Im Ausland günstig mit dem Handy telefonieren und immer erreichbar sein

Roaming bedeutet, dass die Preise für Telefonate unverschämt teuer werden, sobald du die Landesgrenzen des heimischen Mobilfunkanbieters verlässt. Innerhalb der EU hat sich das mit der neuen Roaming-Verordnung aus 2017 gebessert, für das außereuropäische Ausland braucht es dennoch weiterhin Alternativen zum günstigen Telefonieren.

Als ich Anfang 2012 nach Shanghai gezogen bin, habe ich anfangs immer noch viele Anrufe auf meine deutsche Handynummer bekommen. Zum einen ist das entgegengenommene Gespräch für mich und den Anrufer teuer und zum anderen habe ich keine Lust, ständig zwei Handys mit mir herumzutragen. Deshalb habe ich mich nach Alternativen umgeschaut.

Die in diesem Beitrag vorgestellten Optionen habe ich selbst bei kurzen Reisen von einigen Wochen und für längere Auslandsaufenthalte genutzt. Mir war dabei wichtig, dass ich immer erreichbar bin und selbst anrufen kann, beides zu verhältnismäßigen Kosten und auch dann, wenn ich kein Internet habe. Ich bin mir sicher, dass bei den Vorschlägen eine passende Alternative für dich dabei ist.

 

Ein paar Worte zur neuen EU-Roaming-Verordnung von 2017

Roaming bedeutet, dass du aus einem fremden Mobilfunknetzwerk heraus Anrufe tätigst und annimmst oder Daten (Internet) sendest und empfängst. Das kommt vor allem dann vor, wenn du dich im Ausland befindest.

Die Roaming-Gebühren von Mobilfunkanbietern waren lange Zeit unverschämt hoch. Für den europäischen Raum (EU/EWR) wurden deshalb Höchstgrenzen beschlossen, die seit 2008 schrittweise umgesetzt wurden. Seit dem 15.06.2017 wurden die Roaming-Gebühren in der EU endgültig abgeschafft. Das bedeutet, dass Mobilfunkanbieter innerhalb der EU/EWR die gleichen Preise für Telefonie und Internet anbieten müssen, wie im Heimatnetz.

Eine Ausnahme basiert auf der sogenannten “Fair-Use-Regelung” (Regelung der angemessenen Nutzung), womit die dauerhafte Nutzung eines günstigeren ausländischen Tarifs im Wohnsitzland verhindert werden soll. Die Regelungen werden von den Anbietern festgelegt, unterliegen jedoch den von der EU vorgegebenen Höchstgrenzen (3,2 ct/min; 1 ct/SMS; je GB 7,70 € ab 15. 06. 2017 bis schrittweise auf 2,50 €  zum 1. 1. 2022).

Beispiele für Fair Use: Bei einigen Tarifen der Telekom darf die Nutzung im Ausland pro Monat 1.000 Gesprächsminuten, 1.000 SMS und das im jeweiligen Tarif vereinbarte Inlandsdatenvolumen nicht überschreiten. Nach Verbrauch des Inklusivvolumens wird die Bandbreite im jeweiligen Monat auf max. 64 KBit/s im Download und 16 KBit/s im Upload beschränkt. Bei Vodafone werden regulierte Aufschläge erhoben, wenn du in einem zusammenhängenden Zeitraum von vier Monaten mehr Zeit in einem ausländischen EU-Netz verbracht hast als im deutschen Vodafone-Netz.

Diese Roaming-Verordnung gilt für alle 28 EU-Mitgliedsstaaten (inkl. San Marino, Vatikanstadt und Kanarische Inseln) sowie den erweiterten EWR mit Liechtenstein, Norwegen und Island. Keine Anwendung findet die EU-Roaming-Verordnung in der Schweiz, Monaco, Andorra und generell auf Schiffen und in Flugzeugen.

Achtung: Wenn du aus deinem Heimatnetz in ein ausländisches Netz anrufst, fällt das nicht unter die Roaming-Verordnung. Die Preise für Anrufe ins Ausland sind noch nicht reguliert und deshalb in der Regel sehr hoch. Und das Roaming gilt nur für EU-Mitgliedsstaaten und einige weitere Länder. Außerhalb dieses Raumes sind Roaming-Gebühren immer noch verdammt hoch.

Um also auch außerhalb der EU keine horrenden Minutenpreise zu bezahlen, gibt es folgende Optionen.

 

Optionstarife von bestehendem Mobilfunkanbieter

Seit der neuen Roaming-Verordnung gibt es einige Mobilfunktarife, die die Nutzung von ausländischen Netzen komplett ausschließen oder die Inklusivleistungen im Ausland beschränken (z.B. Datenvolumen). Deshalb solltest du bei der Auswahl eines Reise- oder Auslandstarifs aufmerksam das Kleingedruckte lesen.

Außerhalb der EU ist es Standard, dass du für eine Minute mehrere Euro bezahlst, weshalb du dir eine Alternative suchen solltest. Fast alle Anbieter bieten Optionstarife, die einmalig für den Urlaub, als monatliches Paket oder als 2-Jahres-Vertrag gebucht werden können. Auch wenn dies zwar keine ideale Lösung ist, fährst du damit ganz sicher besser als mit den Standardpreisen.

Das lohnt sich vor allem dann, wenn du in mehrere Länder reist und dich dort jeweils nur ein paar Tage lang aufhältst. Sobald du irgendwo länger als eine Woche bleibst und regelmäßig telefonieren und surfen willst, macht es in der Regel mehr Sinn, dir vor Ort eine lokale SIM-Karte zu kaufen.

 

Lokale SIM Karte im Reiseland kaufen

Wenn du vorhast, viel im außereuropäischen Ausland zu telefonieren oder ein Datenpakt für die Internetverbindung brauchst, dann besteht die beste Option im Kauf einer lokalen Prepaid SIM Karte.

Eine SIM Karte kostet in den meisten Ländern nicht mehr als 10 Euro (oft bezahlst du nur für das Guthaben) und kann mit Prepaid Guthaben aufgeladen werden. In der Regel haben Anbieter auch spezielle Auslandstarife oder Inklusivminuten. Frage einfach einen Einheimischen nach dem besten Tarif oder informiere dich vorher online im Prepaid Data SIM Card Wiki.

 

SIM Karte für das Zielland bereits vor der Ausreise bestellen

Wenn dir der Kauf einer SIM Karte vor Ort zu unsicher oder abenteuerlich ist, kannst du diese auch bereits vor der Ausreise bestellen. Es gibt verschiedene Anbieter, die all nach dem gleichen Prinzip funktionieren: SIM Karte mit Guthaben für das Reiseland bestellen, vor der Ausreise einlegen und nach dem Urlaub entsorgen.

Der große Nachteil bei diesen SIM Karten ist, dass sie meist nur in einem bestimmten Land funktionieren. Wenn du auf deiner Reise durch mehrere Länder kommst, dann solltest du dir die weltweiten Optionen (weiter unten) ansehen.

  • HolidayPhone: Bei HolidayPhone kann eine SIM Karte mit Guthaben für verschiedene Länder bestellt werden. Vor der Abreise muss dann lediglich eine Rufumleitung auf eine deutsche Festnetznummer von HolidayPhone eingerichtet und die SIM Karte eingelegt werden. Damit bist du dann auch weiterhin unter deiner gewohnten Handynummer erreichbar.
  • KeepGo: Ein ähnlicher Anbieter ist KeepGo. Hier können SIM Karten für eine beliebige Zeit “gemietet” werden. Je nach Land, Datenvolumen und Paket (mit Internetflat, Telefonie) kostet die Ausleihe ab $1 pro Tag. Nach der festgelegten Nutzungsdauer wird die SIM Karte deaktiviert und wandert in den Mülleimer.
  • Prepaid Global: Für beliebte Reiseziele weltweit bietet Prepaid Global SIM und Micro SIM Karten an. Diese enthalten entweder ein Datenvolumen für mobiles Internet, Telefonie oder beides und sind für eine Dauer von bis zu 30 Tagen aktiv. Die Preise reichen je nach Land und Paket von 30 bis 70 Euro.

Hinweis: die vorab bestellten SIM-Karten sind in der Regel um ein 2 – 3-faches teurer, als wenn du diese vor Ort kaufen würdest. In vielen Ländern bekommst du SIM Karten direkt am Flughafen und kannst auswählen, wie viel Datenvolumen und Inklusivminuten du benötigst.

 

Internationale SIM Karte für den weltweiten Einsatz

Diese globalen SIM Karten habe ich selbst noch nicht ausprobiert, da ich sie als unverhältnismäßig teuer empfinde. Bequem ist es aber allemal, da du die gleiche SIM Karte weltweit nutzen kannst. In der Regel kannst du mit diesen Karten kostenlos Anrufe aus der ganzen Welt entgegennehmen und bezahlst für eigene Anrufe deutlich weniger als bei dem nationalen Anbieter.

Meiner Meinung nach eignen sich die internationalen SIM Karten besonders für Reisen nach Asien, Afrika und Südamerika, da die Netze in diesen Regionen von deutschen Mobilfunkanbietern nicht abgedeckt werden. Hier sind zwei mögliche Optionen für globale SIM Karten:

  • Go SIM: Du erhältst bei einem Paket ab $19 zwei SIM Karten mit Nummern aus den British Isles (+44) und den USA (+1) sowie ein paar Inlusivminuten. Mit der Karte können Anrufe kostenlos entgegengenommen werden. Minutenpreise für einen Anruf kosten ab $0.12.
  • World Sim: Ein ähnlicher Anbieter mit Paketen ab $50, die bereits ein Guthaben enthalten. Zur SIM Karte können Datenpakete hinzugebucht werden. Praktisch: es gibt auch Micro SIM für iPhones.

 

 

Telefonieren im Ausland mit Internetverbindung über VoIP Services

Voice over IP bedeutet einfach nur, dass Telefonate über ein Datennetzwerk geführt werden, also über das Internet. Bei der reinen Internettelefonie fallen bis auf die Gebühren für die Internetverbindung keine weiteren Kosten an. Anbieter wie Skype, WhatsApp oder Facebook nutzen genau diese VoIP-Technik für Sprachanrufe untereinander.

Um herkömmliche Telefonnummern (sowohl mobil als auch Festnetz) anzurufen, empfehle ich dir Skype oder Sipgate. Bei beiden Anbietern installierst du die App auf dem Handy, lädst Guthaben auf und bezahlst dann je nach Land und abhängig davon, ob du eine Festnetz- oder Handynummer anrufst, zwischen 2-15 Cent pro Minute.

 

Erreichbar im Ausland auch ohne Internetverbindung

Solange du eine Internetverbindung im Ausland hast, kannst du natürlich immer über VoIP Services wie Skype, Google Hangouts oder ähnliches telefonieren. Da dies aber auf Reisen nicht immer der Fall sein wird, kannst du bei Skype eine Anrufweiterleitung auf dein Handy einrichten.

Wenn du offline bist oder deinen Skype Anruf nicht annimmst, wird dieser auf eine von dir ausgewählte Handynummer weitergeleitet. Bei der Nummer sollte es sich am besten um eine lokale Nummer des Landes handeln, in dem du dich gerade aufhältst. Dem Anrufer entstehen dabei keine zusätzlichen Gebühren und du bezahlst einen günstigen Minutentarif, was je nach Aufenthaltsort ein paar wenige Cent sind. Es ist allemal eine gute Option, um sich kurz für einen späteren Telefontermin zu verabreden, an dem du eine Internetverbindung hast.

Skype Auszug

Ein Auszug aus meiner Skype Rechnung zeigt, wie günstig Anrufe aus dem Ausland und auch die Anrufweiterleitung aufs Handy ist.

 

Über Skype kannst du auch eine Festnutznummer (Skype-Nummer) für verschiedene Länder kaufen (je nach Land ca. 5 Euro/Monat). Das ist sinnvoll, wenn du für einen längeren Zeitraum im Ausland bist und für deutsche Kunden oder Bekannte unter deutscher Nummer erreichbar sein möchtest bzw. musst.

Bei der Skype-Nummer handelt es sich um eine (virtuelle) Festnetznummer, die auf dein Skype Konto weitergeleitet wird. Der Anrufer merkt dabei nicht, dass du eigentlich gar nicht in Deutschland bist und bezahlt nur die Gebühren für Ortsgespräche. In Kombination mit der Anrufweiterleitung bist du damit immer und überall auf deinem Handy erreichbar.

Genauso wie das mit Skype funktioniert, kannst du dir deinen virtuellen Festnetzanschluss auch über Sipgate einrichten. Die Festnetznummer bekommst du dort umsonst und kannst dann zwischen verschiedenen Flatrates für ausgehende Anrufe auswählen.

 

War etwas für dich dabei? Kennst du noch andere Alternativen zum Telefonieren im Ausland?

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