Völlig abzuschalten fällt mir nicht immer ganz leicht.

In der Regel versuche ich den Laptop zuzuklappen, wenn sie nach Hause kommt. Wir haben keine klaren Regeln aufgestellt aber ein Gefühl dafür entwickelt, wann der andere Zeit für sich benötigt.

Das Wichtigste für uns ist es, den anderen an seinem Leben teilhaben zu lassen. Wir sprechen viel über ihre Arbeit, meine Projekte und unsere Ideen für die Zukunft. Nur so entwickeln wir ein Verständnis für den sehr unterschiedlichen Alltag des anderen. Für mich ist das Interesse an und die Wertschätzung für die Arbeit des Partners der Schlüssel.

Gemeinsam Arbeiten

 

Tipps für digitale Nomaden mit Partner

Natürlich bringt jede Beziehung seine ganz eigenen Herausforderungen und speziellen Umstände mit sich. Niemand kann pauschale Tipps geben, die eine funktionierende Partnerschaft zwischen digitalen Nomaden garantieren.

Da alle unsere Befragten aber trotz nomadischer Veranlagung selbst schon seit Jahren einen festen Partner haben, habe ich sie abschließend noch um ein paar allgemeine Tipps gebeten. Diese motivieren dich hoffentlich, trotz Beziehung nicht auf deine Träume zu verzichten.

“Um ehrlich zu sein, der Traum „von überall zu arbeiten“ macht für mich nur Sinn, wenn ich auch die Vorzüge des Ortes genießen kann und dafür benötige ich Zeit. Es hat also durchaus seinen Reiz, irgendwo in der Welt eine Weile ansässig zu sein, die Umgebung zu genießen und bereisen und seine Projekte von dort aus zu verrichten. Inzwischen bin ich dauerhaft in Asien ansässig und kann in Ruhe von einem Ort aus arbeiten und ab und zu reisen, der Fokus hat sich geändert. Seitdem allerdings verdiene ich auch richtig Geld und kann meine Ziele besser verfolgen und in die Tat umsetzen.”

Dennis

Dennis

Felicia

Feli und Marcus

“Man muss natürlich ein Typ dafür sein, um länger mit jemandem zusammen zu reisen. Wenn man ungefähr die gleichen Werte teilt, dann klappt es am besten. Außerdem ist es nicht schlecht, einen ähnlichen Travel-Style zu haben. Der beste Tipp ist glaube ich Kompromissbereitschaft. Reisen fördert ja auch Eigenschaften wie z.B. Gelassenheit und Verständnis für andere. Im Grunde ist man als Digitaler Nomade ja sehr oft auch länger an einem Ort. Das kommt dann eher einem normalen „Alltag“ gleich als dem Leben des typischen „Backpackers“.”
“Das Wichtigste ist die Partnersuche. Ob die Beziehung auch nach dem Abklingen der anfänglichen Turteleien funktioniert, hängt 90% vom richtigen Partner ab. Du kannst grundlegende Unterschiede bei der Lebenseinstellung nicht übertünchen. Deshalb solltest Du die Partnerwahl nicht einfach dem Zufall überlassen und gezielt auf Partnerbörsen und soziale Netzwerke setzen. Ich habe Michela über die Partnerbörse OKCupid kennengelernt.”

Florian

Florian

 

Jonas

Jonas

“Die persönliche Freiheit ist der so ziemlich wichtigste Wert für die meisten digitale Nomaden. Daher sollte man sich bewusst sein, dass eine Beziehung immer auch bedeutet, kleine Kompromisse einzugehen. In einem Leben der unbegrenzten Möglichkeiten, kann es nicht immer völlige Übereinstimmung geben. Um so wichtiger ist es, dass man sich ständig über die Vorstellungen vom Leben austauscht.”
“Uns hilft es sehr, dass wir zusammen leben. Das macht die Zeit, die ich zu Hause bin, viel intensiver. Es klappt schon, einen Partner zu haben der einen festen Job hat. Es sind aber so zwei komplett verschiedene Leben, so dass es nicht immer sehr leicht ist! Unser Problemthema Nummer Eins sind die Feiertage. Ich habe dieses Jahr jeden einzelnen Feiertag verpasst an dem sie frei hatte oder war unterwegs, da ich als Digitaler Nomade diese Tage total irrelevant finde und nie auf dem Schirm habe. Seit kurzem markiere ich diese Tage ganz dick im Kalender.”

Sebastian

Sebastian

Stefanie

Steffi

“Redet miteinander! Macht euch vor der Reise Gedanken über eure Ziele (und darüber, ob es wirklich Ziele sind oder erst Visionen). Redet miteinander und belügt euch nicht selbst über eure Gefühle und Wünsche. Man muss nicht an einmal formulierten Zielen festhalten, wenn man merkt, dass einem der neue Lebensstil nicht liegt. Letztendlich geht es bei dem Lebensstil des Digitalen Nomaden darum, sich selbst zu verwirklichen und sich weder von zeitlichen noch örtlichen Grenzen einengen zu lassen. Das geht auf vielerlei Art und Weise.”
“Gemeinsam reisen, wenn der andere arbeitet und mehrere Stunden am Tag “im Büro” verbringt, während man selbst in einem vielleicht fremden Land in dieser Zeit auf sich gestellt ist – das kann schon blöd sein. In jedem Fall sollte der Partnerschaft genügend Raum gegeben werden. Während einer gemeinsamen Reise sollte die Arbeitszeit auf das allernötigste reduziert werden, denn die gemeinsame Zeit ist kostbar.”

Steffi

Steffi

Tobias

Tobias

“Ich sehe nichts, was dagegen spricht auch als digitaler Nomade einen Partner zu haben. Solange man das offen kommuniziert und beide wissen woran sie sind, ist das kein Hindernis eine gute Beziehung zu führen. Wenn man mal für ein paar Wochen durch größere Distanzen, getrennt ist, gibt es ja in unserer heutigen Zeit viele Möglichkeiten, um den Kontakt zu halten. Und es hat doch auch was Schönes, wenn man sich dann endlich wiedersieht und in die Arme nehmen kann.”

 

Was denkst du nun über das nomadische Leben zu Zweit? Konnten dich unsere Paare davon überzeugen, dass es sehr gut funktionieren kann? Welche Zweifel hast du?

Wenn du noch nicht überzeugt bist, dann schau dich auf den Blogs unserer Paare um. Dort kannst du am besten nachvollziehen, wie der Alltag von nomadischen Paaren aussieht.

Eines ist gan sicher: wenn es Paare schaffen, auf 9 qm zusammen zu leben und zu reisen, oder vorübergehend große Distanzen überbrücken können, dann kannst du das auch.

Die Ausrede “wenn ich doch nur Single wäre …” zählt nicht mehr. Alles was es braucht ist ein Partner mit ähnlichen Visionen. Die weiteren Schritte in Richtung digitales Nomadentum können dann gemeinsam unternommen werden.

Deine Ausrede ist nicht nur der Partner, sondern eine Familie? Dann kann ich dir versprechen, dass auch diese Ausrede mit diesem Beitrag widerlegt wird. Darin berichten ortsunabhängige Familien über ihre Abenteuer mit Kindern.

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7 Kommentare zu "Digitale Nomaden im Doppelpack: 8 Paare verraten, wie es funktioniert"

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Aras Orhon
Leser
28 Tage 11 Stunden alt
Es klappt. Das ist unser Fazit nach den ersten 7 Monaten auf Fernreisen. Klar, wir waren auch schon vorher unterwegs, haben abenteuerliches hinter uns, krititsche Situationen und Erlebnisse, die man kaum im Alltag vorher proben kann. Seit September waren wir auf Fernreise, haben vertieft, was wir schon kannte (3 Monate Indien) und neue Ziele entdeckt (Laos, Kambodscha, Thailand, Indonesien) und wir waren 24/7 Stunden zusammen. Die gemeinsame Basis als wichtigste Grundlage so eines Unternehmens stand fest und brauchte nicht nachgebessert zu werden: gegenseitiges Vertrauen, gemeinsame Vorlieben und Abneigungen. Da genügt oft ein Blick, eine Bemerkung und wir sind uns einig.… Mehr lesen »
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Tobias
Leser
2 Jahre 26 Tage alt

Hallo Sebastian, super interessanter Artikel! Erinnert mich recht gut an meine eigene Situation. Meine Freundin ist im ortsabhängigsten Job, den man sich nur vorstellen, kann – Ärztin. Sie will aber zum Glück auch was Eigenes ortsunabhängiges daraus machen, wobei ich ihr helfen werde.
Das passt vor allem, weil sie just am Ende ihres Medizinstudiums feststellte, dass sie recht wenig an der klassischen Schulmedizin findet und in die alternative und präventive Richtung gehen möchte (Stichwort: “Bodyhacking”). Also, weiter so. LG Tobias

Thomas
Leser
Thomas
2 Jahre 28 Tage alt

Sehr beeindruckende Paare. Besonders hat mich Florian mit seiner Michela beeindruckt. Weiter so 🙂

Florian
Leser
2 Jahre 24 Tage alt

Danke, ich richte es Michela aus (;

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