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Auslandsaufenthalt: so kommst du als junger Mensch und Student günstig ins Ausland

Dieser Gastbeitrag von Romina richtet sich an junge Menschen, Studenten und Absolventen, die ihren Weg ins Ausland suchen. Egal ob Auslandssemester, Auslandspraktikum, Volunteering, Au Pair oder Work and Travel – Optionen gibt es genug. Hier erfährst du wie es geht und was es kostet.

Bei diesem Beitrag handelt es sich um einen Erfahrungsbericht von Romina, die selbst als Au Pair in den USA, als Studentin und Praktikantin in Japan und als Volunteer in Laos war. Seit ein paar Tagen ist sie mit dem Work & Travel Visum in Australien. Romina weiß also, wovon sie spricht und gibt dir super Tipps für deinen nächsten Auslandsaufenthalt.

 

Immer mehr junge Menschen suchen ihren Weg ins Ausland: Sie träumen von den Weiten des australischen Outbacks, wollen ihre Sprachkenntnisse vertiefen, das Abenteuer suchen, auf einer Trauminsel „chillen“ oder einfach nur eine Auszeit von Schule, Studium oder Ausbildung nehmen. Es gibt fast 1000 mögliche Gründe ins Ausland zu wollen und egal welche Gründe du für deinen Traum hast – Ich garantiere dir: Der Weg ins Ausland ist leichter als du glaubst. Du musst es nur wollen.

In diesem Artikel möchte ich dir nur einige von vielen Möglichkeiten aufzeigen, wie du mit nur kleinem Budget eine längere Zeit im Ausland verbringen kannst. Gleichzeitig möchte ich dir einen kleinen Einblick in meine eigenen Auslandserfahrungen ermöglichen und dir einen groben Überblick über die anfallenden Kosten geben. Denn eines ist sicher: Reich muss dafür keiner sein.

 

1. Auslandsstudium für Studenten

Ein oder zwei Semester im Ausland zu studieren, stellt für fast jeden Studenten ein Highlight in der eigenen Studienlaufbahn dar. Egal ob in Italien oder Spanien, der Türkei oder China, Australien oder Amerika – Universitäten gibt es überall auf dieser Welt und entsprechend viele Möglichkeiten gibt es, sich ein Auslandsstudium zu organisieren und zu finanzieren.

Ich selbst habe mich für einen Studienaufenthalt in Tokyo – einem der wohl verrücktesten und tollsten Orte dieser Welt – entschieden und möchte dich an meinen persönlichen Erfahrungen zu Organisation, Finanzierung und Visumsangelegenheiten teilhaben lassen.

Ähnlich wie es für viele andere Länder zutrifft, gibt es für Japan zahlreiche Möglichkeiten ein Auslandsstudium zu organisieren und zu finanzieren. Eine Möglichkeit besteht darin, sich um ein einjähriges Forschungsstipendium beim Deutsch-Akademischen Austauschdienst (DAAD) zu bewerben. Die Bewerbung ist zwar sehr zeitaufwändig, resultiert jedoch bei Erfolg in einen Studienplatz und einer ausreichend hohen finanziellen Unterstützung für den gesamten Studienaufenthalt.

Sollte der DAAD für dich weniger eine Option darstellen oder wurdest du abgelehnt, besteht noch die Möglichkeit sich bei der eigenen Hochschule um ein Studium an einer der zahlreichen Partnerhochschulen zu bewerben. Jeder Fachbereich und jede Fakultät regelt seine Partnerprogramme auf unterschiedliche Art und Weise, sodass es ratsam ist sich so früh wie möglich mit den zuständigen Dozenten in Verbindung zu setzen. Weiterhin ist das International Office eine gute Anlaufstelle für hochschulbezogene Partnerschaften mit ausländischen Universitäten.

Ich persönlich bin leider im Bewerbungsprozess um ein Forschungsstipendium beim DAAD im finalen Interview ausgeschieden. Hartnäckig wie ich aber bin, habe ich nicht aufgegeben und mich letztendlich erfolgreich um einen von zwei Studienplätzen an einer japanischen Partneruniversität unserer Fakultät beworben. Mein persönlicher Weg zu zwei Studiensemestern in Tokyo. Eine der tollsten Erfahrungen, die ich bisher machen durfte. Dranbleiben lohnt sich also.

Hast du dich erst einmal erfolgreich um einen Studienplatz beworben und eine Zusage im Postkasten, stellt sich die Frage nach der Finanzierung des Auslandsaufenthaltens. Neben einem Stipendium des DAAD oder eines anderen Stipendiengebers ist man mit Auslandsbafög gut beraten. Japan ist zwar als eines der teuersten Länder weltweit bekannt aber ich habe die Erfahrung gemacht, dass sich die Preise für Lebensmittel und Freizeitaktivitäten nicht unbedingt von deutschen Preisen unterscheiden. Lediglich Wohnraum- und Transportkosten sind für Studenten signifikant teurer als in Deutschland. Ich persönlich bin jedoch mit Auslandsbafög sehr gut zurecht gekommen.

Neben der Organisation von Studienplatz und Finanzierung, musst du dich noch um dein Studentenvisum kümmern. Das Studentenvisum stellt die letzte und gleichzeitig wichtigste Komponente deiner Vorbereitungen dar (zumindest trifft das auf Japan und einige andere Nicht-EU-Länder zu). Ein Studentenvisum für Japan zu bekommen sollte kein größeres Problem darstellen, da man sowohl von der eigenen Universität, wie auch von der Partnerhochschule ausreichend unterstützt wird. Die einzige „gefährliche“ Hürde stellt ein nicht zu unterschätzender Finanznachweis dar, ohne den das Visum nicht erteilt wird. Aber keine Angst: Deine Dozenten beantworten diese Frage nicht zum ersten Mal und stehen dir mit Rat und Tat zur Seite.

Zu guter Letzt kommt natürlich noch die Frage nach den Kosten. Hier kann ich natürlich immer nur aus meinen persönlichen Erfahrungen heraus berichten, sodass deine Kosten stark von meinen Kosten abweichen können. Das hängt mitunter von deinem persönlichen Lebens- und Freizeitstil sowie von deinen Schnäppchenjäger- und Verhandlungsfähigkeiten ab. Ich selbst lebe einen minimalistischen Lifestyle, lasse kein Schnäppchen aus (auch die finden sich in Japan in Form von 100-Yen-Stores und nach 20 Uhr in den Supermärkten) und verhandle gerne mal den ein oder anderen Preis. Dies drückt meine Kostenskala vor Ort natürlich stark nach unten. Im groben hatte ich in etwa folgende Kosten:

 

Bewerbungskosten für das Austauschprogramm 0 € (+ Durchhaltevermögen und Zeit)
Visum 0€
Auslandskrankenversicherung ca. 40€/Monat
Flug ca. 600€ (im Studententarif)
Studiengebühren 0 € (erlassen durch das Austauschprogramm)
Kosten für die Unterkunft 100€/Monat (ermäßigt durch das Austauschprogramm)
Transportkosten (Studententicket) +/- 300€/Semester
Kosten für Lebensmittel, Freizeit etc. (variabel) ca. 400€ – 600€ (inkl. Ausflüge in umliegende Städte)
Monatliche Gesamtkosten ca. 600€ – 800€ (gedeckt durch Auslandsbafög)

 

Bei Durchsicht dieser Tabelle wird dir sicherlich auffallen, dass meine monatlichen Gesamtkosten komplett durch Auslandsbafög gedeckt waren. Im Prinzip habe ich außer den Kosten für Flug und Versicherung kaum etwas ansparen müssen. Ein „Backup-Budget“ für den Fall das etwas passiert oder Bafög verspätet ausbezahlt wird, sollte dennoch vorhanden sein. Jetzt kannst du selbst überlegenen, wo du mehr bezahlst: Im In- oder Ausland.

Und nein: Man muss kein Raketenwissenschaftler sein, um für ein universitätsinternes Austauschprogramm ausgewählt zu werden. Engagement, Hartnäckigkeit und Interesse für das eigene Fach reichen vollkommen aus, um aus der Masse der „Ich gehe wegen der Studentenpartys zur Uni“- Studenten herauszustechen und den Dozenten positiv aufzufallen.

Fazit: Ein Auslandsstudium über ein oder zwei Semester lässt sich relativ leicht mit Hilfe von Stipendien, hochschul-/ fakultätsbezogenen Partnerprogrammen und/oder Auslandsbafög umsetzen – Auch mit einem kleinen Geldbeutel.

Romina in Japan

Romina in Japan: Katzencafé und Japanischunterricht

 

 

2. Auslandspraktikum FÜR STUDENTEN

Ein Auslandspraktikum stellt für viele Studenten eine tolle Alternative bzw. Ergänzung zu einem Inlandspraktikum dar. Neben der Tatsache, dass ein Praktikum im Ausland die Möglichkeit bietet sich bis zu 12 Monate in einem Land seiner Wahl aufzuhalten, lernt man neben Land und Leute auch noch Arbeitsweisen, Unternehmensstrukturen und den länderspezifischen Arbeitsalltag kennen.

Im Gegensatz zum Auslandsstudium werden Auslandspraktika häufig vergütet, sodass man einen ersten Eindruck davon bekommt, wie es sich anfühlt sich seinen Aufenthalt im Ausland durch die Arbeit vor Ort zu finanzieren. Weiterhin lässt sich auf diese Weise überprüfen, ob sich das betreffende Land zum Auswandern eignet bzw. ob man überhaupt der Typ zum Auswandern ist.

Mich persönlich hat es zum Auslandspraktikum – wie sollte es auch anders sein – wieder nach Japan verschlagen. Nach meinen Auslandssemestern sind mir dort Land und Leute ans Herz gewachsen und zu einer zweiten Heimat geworden. Ich konnte es mir tatsächlich vorstellen dauerhaft dort zu leben. Also dachte ich mir: „Ich versuche es doch einfach mal auf Zeit“.

Mit dieser Mission im Gepäck habe ich mich auf die Suche nach einem Praktikum in Japan gemacht. Doch wie findet man ein Praktikum in einem Land, in dem es kaum bzw. keine Praktikumskultur gibt? In dem ich die Landessprache nur eingeschränkt spreche, und viel wichtiger: In dem ich nicht so einfach mal irgendeine uns bekannte Jobbörse durchsuchen kann?

Auch hier hatte ich es als Studentin leichter als es vielleicht andere Praktikumswillige haben, die sich mit ihrem Ziel häufig an teure kommerzielle Anbieter wenden müssen. Ich konnte eine der zahlreichen universitätsinternen Möglichkeiten für mich nutzbar machen: Die Studentenorganisation AIESEC.

AIESEC ist ein länder- und kontinentenübergreifender Zusammenschluss engagierter Studenten, welche es sich zur Aufgabe gemacht haben u.a. den weltweiten Austausch sowie die internationale Mobilität von Studenten zu ermöglichen. Hierzu verfügt AIESEC über ein durch Studenten geschaffenes und sich ständig weiter entwickelndes internationales Netzwerk aus Unternehmen, Hilfsorganisationen und Start-Ups, welche daran interessiert sind sich professionelle Hilfe aus dem Ausland einzukaufen.

Für uns Studenten bedeutet dies, dass wir Zugriff auf ein weltweit unbegrenztes Netzwerk aus tausenden von Möglichkeiten – und das ist nicht übertrieben – haben, um uns auf die Suche nach einem Praktikumsplatz irgendwo auf dieser Welt zu begeben. Hierbei stehen die für AIESEC tätigen Studenten jedem zukünftigen Praktikanten mit hilfreichen Tipps und Tricks zur Seite.

Allerdings muss sich jeder selbst um die eigentliche Suche und Bewerbung um einen Praktikumsplatz kümmern. So musste auch ich mich mit einem auf Japan zugeschnittenen Lebenslauf im Gepäck an lokale Unternehmen wenden, zahlreiche „Midnight-Skype-Interviews“ über mich ergehen lassen und mehr Absagen als Zusagen verdauen (Japan ist da im Gegensatz zu China leider eine sehr schwierige Zielregion), bevor ich mich dann nach einer 6-monatigen sehr hartnäckigen und intensiven Suche über ein 3- monatiges Praktikum in einem der weltgrößten und interessantesten japanischen Großkonzerne freuen durfte.

Generell ist es nicht ganz uninteressant zu wissen, dass AIESEC nur solche Organisationen in sein Netzwerk aufnimmt, welche bereit sind einen durch AIESEC vorher definierten und länderspezifisch angemessenen Mindestlohn zu bezahlen. Dieser Mindestlohn ist immer so hoch angesetzt, dass es den internationalen Studenten möglich ist ihren Lebensunterhalt, inkl. Kost und Logis, für den gesamten Aufenthalt problemlos zu finanzieren. Sprich: Man kann zwar keine großen Sprünge machen, benötigt aber auch keinen exorbitanten Geldbeutel, um ein solches Projekt zu starten. Damit du dich aber selbst von der unkomplizierten Finanzierbarkeit dieses Projektes überzeugen kannst, habe ich dir auch hier wieder meine groben Kosten aufgelistet:

 

AIESEC- Gebühr (inkl. obligatorischem Seminar) 350 € (50€ davon sind Kaution, die man nach dem Praktikum zurück erhält)
Visum 0€
Auslandskrankenversicherung ca. 40€/Monat
Flug ca. 600€ (im Studententarif)
Kosten für die Unterkunft 0€/Monat (hat das Unternehmen getragen)
Transportkosten 0€/Monat (hat das Unternehmen getragen)
Kosten für Lebensmittel, Freizeit etc. (variabel) +/- 600€ (inkl. Ausflüge in umliegende Städte)
Monatliche Gesamtkosten ca. 650€ (waren durch mein Einkommen gedeckt)

 

Romina in Japan

Romina beim Praktikum in Japan

Mein Praktikum in Japan gehört zu einer der interessantesten und prägendsten Erfahrungen meiner bisherigen Laufbahn. Ich hatte eine tolle Zeit, habe viel gelernt, Höhen und Tiefen durchlebt und zahlreiche neue Freunde gewonnen. Leider sind meine anfänglichen Pläne nach Japan auszuwandern nach meinem Praktikum in den Hintergrund gerückt, da ich live miterleben durfte, dass der Arbeitswahn der Japaner doch kein Mythos ist. Arbeitszeiten von bis zu 12-15 Stunden am Tag sind in Japan durchaus normal… Nun ja, ich denke dann doch, dass das Leben mehr zu bieten hat, als den täglichen Weg ins Büro.

Fazit: Als Student mit dem Ziel ein Praktikum im Ausland zu absolvieren, wendet man sich am besten an das lokale AIESEC-Komitee der eigenen Hochschule (es gibt mittlerweile kaum noch eine Hochschule ohne AIESEC-Komitee). Die für AIESEC tätigen Studenten – auch hier gilt: Jeder kann mitmachen – stehen den zukünftigen Praktikanten gerne für Fragen zu Praktikumssuche, Visumsantrag, Finanzierung etc. mit hilfreichen Tipps und Tricks zur Verfügung.

 

3. Freiwilligenarbeit im Ausland als Student

Während meines Studiums – und nachdem ich zu diesem Zeitpunkt schon im Ausland studiert und gearbeitet hatte – kam bei mir verstärkt der Wunsch auf, ein weiteres Mal ins Ausland zu reisen, um dort in einem Land der Dritten Welt zu leben und meinen Beitrag zu leisten.

Ich wollte wissen, wie es sich anfühlt die Komfortzone „Industrieland“ zu verlassen und erfahren wie Menschen in der dritten Welt tatsächlich leben. Ich wollte herauszufinden, wie sich die Bilder in den Medien von der Realität unterscheiden und mir meine eigene Meinung bilden können. Ich wollte etwas zurückzugeben, nachdem ich schon so lange von dem Bildungsangebot und den internationalen Netzwerken meiner Hochschule profitieren durfte.

Die Frage nach dem „Wie stelle ich das an?“, musste ich mir an dieser Stelle glücklicherweise nicht mehr stellen, da AIESEC nicht nur die Möglichkeit bietet sich professionelle Praktika im Ausland zu organisieren, sondern auch – und ganz besonders – die Möglichkeit bietet sich auf zahlreiche Freiwilligenprojekte im Ausland zu bewerben.

Im Gegensatz zu einem professionellen Praktikum wird die Teilnahme an einem „Development Programm“ im Ausland in der Regel nicht vergütet. AIESEC und/oder der jeweiligen Projektpartner – dies kann zum Beispiel eine lokale oder internationale NGO sein – stellen allerdings sicher, dass den internationalen Studenten eine Unterkunft sowie ausreichend Verpflegung für den gesamten Aufenthalt zur Verfügung gestellt werden. Sprich: Mit ein bisschen Flexibilität und Anpassungsvermögen hat man kaum bzw. keine Kosten vor Ort.

Rein organisatorisch ähnelt der Suchprozess nach einem „Development Program“ stark dem Suchprozess nach einem professionellen Praktikum: Lebenslauf abschicken, Skype-Interview absolvieren, und Zu- oder Absage abwarten. Im Gegensatz zu einem professionellen Praktikum werden im Falle von „Development Programmen“ allerdings mehr Zusagen als Absagen ausgesprochen.

Der Grund hierfür liegt darin, dass es nie genug professionelle Hilfskräfte – und zu dieser Kategorie können sich Studenten trotz geringer bzw. keiner Berufserfahrung durchaus hinzuzählen – geben kann. Die Spannbreite möglicher Projekte umfasst Bildungsprojekte, Projekte zur AIDS-Aufklärung, Umweltprojekte, Projekte zum (Wieder-)Aufbau, Projekte in der Landwirtschaft usw.

Mir persönlich war gerade als Studentin bewusst, dass ich keine signifikanten Geldmittel zur Verfügung stehen habe, um einen relevanten monetären Beitrag leisten zu können (außerdem hatte ich auch meine Zweifel an dem viel verbreiteten Gerücht, dass Geld das „Allheilmittel“ gegen die Armut in der Welt sei).

Vor allem wusste ich aber auch, dass ich mit eigenen Augen sehen und erfahren wollte, wie es sich anfühlt in einem Land der dritten Welt zu leben. Zu guter Letzt wusste ich auch, dass ich die Faktoren Zeit, Arbeitskraft und Bildung zur Verfügung stehen habe, mit denen es möglich sein würde einen viel nachhaltigeren Beitrag zu leisten als es mit lediglich einer Geldspende der Fall gewesen wäre.

Als freiwillige Englischlehrerin in Laos (einem der ärmsten Länder Südostasiens) habe ich gelernt, dass Bildung (und nicht immer nur Geld) die mächtigste und am weitesten unterschätzte Waffe darstellt, um positive Veränderungen in der Welt hervorzurufen und unsere Zukunft zu gestalten. Diese Erkenntnis – und das kann ich wirklich uneingeschränkt schreiben – ist die absolut prägendste Lernerfahrung, die ich im Verlauf meiner gesamten Laufbahn machen durfte. Ich habe das Gefühl, dass durch meine Zeit in Laos ein Vorhang gehoben wurde, von dem ich nicht einmal wusste, dass er überhaupt existiert.

Eine solch wertvolle Erfahrung ist mit Geld nicht annähernd zu bezahlen. Dennoch – und da kommen wir wohl oder übel nicht drum herum – ist es der Planbarkeit wegen nicht ganz uninteressant zu wissen, mit welchen Kosten in etwa zu rechnen ist. Entsprechend folgt an dieser Stelle unsere bereits bekannte Auflistung der groben Kosten für solch ein Projekt.

 

AIESEC- Gebühr (bei 2. Programmteilnahme) 200 € (50€ davon sind Kaution, die man nach dem Praktikum zurück erhält)
Visum 30 USD
Auslandskrankenversicherung ca.40€/Monat
Flug ca. 500€ (One-Way-> Über 400€ waren durch einen DAAD Fahrtkostenzuschuss gedeckt)
Kosten für die Unterkunft 0€/Monat (hat die Organisation getragen)
Transportkosten 0€/Monat (alles war fußläufig oder per Fahrrad erreichbar)
Kosten für Lebensmittel, Freizeit etc. (variabel) +/- 100€/Monat (Kosten für private Freizeitaktivitäten)
Monatliche Gesamtkosten ca. 150€

 

Laos – Zwischen Kultur und Natur

Laos – Zwischen Kultur und Natur

Fazit: Ich empfehle wirklich jedem sich um ein Freiwilligenprojekt im Ausland zu bemühen. Die Studentenorganisation AIESEC stellt hierbei eine wichtige Anlaufstelle für Studenten dar. Ein weiterer Vorteil in Bezug auf AIESEC ist die Tatsache, dass man die Möglichkeit hat einen Antrag auf Fahrtkostenzuschuss beim DAAD zu stellen, wenn man sein Auslandspraktikum oder Freiwilligenprojekt mit AIESEC organisiert und absolviert. Der Fahrtkostenzuschuss des DAAD ist häufig leichter und schneller zu erzielen, als ein Forschungsstipendium, sodass sich eine Bewerbung in jedem Fall lohnt. Ich selbst habe einen Fahrtkostenzuschuss für mein Freiwilligenprojekt in Laos zugesprochen bekommen. Nutze also die Gelegenheit, solange du noch Student bist.

 

 

Du bist jung, willst ins Ausland und bist kein Student?

Kein Problem! Auch das ist mit nur kleinem Geldbeutel möglich. In diesem Teil meines Artikels möchte ich dir einige Alternativen zu Auslandsstudium, Auslandspraktikum und professionellen Freiwilligenprojekten vorstellen, die für jeden jungen Menschen unabhängig vom Bildungsabschluss umsetzbar sind.

 

4. Au Pair in Amerika

Mein erster Weg ins Ausland hat mich unmittelbar nach dem Abitur als Summer Au Pair nach Amerika geführt. Zwei Monate lang Key Biscayne, Miami, Tampa und New York. Zwei Monate lang mitten drin im „American Way of Life“ als Au Pair und Teil einer Gastfamilie in Amerika. Eine tolle erste Erfahrung im Ausland.

Der einzige Weg um legal als Au Pair in die USA einreisen und arbeiten zu dürfen, führt über eine kommerzielle Au Pair Organisation. Ohne Organisation gibt es leider kein Visum. Das Angebot an Au Pair Organisationen ist groß, sodass man die Qual der Wahl hat. Ich selbst habe mich für die Organisation Education First (EF) mit ihrem Programm „Cultural Care Au Pair“ entschieden.

Ich finde es grundsätzlich etwas schwierig eine pauschale Empfehlung für eine bestimmte Organisation auszusprechen, da sich die Angebote der einzelnen Organisationen ziemlich ähnlich sind. Am besten man entscheidet sich unter Berücksichtigung des Preis-Leistungsverhältnisses aus dem Bauch heraus.

In Bezug auf die Kosten für einen Au Pair- Aufenthalt hat man lediglich eine Vermittlungsgebühr an die Organisation zu zahlen und die Kosten für Visum und Auslandskrankenversicherung selbst zu tragen. Die Kosten für Flug, Kost und Logis sowie eigenem kleinen Au Pair-Gehalt übernimmt die Gastfamilie.

Es ist also alles gut organisiert, wenn du als Au Pair in den Flieger steigt. Deine Au Pair- Organisation steht dir in allen Fragen rund um Vorbereitung, Organisation, Auswahl der Gastfamilie, Visum, evtl. Problemen vor Ort etc. mit Rat und Tat zur Seite. Weiterhin stellt dir die Organisation alle notwendigen Unterlagen (insbesondere solcher für das Visum) zur Verfügung. In meinem Fall habe ich darüber hinaus noch ein kleines Startpaket mit T-Shirt, Liste von Mitreisenden, kleiner Geldtasche, Telefonkarte und weiteren nützlichen Dingen erhalten.

Wie oben bereits erwähnt, kommst du als Au Pair um eine kommerzielle Au Pair- Organisation nicht herum. Entsprechend höher fallen die Startkosten im Vergleich zu den bereits angeführten Möglichkeiten eines Auslandsaufenthalts als Student aus. Auf der anderen Seite wird man als Au Pair jedoch vor Ort optimal betreut, bekommt eine komfortable Unterkunft zur Verfügung gestellt und muss sich keine Gedanke über monatlichen Kosten machen (es sei denn du kommst mit ca. 150€/Woche Taschengeld nicht aus).

Ich denke für das was ich geboten bekommen habe, waren die anfallenden Startgebühren durchaus angemessen. Und mal ganz ehrlich: Das lässt sich alles noch problemlos mit ein paar Monaten Arbeit in Deutschland finanzieren.

 

Programmgebühr ca. 840€
Basisversicherung 450€ (durch Organisation angeboten)
Visum ca. 120€
Polizeiliches Führungszeugnis und Internationaler Führerschein 30€ insgesamt
Flug 0 € (übernimmt die Gastfamilie)
Kosten für die Unterkunft 0€ (du wohnst in einer Gastfamilie)
Transportkosten 0€ (ich durfte das Auto der Gastfamilie nutzen)
Kosten für Lebensmittel, Freizeit etc. (variabel) ca. 300 € (war durch mein Au – Pair Gehalt abgedeckt)
Gesamtkosten (effektiv) ca. 1400 €

 

Fazit: Ein Au Pair Programm in Amerika ist leicht zu organisieren, kostengünstig umzusetzen und macht einfach nur Spaß. Erlebe den „American Way of Life“ als Teil einer waschechten Gastfamilie in Amerika.

Cultural Care Au Pair

Romina als Cultural Care Au Pair in den USA

 

 

5. Work and Travel

Work and Travel ist eine der wohl beliebtesten Möglichkeiten junger Menschen sich ihren Traum vom Ausland zu erfüllen. Frei und ungebunden ein oder mehrere Länder bereisen, arbeiten um sich das Reisen zu finanzieren und die Freiheit selbst zu entscheiden wann und wo man als nächstes seine Zeit verbringen möchte. Das ist Work and Travel: Selbstbestimmtes Leben und Arbeiten auf Zeit.

Die beliebtesten Ziele für einen Work and Travel Aufenthalt sind Australien, Neuseeland und Kanada. Allerdings bieten auch andere Länder wie z.B. Japan, Hong Kong und Singapur die Möglichkeit zu einem Work and Travel Aufenthalt.

Als junger Mensch ohne große Verpflichtungen und eigener Familie ist es im Prinzip ziemlich einfach einen Work and Travel Aufenthalt zu organisieren. Man bemüht sich um das passende Visum (Achtung: Ein finanzielles Polster ist für das Visum unbedingt notwendig und sinnvoll) und eine anständige Krankenversicherung, bucht einen Flug und setzt sich ins Flugzeug.

Eine Work and Travel Organisation kann man – muss man aber nicht – hinzubuchen, aber Erfahrungsberichten zufolge ist es eher fragwürdig wie hilfreich diese Organisationen vor Ort tatsächlich sind. Auch hier ist es schwierig eine pauschale Empfehlung auszusprechen. Letztendlich liegt es an dir zu entscheiden, ob du dich sicherer fühlst einen Ansprechpartner vor Ort zu haben oder ob du es dir zutraust dich direkt von Tag eins an alleine durchzuschlagen.

Ich selbst habe Work and Travel noch nicht probiert, werde dies bald aber tun. Australien – und evtl. Neuseeland – stehen auf dem Plan. Ich werde mich gegen eine Organisation entscheiden, da ich der Meinung bin, dass genügend Online Ressourcen zur Verfügung stehen und ich das Geld besser vor Ort für essentiellere Dinge, wie z.B. einer Unterkunft, verwenden kann.

Was die Kosten betrifft kann ich natürlich nur eingeschränkt Auskunft geben, da ich selbst noch nicht in Australien war. Ich glaube (und hoffe) aber, dass wenn man den erforderlichen Finanznachweis erbringen kann, man zumindest einige Wochen über die Runden kommen kann. Ich selbst habe mir zur Starthilfe eine Gastfamilie mittels workaway.info (siehe unten) organisiert, sodass ich erstmal kostenfrei unterkommen kann. Das reduziert meine anfänglichen Ausgaben für Kost und Logis und ich habe Zeit Australien und den „Australian Way of Life“ kennenzulernen, Kontakte zu knüpfen und einen Überblick über den australischen Arbeitsmarkt zu bekommen.

 

Work and Tavel-Visum 420 AUD
Finanznachweis 5000 AUD bei Einreise
Auslandskrankenversicherung ca. 40€/Monat
Polizeiliches Führungszeugnis und Internationaler Führerschein 30€ insgesamt
Flug ca. 1200 € (Hin und Zurück)
Kosten für die Unterkunft 20-30 AUD/Nacht (fallen bei mir anfangs weg)
Transportkosten Keine Erfahrungswerte
Kosten für Lebensmittel, Freizeit etc. (variabel) Keine Erfahrungswerte
Monatliche Gesamtkosten Keine Erfahrungswerte

 

 

6. Freiwilligendienst im Ausland

Die Plattform Weltwärts ist die ideale Alternative zum AIESEC „Development Programm“ für alle Nicht-Studenten und Absolventen. Als Gemeinschaftswerk des Bundesministeriums für wirtschaftliche Entwicklung und Zusammenarbeit (BMZ) und der Zivilgesellschaft bietet Weltwärts jungen Menschen zwischen 18 und 28 Jahren die Möglichkeit einen längerfristigen Freiwilligendienst im Ausland zu absolvieren.

In der Regel bewegt sich der zeitliche Rahmen der einzelnen Entwicklungsprojekte zwischen 6 und 24 Monaten und man hat die Auswahl aus einer großen Bandbreite an Möglichkeiten, begonnen von Bildungsprojekten bis hin zu Projekten zur Not- und Übergangshilfe. Ein Studium oder relevante Berufserfahrungen kann man mitbringen, muss man aber nicht. Engagement, Motivation und die Bereitschaft sich auf Neues einzulassen sind für die Teilnahme an einem „weltwärts“ Entwicklungsprojekt zunächst einmal ausreichend.

Hat man sich erst einmal erfolgreich um ein Entwicklungsprojekt seiner Wahl beworben, werden Flug, Krankenversicherung, Kost und Logis, sowie – abhängig vom jeweiligen Projekt – ein kleines Taschengeld übernommen. Es gibt also kaum eine kostengünstigere Alternative, um im Ausland einen wertvollen Beitrag für sich und andere zu leisten.

 

7. Working for Accommodation

Mittlerweile bietet das Internet zahlreiche Plattformen, um sich einen kostengünstigen Auslandsaufenthalt mit ein paar Stunden Arbeit am Tag zu ermöglichen. Wer es sich z.B. vorstellen kann einer Familie in Neuseeland gegen freie Kost und Logis im Haushalt auszuhelfen, seinen Aufenthalt auf einer Ferieninsel in Thailand durch ein paar Stunden Arbeit in einem coolen Hostel zu vergünstigen oder gegen ein paar Stunden Farmarbeit am Tag kostenfrei auf einer australischen Farm wohnen und essen zu dürfen, der ist mit Plattformen wie workaway.info, helpx.net (jeweils 20€ Registrierungsgebühr für 24 Monate) und Wwoofing (Gebühr abhängig vom Zielland) sehr gut bedient.

„Working for Accommodation“-Plattformen haben keine Beschränkungen in Bezug auf Alter oder Bildungsabschluss. Egal ob jung oder alt: Jeder, der es sich vorstellen kann im Gegenzug für ein paar Stunden Arbeit am Tag frei Kost und Logis bereitgestellt zu bekommen, der kann sich registrieren und quasi morgen starten.

Einziger Haken an der Sache: Jegliche Art von Arbeit wird ausschließlich auf freiwilliger Basis und im Austausch gegen freie Kost und Logis ausgeführt, sodass keine Vergütung stattfindet. Im Umkehrschluss bedeutet dies, dass eigene Ersparnisse vorhanden sein sollten, wenn der Auslandsaufenthalt etwas länger dauern soll (sofern man nicht ohnehin plant sein Budget unterwegs mittels Work and Travel aufzubessern).

 

8. Disney Cultural Representative Program

Wer kennt sie nicht? Die berühmteste Maus der Welt? Und wer hat als Kind nicht auch davon geträumt einmal im Leben den größten Freizeitpark der Welt – das Walt Disney World in Florida – zu besuchen? Warum besuchen, wenn auch bereisen geht?

Egal ob jung oder alt, Studium, Schule oder Ausbildung – Jeder hat die Möglichkeit ein ganzes Jahr lang als Cultural Representative im deutschen Pavillon im Epcot Center zu arbeiten. Bezahlt natürlich.

Als Cultural Representative im Walt Disney World in Florida hast du die Aufgabe den Gästen im deutschen Pavillon die deutsche Kultur so authentisch wie möglich zu vermitteln. Du arbeitest z.B. als Bedienungshilfe im deutschen Restaurant oder als Verkäufer/in deutscher Artikel in einem deutschen Shop. Du hast im Prinzip die Möglichkeit den ganzen Tag lang in Kontakt mit Menschen aus aller Welt zu kommen, die sich für die deutsche Kultur interessieren. Das ist wahnsinnig spannend und sensibilisiert für die interessanten Seiten der eigenen Kultur.

Der Stundenlohn und die Arbeitszeiten sind variabel und von unterschiedlichen Faktoren abhängig. In der Regel werden durchschnittlich ca. 7 – 8 USD/Stunde bezahlt und 30 – 40 Std. in der Woche gearbeitet. Du wohnst gemeinsam mit Menschen aus aller Welt in einem der Disney Wohnkomplexe und hast in deiner Freizeit u.a. die Möglichkeiten dich im Fitnessstudio auszupowern, die Disney Parks zu erkunden oder am Pool auszuspannen. Spaß, gute Laune und tolle Erfahrungen direkt unter der Sonne Floridas sind mit diesem Programm vorprogrammiert. Alles was du zum Programm, inkl. Bewerbung, Visum etc. wissen musst, findest du auf dieser Seite.

Ähnlich wie beim Work and Travel, habe ich dieses Programm noch nicht selbst ausprobiert, es aber auf die Liste der potenziellen zukünftigen Auslandsaufenthalte gesetzt (es besteht zum Glück keine Altersbeschränkung). Dementsprechend kann ich auch hier nur eingeschränkte Informationen zu den anfallenden Kosten geben. Allerdings sollte es mit ein bisschen Mathematik und gesundem Menschenverstand nicht schwerfallen zu berechnen, dass sich Einkommen und Ausgaben vor Ort so ziemlich ausgleichen sollten. Wahnsinnig teuer kann der Spaß also nicht werden.

 

Programmgebühr 154,50 USD
Visum 190 USD
Auslandskrankenversicherung ca. 90€/Monat
Polizeiliches Führungszeugnis und Internationaler Führerschein 30€ insgesamt
Flug ca. 600 – 800 € (Rückflug wird nach erfolgreicher Programmteilnahme von Walt Disney World getragen)
Kosten für die Unterkunft 130 – 150 USD/Woche (wird direkt vom Gehalt abgezogen)
Transportkosten Keine Erfahrungswerte
Kosten für Lebensmittel, Freizeit etc. (variabel) Keine Erfahrungswerte
Monatliche Gesamtkosten Keine Erfahrungswerte

 

Wie du siehst, bieten sich fast unendlich viele Möglichkeiten selbstbestimmt und unabhängig von Ort zu Ort zu reisen und sich die Kosten für Lebensunterhalt und Reisen direkt vor Ort zu finanzieren, ohne sich vorher ein schier unerreichbares Vermögen ansparen zu müssen oder reiche Eltern zu haben. Also worauf wartest du noch? Die Welt steht dir offen.

 

Romina

Über die Autorin:

Romina (Online: Romina Flummi), hat Japanologie und Medienwissenschaften im Bachelor und Wirtschaft Ostasiens im Master an der Ruhr Universität Bochum studiert. Während des Studiums hat sie ein Jahr lang in Tokyo studiert, ein Praktikum in Osaka absolviert, in Laos Freiwilligendienst geleistet und ganz Südostasien bereist. Seit kurzem ist sie zu einem Work and Travel Abenteuer in Australien. Wenn du dich mit Romina vernetzen willst, dann findest du sie auf Facebook.

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