Blog-Audit: Wie weniger Content zu mehr Traffic führt

“Wie du einen Drittel deiner Blogbeiträge löscht und damit deine Besucherzahlen verdreifachst.” So lautete der Titel eines Podcasts, den ich vor einer Weile gehört habe. Eigentlich ein totaler Widerspruch, oder? Je länger du darüber nachdenkst, desto mehr Sinn wird es machen.

Stell dir vor, du bist Inhaber eines Restaurants. Auf der Speisekarte stehen 50 Gerichte, von denen 10 ganz vorzüglich sind. 20 weitere Gerichte sind eher Mittelmaß und für das restliche Angebot müsstest du dich eigentlich schämen.

Jetzt rennen dir die Kunden die Türe ein und sind begeistert, wenn sie eines deiner 10 Vorzeige-Gerichte essen. Sie erzählen ihren Freunden davon, hinterlassen gute Reviews und kommen ganz sicher wieder.

Was passiert mit den Gästen, die eines der anderen 40 Gerichte probieren? Im besten Fall gehen sie enttäuscht nach Hause und kommen nie wieder. Im schlimmsten Fall geben sie dir schlechte Bewertungen auf Foursquare und warnen ihre Bekannten davor, jemals einen Fuß in dein Restaurant zu setzen.

Nun kann dein Restaurant noch so einen guten Service haben und bekannt für seine Spezialgerichte sein, die qualitativ minderwertigen Gerichte ziehen deinen Ruf deutlich nach unten. Würdest du nicht besser damit fahren, dich nur auf 10-20 Gerichte zu konzentrieren und den Rest schleunigst von der Speisekarte zu streichen?

Restaurantbesucher bewerten ihr persönliches Erlebnis und verzeihen in der Regel nicht. Genau so tun dies deine Blogleser. Und nicht nur die, sondern auch Google bewertet neben der Qualität einzelner Beiträge die Gesamtqualität deiner Webseite.

 

Blog-Audit: Qualität statt Masse

Zum ersten Mal habe ich den Begriff des Blog-Audits in einer Podcast-Folge mit Pat Flynn und Todd Tresidder gehört. Die Erkenntnis daraus war, das Blogger, die bereits viel Content erstellt haben, regelmäßig eine Bestandsaufnahme machen sollten.

Nach Todd Tresidder sollten alle vorhanden Beiträge mit dazugehörigen Daten zu Besucherzahlen, Anzahl der Kommentare und weiteren Fakten aufgelistet, analysiert und in 4 Kategorien eingeteilt werden:

  1. Zu löschende Beiträge
  2. Beiträge, die Aktualisierungen benötigen
  3. Beiträge, die zusammengeführt werden können
  4. Beiträge, die keine Aufmerksamkeit benötigen

 

Warum sollte das Löschen oder Zusammenführen von Beiträgen zu höheren Besucherzahlen führen?

Die zunächst widersprüchliche Aussage macht Sinn, da Google die Gesamtqualität deines Blogs betrachtet. Lange sind die Zeiten vorbei, in denen harte Rankingfaktoren wie Keyworddichte oder Metadaten den Ausschlag gegeben haben.

Laut SEO-Experten sind heute vor allem die Verweildauer von Besuchern auf deiner Seite und die Absprungrate relevant. Diese Daten sind für irrelevant gewordene oder nicht mehr aktuelle Beiträge tendenziell schlechter und wirken sich damit auf die restlichen, guten Beiträge auf dem Blog negativ aus.

Nicht nur aus Gründen der Suchmaschinenoptimierung, sondern auch für nach Informationen suchende Leser ist die Aktualität der Beiträge wichtig. Kannst du aus dem Stehgreif sagen, wie viele deiner Beiträge nicht mehr aktuell oder total irrelevant geworden sind?

 

Wie du einen Blog-Audit machst

Begonnen habe ich damit, mir Daten für knapp 200 Blogbeiträge der letzten 2,5 Jahre aus Google Analytics in eine Excel-Tabelle zu exportieren. Dazu kamen noch Ranking-Daten aus der Google Search Console. Das hat ewig gedauert und mir immer noch keinen guten Überblick für wirklich fundierte Entscheidungen gegeben.

Wie es der Zufall so will, habe ich während der letzten Workation auf Bali mit Jan einen SEO-Experten kennengelernt, der mir in wenigen Stunden einen Blog-Audit erstellt hat, der wortwörtlich Gold wert war. Folgende Daten enthält die Tabelle jetzt:

  • Content-Daten: Beitragsname mit URL, Veröffentlichungsdatum, Autor, Anzahl der Kommentare, Textlänge, Zwischenüberschriften, Anzahl der Bilder und ausgehenden Links
  • Google Analytics: für jeden Beitrag die Besucherzahlen der letzten 3 Monate mit Anteil der neuen Sessions, Absprungrate, Verweildauer und Rate der Zielerreichung (bei mir die Eintragung in den Newsletter)
  • Search Console: Traffic von Google, Impressionen in den Suchergebnissen mit CTR (Klickrate) und den durchschnittlichen Rankings
  • Linkdaten von Majestic: Anzahl und Qualität der Backlinks (total und verweisende Domains)
  • Social Media Daten aus dem URL Profiler: Anzahl der Likes, Kommentare und Shares von Google+, Twitter, Facebook, Linkedin und Pinterest
  • Rankingdaten von Sistrix: Anzahl der Rankings bis Position 20 in den Suchergebnissen mit dem gesamten Suchvolumen, einzelne Keywords mit Ranking und Suchvolumen

Es ist ein wahrer Schatz an Daten, die ich mir für jeden einzelnen Beitrag filtern und sortieren kann. Einen kleinen Ausschnitt aus den 50 Spalten siehst du im folgenden Screenshot.

Blog-Audit Tabelle

 

Was du mit dem Blog-Audit anfangen kannst

Wenn du selbst bloggst oder andere Formen von Content erstellst und dich auch nur am Rande mit dem Thema SEO beschäftigt hast, dann erkennst du sicher den großen Wert dieser Tabelle. Ich sehe nicht nur, welche Themen besonders oft gelesen, geteilt und kommentiert werden, sondern kann vor allem Zusammenhänge herstellen:

  • Welchen Einfluss hat die Anzahl der Bilder und die Textlänge auf die erhaltenen Backlinks und die Social Signals?
  • Welche Artikel werden für Keywords gefunden, mit denen ich im Moment nur auf Position 5-20 in den Suchergebnissen ranke, die aber ein großes Suchvolumen haben?
  • Welche Beiträge hatten eine überdurchschnittlich gute Conversion Rate in Bezug auf die Eintragung in meinen Newsletter?
  • Welche älteren Artikel haben in den letzten 3 Monaten keinen Traffic bekommen und welche wurden in sozialen Netzwerken überhaupt nicht geteilt?

Die Liste mit Erkenntnissen könnte ich noch endlos lang weiterführen. Umso länger ich mich damit beschäftige, umso mehr verstehe ich, welche Themen für meine Leser besonders relevant sind und zu höherem Engagement (Kommentare, geteilte Beiträge, Newsletter-Eintragungen) führen.

Zudem kann ich bei dieser Gelegenheit über eine bessere Kategorisierung meiner Beiträge nachdenken, ältere Beiträge aktualisieren und verstärkt Keywords mit hohem Suchvolumen einbinden.

Hier mal ein Beispiel: es gibt zwei Artikel auf meinem Blog, die sich um die Gesetzliche Krankenversicherung bei Auslandsaufenthalt drehen. Ein Beitrag vom 16.04.2014 mit dem Schwerpunkt Anwartschaft und ein neuerer Beitrag vom 29.04.2015 allgemein zum Thema.

Beide Beiträge ergänzen sich thematisch, haben jeden Monat über 2.000 Besucher, jeweils über 100 Kommentare, konkurrieren aber in der Google Suche für die gleichen Keywords. Jetzt habe ich 2 Optionen:

  1. Der neuere und umfangreiche Beitrag wird aktualisiert und durch die Informationen (auch den wertvollen Infos aus den Kommentaren) ergänzt. Vom alten Beitrag wird ein Verweis (301 Redirect) auf den neuen Beitrag eingerichtet.
  2. Beide Beiträge werden so beibehalten und lediglich an Gesetzesänderungen und Infos aus den Kommentaren angepasst, jedoch werden andere Keywords mit hohem Suchvolumen anvisiert, so dass die Beiträge nicht für die gleichen Suchbegriffe konkurrieren.

Genau nach diesem System gehe ich jetzt alle Beiträge durch und schaue, ob es thematische Überschneidungen gibt, die eine Zusammenführung von Beiträgen sinnvoll machen. Das ist nicht nur gut für den Lesenden, der dann alle Antworten in einem Beitrag bekommt, sondern auch für eine höhere Verweildauer, mehr Kommentare, Facebook Likes, Backlinks usw., was wiederum ein positives Signal an Google sendet.

Für alle Beiträge, die schon älter sind und in den letzten Monaten nur wenige Besucher, geringe Verweildauern und keine sonstigen Aktivitäten vorzuweisen hatten, steht die folgende Entscheidung an:

  1. Komplett löschen oder ggf. einen Redirect auf einen ähnlichen Beitrag einrichten
  2. Beitrag aktualisieren und verwandte Keywords mit höherem Suchvolumen anvisieren

Schritt für Schritt verbessert sich damit die durchschnittliche Qualität meines gesamten Blogs, was sowohl Leser als auch Google freut.

Welche konkreten Ergebnisse die einzelnen Maßnahmen mit sich bringen, kann ich dir noch nicht sagen, da ich gerade erst mit dem Blog-Audit begonnen habe. Das werde ich aber in ein paar Monaten nachholen und in diesem Beitrag teilen.

 

Wie du an einen Blog-Audit kommst

Du kannst dir alle Daten selbst zusammensuchen oder den Audit von einem Profi erledigen lassen. Die großen Vorteile beim Auslagern dieser Arbeit liegen auf der Hand: du musst weder die kostenpflichtigen SEO-Tools (jeweils ca. 100 Euro/Monat) besitzen und sparst dir die stundenlange Arbeit.

Mein Freund Jan Sievers bietet genau einen solchen Service. Du kannst bei ihm entweder einen einmaligen Content-Audit buchen oder bekommst im Paket alle 3 Monate einen Bericht mit den Entwicklungen deiner Seite zugeschickt.

In seinem Content-Audit ist nicht nur die Tabelle mit allen Daten zu deinen Blogbeiträgen enthalten, sondern du bekommst klare Handlungsanweisungen, grafische Visualisierungen und eine Ranking-Liste für Keywords, die du optimieren kannst.

Mehr zum Content-Audit erfahren

 

Zum einen bin ich von der Idee des Blog-Audits begeistert, zum anderen davon, wie eine solche Arbeitsteilung so einen klaren Mehrwert für beide Seiten haben kann. Mich hätte die Erstellung eines solchen Blog-Audits Tage und viel Geld für teure Tools gekostet. Ein Experte wie Jan braucht dafür nur wenige Stunden und verfügt bereits über die benötigten Tools.

Für mich also ein unglaublich großer Mehrwert und für ihn eine gute Möglichkeit, seine Expertise zu Geld zu machen. Wie es so oft ist, war es anfangs für Jan schwierig, den Mehrwert für mich als Blogger in einer so simplen “Spielerei” zu sehen.

Vielleicht besitzt auch du eine Expertise, von der du vielleicht noch gar nichts wusstest, wofür dich andere Menschen jedoch händeringend bezahlen würden?

Hast du bereits Erfahrungen mit einem Content-Audit gemacht? Mich würden deine Erfahrungen und Anregungen riesig interessieren!

Danke für 5 Kommentare

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Hej Sebastian!
Vielen Dank für diesen Artikel! In Verbindung mit dem letzten Newsletter und der Überarbeitung hier, bin ich dadurch höchst motiviert auch meinen Blog mal gründlich auszumisten! Auch wenn es bei einigen Artikeln wohl etwas weh tun wird sie zu löschen. Vielleicht beginne ich erstmal mit Zusammenlegung und Aktualisierungen… Und taste mich dann langsam ans Entfernen ran 😉
Liebe Grüße,
Rike

Hallo Sebastian, die Argumente haben mich grundsätzlich überzeugt. Ich habe deswegen gestern auf meinem Blog die Kategorierung verändert und etwa 10 – 20 alte Beiträge gelöscht, die nicht mehr zum jetztigen Blog passen und auch kaum Leser haben. Das wollte ich eigentlich schon lange tun, bisher dachte ich aber immer: Die paar zusätzlichen Leser bringen zwar nicht viel, können aber auch nicht schaden. Die Verweildauer ist seither um etwa zehn Sekunden nochgegangen, aber das könnte auch Zufall sein. Was ich allerdings nicht so richtig verstehe: Wieso sollen Beiträge, die tief im Archiv vergraben sind und von keinen gelesen werden, einen grossen Einfluss haben? Ja, ich verstehe, dass durch schlechte Beiträge die Verweildauer sinkt. Aber wie gross kann der statistische Einfluss von einem Text mit 10 Hits pro Monat auf einem Blog mit 50.000 Pageviews pro Monat tatsächlich sein? Das wäre ja eher so, als hätte ich 20 Top-Speisen auf der Karte und irgendwo in der Ecke noch eine Wandtafel, wo in ganz kleiner Schrift noch die 30 Gerichte erwähnt werden, für die ich mich eigentlich schäme. Trotzdem ein sehr interessanter Beitrag, der zum Denken (und in meinem Fall sogar zum Handeln) anregt. Vielen Dank hierfür. Gruss, Oli PS: Ein kleines… Mehr lesen »