Schlechte Ratschläge und innere Antreiber, die dir das Leben zur Hölle machen

Der erste Schritt zu mehr Glück und Erfolg in deinem Leben besteht darin, dich selbst besser kennenzulernen. Wenn du weißt, welche innere Grundmotivation dich antreibt, kannst du diese gezielt einsetzen. Und sobald du die äußeren Glaubenssätze kennst, die dich gegen Blockaden rennen lassen, kannst du daran arbeiten.

Bei diesem Beitrag handelt es sich um einen Auszug aus der 2. Auflage des Wireless Life Guide.

“Geld verdirbt den Charakter” und “Gib nie auf” sind zwei Glaubenssätze, mit denen ich aufgewachsen bin. Sie haben dafür gesorgt, dass ich in meinen früheren Jobs nie nach Gehaltserhöhungen gefragt und mein Studium bis zum Ende durchgezogen habe. Diese Glaubenssätze entstanden, weil sie mir in meiner Kindheit zugetragen wurden, bis ich sie tief in meiner DNA verinnerlicht habe.

So viele unserer Glaubenssätze basieren auf dem, was uns andere Menschen bewusst oder unbewusst als Kinder und junge Erwachsene immer wieder erzählt haben. Immer dann, wenn wir eine Meinung hören und dieser Glauben schenken, wird sie Teil unserer Realität, ganz egal ob sie wahr ist oder nicht.

Viel zu oft sind diese Meinungen aber nur die Reflektion von Glaubenssätzen anderer Menschen, die für dich schädlich sein können. Deshalb solltest du “gut gemeinte Ratschläge” nie persönlich nehmen, denn schließlich bewegen wir uns alle in ganz unterschiedlichen Realitäten.

In den letzten zwei Jahren habe ich mich intensiv mit dem Thema Persönlichkeitsentwicklung beschäftigt. Mit Hilfe von Coaches habe ich mich selbst besser kennengelernt und verstehe nach und nach, welche limitierenden Glaubenssätze mich ausbremsen und welche Grundmotive mich antreiben.

Zu den vielen Menschen, die mich in meiner Entwicklung stark beeinflusst haben, gehört Unternehmercoach Marion Lang, die auch Teil der letztjährigen Workation auf Bali war. Sie sagte mir in einem Interview, dass es vor allem zwei relevante Kriterien gibt, die für selbständig handelnde Menschen extrem wichtig sind. Die wenigsten von uns haben Kenntnis davon, ganz einfach weil wir es weder in der Schule noch sonst im Leben gelernt haben:

Das ist zum einen die intrinsische Motivation (Grundmotivation), die uns in einen Fluß versetzt und unser Handeln mit Leichtigkeit vorantreibt. Der zweite Teil sind angelernte Strategien (Antreiber), die uns wie eine Peitsche vorantreiben. Sie sind nicht per se schlecht aber sie können im Gegensatz zur intrinsischen Motivation sehr anstrengend sein. Wichtig ist zu erkennen, wann die Antreiber positiv eingesetzt werden können und damit den Fluß des Grundmotives unterstützen.“

 

Werte kennen, Grundmotive stärken

Werte sind Teil deiner Persönlichkeit und Leitbilder für dein Handeln. Sie entwickeln sich bereits ab der 15. Schwangerschaftswoche und verändern sich nach der Pubertät nicht mehr. Im Laufe der Zeit mögen sich einige Werte stärker entfalten und andere werden von dir unterdrückt, du kannst aber nicht vor ihnen davonlaufen.

Diese Werte stehen in direkter Verbindung zu deiner Grundmotivation und deinen Antreibern. Sobald du sie erkannt hast, kannst du sie gezielt einsetzen und an ihnen arbeiten.

Dich selbst und deine Werte kennenzulernen, ist keine einfache Aufgabe, da du dich selbst natürlich nur aus der eigenen Perspektive siehst. Daher solltest du die Arbeit mit einem Coach unbedingt in Betracht ziehen. Da das natürlich eine Investition ist, sind Persönlichkeitstests ein guter Anfang.

Empfehlenswert ist die Lymbic Map, eine Wertekarte mit sieben verschiedenen Typen. In einem Online-Persönlichkeitstest wird analysisert, wie stark deine Ausprägungen hinsichtlich Dominanz, Stimulanz und Balance sind. Stehst du gerne im Wettbewerb? Brauchst du ständige Abwechslung? Wie hoch ist dein Wunsch nach Sicherheit? Sobald du deinen Wertemix kennst, weißt du, was dich in deinem inneren Kern antreibt.

Indem du die für dich wichtigen Grundmotive, die sich aus Werten ableiten, verstärkst, handelst du aus einer intrinsischen Motivation, die das Erreichen deiner Ziele deutlich leichter macht. Handelst du gegen diese Motivation, fühlt sich alles nach Zwang an und benötigt viel mehr Energie.

Wenn du beispielsweise durch Grundmotive wie Kreativität, Risikofreude und Individualismus angetrieben wirst, verstärkt sich deine Motivation mit der Selbständigkeit. Andersherum sind stark ausgeprägte Werte wie Sicherheit, Heimat und Familie ein gutes Anzeichen dafür, dass du als digitaler Nomade auf viele innere Blockaden stoßen wirst.

 

Antreiber definieren, Erlauber setzen

Antreiber sind unsere inneren Stimmen, die auf antrainierten Verhaltensmustern basieren. Anders als unsere Grundmotive sind sie extrinsisch motiviert und meist zwanghaft. Diese Glaubenssätze können in bestimmten Situationen hilfreich sein, jedoch auch schaden, wenn sie zu stark ausgeprägt sind und uns in unserem Handeln einschränken. Es gibt fünf Antreiber – sei perfekt, sei stark, beeil dich, streng dich an, mach es allen recht – die bei jedem Menschen unterschiedlich stark ausgeprägt sind.

Wenn du Antreiber permanent gegen deine eigene intrinsische Motivation arbeiten lässt, sabotierst du dich selbst. Du bist nur durch die Peitsche getrieben und wirst immer müder oder im schlimmsten Fall krank“, sagte mir Marion dazu im Gespräch. „Deshalb solltest du mit Freude und Leichtigkeit aus deiner Grundmotivation heraus handeln. Wenn ich meine Werte und Vision im Leben verankert habe und bewusst entscheiden kann, wann ich was an welcher Stelle sinnvoll einsetzen kann, dann muss ich nicht ständig gegen Blockaden rennen, womit alles im Leben leichter wird. Du weißt genau, welche Strategie du einsetzen musst, welche Grundmotivation dich unterstützt, welche Werte genau in diese Richtung mitschwingen.“

Weißt du, was dich antreibt? Finde es ganz einfach heraus, indem du den Antreibertest machst. Mit Hilfe von 50 kurzen Fragen findest du heraus, was dich motiviert und was dich ausbremst. Sei dir bewusst darüber, welche Antreiber du hast und setze dir Erlauber, die deine hinderlichen Denkweisen entkräften. Gute Informationen zum Weiterlesen und zur Interpretation deiner Antreiber gibt es auf dieser Seite.

Wenn du durch den Wunsch getrieben bist, es immer allen recht machen zu wollen, dann erlaube dir, auch mal Nein sagen zu dürfen. Achte in deinem Alltag ganz bewusst darauf, wann ein Antreiber für dich hilfreich ist und wann er dich ausbremst.

Triff dann eine aktive Entscheidung darüber, ob du diesen Antreiber zulassen willst oder dir einen Erlauber setzt. Je bewusster du mit deinen Antreibern umgehst, desto schneller bilden sich neue Verknüpfungen in deinem Nervensystem, die hinderlichen Antreibern den Wind aus den Segeln nehmen.

 

Stärken stärken, Schwächen beseitigen

Neben diesen bereits im Kindesalter verinnerlichten Verhaltensweisen entwickeln wir im Laufe der Zeit neue Fähigkeiten. Viel zu oft fokussieren wir uns allerdings nicht auf unsere Stärken, sondern auf Defizite, die wir mit aller Macht beseitigen wollen.

Ich halte es für extrem wichtig, dass du deine Schwächen akzeptierst, anstatt dich von ihnen aufhalten zu lassen. So sehr viele von uns Multi-Potentials sein mögen, so sehr haben wir im Laufe des Lebens einige wenige Fähigkeiten entwickelt, auf die wir uns besinnen sollten.

Kennst du deine Stärken? Setzt du diese ganz gezielt ein? Auch das kannst du über Online-Tests herausfinden. Einer der bekanntesten Tests ist der kostenpflichtige StrengthFinder 2.0 des Gallup Institutes, wobei es auch gute kostenlose Tests zur Entdeckung deiner Fähigkeiten gibt.

Anders als bei dem Lymbic- und Antreiber-Test bin ich persönlich kein großer Fan solcher Potenzialanalysen im Internet. Um meine Stärken und Schwächen besser kennenzulernen, habe ich in der Vergangenheit Freunde und Geschäftspartner danach gefragt, wo sie meine größten Potenziale und Defizite sehen.

Genau diese Stärken fördere ich, indem ich mich weiterbilde und durch Erfahrungen lerne. Meine Schwächen beseitige ich, indem ich beispielsweise Arbeiten auslagere oder gar nicht erst Dinge mache, die nicht meinen Fähigkeiten entsprechen. Besonders wenn du gerade am Anfang deiner Selbständigkeit stehst, dann ist genau dies auch mein Ratschlag für dich: bediene dich deiner Stärken, anstatt zu versuchen, deine Schwächen zu beseitigen.

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12 Kommentare zu "Schlechte Ratschläge und innere Antreiber, die dir das Leben zur Hölle machen"

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Titus
Leser

Ich frage mich schon lange, ob man tatsächlich festgelegt ist in seiner Persönlichkeit. Ich habe mir zum Beispiel früher viel Mühe gegeben, aufgeschlossener und sozialer zu werden, obwohl ich immer auch sehr gerne nur für mich gewesen bin. Dadurch bleibt einem allerdings viel von der Welt verschlossen. Also habe ich angefangen mehr zu Reisen und bei Couchsurfing und Co Leute kennenzulernen. Insgesamt habe ich öfter versucht, auf Leute zuzugehen. Das wurde immer leichter und fühlte sich irgendwann auch natürlich an.

Ich würde sagen das hat sich gelohnt, denn ich bin viel extravertierter geworden und das bringt Vorteile mit sich. Aber habe ich tatsächlich meine Persönlichkeit verändert, oder habe ich sie einfach nur “gefunden”?

Das ist gar nicht so einfach zu sagen und ich wundere mich manchmal darüber, wie sehr Menschen sich doch verändern können. Ist Persönlichkeit , neben Grundmotiven, wie Du sie nennst (und wo ich auch zustimme), nicht zu einem großen Teil nur Gewohnheit?

Was man oft tut, das ist (wird) man.

Steve Schreiner
Leser
Steve Schreiner

Ich muss sagen, Wirelesslife ist mit Abstand der einzige Newsletter den ich tatsaechlich bewusst oeffne und komplett durchlese, da es Artikel wie diesen beherbergt. Es hat einen Mehrwert.

Eine gute Uebung, um zu sehen wo man selbst steht, schon vieles richtig gemacht hat und wo Verbesssungsbedarf ansteht.

Sebastian Kühn
Leser
Sebastian Kühn

Vielen Dank, Steve! Damit hast du mir gerade ein Lächeln ins Gesicht gezaubert 😉

Peter Kälin
Leser

Danke für diesen spannenden Artikel. Das erinnert mich an das “Inner Game Coaching” von Timothy Gallwey. Den letzten Satz finde ich sehr gut. Hätte ich mich damit vertieft vor der Selbständigkeit auseinandersetzen können, wäre ich wohl einige Male weniger gegen die Wand gelaufen. Naja, gewisse Leute brauchens 😉

Sebastian Kühn
Leser
Sebastian Kühn

Vielen Dank, Peter. Timothy Gallwey musste ich ehrlich gesagt erstmal googeln aber habe jetzt eines seiner Bücher auf meiner Leseliste.
Und ja, gegen die Wand bin ich auch ziemlich oft gelaufen. Ich glaube das wird auch noch öfter passieren, allerdings tut es mit der Zeit nicht mehr so sehr weh 😉

Roswitha Dobrick
Leser
Roswitha Dobrick

Interessanten Inhalt, gut geschrieben, ich habe es mit Interesse und hoffe mit Gewinn für mich gelesen. Vielen Dank.

Lutz
Leser

Der Antreibertest haut mir leider eine php Exception um die Ohren. In der Art schon öfter gesehen. Der Developer kann sich nicht vorstellen, dass der Referrer durchaus unbekannt sein kann und somit mit einem Default belegt werden muss.
Davon mal abgesehen, lässt man Exceptions nicht auf Anwender los.

So viel zu: “26. Für dumme Fehler habe ich wenig Verständnis.v” 😀

Analoger Digitalist
Leser
Analoger Digitalist

Großartiger Beitrag!

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