Die 7-Tage-Arbeitswoche: zwischen Lifestyle und Business

Zwei Wochen lang wollte ich mal den Laptop zulassen und so richtig abschalten. Dafür war mindestens genau so viel Vor- und Nachbereitung nötig, wie damals als Angestellter, der seinen Urlaub plant. Digitale Selbständigkeit bedeutet eben nicht nur Kokosnuss und Palmen, sondern oft auch goldener Käfig.

Die 4-Stunden-Woche verspricht mehr Zeit, Geld und Leben. Auch wenn es im Buch von Tim Ferriss nicht um die Wochenarbeitszeit, sondern eher um den Lifestyle geht, schwingt im Titel sehr viel Leichtigkeit mit. Viel zu schnell vermitteln Bücher oder Erfahrungsberichte auf Blogs den Eindruck, dass jeder im Handumdrehen sein Leben ändern kann. Und das von einem Extrem zum anderen.

“Das, was du hast, das will ich auch!”, solche E-Mails erreichen mich hin und wieder. Im Stillen fragen ich mich dann, ob der Absender sich seiner wirklich so sicher ist.

Wenn ich nur etwas in den Momenten poste, in denen ich mich gut fühle und dies der Welt zeigen möchte, dann bekommst du als Leser nie etwas von meinen Tiefpunkten und Zweifeln mit. Selbst wenn ich mal etwas Negatives poste, dann ist dies trotzdem nicht ungefiltert.

Ich kenne viele viele digitale Unternehmer (mich eingeschlossen), die 50-60 Stunden in der Woche arbeiten. Wir reden uns dann ein, dass es sich nicht wie Arbeit anfühlt, da es uns Spaß macht und wir mit diesem Lifestyle Business unseren Leidenschaften folgen. Das stimmt zu einem gewissen Maße, dennoch ist es Arbeit, die zwar selbständig ist aber Verpflichtungen mit sich bringt.

Mich stresst es immer mehr, ständig online zu sein, und viele feste Termine in meinem Kalendar zu haben. Über die letzten 4 Jahre wurde ich immer weniger flexibel in der Entscheidung, wann, wo und wie lange ich arbeite. Aus der großen Freiheit der digitalen Selbständigkeit wurde ein goldener Käfig.

Ich möchte dir weder den Mut zur digitalen Selbständigkeit nehmen, noch das ortsunabhängige Leben schlecht reden. Was ich mit diesem Artikel möchte, ist, dich für einen Lebensstil zu sensibilisieren, der zu oft als das Non Plus Ultra für freiheitsliebende Menschen dargestellt wird. Diese Perspektive hilft dir hoffentlich bei der Suche nach dem für dich passenden Lebensentwurf.

 

Kompromiss zwischen 4-Stunden- und 7-Tage-Woche

Nur 4 Stunden in der Woche zu arbeiten und dabei gutes Geld zu verdienen, ist definitiv möglich, nachdem man sich passive Einkommensströme einmal aufgebaut hat. Das habe ich selbst erfahren und sehe es bei vielen Bekannten.

Warum du selten von diesen Leuten hörst, die tatsächlich nur ein paar Stunden in der Woche arbeiten?

Ganz einfach, weil sie nicht in der Öffentlichkeit stehen möchten, denn das bedeutet ganz automatisch Mehraufwand. Sie haben ihr funktionierendes Geschäftsmodell gefunden und posaunen es nicht in die Welt.

Was wir zu Gesicht bekommen, sind Blogger, YouTuber und Dienstleister, deren Marke stark an die eigene Persönlichkeit gekoppelt ist. Das ist aber nur die Spitze des Eisbergs. Ich bin überzeugt, dass wir 90% der wirklich erfolgreichen Online Unternehmer nie zu Gesicht bekommen, weil sie ganz bewusst anonym operieren. Schade eigentlich, da sie sicher viel Know-How zurückgeben könnten.

Zu Beginn meiner Selbständigkeit habe ich ein halbes Jahr lang 20-30 Stunden in der Woche in den Aufbau von Affiliate Nischenseiten gesteckt. Ein Jahr später konnte ich sehr gut davon leben und musste für mein Einkommen nicht mehr als 4 Stunden in der Woche arbeiten.

Ich glaube nicht, dass diese Nischenseiten über viele Jahre hinweg funktionieren, ohne dass ich sie regelmäßig pflege, aber dennoch verdienen sie mir auch heute noch, 3 Jahre später, einen Großteil meines passiven Einkommens.

Eigentlich hätte ich es mir mit den Affiliate Seiten bequem machen können, kam aber dann auf die glorreiche Idee, einen Blog inklusive Community zu starten. Die Wochenarbeitszeit stieg von theoretischen 4 auf weit über 40 Stunden. Mein Einkommen stieg leider nicht um den Faktor 10, sondern veränderte sich lange Zeit gar nicht.

Warum also der ganze Stress?

Weil es mich ganz einfach nicht befriedigt, Affiliate Seiten zu bauen oder Chinaware zu vertreiben. Sich ein passives Grundeinkommen zu schaffen und etwas zu tun, mit dem man für sich und andere Menschen einen Mehrwert schafft, muss nicht das Gleiche sein.

Gutes tun sollte jedoch nicht zwangsläufig dazu führen, zum Workaholic zu werden. Für mich muss es eine Balance aus Money-Business, Passion-Business und Freizeit sein, nach der ich immer noch suche.

Diesen Kompromiss zu finden, anstelle Regenbögen und Einhörnern hinterherzujagen, ist wohl die echte Kunst des digitalen Unternehmertums. Es muss nicht das eine oder andere Extrem sein, sondern ein für mich passender Lebensentwurf, der sich wohl irgendwo in der Mitte zwischen Ortsunabhängigkeit und Bodenständigkeit befindet.

 

Freedom Business vs. goldener Käfig

Von außen betrachtet sieht also alles so lockerleicht aus – Buchveröffentlichung, Workations, Coaching, Vorträge und nebenbei um die Welt reisen. Lange Zeit habe ich das auch selbst so gesehen.

Irgendwann kam die Realisation, dass meine Flexibilität mit wachsendem Zuspruch und Projekten immer mehr beschnitten wird. Zwar kann ich immer noch selbst bestimmen, wann ich morgens anfange zu arbeiten und ob ich den Nachmittag lieber im Park oder im Café verbringe aber einfach mal tagelang gar nicht arbeiten, wenn mir danach ist, geht nicht. Okay, geht schon, aber dann hätte ich in spätestens einem Jahr kein Einkommen mehr.

Was ist aus dem Freedom Business geworden, das so viel Unabhängigkeit verspricht?

Es war von Anfang an eine Wunschvorstellung. Niemand ist primär ein digitaler Nomade, Lifestyle Entrepreneur oder Freedom Fighter – zuallererst sind wir Selbständige mit allen Freiheiten aber auch Verpflichtungen.

Genau daran solltest du denken, wenn du in die digitale Selbständigkeit startest. Nicht nur daran, wie du dich finanziell über Wasser hältst, um deine Reisen zu finanzieren, sondern auch, wie lange du Erfüllung in deiner Arbeit findest und wie sehr du dich von einem bestimmten Geschäftsmodell abhängig machen möchtest.

Definiere für dich, wo deine Prioritäten zwischen Lifestyle und Business liegen. Erfüllt es dich, unternehmerisch tätig zu sein? Oder ist die Selbständigkeit nur ein Mittel zum Zweck, für einen Lifestyle mit mehr Selbstbestimmung?

Wir lachen immer über die traditionelle Work-Life-Balance und tun es als etwas ab, das wir als Lifestyle Entrepreneure nicht brauchen. Das halte ich mittlerweile für falsch. Wir können nicht 24/7 sowohl Unternehmer, Reisender als auch liebender Partner sein.

 

Gedanken zur Skalierbarkeit

Ein Online Business kann zu großen Teilen automatisiert werden und ist wunderbar skalierbar. Was macht es schon für einen Unterschied, ob ich 1.000 oder 100.000 Blogleser im Monat habe? Oder ob ich einen Videokurs 5 mal oder 500 im Monat verkaufe?

Ist der Blogartikel, das Infoprodukt oder die Software einmal erstellt, kann sie schließlich ohne großen Mehraufwand und weitere Kosten x-fach ausgeliefert werden.

Mit diesem Punkt stimme ich nicht überein. Skalierbarkeit ja, aber Wachstum funktioniert selbst bei einem richtig gut automatisierten Online Business nicht ohne Mehraufwand und -kosten.

Mit wachsenden Verkaufs- oder Leserzahlen wirst du mehr E-Mails oder Anrufe erhalten, bei denen Support verlangt wird. Du wirst Anfragen für Interviews und Kooperationen aller Art bekommen. Nimmst du diese an, beschleunigst du den Wachstum deines Geschäftes … und deine Verpflichtungen.

Da der Wachstum im besten Fall nicht geradlinig, sondern überproportional geschieht, dreht sich das Rad irgendwann immer schneller. Wenn deine Zeit für die größer werdende Last an Aufgaben nicht mehr ausreicht, heißt die vermeintlich einfache Lösung: Outsourcen.

Du lagerst also Aufgaben aus und bezahlst jemanden dafür, dass er oder sie dir ein paar Stunden Zeit in deinem Kalendar schafft. Nun stehst du allerdings auch unter Zugzwang, mehr Geld zu verdienen, um die ausgelagerten Arbeiten zu bezahlen.

Also wieder auf zu mehr Wachstum, mehr Aufgaben auslagern, mehr Rechnungen am Monatsende bezahlen, mehr Effizienz, mehr Produkte, mehr, mehr, mehr …

Es ist wie ein Sog, in den du hineingezogen wirst und mit der Zeit immer schwerer durchbrechen kannst. So zumindest, wenn du nicht natürlich, sondern auf Teufel komm raus skalieren willst.

Auch wenn ich einen Teil meiner Arbeit abgebe, gibt es andere Bereiche, die mir viel zu persönlich sind, um sie auszulagern. Der Grund dafür ist, dass meine Marke sehr stark an meiner Person hängt.

Mit Wireless Life habe ich eine Mischform zwischen Personal und Product Branding aufgebaut, da ich mir immer offenhalten wollte, mich etwas daraus zurückzuziehen. Die Marke ist neutral aber steht stark in Verbindung mit meinem eigenen Namen. Einige meiner Angebote sind stark an meine Person gebunden (Coaching, Meetups) und andere eher an die Marke (Workations, Wireless Life Guide).

Die Arbeit an meinem Blog und den immer mehr werdenden Angeboten hat mir immer Spaß gemacht und tut es auch heute noch. Aber ganz schleichend ist aus diesem tollen Lifestyle Business ein goldener Käfig geworden, in dem die Unabhängigkeit nur noch in einem bestimmten Rahmen möglich war.

Ich kann dir nur raten, dir von Anfang an Gedanken darüber zu machen, wie stark dein Geschäftsmodell von dir selbst abhängig sein soll und wie stark du es skalieren möchtest.

 

Ein paar gut gemeinte Ratschläge

Meine Absicht mit diesem Beitrag war es nicht, dir die Lust an der digitalen Selbständigkeit zu nehmen. Ich wollte dir lediglich ein ungeschminktes Bild davon geben, mit welchen Problemen ich zu kämpfen hatte und immer noch habe.

Nach wie vor möchte ich mein Leben nicht eintauschen, vor allem nicht gegen eine Festanstellung. Was ich möchte, ist ab und an mal auf die Bremse treten und mir Auszeiten gönnen. Das liegt natürlich ganz bei mir, hätte aber einfacher sein können, wenn ich vor ein paar Jahren um einige Erfahrungen reicher gewesen wäre.

Deshalb möchte ich dir, besonders wenn du noch am Anfang deiner digitalen Selbständigkeit stehst, ein paar kleine Tipps geben:

  • Folge nicht blind “Vorbildern”, die ihren Lifestyle auf Blogs und in sozialen Netzwerken einseitig kommunizieren.
  • Bringe dich nicht selbst in eine Situation, in der du denkst, ständig erreichbar sein zu müssen.
  • Überlege dir genau, wie stark deine eigene Person von deinem Geschäftsmodell abhängig sein soll (Personal vs. Product Branding).
  • Vermische nicht zwangsläufig dein Money-Business, das deinen Lebensunterhalt sichert, mit deinen Leidenschaften.
  • Definiere für dich, welche Priorität bei deinem Lifestyle Business auf dem “Lifestyle” und auf dem “Business” liegen.
  • Nimm dir bitte, bitte Auszeiten, auch wenn du noch so viel Spaß bei deiner Arbeit hast.

 

Meine eigenen Ratschläge muss ich mir selbst immer wieder ins Gedächtnis rufen, um nicht vom richtigen Weg abzukommen. Ich merke nun nach über 4 Jahren digitaler Selbständigkeit mit einigen Extremen, dass ich immer näher an meine eigene Balance herankomme. Das ist ein Prozess, der sicher nicht so schnell endet.

Ich wünsche dir, dass du dich nicht blind in das Abenteuer Ortsunabhängigkeit stürzt, sondern einen offenen Geist für alle Perspektiven hast.

Danke für 46 Kommentare

Wir freuen uns über deine Fragen, deine Hinweise und dein allgemeines Feedback. Wenn du eine spezielle Frage zum Beitrag hast, schaue bitte zuerst in den bisherigen Kommentaren nach, ob du die Antwort dort findest.

46 Kommentare zu "Die 7-Tage-Arbeitswoche: zwischen Lifestyle und Business"

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Alina & Deian
Leser

Sehr interessanter Artikel. Wir haben letztes Jahr begonnen, sieben Tage die Woche zu arbeiten und konnten jetzt feststellen, dass unsere Produktivität besser ist. Das lässt sich natürlicher nicht verallgemeinern, da jeder ein unterschiedliches Business hat. Unser Tag ist recht flexibel und wir haben keinen klaren Ablauf. Morgens machen wir mal sport, mal gehen wir einkaufen; danach wird gearbeitet; später wird mal Nintendo Switch gezockt. Das Abschalten erfolgt zwischen den einzelnen Aufgaben und es passt gut bei uns.

Wir denken, dass jeder selbst testen sollte, welcher Lebensstil besser zu ihm passt. Leider liest man zu häufig von 4-Stunden-ArbeitsWochen und anderen Utopien, die eher unrealistisch sind. Anstatt sich davon beeinflussen zu lassen, kann man einige Monate selbst experimentieren.

Bei uns liegt der Arbeitstag im Schnitt bei 4 Stunden – und das ist uns lieber, als von Montag bis Freitag etwa 6 Stunden täglich zu arbeiten.

Tom
Leser

Sehr vielseitiger und interessanter Artikel.
Leider habe ich es noch nicht geschafft mit meinem eigenen Business genug zu verdienen um mich Selbständig zu machen.
Ich finde deinen Artikel aber auch für Berufstätige hoch interessant!
Gruss
Tom

Stefanie
Leser

Das ist wieder ein toller Artikel geworden, Sebastian. Und sehr ehrlich!
Ich wünsche Dir, dass Du Deine Balance findest. Ich befürchte allerdings, dass Du sie irgendwann auch wieder verlieren wirst. Dann nämlich, wenn eine neue Geschäftsidee Deine volle Aufmerksamkeit und Motivation einfordert 🙂 So ist es bei mir.
Das macht aber ja auch nichts. Denn ich bin davon überzeugt, dass wir mit der Zeit immer besser darin werden, ein Ungleichgewicht zu erkennen und dagegen zu steuern.

In diesem Sinne wünsche ich uns einfach ein erfülltes Leben 😀
Herzliche Grüße aus der Normandie von Stefanie

PS: Vielleicht schaffen wir es ja irgendwann auch mal uns persönlich kennen zu lernen!

Holger Schönhardt
Leser
Sei gegrüßt Sebastian, Sehr wichtig dieser Beitrag. Warum? Weil sich viele was vormachen! Weil sie Leuten oder Glaubensätze hinter her rennen die nur Schall und Rauch sind. Weil viel denken: Wenn ich den Kurs und dieses Produkt kaufe, dann werde ich auch glücklicher, zufriedenener und erfolgreicher. Pustekuchen. Erfolg kommt von Arbeit, von vielen Stunden Selbstzweifel, Trauigkeit, Niedergeschlagenheit. Um dann irgendwann einmal den Punkt wahr zu nehmen, ick habe es geschafft oder auch Erfolg. Meistens fällt man vorher mehrmals auf die Schauze. Und leider herscht in Deutschland eine Kultur denen die auf die Schnauze gefallen sind noch hinter her zu treten. Anstatt dankbar zu sein für das was sie geleistet haben und dass sie wieder aufgestanden sind und weiter machen. Ich habe fünf Firmen mit aufgebaut, war zweimal selbständig und bin doch finanziell nicht weiter gekommen. Menschlich ja, auch persönlich nur eben finanziell nicht. Ist das schlimm? Nein, weil ich gelernt habe, auf mich zu achten, auf mein “inneres Ich” zu hören, zu lernen das “innere Ich” und det “äußere Ich” zu versöhnen. Det kostet Zeit, Mut und Kraft. Wer bringt die auf und wer ist dazu bereit? Dann die Fragen die durch unser soziales Umfeld und durch die Gesellschaft sich… Mehr lesen »
Gwendolin
Leser

Hey Sebastian,
ein toller Artikel! Habe ihn gleich gelesen, komme aber erst jetzt dazu auch einen Kommentar zu schreiben :-). Haaaach, es ist so schön endlich mal einen ehrlichen Artikel zu lesen und ich habe mich an vielen Stellen wiedergefunden! Ich denke es ist super wichtig auf dem eigenen Weg zu bleiben – Du hast das in diesem Artikel sehr schön auf den Punkt gebracht!!!

Julius
Leser

Schöner Artikel. Hab ihn gerade erst gelesen.

Johanna
Leser

Sebastian, du sprichst mir aus der Seele!
Ich stehe ja selber noch irgendwo zwischen “ganz am Anfang” und “erste Erfolge”. Aber die Erkenntnis, dass für mich zum Erfolgreichsein NICHT dazu gehört, bekannt zu sein, die hat mich nach der We Blog For Change Konferenz voll erwischt!! Deine Worte haben es nochmal klar und deutlich ausgedrückt und ich schätze, ich werde eine von den sehr erfolgreichen, aber sehr unbekannten Online Unternehmerinnen werden 😉

Danke für den Einblick und ich hoffe, wir sehen uns dann bald in Chiang Mai 🙂

Alles Liebe
Johanna

Gustav
Leser
Gustav

Ich sag nur: Cashflow-Quadrant. “Selbstständigkeit” bezeichnet man im englischsprachigen Raum auch “self-employment”, was die ganze Sache ehrlicher beschreibt: Du bist bei dir Selbst angestellt, aber ohne die ganzen Vorteile eines Angestellten. Wer mehr Zeit für sich haben will, muss in Richtung Unternehmer bzw. Investor gehen. Aktienfonds z.b. sind wahrscheinlich die passivsten Einnahmequellen die es gibt.

Man muss sich seine Freiheit auch zurückholen. Ich bin nicht ständig erreichbar, aber man kann sich in meinen Kalender eintragen und ich ruf dann an. Die Telefonzeiten sind natürlich auf 4 Stunden am Tag reduziert bzw. an meine momentane Lebenssituation angepasst. Das gibt Planungssicherheit für beide Parteien. Klappt natürlich nur, wenn es in deinem Business keine dringenden Deadlines gibt.

Das größte Problem bei Menschen, die wenig Zeit haben ist, dass sie sich selbst Steine in den Weg legen. Beispielsweise kenn ich Leute, die ohne aufwendigen Blog Infoprodukte für Tausende von Dollar verkaufen. Generell halte ich diesen Blog-Hype für dämlich, weil es unnötig schwer ist sein Geld damit zu verdienen. Und wer seine Persönlichkeit mit hineinbringt, kann sich meistens von der vier Stundenwoche verabschieden. Ich finde meinen vier Stunden Tag mit Wochenenden aber auch angenehm genug.

Tobias Bujok
Leser

Ich kann meinen Vorgängern nur zustimmen. Danke für deine Ehrlichkeit.

Johannes
Leser
Johannes

Danke – sehr fein! Kluge Gedanken und hilfreiche Ratschläge, weil sie sich sich nicht aus Träumen ergeben, sondern aus Erfahrung.
““Das, was du hast, das will ich auch!”,
solche E-Mails erreichen mich hin und wieder.
Im Stillen fragen ich mich dann, ob der Absender sich seiner wirklich so sicher ist.”
Gelegentlich gönne ich es mir, bösartig zu werden, wenn ich neidvolle Kommentare zu meinem Lebensstil höre. Sie sagen mehr über den Absender aus, ich bin dabei nicht mehr als Projektionsfläche von Wünschen.
Wie wär’s mit Realität? 24/7 online, häufig reaktiv wie ein Support-Mitarbeiter, unzureichende Trennung zwischen Job und Privatleben, usw.. “Kannst du gerne haben, wenn du bereit bist, vieles deiner Bequemlichkeit aufzugeben.”
Der Nomaden-Hype besteht zu einem guten Teil allein aus der (berechtigten, aber oft nur naiven) Sehnsucht nach Alternative zu ‘9 to 5’. Und hat oft nichts mit der Wirklichkeit zu tun.

Tobias
Leser
Tobias

Hallo Sebastian,
danke für Deine offenen Worte. Es ist so wichtig auch diese Seite zu beleuchten, bleibt man damit doch auf dem Boden der Tatsachen. Als selbständige Pflegefachkraft baue ich gerade einen Blog für die Community der Honorarpflegekräfte auf und habe mir gerade dazu viele Gedanken gemacht die ich durch Deinen Betrag bestätigt finde. Danke für diesen wertvollen Artikel.

Jürgen
Leser

Sebastian,
danke für diesen Artikel, ich denke gerade Neu- oder Quereinsteigern, die erst ihre Erfahrungen machen müssen ist dieser sehr hilfreich. Doch selbst uns alten Hasen fällt es oft schwer die richtige Balance zu finden, gerade in Zeiten in denen man neue Projekte am Start hat.

Für uns funktioniert das sehr gut wenn wir unterwegs sind, leben wir doch gerade für einige Monate in Italien. Vormittags wird gearbeitet und dann ab Nachmittag ist Freizeit angesagt. Kein Internet (bewusst).

Abends nochmal die Mails checken und gut ist es bis zum nächsten Morgen. Ich bin schon gespannt wie sich das entwickelt wenn wir wieder für einige Zeit zuhause in Österreich sind.

LG Jürgen

Marcel
Leser

Hallo Sebastian, viel zustimmendes Kopfnicken und das am Sonntag vormittag 😉 Wieder ein guter Artikel der Menschen wie mir, die die Digitale Selbständigkeit wagen, Orientierung gibt.

Tiziana Maria
Leser
Tiziana Maria
Lieber Sebastian, selten habe ich so ein inspirierendes und gleichzeitig ehrliches Beitrag zum Thema gelesen. Das Problem trifft nicht nur wir “Nomaden” sondern schlicht und einfach jeder die sein (Arbeit)Leben in den eigenen Händen nimmt. Die selständigkeit bringt zusammen mit dem Gefühl von Freiheit das enormes Risiko des Selbstausbeutung , gegen Ausbeutung seitens eines Arbeitsgeber gibt es (noch) Gesetze, gegen Selbstausbeutung müßen wir selber unsere eigene Gesetze entwerfen und konsequent anwenden. Ich glaube ehrlich gesagt nicht dass es eine wahre Freiheit , und nicht nur ein Gefühl der Freiheit, erreichbar sei, wenn wir uns nicht von der Logik des kontinuierliche Wachstum endgültig verabschieden. Wir sollten uns Ziele setzen, auch finanzielle Ziele, und wenn diese Ziele erreicht sind auf Erhaltung und nicht auf weiteres Wachstum setzen. Es klingt wie Stagnation aber es ist nicht damit zu vergleichen. Ein großes Beispiel war für mich die Entscheidung eines ganzes Land -der Buthan- sich auf Erhaltung und nicht auf Wachstum zu konzentrieren. Unseres grostes Feind ist die natürliches Gier des Mensch, ich möchte nicht Gier moralisch urteilen, wenn ich Gier analysiere entpuppt sie sich für was sie im Endeffekt ist: Angst und Unsicherheit über die Zukunft auf der Spitze getrieben. Dagegen fühle ich mich… Mehr lesen »
Roman
Leser
Hi Sebastian, wie immer ein sehr interessanter Artikel! Schön, auch mal etwas über die Schattenseiten der Selbstständigkeit zu lesen. Alles ist nicht immer rosa, aber ich glaube, dass man erst einmal ein paar Jahre “drin” sein muss, um die hier beschriebene Situation nachvollziehen zu können. Als “Anfänger” überwiegt dann ja meistens noch die Motivation etwas aufzubauen – auch wenn man dafür 60 Stunden per week arbeiten muss. “Ich kann dir nur raten, dir von Anfang an Gedanken darüber zu machen, wie stark dein Geschäftsmodell von dir selbst abhängig sein soll und wie stark du es skalieren möchtest. ” >> Damit bin ich nicht ganz einverstanden… Zuerst einmal ist es schwer, die Skalierbarkeit eines Businesses einzuschätzen, das man noch gar nicht kennt (zumindest wenn man seine erste Website/Shop/Blog usw. launcht und darin keine Erfahrung hat). Wenn man sich an diesen Satz halten würde, würden wahrscheinlich viele Personen gar nicht erst ihr Business launchen – das Problem der Skalierbarkeit betrifft nämlich jede Art von Unternehmen. Ich finde, man sollte loslegen und erst mal schauen wie es läuft. Vielleicht hat man nach 2 Artikeln ja schon die Schnauze voll vom Bloggen… Läuft es erst einmal, kann man immer noch die Skalierbarkeit anpassen (z.B.:… Mehr lesen »
Michi
Leser

Sehr interessanter Artikel. Ich wünsche dir, dass du die Balance findest und weiterhin Spaß an deinem Lebensstil hast.

Matthias Ernst Holzmann
Leser

Ich kenne auch die Schwierigkeit, abzuschalten, habe aber nicht das Bedürfnis, mir ein paar Tage am Stück frei zu nehmen. Noch bin ich in der glücklichen Situation, dass ich eher eine Krise bekomme, wenn ich mal einen Tag nichts machen darf, selbst wenn ich gerade auf Teneriffa, in den Alpen oder sonst wo bin.

Allerdings habe ich Termine von Anfang an gemieden wie der Teufel das Weihwasser! Ich hasse es, irgendwo hin zu müssen, und in 95% aller Fälle bestimme ich ganz alleine, was ich wann mache. Da ich wie gesagt jeden Tag etwas machen will, besteht für mich die ganze Kunst darin, irgendwann am Tag zu sagen, dass jetzt Feierabend und Morgen auch noch ein Tag ist.

Aber lange Zeit ist mir das nicht gelungen und ich war oft überfordert von dem Druck, den ich mir selbst gemacht habe!

Jojo
Leser

Auszeiten sind super wichtig. Nur fällt es mir oft sehr schwer diese zu wollen. Es ist schon so etwas wie eine Sucht, die mich zu meiner Arbeit hinzieht. Ob ich das irgendwann bereue? Mal schaun. Aber achtsam sollten wir sein. Deshalb, Daumen hoch für diesen Artikel.

Didier Hartmann
Leser
Sehr ehrliche Worte. Ich fand dein Buch schon sehr gut geschrieben, hab dann aber in Berlin bei dem Meet-Up gemerkt, dass es mir gar nicht darum geht, immer Unterwegs sein zu können (schon gar nicht mit Familie), sondern Wissen zu sammeln in einem von mir lang vernachlässigten Feld: die Möglichkeiten der Online-Welt. Arbeiten tue ich lieber direkt mit Menschen, sei es im Sport oder in der Therapie. Aber die Möglichkeiten des Internets nicht zu kennen, um sich zum Beispiel als Experte zu positionieren und zusätzliche Einnahmequellen zu erschliessen, wäre dumm. Zum Thema Balance kann ich soviel sagen: die Tagesgestaltung (egal wo, egal was es alles zu tun gibt) ist für mich von grosser Bedeutung. Ich persönlich beginne kaum einen Tag ohne Training. Ich hab mit 10 Minuten angefangen, dann 30, jetzt sind es im Schnitt 2h. Wenn ich körperlich ausreichend aktiv bin, kommen weniger trübe Gedanken, und ich habe automatisch Appetit auf gesundes Essen. Ausserdem fühle ich mich den ganzen Tag wohl in meiner Haut. Und nach 3 Stunden PC Arbeit, merke ich auch automatisch, das muss jetzt reichen. Was ich noch verbessern möchte: abends öfter was mit unterschiedlichen netten Leuten/Freunden was unternehmen. Mein Kung fu Lehrer drückte es mal… Mehr lesen »
Olaf Weyer
Leser
Olaf Weyer

Ich habe fuer einen meiner Kunden eine vetraglich feste Arbeitszeit von 40 Stunden die Woche fuer den ich von 9 to 5 Customer Service vom Laptop mache. Das ist wahrscheinlich die sicherste Variante und so bin ich mit country hopping nur etwa alle 4 Monate vermutlich sowas wie ein Mini-Nomade 🙂

oli
Leser

Ich verstehe das vollkommen, was du hier schilderst und mir gehts selber auch oft ganz ähnlich. Aber letztlich liegt es an jedem einzelnen, wie viel Zeit er in seine Projekte stecken will. Du könntest problemlos eine oder zwei Workation weniger pro Jahr organisieren. Oder du könntest nur noch halb so viele Interviewtermine wahrnehmen. Du könntest auch 20 Prozent weniger Artikel für den Blog schreiben. Das würde vielleicht dein Wachstum etwas bremsen, aber vermutlich in einem kaum spürbaren Rahmen. Ich denke, das Schwierige ist, auch manchmal “nein” zu sagen und mehr an sich selber zu denken.

jasmine
Leser
jasmine

sehr schöner Artikel.
Es gibt doch nichts schöneres mit seiner Leidenschaft Geld zu verdienen. Arbeiten wann immer man will. Wenn andere schuften, bei schönem Wetter im Sommer schwimmen zu gehn oder auf Reisen. Das ist so herrlich. Keinen chef, kein Stress, niemand der einem tyrannisiert. Und mehr Einfluss auf den eigenen Verdienst.
Das Leben ist so schön. Man muss eben nur wissen, wie man es macht.
Nie wieder als Sklave in einer Festanstellung.

Gil
Leser

Super Beitrag Basti! Spricht mir aus der Seele – arbeite gerade an einem Talk für die BusinessFreiheitskonferenz in Hamburg in dem ich genau auf diese Punkte der ständigen Erreichbarkeit und Pseudo 4-Stunden Woche aufmerksam machen will 🙂 Ich glaube ich muss da was zitieren, darf ich Basti

Robert Kremer
Leser

Toller Beitrag, vielen Dank!

Ich habe für mich selbst gemerkt, dass das auch Content- und Social Media Marketing viel von meiner Zeit fressen (obwohl sie natürlich ein tolles Marketinginstrument sind!). Deswegen überlege ich mir bei meinem “Money Business” mehr auf PPC Anzeigen und gezielte SEO Texte zu setzen, um so dann die Arbeit für die Erstellung von regelmäßigen Inhalten zu sparen. Diese gewonnen Zeit will ich dann tatsächlich nicht mehr für Arbeit, sondern für andere Werte in meinem Leben wie Freunde, Partner oder Familie investieren.

Desweiteren habe ich für mich auch entschlossen aus meinen Leidenschaften gar kein Business zu machen, sondern diese gezielt “sinnfrei” und ohne Monetarisierungsabsichten auszuleben.

Hier noch ein toller ILM Podcastbeitrag, der zu dem Thema passt: http://www.earthcity.de/i-love-mondays-060-die-gefahren-des-ortsunabhaengigen-lebensstils/

Liebe Grüße,
Robert

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