Checkliste für Auswanderer und Langzeitreisende

Wenn du das liest, dann zunächst meine herzlichsten Glückwünsche. Du hast dich zu einem großen Abenteuer entschlossen. Alles was jetzt folgt ist die richtige Vorbereitung, wozu je nach Länge deiner Reise auch ziemlich nervige organisatorische Dinge gehören können. Mit dieser Checkliste bist du auf der sicheren Seite.

Ich war schon immer gerne unterwegs und habe für längere Zeit im Ausland gelebt. Eigentlich hatte ich aber nie vor auszuwandern. Auch nach über 2 Jahren im Ausland will ich mich nicht als Auswanderer bezeichnen. Es hat sich eben einfach so ergeben. Ich bin da so reingerutscht.

Als wir Berlin im Frühjahr 2012 in Richtung China verlassen haben, waren 6-8 Monate geplant. Alles kam anders und damit auch einige Probleme. Die fehlenden Winterklamotten waren das geringste Übel. Schwieriger waren die Kündigung der untervermieten WG (für die ich Hauptmieter war), die Aufhebung von Verträgen mit Dienstleistern und die Gewerbeabmeldung.

Auch andere Dinge wie die zu anfangs nur vorübergehende Auslandskrankenversicherung, die Meldeadresse in Berlin und die sich stapelnde Briefpost wurden zum Problem. Zeitverschiebung, schlechte Telefonverbindungen und verständnislose Behörden haben mich manchmal den letzten Nerv gekostet. Damit dir dies auf der Langzeitreise oder vor der Auswanderung nicht passiert, habe ich meine Erkenntnisse für dich zusammengestellt.

 

Checkliste mit höchster Priorität

Image Credit: Flickr @ mufidahkassalias

Höchste Priorität – was du vor der Abreise machen musst

Viele Sachen kannst du auch nach der Abreise noch erledigen. Um andere solltest du dich aber unbedingt kümmern, solange du noch in Deutschland bist. Das betrifft vor allem Angelegenheiten mit Behörden und weitere organisatorische Hürden.

 

Krankenversicherung im Inland und Ausland

Als Auslandskrankenversicherung mit einer Dauer von bis zu 5 Jahren ist die Hanse Merkur zu empfehlen. Wenn du vorhast auszuwandern, dann ist dies keine Option mehr (Meldeadresse wird benötigt). Dann suchst du dir einen internationale KV bzw. einen Versicherer in dem Land deiner Wahl.

In jedem Fall solltest du über die Kündigung der gesetzlichen KV in Deutschland nachdenken. Über den Mythos Anwartschaft und die Wiederaufnahme in die deutsche Krankenversicherung habe ich bereits ausführlich geschrieben.

 

Visumsbestimmungen im Voraus checken

Na klar, innerhalb der EU wird kein Visum benötigt, ja nicht einmal ein Reisepass. Auch viele außereuropäische Destinationen vergeben Visa bei der Ankunft am Flughafen. Andere Länder wie Myanmar oder Tibet machen die Einreise jedoch verdammt schwer. Da heißt es, sich frühzeitig über die Visabestimmungen zu informieren.

Einen guten Einstieg zur Recherche bietet VisaHQ. Beachte außerdem die Gültigkeit deines Reisepasses. Die meisten Länder verlangen mindestens 6 Monate Restlaufzeit.

 

Deutschen Wohnsitz abmelden oder ummelden

Ob es Sinn macht deinen Wohnsitz aus Deutschland abzumelden, hängt davon ab, wie lange du unterwegs bist. Die Abmeldung hat Deutschland hat eine Reihe Vor- und Nachteile. Wenn du länger als ein paar Monate unterwegs bist, dann solltest du zumindest irgendwo gemeldet sein, wo deine Post geöffnet wird.

Wenn du dich abgemeldet hast oder für längere Zeit im Ausland bist, dann solltest du deinen Steuerstatus in Deutschland kennen. Eine Abmeldung hat ebenfalls zur Konsequenz, dass du ein eventuell bestehendes Gewerbe abmelden musst.

 

Hausrat einlagern, verkaufen oder wegschmeißen

Was passiert mit deinem gesamten Hausrat? Es gibt im Grunde drei Optionen: 1. Du suchst dir einen Untermieter, der die Wohnung möbliert bezieht. 2. Du kündigst die Wohnung und bringst deine Möbel und Klamotten zu deinen Eltern oder zu einem Freund. 3. Du kündigst und mietest dir eine Lagerbox für deine Besitztümer.

Welche Option sich für dich eignet, hängt von der Dauer der Reise ab. In jedem Fall ist es ein guter Zeitpunkt, um mal ordentlich auszumisten und unnötigen Ballast abzuwerfen.

 

Checkliste mit Priorität 2

Mittlere Priorität – was du vor der Abreise machen solltest

Wenn du genügend Zeit hast, dann erledige die folgenden Dinge vor der Abreise. Solltest du Last Minute in den Flieger springen, dann kannst du diese zur Not auch noch aus dem Ausland machen (allerdings mit Kopfschmerzen-Garantie).

 

Verträge & Abos kündigen

Dazu gehören alle Verträge mit Versorgern, Telefon- und Internetanbietern und Versicherung wie Hausrat oder KFZ. Auch Mitgliedschaften im Fitnessstudio und Zeitungsabos solltest du schnellstmöglich kündigen.

Je nach Anbieter habe ich hier ganz unterschiedliche Erfahrungen gemacht. Bei einigen hilft die Abmeldebescheinigung und der Nachweis eines neuen Wohnsitzes im Ausland, um außerordentlich zu kündigen. Mein deutscher Internetanbieter Tele Columbus beispielsweise hat sich jedoch lange quergestellt. In diesem Fall wäre die Kommunikation vor der Abreise deutlich leichter gewesen.

 

Dokumente checken und einscannen

Da ich ein großer Fan von wenig Besitz bin, habe ich so gut wie keine Ordner mit Dokumenten mehr. Alles befindet sich auf meinem Laptop und ist zusätzlich als Backup gesichert. So habe ich nicht nur alle Unterlagen immer bei mir, sondern bin auch leichter unterwegs (physisch und mental).

Überprüfe die Gültigkeit deines Reisepasses. Weniger als 1 Jahr ist wegen der Visabeantragung bereits kritisch, wenn es auf eine längere Reise geht. Nimm nur die wichtigsten Karten und Ausweise mit und mache jeweils einen Scan davon. Mein Favorit dafür ist diese Scanner App für das Smartphone.

 

Briefpost digitalisieren

Bei kürzeren Reisen werden sich deine Eltern oder ein Freund wahrscheinlich noch zum Einscannen deiner Briefe bereitstellen. Wenn du länger unterwegs bist und relativ viele Briefe bekommst, dann gibt es eine gute Lösung.

Bei Anbietern wie Dropscan oder selbst der deutschen Post kannst du dir einen digitalen Briefkasten einrichten. Deine komplette Briefpost wird über einen Nachsendeauftrag dorthin versandt, eingescannt und ist von dir jederzeit abrufbar.

 

Zweite Kreditkarte

Mir ist es schon öfter mal passiert, dass ich meine Kreditkarte verloren habe oder diese gesperrt wurde. Das ist nicht unbedingt eine angenehme Situation im Ausland. Natürlich gibt es mit Western Union oder der herkömmlichen Girokarte noch andere Wege zu Geld zu kommen, jedoch sind diese kostspielig.

Die hochgelobte DKB-Cash Karte ist eine super Alternative für die zweite Kreditkarte. Damit kannst du weltweit kostenlos Geld abheben und bezahlst keine Kontoführungsgebühren. Du musst zur Beantragung nicht einmal in Deutschland sein, sondern kannst dich auch im Ausland über den Nachweis deines neuen Wohnsitzes verifizieren.

 

Checkliste mit niedriger Priorität

Niedrige Priorität – was du auch von unterwegs noch machen kannst

Es gibt einige Dinge, die du ganz getrost auch noch von unterwegs erledigen kannst. Du brauchst dir beispielsweise keine großen Sorgen um deine Packliste zu machen, da du auch im Ausland alles bekommst, was du vergessen hast. Neben der Ausrüstung sind kleine Apps und Programme nützliche Helfer auf der Reise.

 

Hilfreiche Ausrüstung

Was du für deine Reise brauchst, hängt natürlich vom Reiseziel ab und vor allem davon, ob du im Stil eines digitalen Nomaden von unterwegs aus arbeitest. Alles was ich zum Arbeiten von unterwegs brauche, ist ein Cafe oder Shared Office und mein digitales Büro, welches in eine Umhängetasche passt.

Nützliches Zubehör ist ein Universal Reiseadapter und ein externer Power Bank Akku mit dem du die Batteriezeit deines Smartphones verlängern kannst, wenn mal keine Steckdose in der Nähe ist. Ein paar Tipps zur Verlängerung der Akkulaufzeit von Laptop und Smartphone siehst du hier.

Mache dir vor der Abreise keine Sorgen um Klamotten, da du die überall auf der Welt kaufen kannst. Je leichter du unterwegs bist, desto angenehmer wird das Reisen.

 

Im Ausland erreichbar sein

Nimm auf jeden Fall ein Smartphone ohne SIM-Lock oder ein zweites Handy mit, damit du im Ausland eine lokale SIM-Karte nutzen kannst. Für weitere Infos zu Telefon und Internet lies dir am besten mal die Beiträge WLAN auf Reisen und günstig im Ausland telefonieren durch.

Richte dir die Mailbox deiner deutschen Nummer so ein, dass Anrufer wissen, ob und wie du im Notfall erreichbar bist. Wenn du für längere Zeit offline bist, dann macht auch eine Abwesenheitsnotiz in deinem E-Mail Postfach Sinn. Außerdem schaue ich immer, dass Guthaben auf meinem Skype Account ist, um im Notfall schnell telefonieren zu können.

 

Travel Apps

Ohne die Travel Apps für mein iPhone wäre ich manchmal ganz schön aufgeschmissen. Natürlich ging es früher auch ohne, aber in viele Situationen machen sie das Leben angenehmer.

Empfehlenswert sind jeweils eine App für eine Offline GPS Karte, einen Übersetzer, eine kostenlose Chat-App um mit Freunden in Kontakt zu bleiben, einen Währungsrechner und Apps zum Buchen von Unterkünften und Flügen.

 

Ist das alles? Oder fehlt ein wichtiger Punkt in der Liste?

Ich hoffe du fühlst dich für die große Reise oder das Vorhaben Auswanderung gut vorbereitet. Bei aller Planung und Organisation solltest du nicht vergessen, dass viele Dinge auch noch später aus dem Ausland erledigt oder besorgt werden können. Teilweise sorgt die rechtzeitige Erledigung eben bloß für weniger Kopfschmerzen.

Mit diesen Worten wünsche ich dir ein rundum gelungenes Abenteuer.

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9 Kommentare zu "Checkliste für Auswanderer und Langzeitreisende"

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[…] der Blog wirelesslife von Sebastian Kühn […]

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[…] habe ich im Blog schon des öfteren über die Ausreise aus Deutschland und den bürokratischen Hürden, die es dabei zu meistern gilt, geschrieben. Nun gibt es zwei […]

Tobias
Leser
Tobias

Nichts empfehlenswert: keine “echten” Dokumente zu haben. Eingescannte Versionen werden nicht anerkannt, will man irgendwann mal wieder zurück nach Deutschland. Da müssen es schon Originaldokumente sein (und ich meinte nicht nur sowas wie Geburtsregister und Eheurkunde, Diplomzeugnis, Führerschein). Wird man doch irgendwann mal wieder unerwartet “Deutscher” (z.B. Todesfall, Kind, neue Partnerin die nach Deutschland will, die Einsicht im Ausland ist nicht alles besser oder das Geld nicht so wichtig ist or whatever) – ist man erstmal verwaltungstechnisch nicht existent und hat ein ernsthaftes Problem.

Sven
Leser
Sven

Korrektur:
Mein Gedächtnis hat mich getäuscht. Bei o.g. Gebühren geht es um die Visa-Karte der Comdirect, nicht um DKB.

Sven
Leser
Sven

Hallo Sebastian!

Super Seite mit gut recherchierten Infos, echt gut. Bin momentan ebenfalls in den Auswanderungs-Vorbereitungen, daher noch zwei Ergänzungen:

1) Deutsche Behörden bieten die Möglichkeit, einen zweiten Reisepass zu beantragen. Dies kann sinnvoll sein bei “unbeliebten” Stempeln (z.B. Israel vs. muslimische Länder). Aber auch bei der zeitraubenden Beantragung mehrerer Visa, z.B. für eine Asien-Reise, hilft ein 2. Pass. Die Kosten betragen ca. 60,-, und man muss den Antrag begründen, z.B. mit einer Bescheinigung des Arbeitgebers für eine hohe Reisetätigkeit. Es kann natürlich auch ein Schreiben des zukünftigen Arbeitgebers sein, mit dem ein Vertrag dann doch nicht zustande kommt.. Ihr versteht, was ich meine.

2) Was viele DKB-Kunden nicht wissen: Die DKB Kreditkarte ermöglicht zwar gebührenfreies Abheben im Ausland, bittet euch jedoch auf andere Art zur Kasse: DKB verwendet nicht den offiziellen Visa-Wechselkurs, sondern greift auf eigene Kurse zurück. Die Differenz beträgt ca. 1,5-3% zum Nachteil des Kunden.

Kilian
Leser

Jo der Tipp mit dem Visum checken ist prima. War gerade diese Woche in der chinesischen Botschaft und hatte alles wichtige (Einladungsschreiben, Passkopien, Fotos, Flugtickets) dabei. Die letzte Doppelseite vom Reisepass war zum Glück auch noch frei. Das einzigste was ich nicht überprüft hatte war, dass der Pass sechs Monate gültig sein soll.. na und leider war dieser nur noch fünf Monate gültig und ich musste mit großem Aufwand einen vorläufigen Reisepass beantragen. “Kurz vor knapp” hab ich das Visum dann noch bekommen und für die Zukunft gelernt solche Dinge nicht schleifen zu lassen;)

Einen schönen Reisegruß schickt dir
Kilian von http://www.finds-besser-raus.de

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